Poet’s Choice

Edward Hirsch features a poem by Giuseppe Ungaretti. / The Washington Post 11.11.02

Joyce: Liebes- und musiktrunken

«Strings in the earth and air / Make music sweet / Strings by the river where / The willows meet.» lauten die ersten Zeilen: «Chamber Music» nannte Joyce die Sammlung, die 1906 seine erste Veröffentlichung überhaupt war, 36 Gedichte, ein wenig «pretiös» (Senn) im Vokabular und im schwärmerischen Ton zugleich «konventionell», Liebeslyrik, die er mit gemischten Gefühlen auf den Weg schickte und wenige Jahre später milde in sein Leben einordnete: «When I wrote them I was a strange lonely boy, walking about by myself at night and thinking that some day a girl would love me» (an Nora, 1909). / Landbote 11.11.02

Christian-Wagner-Preis für Donhauser

Die Leonberger Kreiszeitung (sic) druckt Auszüge aus einer Lobrede Michael Brauns auf Michael Donhauser (zur Verleihung des Christian-Wagner-Preises ):
Denn es gibt etwas, was diese Lesart (der Naturmagie, d. Red.) stört, etwas, das nicht aufgeht in der unio mystica zwischen Dichter und Naturding. Es ist das zögerliche, stockende, mitunter auch bewusst stotternde, antigrammatische Sprechen (. . .) ein behutsames Drehen und Wenden der Wörter und Satzteile, ein kurzer Moment des Innehaltens vor der Sprache, eine auch nur geringe syntaktische Inversion – und schon kommt hier der Automatismus des Sprechens ins Stocken. Je näher der Lyriker ein Wort ansieht, desto ferner blickt es zurück.
Siehe auch Stuttgarter Zeitung 11.11.02

Der Prophet kommt im eigenen Land…

… an: Nürnberg hat damit begonnen, den in Schwabach geborenen Dichter Gerhard Falkner zu ehren, berichten die Nürnberger Nachrichten , 11.11.

Jeder Zeit andere Gedichte

Felix Philipp Ingold: «Jeder Zeit andere Gedichte». Droschl Verlag, Graz 2002. Fr. 23.-

/ St. Galler TAGBLATT , 11. November 2002 – In der gleichen Zeitung stand am 8.11. die Meldung, daß 1100 Jahre alte, mit Neumen aufgezeichnete gregorianische Gesänge des „Codex Sangallensis 390-391“ jetzt aufgeführt wurden.

Biko Jon

Noch einmal Provinz und Welt: Über einen Lyriker aus Zaire (DR Kongo) berichtet der Reutlinger General-Anzeiger, 11.11.02:
[Biko Jon’s alias Soso] Malila, der 1993 von Zaire nach Metzingen kam, hat bereits in seiner Heimat drei Zyklen verfasst. Veröffentlich hat er sie bisher noch nicht: »Ich suche noch einen Verlag.« Auf seinen Künstlernamen ist er stolz. Der unter dem Apartheids-Regime zu Tode gefolterte Steve Biko ist dem Dichter ein Vorbild. Wie den Mitgliedern der Tanzgruppe ist es ihm wichtig, sich Teile seiner Heimatkultur zu bewahren. Auch wenn in dem Land Krieg herrscht und die Diktatur Mobutus ihn und seine Freunde aus dem Land getrieben hat, so ist es dem Regime nicht gelungen, ihnen die Tradition oder Kultur zu entreißen. Gerade deshalb ist es ihm wichtig daran in seinen Gedichten durch die Schilderung von Riten, Sitten und Bräuchen festzuhalten.

Selden Rodman,

Writer and Folk Art Advocate („a polymathic poet, an iconoclastic critic of modern culture, the author of more than 40 books and a tireless promoter of Haitian and other folk art“), Dies at 93/ DOUGLAS MARTIN, NYT *) 11.11.02
Außerdem in der NYT : Excerpts from ‚Def Poetry Jam‘

Die Leonberger Kreiszeitung

(sic) druckt Auszüge aus einer Lobrede Michael Brauns auf Michael Donhauser (zur Verleihung des Christian-Wagner-Preises ):

Denn es gibt etwas, was diese Lesart (der Naturmagie, d. Red.) stört, etwas, das nicht aufgeht in der unio mystica zwischen Dichter und Naturding. Es ist das zögerliche, stockende, mitunter auch bewusst stotternde, antigrammatische Sprechen (. . .) ein behutsames Drehen und Wenden der Wörter und Satzteile, ein kurzer Moment des Innehaltens vor der Sprache, eine auch nur geringe syntaktische Inversion – und schon kommt hier der Automatismus des Sprechens ins Stocken. Je näher der Lyriker ein Wort ansieht, desto ferner blickt es zurück.

Siehe auch Stuttgarter Zeitung 11.11.
Mehr Donhauser 1 /

George Herbert

Zwei Ausgaben des in Deutschland wenig bekannten „metaphysical poet“ George Herbert (1593-1633) bespricht Rüdiger Görner in der NZZ:
Herbert verstand sich aufs Spielen mit Sprachformen. Sein Gedicht «Easter-wings» ordnet die Verse in Form eines Flügelpaares an. Nun weist nicht jedes Gedicht, das sich solcher grafischer Mittel bedient, schon auf Mallarmé hin. Und es bedürfte einiger Anstrengung, um in Herbert nun wirklich den Modernisten unter den «metaphysical poets» auszumachen. Das Bemerkenswerte an diesen – im Deutschen bisher so gut wie unbekannten – Dichtungen besteht ja gerade darin, dass sie vergessen lassen, ob es sich hier um rein geistliche Lyrik handelt, um modernistische Versuche oder versuchte Wertebewahrung. …
Beide Übersetzer haben uns einen deutschen George Herbert geschenkt und damit ein Gegenbild zur Welt des nur Profanen. / NZZ 9.11.02

George Herbert: Poems. Ins Deutsche nachgebildet von Wolfgang Kaussen. S.P.Q., Frankfurt am Main 2001. 152 S., Fr. 35.-.

George Herbert: The Temple. Mit einer deutschen Versübersetzung von Inge Leimberg. Waxmann Verlag, Münster 2002. 473 S., Euro 39.-

Sonette Shakespeares

Stefana Sabin bespricht neben anderen Shakespearebüchern:

William Shakespeare: Cupido lag im Schlummer einst. Drei neue Übersetzungen von Shakespeares Sonetten. Englisch-deutsche Ausgabe. Kritisch herausgegeben von Christa Jansohn. Stauffenburg-Verlag, Tübingen 2001. 356 S., Fr 110.-.

/ NZZ 9.11.02

Modernistischer Barde

…Manger, who was, as the editor and translator point out, a „modernist folk bard.“ His work is suffused with influences from European literature; he retells stories from the Bible, setting them in the contemporary world. He wrote verse that chills with its sense of ominous consequence for lost innocence:

An infected wind weeps in our garden;
Before our house, a scarlet lantern glows;
Death’s silver razors play, like fiddle bows,
White music on the throats of pious calves.
/ NYT *) 9.11.02

Schlechtere Zeiten für Lyrik

– wenn es nach Enzensberger geht. Der nämlich fordert in der FAZ vernünftige Preise für seine Gedichte:

Die Buchproduktion ist, soweit ich sehen kann, die einzige Branche, bei der – um im Bild zu bleiben – ein Hamburger genausoviel kostet wie ein Tournedos und eine Portion Pommes frites soviel wie eine getrüffelte Pastete. Wohin wir auch blicken, ob es sich um Kleider handelt, Schmuck, Porzellan, Möbel, überall ist erstklassige Qualität teurer als der Schund, nur bei den Büchern nicht. Das ist höchst sonderbar, um nicht zu sagen abergläubisch. / FAZ 9.11.02
Außerdem sollte jedes Land, wie bisher Restaurantführer, jährliche Literaturführer herausbringen, „von strengen, unabhängigen, gefürchteten Testern*) verfaßt“, um für den orientierungslosen Leser „die Spreu vom Weizen zu trennen“. Brave new world of poetry!

*) Bewerbungen an das FAZ-Feuilleton

Chinesische Dichtkunst

Den Beginn einer monumentalen Geschichte der chinesischen Literatur feiert die FAZ am 9.11.02:

Kubin (Hrsg.), Wolfgang

„Geschichte der chinesischen Literatur in 9 Bänden“
Band 1: Die chinesische Dichtkunst. Von den Anfängen bis zum Ende der Kaiserzeit

K. G. Saur Verlag, München 2002, ISBN 3598245416 – Gebunden, 441 Seiten, 128,00 EUR

Aus dem Klappentext (dank Perlentaucher (das Buch habe ich /leider/ noch nicht gesehen!):

Band 1 ist der chinesischen Dichtkunst gewidmet. Diese gehört mit ihrer weit ins erste vorchristliche Jahrtausend zurückreichenden Geschichte zu den höchsten Leistungen des menschlichen Geistes und hat in allen Kulturen ihren Einfluß hinterlassen. Hervorzuheben sind insbesondere das „Buch der Lieder“, die „Lieder des Südens“, die klassische Lyrik der Tang-Zeit mit ihrem bekanntesten Vertreter Li Bai (701-762) sowie das klassische Lied der Song-Zeit (10. bis 13. Jhd.).

Rilke

Ralph Freedman: Rainer Maria Rilke. Der Meister. 1906–1926. Aus dem Amerikanischen von Curdin Ebneter. Insel Verlag, Frankfurt am Main und Leipzig 2002, 520 S., 16 S. Bildtafeln, Fr. 59.–.

/ Landbote 9.11.02

Gedichte zum Sonntag

Frankfurter Anthologie der FAZ (9.11.02): Peter Huchel, Späte Zeit (Jürgen Busche).