„Lumpereien im Chemnitzer Staatsgymnasium“, „Flieg flog … leider nicht“: Mit Schlagzeilen wie diesen eröffneten heute vor 80 Jahren Chemnitzer Nationalsozialisten eine bis dahin beispiellose mediale Hetzjagd gegen einen Schüler der Abiturientenklasse des damals angesehensten Chemnitzer Gymnasiums. Der 18-jährige Helmut Flieg hatte drei Wochen zuvor, am 7.September, in der örtlichen SPD-Zeitung „Volksstimme“ unter dem Titel „Exportgeschäft“ ein bissiges Gedicht über den Einsatz deutscher Militärberater im bürgerkriegsgeplagten China veröffentlicht.
Aus Helmut Flieg wurde wenige Jahre später Stefan Heym, und die Vorgänge vom Herbst 1931 markierten den eigentlichen Beginn seiner literarischen Laufbahn. / Michael Müller, Freie Presse 28.9.
Dem Artikel ist ein Faksimile des Gedichts beigegeben, hier ein Auszug:
Exportgeschäft
Wir exportieren! Wir exportieren!
Wir machen Export in Offizieren!
Wir machen Export! Wir machen Export!
Das Kriegsspiel ist ein gesunder Sport!
Die Herren exportieren deutsches Wesen
zu den Chinesen! Zu den Chinesen!
Gasinstrukteure, Flammengranaten
auf arme, kleine, gelbe Soldaten –
Denn daran wird die Welt genesen …
(…)
Wir lehren Mord! Wir speien Mord!
Wir haben in Mördern großen Export!
Hurra!
Es freut sich das Kind, es freut sich die Frau,
von Gas werden die Gesichter blau.
Die Instruktionsoffiziere sind da!
Was tun wir denn Böses? Wir verbreiten doch nur
die deutsche Kultur!
das muß wohl stimmen, das hört man jetzt öfter:
„Ist unser Volk der Reimerchen seit Gottfried Benn im Eimerchen?“ fragte 1965 der paukende Kabarettist Wolfgang Neuss. Fast ein Jahrzehnt nach seinem Tod war Benn noch der Maßstab. Ein paar Jahre später schien er dann endgültig ins Hintertreffen geraten gegenüber seinem immerwährenden Antipoden Bertolt Brecht. Erst in den 90er Jahren hat sich das Verhältnis der bedeutendsten deutschen Lyriker des 20. Jahrhunderts wieder gedreht: Brecht wird zwar noch gelesen, aber Benn ist heute für junge Dichter und die Wissenschaft weitaus interessanter. / Harald Ries, WAZ 27.9.: „Gottfried Benn ist der Maßstab“
In diesem Jahr wäre Gottfried Benn 125 Jahre alt geworden. An der Universität Siegen findet deshalb vom 29. September bis 1. Oktober ein internationales Symposium über den 1956 gestorbenen Arzt und Schriftsteller statt.
125. Geburtstag war am 2. Mai, 55. Todestag am 7. Juli.
schreibt Georg Kolbe mit rotem Stift auf einen Zettel. In einem Aktenordner hat der Bildhauer alle Gedichte abgeheftet, die ihm Bewunderer gewidmet haben. Solche beiläufigen Notizen finden selten den Weg in die Öffentlichkeit. Das Georg Kolbe Museum hat jetzt* die Idee, den Besuchern einen Blick in sein Archiv zu gewähren. / Simone Reber, Tagesspiegel
*) Dieser Artikel vom Dezember 2010 erschien heute bei google.news
Zum Tod des Lyrikers Remo Fasani schreibt Christoph Ferber, NZZ 28.9.:
«Mein Lieber R. Dein Brief – schön wie ein Schweigen – hat mich sehr gefreut.» So beginnt Cristina Campo, die berühmte italienische Dichterin, am 24. Oktober l953 einen Brief an Remo Fasani. Der Empfänger hat mir das Büchlein, eine Sammlung der an ihn gerichteten Briefe von Cristina Campo (Marsilio, Venedig 2010), mit dem bezeichnenden, an die «Promessi Sposi» erinnernden Titel «Un ramo già fiorito» diesen Sommer im Altersheim von Grono im Misox überreicht. Nun ist er in der Nacht auf den 27. September ebendort gestorben, heimgekehrt «ins Schweigen». «Und alles ist ausgesprochen und es bleibt / nur die Heimkehr ins Schweigen», wie es in einem der Neunzeiler aus seinem wohl besten Gedichtzyklus, den 2000 verfassten «Novenari», heisst.
Grüß Gott, Archiv!
Grüß-Gott-Archiv
Grüß Gott-Archiv
Grüß, Gott, Archiv!
Liebe Demokraten und Nichtauslacher über eigenes Unvermögen
Der folgende Text wurde überarbeitet für einen Performancesabend in Weimar und später ein Festival in Minden, zur allgemeinen Aufmunterung über SOZIALE GERECHTIGKEIT und TEILHABE NEU NACHZUDENKEN und WIE DURCHZUSETZEN?
Von Rainer Wieczorek
Stellen sie sich vor, verehrtes Publikum, eines morgens, da fährt einer zur Arbeit im Cabriolet.
Die Sonne scheint, die Frau ist schön, die Kinder gut genährt und werden vorzüglich behandelt in der Schule. Ein Gymnasium selbstverständlich.
Er freut sich auf seinen neuen Arbeitsplatz. Der erste Tag als Generaldirektor über alle Berliner Museen der Bildenden Künste und die unverschämte Gehaltsforderung wird auch gezahlt. Herrliches Berlin.
Er sieht sie schon die Nationalgalerie, in zwei Stunden ist der Empfang.
Champus mit edel belegten Schnittchen und all diese schönen Kleider, üppigst geformt, mit ihren blauen strammen Anzügen. Ahhhhch ist das schön. Na ja, die sitzen selten gut.
Und dann, schon vor dem Parkplatz, Leute, Pöbel, Dutzende, Hunderte.
Transparente.
Das Museum eingekesselt.
Megafone brüllen:
Streik – Streik – Streik – Streik – Streik – Streik – Streik – Streik – Streik – Streik – Streik
Wir Künstler streiken heute in der ganzen Stadt. Die Theater sind besetzt. Die Fernseher und Radiostationen verlesen unsere Forderungen.
Wir diskutieren mit bereitwilligen Politikern.
In allen Galerien wurden die Bilder von den Wänden gehangen, kein Mensch singt, kein Mensch tanzt, vor allen Buchläden sind Streikposten aufgestellt, alle Musik schweigt, nur Transparente werden noch gemalt, auf denen steht:
Streik – Streik – Streik – Streik – Streik – Streik – Streik – Streik – Streik – Streik – Streik
Filmriss. Einfliegende Stars und Sternchen bekommen frei und bekommen eine Stadtrundfahrt spendiert vom Streikkomitee zu allen aufregenden Orten des Streiks. Alle Videotheken haben geschlossen. Ein Mathematiker rechnete aus, das im Durchschnitt jeder Bundesbürger nach zwei Wochen seine archivierten Kulturbestände durchsichtet hat. Romansammler brauchen länger. Nur noch Wiederholung,Wiederholung, Wiederholung. Das Internet wird mit DADAviren bombardiert. Nichts geht mehr, nur noch Sport und Bilderlose Tageszeitungen ohne Feuilleton, und da steht auch nur alles über unseren:
Streik – Streik – Streik – Streik – Streik – Streik – Streik – Streik – Streik – Streik – Streik
Das Streikkomitee berät, wenn der Trust Jahrmillionen alte Gene zu seinem Eigentum erklärt und das auch noch akzeptiert wird von gewaltigen Staaten, dann können wir auch nach Ägypten fahren und die Pyramiden zuhängen, Christo hat zugesagt und auf der Folie steht:
Streik – Streik – Streik – Streik – Streik – Streik – Streik – Streik – Streik – Streik – Streik
für Teilhabe am gesellschaftlichen Reichtum. Für Freigabe der Städte und Landschaften zur Gestaltung. Der Erweiterte Kunstbegriff befreit den vernormten, eingepressten, das getriebene Rädchen Mensch. Auf das jeder wird ein Künstler. Künstler durch Eigenformung, im neuen Arbeitsbegriff als Arbeit – Spiel – und Müßiggang zusammengefasst. Lohnpartizipation an den Maschinenleistungen der Menschheit. Mensch sein: Autonom, Selbstbestimmt im eigenen Denken, im eigenen Handeln, im eigenen Sein. In dieser sich demokratisierenden Demokratie mit offenen Grenzen zur Anarchie. Keine Macht für Niemand über Jemand und Frauen sind immer mit gemeint. Kein Mensch ist prinzipiell ausgeschlossen. Und darum:
Streik – Streik – Streik – Streik – Streik – Streik – Streik – Streik – Streik – Streik – Streik
Rainer Wieczorek, Neubearbeitung am Morgen des 28.9.2011
Und die Gewerkschafter unter Euch sollten mal langsam über die Durchsetzung des Generalstreiks Nachdenken!
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Rainer Wieczorek (Künstler/Soziologe/DADAsoph) www.rainerwieczorek.de
Der außerbetrieb geht auch diese Woche weiter. Gleich morgen, am Mittwoch, den 28. September um 19:30 Uhr erwartet Sie die Performance-Installation Lost in Postpoetry. Der Autor und sein Text – eine Beziehung ohne Entkommen? Wie steht der Autor zum Text, und inwieweit entfernt sich dieser von seinem Urheber, verfolgt andere Richtungen oder wird verloren? Jinn Pogy hat die Autoren Norbert Lange und Mara Genschel sowie die Soundkünstlerin Elen Flügge eingeladen, sich gemeinsam in den Orbit der poetischen Relationen, Navigationen und Verluste von Text, Laut und Poesie zu begeben.
Am Donnerstag, den 29. September ab 19:00 Uhr folgt die zweite Sitzung des Autoren-im-Horrorfilm-Workshops All Work and no play von und mit Georg Leß. Mit dabei sind diesmal der Autor Jörg Albrecht sowie die Horrorfilm-Schauspielerin Anna Roth. Man kann jederzeit in den Workshop ein- und aussteigen, eine Teilnahme an allen drei Sitzungen ist nicht zwingend erforderlich.
Am Freitag, den 30. September ab 19:30 Uhr kommt es zur Begegnung von Gegenwartslyrik und Literaturwissenschaft. Oder soll man sagen: zur Konfrontation? Jedenfalls scheint es noch immer einige Berührungsängste zu geben. Dies gilt jedoch sicher nicht für die Teilnehmer/innen des Abends. Es lesen und diskutieren: Daniela Seel, Norbert Lange, Steffen Popp, Tom Schulz, Prof. Dr. Remigius Bunia (Freie Universität Berlin), Dr. Michael Gratz (Universität Greifswald), Dr. Tim Lörke (Freie Universität Berlin) und Johannes Schüller (Master-Student Freie Universität Berlin).
Wir würden uns freuen, wenn Sie dabei sind!
Mehr zu allen Veranstaltungen unter ausserbetrieb.lettretage.de und www.lettretage.de.
Letzte Nacht ist in Grono der 89-jährige Bündner Dichter und Kulturpreisträger Remo Fasani gestorben. … Fasani veröffentlichte neben Gedichten zahlreiche literaturkritische Bücher. Bekanntheit erlangte er auch als Übersetzer von deutschsprachiger Lyrik, unter anderem von Joseph von Eichendorff und Rainer Maria Rilke. / südostschweiz.ch
Gedichte, italienisch/deutsch – übersetzt von Christoph Ferber – Limmat Verlag, Zürich 2006 – 187 S., 23,- € (Leseprobe)
29.9.-3.10.
u.a. mit Michael DONHAUSER / AT / Stefan SCHMITZER / AT / Gabriel ROSENSTOCK / IR / Antoni PAWLAK / PL / Mila HAUGOVÁ / SK / Claude FAVRE / FR / Daniela SEEL / DE / Tristan MARQUARDT / SUI / Catherine BOWMAN / USA / Ana GORRÍA / ESP / Tom SCHULZ / DE /
Else Lasker-Schüler war in die Weltgeheimnisse eingeweiht. Sie wusste, „dass die Mondbewohner den Kartoffelpuffer lieben“ und wie die Pavianmutter ihr Paviänchen in den Schlaf singt. Sie hat Satan in den Himmel eingesperrt, Gott in die rauchende Hölle und dann die schönsten Gedichte der Weltliteratur verfasst. / hagalil.com
Die Abläufe eines Poesie-Marathons können ermüdend sein: Gedicht, Gedicht, Gedicht, Fragen, Applaus. Dazwischen mal ein Handyklingeln oder scheppernde Weingläser. Völlig anders dagegen die „Rottenkinckschow“, eine Frühstücks-Performance dreier eigenwilliger Lyrikerinnen, die ihren Namen im Titel versteckten. Zu Proustschen Eclairs und Goethes „grüner Sauce“ im Rauchlachs-Baguette durfte man einige Wörter der Menschenfressersprache Tupi erlernen, bis man sich bei diesem Volk selbst vorstellen konnte: „ich bin das Essen“. Wirklich opulent und lustvoll zelebriert waren die Texte von Durs Grünbein. Bestens gelaunt malte der Büchner-Preisträger, ein Wort-Professor der hiesigen Kunstakademie, seine sinnlichen Gemälde und fantastischen Elegien. Genauso virtuos las er einen Tag später Verse des verstorbenen Dichters Thomas Kling. Ein Hörgenuss für die voll besetzten Sitzreihen und die im Heine-Haus so beliebten Stufenhocker. Selbst Literatur-Hund Paco spitzte bei Grünbein seine Ohren. / CLAUS CLEMENS, Rheinische Post
Der ungarische Dichter János Csokits, der im Alter von 83 Jahren starb, wird für immer eher als Ko-Übersetzer der ungarischen Dichters János Pilinszky zusammen mit Ted Hughes bekannt sein. [schreibt der Guardian und meint Britain]. Darin ähnelt er Edward Fitzgerald, dessen Verse weithin vergessen sind, während seine kongeniale Übersetzung des Rubaiyat von Omar Khayyam im literarischen Gedächtnis lebt. [Auch der Vergleich mit Fitzgerald wirft die Frage auf, ob es im Ungarischen ebenso ist und: ob man jemanden „vergessen“ kann, den man noch gar nicht zur Kenntnis genommen hat].
Csokits wurde in Budapest geboren und begann 1946 ein Jurastudium in Budapest, das er nicht beenden konnte, weil er das Land im Frühjahr 1949 nach der kommunistischen Machtübernahme verließ. Ab 1950 lebte er in Paris, später arbeitete er bei Radio Free Europe in München und bei der BBC in London. 1986 ging er nach Andorra und kehrte kurz nach der Wende von 1989 nach Ungarn zurück. / George Gomori, Guardian 22.9.
Gorki war nach der Verhaftung Nikolaj Gumiljows, (der mit 60 anderen Verdächtigen Anfang August der “konterrevolutionären Verschwörung” angeklagt worden war) nach Moskau zu Lenin geeilt. Nach der einen Version hatte Lenin sich geweigert, den Dichter – der übrigens unschuldig war – zu “begnadigen”, nach der anderen war Gorki mit der Begnadigung in der Tasche zu spät gekommen. Nikolaj Gumiljow war bereits nahe Leningrad erschossen worden – am 24. August 1921.
Er war der erste bedeutende Dichter, dem dies durch die Bolschewiki widerfuhr. Ossip Mandelstam, der ebenfalls zu dem kleinen, aber für die russische Lyrik überaus große Wirkung entfaltenden Kreis der Akmeisten zählte, wurde Jahre später durch die Stalinisten umgebracht.
Für die Ermordung Gumiljows ist aber Lenin und die von ihm sehr frühzeitig gegründete und mit allen Machtbefugnissen ausgestattete Tscheka verantwortlich.
Direkt auf Betreiben Lenins zurück geht die Ausweisung von über 160 Philosophen und Wissenschafter, die gewaltsam auf zwei Dampfer (“Philosophendampfer”) gebracht wurden. Als Begründung hatte Trotzkij später angegeben:
„Wir haben diese Leute deshalb ausgewiesen, weil es keinen Anlass gab, sie zu erschießen, doch sie zu dulden, war unmöglich.“
mit Nora Bossong, Kurt Drawert, Christian Lehnert, Ulf Stolterfoht & John Eckhardt
Moderation: Michael Braun, Cornelia Jentzsch, Martin Rector
Dienstag, 27.09.2011, 19.30 Uhr // Literaturhaus Hannover mehr
Das moderne Gedicht, hat Paul Celan einmal gesagt, sei seinem Wesen nach dialogisch, es könne eine Flaschenpost sein: „Gedichte sind auch in dieser Weise unterwegs: Sie halten auf etwas zu.“ Aber welche Bewegungsrichtung wählt das moderne Gedicht, worauf hält es zu? Und ist es nicht eher monologisch als dialogisch? Jede neue Generation von Lyrikern hat sich vor diesen Grundsatzfragen zu bewähren, in jeder lyrischen Saison wird auch die Zeitgenossenschaft zur begehrten Ressource. Seinen Geltungsanspruch, die poetische Grammatik der Zeit zu finden, kann ein Gedicht aber nur beglaubigen, wenn es als semantisches, klangliches und syntaktisches Abenteuer daher kommt.
Unser Lyrikfest ermöglicht einen neugierigen Blick auf Sprachabenteuer: Flaschenpost mit lakonischer und ironischer, sinnlicher und wahrnehmungsscharfer, mystischer oder auch experimenteller Dichtung!
Zu dieser Zeit hatte ich mit einem ersten Erfolg, dem Förderpreis des Temeswarer Literaturkreises „Adam Müller-Guttenbrunn“, Gedichte geschrieben und war noch Hilfsarbeiter in der Konservenfabrik meiner Heimatstadt Sannicolau Mare (Großsanktnikolaus). Ich wusste erst nicht, ob und wie genau ich meinem Tagebuch das unfreiwillige Treffen mit einem Securitate-Offizier anvertrauen sollte. So sind unter dem 20. November 1986 nur wenige Zeilen zu finden, die aber recht eindeutig meine Gemütslage beschreiben: „Ogottogott! Da gehen Schlächter um. Mensch, such das Weite, Mensch.“ Fliehen, aber wohin?
Drei Tage später, unter dem 23. November, findet sich ein etwas konkreterer Bericht, mit dem ich mir vielleicht Mut machen wollte: „War teils ganz gelassen. Hände in den Hosentaschen, Beine ausgestreckt. Jedenfalls überließ ich dem Genossen nichts Schriftliches, wäre auch gelacht. Er schien enttäuscht. Ich bekam eine Telefonnummer, die ich nicht benutzen werde, und interessante Vorschläge, die mich kalt lassen. Die Schaufel nimmt mir sowieso keiner aus den Händen. Ich befürchte (vorläufig) nichts Schlimmes. Ich hatte nur vor Schlägen Angst.“ Die Securitate argumentierte im Zweifel durchaus mit der Faust. …
Er versuchte es mit Zuckerbrot, was sich im Tagebuch so niederschlug: „Der Arsch erzählte mir von Beförderungen, Auslandsreisen, fragte mich, wie ich denn in Temeswar wohnen möchte.“ Am Ende gab er mir wieder seine Telefonnummer.
In diesem dreistündigen Gespräch zitierte er plötzlich aus einem meiner Gedichte, „aus poezia cu ledi, cu semne egiptene, cu pasarea aia“, also „aus dem Gedicht mit Lady, den ägyptischen Zeichen, diesem Vogel“. „Der Arme!“, hatte ich dazugeschrieben, denn er kam kaum klar mit meinem „Gedicht um Hanna“, das 1986 in der Bukarester Zeitschrift „Neue Literatur“ erschienen war, und ich fragte mich damals in meinem Tagebuch: „Wer übersetzt ihm wohl?“ / Marius Koity, Ostthüringer Zeitung 25.9.
Marius Koity ist OTZ-Redakteur in Pößneck. 1966 in Großsanktnikolaus (Rumänien) geboren, arbeitete er ab 1988 als Redakteur bei rumänien-deutschen Zeitungen. 1992 übersiedelte er nach Deutschland und lebt in Gera. Seit 1984 veröffentlicht er Gedichte in Anthologien und Zeitschriften (u. a. „Palmbaum“, Jena), für die er in den 1980er Jahren zwei Preise erhielt. Gelegentlich arbeitet er auch als Rumänisch-Übersetzer.
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