Kategorie: USA

zersplittertes Licht

Auf der Straße gehst du an einem Mann vorbei,
und du siehst ihn nicht einmal.
Das geschieht an jedem Tag deines Lebens.

Geheimnisse starben

Geist und Sprache vereinen und vereinzeln sich wie Gänse. Wissenschaftler sagen, daß der Geist noch nach dem Tod des Körpers arbeitet. Daß es einen Energieschub im Gehirn gibt. Dann hat sie vielleicht ein letztes Mal gehört, wie sich die Gänse über ihr vereinzeln.

Das wars schon

196 Wörter, 1 Minute Lesezeit. Der amerikanische Dichter Richard Brautigan (1935–1984) war eine der eigenwilligsten Stimmen der Beat- und Post-Beat-Literatur. Seine Gedichte und Prosatexte verbinden Lakonie, Ironie und eine bewusst fragile Emotionalität. Das heutige Gedicht ist exemplarisch für Brautigans Poetik: Ein Liebesgedicht, zugleich ein Gedicht über das… Continue Reading „Das wars schon“

Hannah Arendt’s Gedichte

Schliesse mich in Deine Hände,
Daß sie schwingend
Überschwingen
Ins Gelingen,
Wenn Dir bang ist.

Luftzug von tausend Jahren

»Und die einen Völker gingen nach Norden
andere aber – nach Süden.
Und ihre Wege trennten sich für tausend Jahre
aber nur die vorwärts gingen
hinterließen Städte und Dörfer
Gräberfelder und zerschlagenes Geschirr
und die zu spät kamen –
sammelten hinter jenen die Stille auf«

spielte wie teufel im zwielicht

Taube
gedanken,im blutstrom pochend, verpassen da
wie schrecklich träge sprache ist

Was hast du vor mit deinem wilden, kostbaren Leben?

Ich weiß, wie man Aufmerksamkeit schenkt, wie man
ins Gras fällt, wie man sich ins Gras kniet,
wie man müßig und gesegnet ist, wie man durch die Felder streunt,
denn das ist es, was ich den ganzen Tag machte.
Sag, was hätte ich sonst machen sollen?
Stirbt nicht alles am Ende und viel zu schnell?
Sag mir, was hast du vor
mit deinem wilden, kostbaren Leben?

Langer Ritt

und ich finde mich selbst

eine schlechte Moralistin,

Ästhetin, die scheitert,

eine traurige Lyrikerin,

die deine Arme anfassen will und Muskeln fühlen

Dies war der Abschied

Dies ist die Ankunft.
Brot heißt Brot nicht mehr
und Wein in fremder Sprache ändert das Gespräch.

Ist das der Blödsinn?

«Ist dies», sagt man, «der Blödsinn,
den wir von unsern Dichtern erwarten ?»
«Wo bleibt das Pittoreske?»
«Wo bleibt der Strudel der Gefühle ?»
«Nein! Sein erstes Werk war das Beste.»
«Der Ärmste hat seine Ideale verloren.»

Gleichungen und Pferde

Dieses Gedicht ist Prosa. Ich bin eine Autorin von Prosa. Die Königin ist tot, lang lebe die Königin. Man vergeudet viel Zeit damit, die Oppositionen falscher Dualismen zu debattieren.

Ach, schön waren wir alle einmal

Da standen die Rosen im Regen.
Ich bitt dich, schneid sie nicht ab.
Sie werden sich nicht halten, sagte sie.
Aber sie sind so schön,
wo sie sind
Ach, schön waren wir alle einmal

Lebwohl Poesie

Nachdem die Poesie aufgehört hatte
Und die Welt nur noch aus unbelebten Strukturen bestand

Ein unfertiges weil unterfinanziertes Gebäude
Mitten im Müll und den Stimmen

Von Narren und Mördern auf der Jagd nach Gott

Ein Pakt

Ich schließ‘ einen Pakt mit Dir, Walt Whitman –
Ich hab‘ Dich lang genug verabscheut.
Ich komme zu Dir als erwachsenes Kind,
Das einen Dickschädel zum Vater gehabt hat;
Ich bin nun alt genug, Dein Freund zu sein.

Neue Himmel für alte

Was ich denke, ist ohne Duft.
Es hängt ein Almanach zwischen den Fenstern
Aus dem Jahr meiner Geburt.