Der in Pakistan geborene Dichter und Schwulenaktivist Ifti Nasim (64), der in Chicago an einer Herzattacke starb, wurde einst in seinem Heimatland wegen seiner sexuellen Orientierung verfolgt. Nasim kam 1971 in die USA und wurde als Urdudichter bekannt. Er gründete Sangat, eine Schwulen- und Lesbenorganisation, und half vielen schwulen und lesbischen Pakistani und Indern in die USA auszureisen. / Times of India
Seit 1990 vergibt das Afro-arabische Kulturforum in Assilah (Marokko) in jedem zweiten Jahr einen nach den kongolesischen Dichter Tchicaya U Tam’si (1931 – 1988) benannten Literaturpreis. In diesem Jahr erhielt ihn der marokkanische Autor und Übersetzer Mehdi Akhrif und die senegalesische Autorin Fama Diagne Sene.
Mehdi Akhrif veröffentlichte seit 1979 Lyrik und Prosa und übersetzte u.a. Fernando Pessoa. Fama Diagne Sene, Direktorin der zentralen Universitätsbibliothek in Bambey (Senegal) veröffentlichte Lyrik, Novellen, Kindergeschichten, Romane und Dramen. Sie erhielt 1997 den Grand Prix du Sénégal pour les Lettres und 2003 den Prix de la Poésie in Genf.
Der Preis wurde bisher u.a. an Edward J. Maunick (Insel Mauritius), René Depestre (Haïti), Ahmed Abdel Mo’ti Higazi (Ägypten) und Niyi Osundare (Nigeria) vergeben. Die Jury wird von dem senegalesischen Schriftsteller Alioune Badara Bey geleitet, der auch Präsident des senegalesischen Schriftstellerverbands ist. / El Watan 26.7.
Der Titel der Biennale „A Terrible Beauty is Born“ bezieht sich auf ein Gedicht des irischen Dichters William Butler Yeats.
Mit diesem Gedicht hat Yeats ein wichtiges historisches Ereignis analysiert. Es handelt von der Osterrevolution in Dublin 1916, bei der hunderte Iren für die Unabhängigkeit von der britischen Herrschaft kämpften. Zunächst wusste Yeats nicht, wie er dieses Ereignis beurteilen sollte. Werden die Freiheitskämpfer als Helden in die irische Geschichte eingehen oder sind sie Opfer, die an diesem Tag sinnlos ihr Leben verloren? Sein Gedicht ist eine literarische Analyse eines Ereignisses, das die Gegensätze von Horror und Tragik, Freude und Hoffnung vereint. / monopol
Text des Gedichts
Der Lyriker David Blair aus Detroit ist tot, berichtet The Metro Times. Blair war Gewinner des National Poetry Slam. Sein erster Gedichtband, Moonwalking, erschien im April 2010. Er trat auch mit der örtlichen Band The Boyfriends auf und lehrte Lyrik und Musik an Detroiter Schulen. / mlive
BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE
It is estimated that one out of five Americans enjoys spending time bird watching, or birding, and here’s a poem for some of those people by Kathleen M. McCann, who lives in Massachusetts. I especially like the way she captures the egret’s stealthy motion in the second stanza.
Lone Egret
Classically stagy, goose-neck
elegant, river’s third eye.
Pencil thin head. S
for a throat. Skeleton of a saint.
Plodder, preening posturer.
One foot,
another.
Up from the dank weeds.
American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©2010 by Kathleen M. McCann, whose most recent book of poetry is A Roof Gone to Sky, Carpenter Gothic Publishers, Inc., 2010. Reprinted from South Dakota Review, Vol. 48, no. 1, 2010, by permission of Kathleen M. McCann and the publisher. Introduction copyright © 2009 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.
Unter der Überschrift „Das Geheimnis des Todes von García Lorca endgültig gelöst?“ bericht L’Express:
Ein spanischer Historiker hat vor kurzem ein Buch veröffentlicht, das die Identität der Mörder des Dichters García Lorca und seine Grabstätte enthüllt. Miguel Caballero schrieb drei Jahre an dem Buch Las trece últimas horas en la vida de García Lorca (Die dreizehn letzten Stunden im Leben García Lorcas), das am 21.6. erschien. Mit Hilfe von Armee- und Polizeiarchiven rekonstruierte er den Tod des Dichters, der am 19.8. 1936 in Viznar erschossen wurde. Er fand die Namen von 6 Personen, die freiwillig oder auf militärischen Befehl hin García Lorca und drei weitere Menschen hinrichteten. In einem Interview mit Rue89 erklärte der Historiker, nur einer dieser Männer habe mit einer gewissen Freude auf den Abzug gedrückt. Es handelt sich um Antonio Benavides, ein entferntes Mitglied der Familie García Lorcas, der von alten Familienstreitigkeiten erfüllt war. Die anderen Männer hätten auf Befehl gehandelt.
Miguel Caballero glaubt auch zu wissen, wo sich das Grab des Dichters tatsächlich befindet. Zwischen den Dörfern Viznar und Alfacar in der Provinz Granada sei er zusammen mit einem Lehrer und zwei Anarchisten begraben worden. 2009 hatte man in der Nähe von Alfacar gegraben, aber nichts gefunden. Der Historiker glaubt, daß man sich im einen halben Kilometer vertan habe.
Das Genter Collegium Vocale begleitet das Geschehen in „Bloed en Rozen“; geradezu in die Choreografie einbezogen ist Björn Schmelzers Antwerpener Vokalensemble Graindelavoix mit ihrer Ars Subtilior in Anne Teresa De Keersmakers „Cesena“.
Die neue Arbeit der Choreografin war zu ungewöhnlicher Stunde zu sehen: In der Morgendämmerung ab 5.30 Uhr, zwischen Tag und Traum, zwischen Ahnen und Sehen. „Cesena“ geht auf eine Geschichte aus der Zeit der Gegenpäpste aus dem Jahre 1377 zurück. Aber der Papstpalast erlebte auch eine Fusion aus Pop, Rock und Poesie: Jean Genets Gedichte präsentierte Jeanne Moreau zusammen mit dem Chansonnier Etienne Daho im Ehrenhof. Mit unnachahmlicher Stimme sprach die Moreau die frühen Gedichte des einstigen Freundes, zu den bitter-süßen Harmonien des Etienne Daho. Eine einstündige Hommage, sprachlich und musikalisch hoch konzentriert. / Eberhard Spreng, Tagesspiegel
Ein offensichtlich optimistischer und energischer Präsident sang und rezitierte ein Gedicht des chilenischen Dichters Pablo Neruda zu Ehren von Simón Bolivar, dem Helden der Unabhängigkeit des Landes. Der venezolanische Präsident Hugo Chávez beging so seine Heimkehr nach einer – nach seinen Worten erfolgreichen – ersten einwöchigen Chemotherapie seiner Krankheit in Kuba. Sein Krebs sei nicht endgültig besiegt – die Ärzte hätten ihn angewiesen, seine Aktivitäten zu beschränken. / Métro Montréal
„National gesinnte“ und/oder rechtsradikale Kreise verbreiten gern und regelmäßig die Geschichte des von „den Polen“ widerrechtlich einbehaltenen (nein „geraubten“, ach ja, damals als polnische Horden in das schutzlose Deutsche Reich einfielen und unsere Nationalheiligtümer raubten!) „Deutschlandlieds“. So erst kürzlich wieder die „Preußische Allgemeine Zeitung“, so hier „deutsche-schutzgebiete.de„:
„1945 wurde, neben anderen wertvollen Kunstgütern, die Original-Handschrift des Deutschlandliedes zum Schutz vor dem Bombenkrieg nach Breslau (Schlesien) ausgelagert. Dort fielen sie den Polen in die Hände und wurden nach Krakau gebracht. Im Widerspruch zur Haager Landkriegsordnung gehört die Original-Handschrift des Deutschlandliedes zu jenen geraubten Kulturgütern, deren Rückgabe Polen bis heute hartnäckig verweigert.“
Am Donnerstag meldete die FAZ, die nicht zu den oben apostrophierten Gruppen gehört, unter der Überschrift „Handschrift des Deutschlandlieds entdeckt“, diese befände sich seit Ende des 2. Weltkriegs in Krakau*. Wo immer sies herhaben. Jeanette Lamble, Sprecherin der Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz, widerspricht:
Ein grosser Teil des Nachlasses Hoffmann von Fallerslebens, der zu den Beständen der heutigen Staatsbibliothek zu Berlin gehört, sei zwar während des Zweiten Weltkrieges in den Osten des Deutschen Reiches, heute Polen, verlagert worden. Jedoch sei in eben diesem verlagerten Teil das Autograph „Das Lied der Deutschen“ nicht enthalten gewesen. Das Autograph hat Berlin vielmehr nie verlassen, zuletzt wurde es bis zum 19. Juni im Deutschen Historischen Museum der Öffentlichkeit in der Ausstellung „350 Jahre Staatsbibliothek zu Berlin“ präsentiert.
(FAZ 23..7., S. 7)
*) gemeint war mit der Überschrift eine Niederschrift der ersten Strophe durch den Autor in Dithmarschen, die hier und hier etwas reißerisch gemeldet wird.
Seit einem Vierteljahrhundert publiziert sie Bücher mit Titeln, die verdeutlichen, dass es ihr nicht um eine „realistisch“ verstandene Literatur geht: „Tintenfisch auf Reisen“, „Wie der Wind im Ei“, „Opium für Ovid“, „Überseezungen“, „Das nackte Auge“ und eben jetzt „Abenteuer der deutschen Grammatik“.
Gemeinsam ist diesen poetischen Texten, Gedichten, essayistischen Äußerungen und dramatischen Versuchen, dass sprachliche Wendungen, Redensarten, besondere Formen der Grammatik und eingeschliffene Verhaltensweisen, habituelle Besonderheiten und zivilisatorische Vorlieben neu gesehen werden, wie das nur jemandem möglich ist, dem das Vergleichen zur zweiten Natur geworden ist.
… In den „Passiv“ überschriebenen Zeilen findet sich der Aphorismus „Die Passivität ist die Zukunft der Vergangenheit“. Dass Sprachspiele mit Liebesspielen zu tun haben, zeigt das Gedicht „Die Konjugation“, das auch „Die Kopulation“ heißen könnte: „er hemt / wenn ich bluse /weiche in den händen der wäscherin am hafen / glänze nicht ohne den gültigen spaß / fiebere nach kunstseide / er hemt den fortschritt / schimpft mit der kunst und dem stoff / er hütet / wenn ich hose / ich hose die schneiderpuppe / ich schneide / du liebste / ich pistole / du angst / wir arbeiten an der Änderungs- / Grammatik“.
Yoko Tawada, 1960 in Tokio geboren, ist ausgesprochen polyglott: außer Japanisch und Deutsch spricht sie fließend Russisch und Englisch und hat keine Schwierigkeiten, sich weitere europäische Sprachen anzueignen. So kann man ihr vertrauen, wenn sie festhält: „Eine Hose kann nur im Deutschen tot sein.“
Und wie anders die Japaner ihr „Ich liebe Dich“ ausdrücken! Übersetzt man die entsprechende japanische Wendung ins Deutsche, kommt „Was mich betrifft, bist du begehrenswürdig“ heraus. Man sollte Japanisch lernen. / Paul Michael Lützeler, Tagesspiegel
Yoko Tawada:
Abenteuer der deutschen Grammatik. Konkursbuch Verlag Claudia Gehrke, Tübingen 2010. 62 Seiten, 8,50 €.
‚Ich bin 2fellos größer als du‘ / sprach zum Einer der Zweier. // ‚3ster Kerl, prahle nicht so!‘ / knurrte der größere Dreier. // ‚Und ich!‘ rief der Einer, ‚bin zwar der Kl1te, / aber dafür bestimmt auch der F1te.‘ // ‚Nein, mir gibt man sogar noch den Sch0er‘, / piepste der Nuller. Mit Hunderten von Sprachspielereien wie diesem ‚Kleinen Streit‘ aus ‚Die Welt der Wörter‘ (1991) hat Hans Manz seit den sechziger Jahren Kindern das Alphabet, Wörter und Zahlen schmackhaft gemacht, ihnen gezeigt, dass darin Geschichten stecken, die das Leben nicht erzählen könnte. / Süddeutsche Zeitung 16.7.
Und tatsächlich ist es eine schleichend sterbende Sprache, in der die aus Grovella im piemontesischen Formazza-Tal stammende Anna Maria Bacher ihre Gedichte schreibt, schliesslich gaben im Jahr 2003 an einer repräsentativen Umfrage nur noch 12 Prozent der wenigen Bewohner dieses Tals an, von «walserscher» Muttersprache zu sein. So sind Bachers Texte mit den Jahren zunehmend heftiger und auch etwas melancholischer eine liebevolle Hommage an dieses verschwindende «Walser-Titsch» geworden, mit dem zugleich auch «die Erde aufgegeben wird», wie die Autorin etwas wehmütig feststellt. …
Da mag man sich denn zunächst etwas babylonisch vorkommen, wenn in einem Haiku von «Ökschtuschtärnä» die Rede ist, doch eine wiederholte Lektüre vermag Ohren und Augen in die seltsamen Klänge einzustimmen, bis uns die «Auguststerne» ganz harmonisch vor unserem geistigen Abendhimmel aufgehen. / NZZ 19.7.
Anna Maria Bacher: Kfarwät Schpurä. Farbige Spuren. Tracce colorate. Gedichte walserdeutsch, deutsch und italienisch. Limmat-Verlag, Zürich 2011. 152 S., Fr. 37.90.
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