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VOM „P“ ZUM „L“, ODER: WIE MAN DIE PANDEMIE PRODUKTIV BEWÄLTIGT (ERSTVERÖFFENTLICHUNG) Tom de Toys „L“OCKDOWN-TO-EARTH (in Gedenken an Peter Rech)* nach nur einem monat abstinenz von der routine nur vage erinnerung an die vertrautheit und selbstverständlichkeit der umgebung was früher normal und gewollt… Continue Reading „VOM „P“ ZUM „L“, ODER: WIE MAN DIE PANDEMIE PRODUKTIV BEWÄLTIGT“
Christiane Grosz (* 7. Januar 1944 in Berlin, † 10. November 2021) zu AGNUS DEI für Herrn Nicanor Parra in Verehrung Sie fragten das Lamm Gottes nach der Anzahl der Äpfel im irdischen Paradies zu recht. Ich hoffe, Sie erhielten Antwort und haben die Zahl überprüft. Sie baten… Continue Reading „Christiane Grosz †“
Ernst Toller (geboren am 1. Dezember 1893 in Samotschin, Provinz Posen; gestorben am 22. Mai 1939 in New York City) ALP Auf einer Stange morsch und faul Hockt das Völkergewissen, Um die Stange tanzen drei Kinderknochen, Aus dem Leib einer jungen Mutter gebrochen, Es blökt den Takt das Schaf bäh bäh. Aus: Poesiealbum… Continue Reading „Völkergewissen“
Otfried Krzyzanowski, um Soldat zu sein war er zu krank, für eine bürgerliche Existenz nicht tauglich oder nicht bereit, er lebte seine radikale Bohèmeexistenz in Wiener Kaffeehäusern, las Nietzsche, erbettelte ein karges Überleben. Über den Krieg schreiben kann vielleicht nur, wer nicht mit drin… Continue Reading „Der Soldat vielleicht“
Heute vor 80 Jahren, am 27. November 1941 werden mit dem „7. Osttransport“ vom Bahnhof Berlin-Grunewald mehr als tausend Juden nach Riga deportiert, darunter auch die Dichterin Ite Liebenthal. Sie werden drei Tage später im Wald von Rumbula bei Riga ermordet. Ite Liebenthal (eigentlich Ida Liebenthal;… Continue Reading „Bald wird mein junges Herz“
Richard Dove Lockdown III Nicht mehr erotisch Rainer Maria Rilke: Eros (1924) Masken! Masken! Daß man Eros blende. Wer erträgt sein strahlendes Gesicht, wenn er wie die Sommersonnenwende frühlingliches Vorspiel unterbricht. Wie es unversehens im Geplauder anders wird und ernsthaft… Etwas schrie… Und er… Continue Reading „Lockdown III“
Richard Dehmel (* 18. November 1863 in Hermsdorf bei Wendisch Buchholz, Provinz Brandenburg; † 8. Februar 1920 in Blankenese) Radlers Seligkeit Wer niemals fühlte per Pedal, dem ist die Welt ein Jammertal! Ich radle, radle, radle. Wie herrlich lang war die Chaussee! Gleich kommt… Continue Reading „Ick radle!“
Joachim Ringelnatz (* 7. August 1883 in Wurzen als Hans Gustav Bötticher; † 17. November 1934 in Berlin) Schneiderhüpfel vor dem Ochsen am Spieß Ein Maß Bier und zwei Maß Bier Und hundert Maß Bier und tausend Maß Bier. So leben wir, so leben wir An der Isar. Und Kalbshaxn und Kalbshaxn. Wie sind keine… Continue Reading „So leben wir, so leben wir“
Gestern vor 85 Jahren wurde Wolf Biermann in Hamburg geboren. Heute vor 45 Jahren fasste das Politbüro der SED in Ostberlin den Beschluss, den unbequemen Liedermacher und unerschrockenen Regimekritiker aus der DDR „auszubürgern“ bzw., wie es in der Pressemeldung der ostdeutschen Nachrichtenagentur ADN hieß,… Continue Reading „Der Aufsteigende“
Marie T. Martin Brief im April Bekommst du noch Briefe von Toten? Ich schreibe dir ins Jahr nach deinem Tod, was siehst du ohne Augen? Hier wachsen Blauschote und Glimmerkraut, später wird sich enthüllen, welche Sätze wichtig gewesen wären. Schreibst du noch Briefe, ich… Continue Reading „Marie T. Martin †“
Àxel Sanjosé Mahlers Fünfte am Martinstag Aus der Dämmerung ein Krankenwagen, eine Fanfare. Die Lichter flackern, die Stimmen werden dünn, die Mäntel lassen den Wind durch. Wir gehen nicht nach Haus. Schlecht beleuchtet, diese Wege, und viel zu holprig für ein Kondukt. Aus: Àxel… Continue Reading „… am Martinstag“
Reinhard Goering (* 23.6.1887 Schloß Bieberstein bei Fulda, † Anfang (14. ?) Oktober 1936 Flur Bucha bei Jena, aufgefunden am 4. November) So kann ich sitzen und die Stunden fragen, Was bringt ihr mir so trüber – trübster Fracht? Und meine Stunden werden so zu Tagen, Und… Continue Reading „Leer“
Thomas Brasch (* 19. Februar 1945 in Westow, North Yorkshire; † 3. November 2001 in Berlin) BRUNKES LIEBLINGSGEDICHT ist sehr kurz. Es handelt von einer Frau mit blutigen Händen. Die steht auf dem Flur einer Schule. Neben ihr Brunke tot, in der Hand seinen Füllfederhalter. Das Motiv der Mörderin verschweigt das… Continue Reading „Brunkes Lieblingsgedicht“
Mara Genschel Aus: NEUE METAPHERN NEUNFACH IN DEN RACHEN DER LIEBE, WIEDER [I : HOFFEN] Offenen Mantels, Schlampe. Offenen Munds, um dich geschäftig sich Regendes einatmend. Offenen Morgens, Hannover. Klebrigen Daumens, Schlampe. Die Packung getrockneter Datteln halb leer. Und süß, der Attrappen-Zweig, oder? Diverse,… Continue Reading „Hoffen“
Friedrich Rückert (* 16. Mai 1788 in Schweinfurt; † 31. Januar 1866 in Neuses) Amara, bittre, was du thust, ist bitter, Wie du die Füße rührst, die Arme lenkest, Wie du die Augen hebst, wie du sie senkest, Die Lippen aufthust oder zu, ist’s bitter. Ein jeder Gruß ist, den du schenkest,… Continue Reading „Amara, bittre“
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