Friedrich Nietzsche: Also sprach Zarathustra. Ein Buch für Alle und Keinen – Kapitel 50
»Seit ich den Leib besser kenne, – sagte Zarathustra zu einem seiner Jünger – ist mir der Geist nur noch gleichsam Geist; und alles das »Unvergängliche« – das ist auch nur ein Gleichniss.«
»So hörte ich dich schon einmal sagen, antwortete der Jünger; und damals fügtest du hinzu: »aber die Dichter lügen zuviel.« Warum sagtest du doch, dass die Dichter zuviel lügen?«
»Warum? sagte Zarathustra. Du fragst warum? Ich gehöre nicht zu Denen, welche man nach ihrem Warum fragen darf.
Ist denn mein Erleben von Gestern? Das ist lange her, dass ich die Gründe meiner Meinungen erlebte.
Müsste ich nicht ein Fass sein von Gedächtniss, wenn ich auch meine Gründe bei mir haben wollte?
Schon zuviel ist mir’s, meine Meinungen selber zu behalten; und mancher Vogel fliegt davon.
Und mitunter finde ich auch ein zugezogenes Thier in meinem Taubenschlage, das mir fremd ist, und das zittert, wenn ich meine Hand darauf lege.
Doch was sagte dir einst Zarathustra? Dass die Dichter zuviel lügen? – Aber auch Zarathustra ist ein Dichter.
Glaubst du nun, dass er hier die Wahrheit redete? Warum glaubst du das?«
Der Jünger antwortete: »ich glaube an Zarathustra.« Aber Zarathustra schüttelte den Kopf und lächelte.
Der Glaube macht mich nicht selig, sagte er, zumal nicht der Glaube an mich.
Aber gesetzt, dass jemand allen Ernstes sagte, die Dichter lügen zuviel: so hat er Recht, – wir lügen zuviel.
Wir wissen auch zu wenig und sind schlechte Lerner: so müssen wir schon lügen.
Und wer von uns Dichtern hätte nicht seinen Wein verfälscht? Manch giftiger Mischmasch geschah in unsern Kellern, manches Unbeschreibliche ward da gethan.
Und weil wir wenig wissen, so gefallen uns von Herzen die geistig Armen, sonderlich wenn es junge Weibchen sind!
Und selbst nach den Dingen sind wir noch begehrlich, die sich die alten Weibchen Abends erzählen. Das heissen wir selber an uns das Ewig-Weibliche.
Und als ob es einen besondren geheimen Zugang zum Wissen gäbe, der sich Denen verschütte, welche Etwas lernen: so glauben wir an das Volk und seine »Weisheit.«
Das aber glauben alle Dichter: dass wer im Grase oder an einsamen Gehängen liegend die Ohren spitze, Etwas vonden Dingen erfahre, die zwischen Himmel und Erde sind.
Und kommen ihnen zärtliche Regungen, so meinen die Dichter immer, die Natur selber sei in sie verliebt:
Und sie schleichen zu ihrem Ohre, Heimliches hinein zu sagen und verliebte Schmeichelreden: dessen brüsten und blähen sie sich vor allen Sterblichen!
Frauenanteil in einigen Lyrikanthologien 1859-2011 (Prozent)
| Storm Liebesl. 1859 | 2,3 | ||
| Anthologie der Abseitigen 1946 | 6,9 | ||
| Pantheon 1957 | 6,0 | ||
| Hohoff Flügel d. Zeit 1956 | 10,8 | ||
| In dies. bess. Land 1966 | 5,5 | ||
| Lyrik der BRD Reclam Leipzig 1985 | 15,9 | ||
| Die Eigene Stimme DDR 1988 | 16,5 | ||
| Ly-Jb. 9, 1993 | 16,7 | ||
| Quellenkunde 2007 | 33,3 | ||
| BELLA triste 2007 | 29,4 | ||
| Neubuch 2008 | 44,0 | ||
| Laute Verse 2009 | 37,5 | ||
| freie radikale lyrik 2010 | 76,9 | ||
| Ly-Jb. 2011 | 39,1 | ||
Die Lyrikszene ist ja eher von äußerer bemühter Harmonie als klaren Fronten geprägt. Man trifft sich in den gleichen Facebook-Freundschaften, Lesungen, Wettbewerben und Anthologien, und nur ab und zu flackern hitzige Gefechte auf und verlöschen rasch.
Eine alte Idee von mir ist ein Lyrikatlas, in dem man Gruppierungen, Freund- und Feindschaften, Fronten, Kartelle usw. in Karten und Tabellen darstellt. Ich versuche es mal mit einer neuen Rubrik diesen Namens.
Ich beginne mit einer Rezension, Peggy Neidel über Tom Schulz, sie erschien zuerst am 24.11. in der taz und dann bei lyrikkritik.de.
Tom Schulz, Innere Musik: Gedichte, Berlin Verlag, 120 Seiten, 19,99 Euro
Zugegeben, über Grass‘ Schwächen ist ihm mehr eingefallen:
Nicht alles ist dem Lyriker Grass gelungen. Manche Formulierungen sind zu geläufig: Da ist ein Staatsgeheimnis „abgeschottet“ (Ein Held unserer Tage), ein Sturm macht „Schlagzeilen“ (Herbstliche Ernte) oder jemand hält sich „bedeckt“ (Ängstlich besorgt). Als wollte er solche Geläufigkeiten wettmachen, reichert Grass seine Verse gern mit Manierismen an. Dazu gehört die Auslassung des Prädikats, die einen hohen Ton schaffen soll, aber nicht immer einen künstlerischen Sinn hat, wie in den elliptischen Versen von Atempause, dem gelungensten Gedicht über das Altern. Zumindest eigenwillig ist die Verwendung von Wörtern wie „käuflich“, „handlich“ und „hinterdrein“, die mehr Vergnügen am ausgefallenen als am treffenden Wort verraten.
Man kann Grass auch vorwerfen, dass ihm nicht zu allen seinen Themen viel eingefallen ist. Was er über das Warten an roten Ampeln (Aus Sicht des Beifahrers), die Sportschau (Und am Samstag die Sportschau) oder Talkshows (Über verfälschten Geschmack) verlauten lässt, ist nicht tiefer als das, was die meisten darüber sagen würden. Mehr als eine Beobachtung, etwa die über die „Gruppen Japaner“ in Tübingen (Auf Besuch in Tübingen), bleibt gewöhnlich. Mancher Einfall, wie der über Lesen und Riechen inDuftmarken, erfährt nicht die ihm gebührende Ausarbeitung.
Schwache Verse fallen allerdings bei der Beurteilung eines Gedichtbands am Ende nicht immer schwer ins Gewicht – solange es in ihm gute gibt, die sich einprägen, die man wiederlesen kann, ja muss.
Aber er besteht darauf, daß es auch Stärken hat:
Grass sind in diesem Buch nicht nur viele solcher Verse, sondern auch einige solcher Gedichte gelungen. Fast immer sind sie kurz.
/ Dieter Lamping, Literaturkritik.de
Günter Grass: Eintagsfliegen. Gelegentliche Gedichte.
Steidl Verlag, Göttingen 2012.
110 Seiten, 28,00 EUR.
ISBN-13: 9783869305141
Ich habe einen Freund, der sich Dichter nennt, weil er einmal ein Gedicht veröffentlicht hat, das er dann aus Spaß und um zu sehen ob es klappt, an anderer Stelle wieder veröffentlichte. Nach seiner Zählung hat er es bisher in 11 kleinen Zeitschriften und Webzines veröffentlicht. Es ist das einzige Gedicht, das er je veröffentlichte, und ich muß sagen ein ziemlich gutes Gedicht, obwohl es nach 11 mal lesen etwas gelitten hat – ich weiß, wo seine Überraschungen liegen, die Brüche im Text, der Extrapfeffer durch Zeilenbrüche. Es ist trotzdem ziemlich gut, brauchbar, robust, nicht mit sich selbst beschäftigt und von sich selbst besessen wie so manche Gedichte, ohne plötzlich auftauchende französische oder griechische Wendungen, wie es in kunstvollen Gedichten hin und wieder vorkommt, und, wie er sich ausdrückt, wenn dieses Sprachverbrechen auftritt, möchte man einen stabilen Baseballschläger greifen und dem Kunstpoeten über die Knöchel weil er so ein angeberischer Blödmann ist, obwohl es nicht wohlgelitten ist, Dichtern die Knöchel zu brechen nur weil sie narzistische Tröpfe sind, selbst bei Herausgebern, von denen manche in der Tat Baseballschläger im Büro bereithalten, nur für Notfälle. / Brian Doyle, The Oregonian
Siegmunds Lied (Walküre I) – „Winterstürme wichen / dem Wonnemond, / in mildem Lichte / leuchtet der Lenz…“ – oder Brünnhildes Lied (Walküre III) – „War es so schmählich, / was ich verbrach, daß mein Verbrechen so schmählich du strafst?“ – haben durchaus poetische Qualitäten. Doch ist eine kritische Betrachtung vieler Passagen angebracht.
Hier geht es nicht darum, unfreiwillig komische Verse anzuprangern – wie etwa Brünnhildes Bitte an ihre Schwester: „Leih’ mir deinen Renner!“, Siegfrieds erotisches Flehen: „Du Weib, jetzt lösche den Brand!“ oder Fafners „zierliche Fresse“. Auch überladene, realparodistische Alliterationen wie in der Hymne Siegfrieds und Gunthers auf ihre Blutsbrüderschaft – „Blühenden Lebens / labendes Blut / träufelt’ ich in den Trank…“ sollen hier außen vor bleiben – bereits Wagners Todfeind Eduard Hanslick hatte sie als „bombastisches Alliterationsgestotter“ verspottet.
Verbale Exzesse seien ebenfalls nur am Rande erwähnt – wie Brünnhildes Brunstschrei im Angesicht des jungen Siegfried: „O kindischer Held! / O herrlicher Knabe! / Du hehrster Taten / töriger Hort!“ Nein – auf dem Spiel steht mehr: die Verständlichkeit des Textes, den Ernst Bloch seinerzeit „bei keiner Aufführung verstehbar“ fand. (…)
Bei den folgenden Sätzen ahnt man nach einiger Überlegung wenigstens, was gemeint ist. „Des Reifes zu walten, / rätlich will es mich dünken“ übersetzen wir dann mit: „Über den Ring Gewalt zu haben, / ratsam will es mir erscheinen“. Und Wotans „Was bist du, als meines Willens / blind wählende Kür?“ entschlüsseln wir durch Assoziation mit „Kür“ (Wahl) und „Willkür“ als „Was bist du anderes, als blind Ausführende meines Willens?“
Bei den nächsten dunklen Beispielen greifen wir wieder aufs transparente Englisch zurück: „Gemahnt es dich so matt?“ bedeutet „Is your memory so weak?“. Und Wotans kurioses „Halte Stich!“ wird als „Keep your word!“ enträtselt. / Theo Stemmler, FAZ
Er veröffentlichte mehrere Gedichtbände, Erzählungen, Hörspiele und Radiofeatures und wurde unter anderem mit dem Lyrikpreis Meran ausgezeichnet. Sein neues Buch ist im jungen und ambitionierten Leipziger Poetenladen erschienen. Es zeigt Nendza als einen ausgereiften, sprachsicheren Lyriker. Seine Gedichte bevorzugen eine ruhig-reflektierte Tonlage und kommen ohne größere Formexperimente aus:
… vielleicht, sagt du, und ich bleibe stecken
im Wort: Auf dem Handelsweg schnurren
Zypernkatzen und spielen am Silbenrand,
als mir einfällt, dass ich noch Mehl besorgen
muss.
So heißt es im Auftaktgedicht. Es entstammt einem längeren Zyklus namens „Zypernkatzen“. Dazu passen Zedern, Zitronen, ein Gecko, Schuhe vor der Moschee, Bilder, die in den anderen Texten dieses Zyklus auftauchen. Handelt es sich hier vielleicht um eine verklausulierte Form von Reisedichtung?
Jürgen Nendza:
„Ich hoffe nicht. Zypernkatzen treffen wir auch hier in Deutschland an, ist eine ganz gemeine Hauskatze mit hellgrauem Fell und regelmäßigen schwarzbraunen bis schwarzen Streifen und auch Flecken. Aber natürlich weist der Begriff auch auf Zypern, wo ich mich, wo ich mich ja auch aufgehalten habe. Aber wenn wir mit Sprache arbeiten, bewegen wir uns ja immer auch in Sprachlandschaften und so kommt das eine zum anderen. Was ich vielleicht von meinem Prinzip her auch gerne mache, dass ich vertraute Begriffe und Umgebungen durch etwas unvertrautere Kombinationen, Wendungen oder Zwischenwelten versuche, ein bisschen zu entfremden, um sie dann wieder neu zu entdecken, ihnen neu zu begegnen, und Zypernkatzen, vom Katzenmotiv mal abgesehen, war so ein Moment, wo zusammenkam: Aufenthalt in Zypern und gleichzeitig aber auch so eine Ebene, ein Symbol, um das Vertraute wieder neu zu entdecken, auch über diese Katzenhaftigkeit der Gedichte.“
Enno Stahl sprach mit Jürgen Nendza, DLF
Jürgen Nendza:
Apfel und Amsel, Poetenladen Verlag, 2012, 72 S., 16.80 Euro
Nina May (10.35 Uhr): Wenn Kafka heute leben würde, würde er seiner Verlobten Felice Bauer eine SMS senden?
Anton G. Leitner (10.50 Uhr): Kafka kann ich mir beim besten Willen nicht als Simsenden vorstellen. Er war obsessiver Briefeschreiber und hätte lange gesimst, um 782 Druckseiten Briefe zu übermitteln. Er hätte eine Felice-Bauer-Flat gebraucht 😉
May (11.45 Uhr): 😉 Vielleicht hätte Kafka, der die Rohrpost als Beamter exzessiv nutzte, die Möglichkeit unablässiger Kommunikation auch geschätzt. Diese ständige Erreichbarkeit, was macht sie mit uns? Selbst Angela Merkel twittert und simst ja aus Sitzungen.
Leitner (12.20 Uhr): Die permanente Erreichbarkeit sorgt dafür, dass wir ständig aus Gedankenströmen herausgerissen werden. Und unterbricht lyrische Gedanken und Stimmungen.
May (12.35 Uhr): Aber die SMS hat mit dem Gedicht ja auch was gemein, woher käme sonst Ihr Band „SMS-Lyrik. 160 Zeichen Poesie“?
Leitner (12.40 Uhr): Die Gemeinsamkeit liegt in der Länge einer SMS 😉 Der Dichter als Kurzmitteiler …
Auf der Moskauer XIV. Internationalen Buchmesse startet das Programm „Swiss Made in Russia“. In einer Serie von Veranstaltungen treten Giovanni Orelli, Urs Allemann, Catherine Lovey, Irena Brezna, Monique Schwitter und Lionel Bovier auf. / Pro Helvetia
Am 30.11. wurden der Traklpreis an Elke Erb und der Trakl-Förderpreis an Christian Lorenz Müller verliehen.
Die Laudatio auf Elke Erb hier.
Über Müller heißt es:
Den Georg-Trakl-Förderungs-Preis 2012, der mit 3.000 Euro dotiert ist, erhält der 1972 im bayrischen Rosenheim geborene und in Salzburg lebende Christian Lorenz Müller. Die Jury, der Dr. Paul Jandl, Lektor im Jung und Jung-Verlag und Literaturkritiker; Mag. Ines Schütz aus dem neuen Leitungsteam der Rauriser Literaturtage und der Literaturkritiker Dr. Anton Thuswaldner angehörten, wählten Müller aus insgesamt 40 Einreichungen für den Georg Trakl-Förderungspreis aus. Sie begründeten ihre einstimmige Entscheidung folgendermaßen: „Zwischen dem hohen Ton des Lyrischen und den Niederungen des Politischen schreibt Christian Lorenz Müller seine Gedichte. Er setzt sich realen Landschaften und menschlichen Erfahrungen aus, um daraus eine Poesie zu machen, die nicht weniger gebrochen ist als die Wirklichkeit selbst.“
Die Kunstausübung erfordert eine reine, durchaus klare Erkenntnis der Mittel, ohne welches keine Harmonie möglich ist.
(1807)
Philipp Otto Runge: Die Begier nach der Möglichkeit neuer Bilder. Briefwechsel und Schriften zur bildenden Kunst. Leipzig: Reclam 1978, S. 232.
Die Nacht ist der Untergrund, der Maquis, in dem sich die Resistance befindet. Wenn man seit Schulende einen Beruf am Tag hat, weiß man nicht viel über die Leute, die am „hellichten Tag“ schlafen.
Jochen Gerz: Die Schwierigkeit des Zentaurs beim vom Pferd steigen 378-455. In: Offene Literatur. Hg. Helmut Heißenbüttel. (Text + Kritik Jahrbuch ’77). München: Text + Kritik 1977, S. 86.
Verse wachsen, mit den Worten Anna Achmatowas, auf dem Müll; die Wurzeln der Prosa sind auch nicht ehrenwerter.
Joseph Brodsky: Der sterbliche Dichter. Über Literatur, Liebschafen und Langeweile. Aus dem Amerikanischen von Sylvia List. Frankfurt/ Main: Fischer 2000 (1. Hanser 1998, am. Ausg. New York 1995). S. 63.
Wie vielfältig die rumäniendeutsche Literatur, früher im Wechselbad zwischen Tauwetter und Eiszeiten, heute in den verschiedensten Stimmen zu erkennen, noch immer ist, zeigten sodann die Lesungen von drei Autoren der mittleren Generation, Horst Samson (geboren 1954), Franz Hodjak (1944) und Hellmut Seiler (1953). Samson, in der Bărăgan-Steppe geboren, heute in Neuberg in Deutschland lebend, ließ in seinen neuen Gedichten die ganze Bandbreite seiner Thematik aufscheinen. Wie es ein kurzer Prosatext veranschaulicht, gilt sein verstärktes Interesse auch der Vertiefung seiner Biografie und den geschichtlichen Banat-Sujets.
Mit dem Lyriker Franz Hodjak – er las aus einem in Vorbereitung befindlichen Gedichtband, aber auch den Essay „Heimatlosigkeiten“ – ist man sofort mitten drin in der rumäniendeutschen Literatur wie auch in der Avantgarde der modernen deutschen Lyrik. „Einst wechselte ich hier die Sprache mit dem Zug“ – so lautet z. B. ein typischer Hodjak-Vers aus dem kompromisslosen Gedicht „Aufgelassener Bahnhof“.
Hellmut Seiler las in seinem unverkennbaren Stil zwischen Ironie und Selbstironie einige Texte aus einem neuen Lyrikband sowie einen lyrischen Prosatext. „Weh dem, der eine Heimat hat…“, bekennt der Dichter u.a . (…)
Als eine der Überraschungen dieser Tagung des Exil-P.E.N. muss man die unverkennbare Stimme des Lyrikers, Theaterautors und Regisseurs Frieder Schuller (1942, Katzendorf) hervorheben. Die Lesung aus seinem kürzlich uraufgeführten Stück „Ossis Stein“ über Oskar Pastior wurde mit reichem Beifall belohnt.
Dem Publikum von Wolfgang Schlott einfühlsam präsentiert, lasen darauf drei Banater Autoren der mittleren Schriftstellergeneration: Johann Lippet (1951) las aus seinem kürzlich erschienenen Band „Bruchstücke aus erster und zweiter Hand“. Die Lyrikerin und Prosaautorin Ilse Hehn (1943) las aus ihrem aufregenden Zyklus der Reisegedichte. Der Prosaautor Balthasar Waitz (1950) las Auszüge aus seinem Prosaband „Krähensommer und andere Geschichten aus dem Hinterland“.
Ein Vertreter der älteren Generation, der angesehene Autor Dieter Schlesak (1934) – vor Kurzem erlebte sein Erfolgsbuch „Capesius, der Auschwitzapotheker“ auch eine hebräische Ausgabe – las einfühlsame bis düster anmutende Gedankenlyrik.
Horst Samson verlas am letzten Tagungstag für den leider verhinderten Literaturhistoriker und -kritiker Dr. Walter Engel (Düsseldorf) dessen Referat „Kontraste. Innenwelt und Außenwahrnehmung des Banats in ‘Krähensommer’ von Balthasar Waitz und ‘Banatsko’ von Esther Kinsky”.
Der Prosaautor Gerhard Ortinau (1953), ehemaliges Gründungsmitglied der Aktionsgruppe Banat, trug sein berühmtes und auch heute hochaktuelles Gedicht „Die Moritat…“ vor, aber auch einen brillanten, rege Diskussionen auslösenden Text über den ehemaligen SPD-Politiker Herbert Wehner. / Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien
Ein Münchner im Dichter-Himmel
Mit 13 Jahren hat Pierre Jarawan sein erstes Gedicht geschrieben. Und jetzt? Ist der 27-jährige Münchner Deutschsprachiger Meister im Poetry Slam 2012.
tz-Interview mit Poetry Slamer Jarawan:
Lehrer lieben natürlich Poetry Slam, weil die Schüler dadurch eine ganz neue Beziehung zu Lyrik bekommen – das läuft schon anders ab als im ganz normalen Deutsch-Unterricht. Ich schätze, in Deutschland können so 40, 50 Leute hauptberuflich von Poetry Slam leben.
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