Kategorie: Deutschland

191. Anschlußfähig

Benn ist erstaunlich anschlussfähig an die künftige spät- und postmoderne Wahrnehmung, er bricht das Pathos, wenn es übermächtig zu werden scheint, und versetzt seine Sprache immer häufiger mit Alltagsslang, mit Anspielungen an die Populärkultur. Der Benn-Sound spielt mit Elementen des Pop, bevor es einen… Continue Reading „191. Anschlußfähig“

190. Horrorshow

Man spricht leicht von Restauration und Mief der Adenauer- (und Ulbricht-)Zeit. Die Hamburger Ausstellung (#189) – schon in der Einführung von Helmut Böttiger – liefert erschreckende Fakten, die das Bild auffrischen mögen. Eine kleine Blütenlese (hach, Blüten: eine kleine Horrorshow!) in Originalzitaten sowie eine… Continue Reading „190. Horrorshow“

189. Doppelleben

In der Hamburger Freien Akademie der Künste gibt es bis 21.3. die Ausstellung „Doppelleben. Literarische Szenen aus Nachkriegsdeutschland“ mit viel Material – auch in einem zweibändigen Katalog und online, zB: „Aber lachen konnte ich immer …“ Adolf Endler im Gespräch   >>lesen Die Moderne rauschhaft… Continue Reading „189. Doppelleben“

188. Sehnsucht Oper

Es gibt eigentlich keine größere Sehnsucht für einen Dichter als jene, dass die Sätze, dass die Sprache zu singen beginnt, dass die ihr eingeschriebene Musik und Rhythmik über Sinnlichkeit Sinn stiftet. Lyrik kommt ja von der Lyra. Die Oper macht den Sprach- zum Klangraum,… Continue Reading „188. Sehnsucht Oper“

186. schmetterlingssäge.doc

Den mit 46 Gedichten weitaus größten Abschnitt seines Debütbandes hat Andre Rudolph „schmetterlingssäge.doc“ überschrieben. … Es werden aber weder Tag- oder Nachtpfauenaugen zerschnibbelt, noch ergeht sich Rudolph in schweißgetriebenem lyrischem Holzrauchproduzieren. Es sind Gedichte nach dem Ausgebranntsein der Sprache, der Welt. / Elmar Krekeler,… Continue Reading „186. schmetterlingssäge.doc“

185. Babi Jar

SZ sprach mit dem Bassisten Yorck Felix Speer, „Enkel von Hitlers Lieblingsarchitekten und zwischenzeitlichem Rüstungsminister Albert Speer“, und mit dem Dirigenten Enoch zu Guttenberg, dessen Großvater im Widerstand gegen Hitler hingerichtet wurde. Beide haben zusammen Schostakowitschs 13. Symphonie „Babi Jar“ nach Gedichten von Jewgenij Jewtuschenko… Continue Reading „185. Babi Jar“

184. Liebesgedichte und Videolesung

Über die Leser anspruchsvoller Lyrik in Deutschland kursieren ohnehin nur Dunkelziffern. Thomas Kling vermutete einmal, es könne sich höchstens um dreihundert handeln, während Hans Magnus Enzensberger ihre Zahl auf immerhin 1354 schätzte – aber das ist auch schon zwanzig Jahre her. Die Auflage der… Continue Reading „184. Liebesgedichte und Videolesung“

182. Alles gleichzeitig

Peter und Thomas Brasch starben im Juni und November 2001. „Die Männer der Familie Brasch waren nicht sehr kräftig“, sagt Katja Lange-Müller, „aber sie wollten in geradezu rasendem Aktionismus immer alles gleichzeitig machen.“ / FR 15.2.

181. Westerwelle und Goethe

Westerwelle, Goethe und andere schicken die deutsche Sprache in die Welt. Was soll daran schlecht sein? Die etwas angestrengte Form der Sprachwerbung vermochte Zweifel nicht zu zerstreuen. Schöner ist es, wenn die deutsche Sprache unerwartet ins Spiel kommt. – Zur Erklärung reiche ich 3… Continue Reading „181. Westerwelle und Goethe“

180. Geendlert, geerbt

Ob der wunderbare Titel „Vokalise geht einkaufen“ oder das Wort „höricht“ auf Oskar Pastior hinweisen, bleibt ungewiss, auch die „flughunde“ sind wohl eher metaphorische Fledermäuse als eine Hommage für Marcel Beyers gleichnamigen Roman*. Das autobiografischste Gedicht „wer anderen ein ei ins nest färbt“ ist… Continue Reading „180. Geendlert, geerbt“

179. Werner Karma, Gebrauchstexter

Alles Rot heißt die neue Platte von Silly. Sie erscheint in drei Wochen. 14 Jahre nach dem Tod der Sängerin Tamara Danz hat sich die Band neu erfunden. Tamaras Männer, Uwe Hassbecker, Ritchie Barton und Jäcki Reznicek, wagen mit einer anderen Frau, mit Schauspielerin… Continue Reading „179. Werner Karma, Gebrauchstexter“

178. Irrtum

„Frau Auffermann irrt“, ruft Sascha Anderson in einem Essay zur Hegemann-Debatte: Die Aussagen der Literaturkritik à la Verena Auffermann sind von einem grundsätzlichen Nicht-Wissen um die Probleme des sogenannten schöpferischen Prozesses geprägt: 1. Die Erfahrung des Schreibenden schließt das Wissen um das Nicht-Erfahrene ein.… Continue Reading „178. Irrtum“

175. Richtig

Schneider blätterte sich durch den Fußballteil und das Feuilleton der Süddeutschen Zeitung und ertappte sich, wie er einen Satz von Tobias Lehmkuhl, der einen Satz von Theodor W. Adorno drehte und wendete, aufmerksam las: Adorno hatte in der ursprünglichen Fassung von »Minima Moralia« nicht… Continue Reading „175. Richtig“

174. Nicht im Elfenbeinturm

Sie leben und arbeiten in der Hauptstadt und schreiben vor allem Gedichte: Jan Wagner, Björn Kuhligk, Florian Voß und einige andere. Zu sehr sind sie als Lyriker Individualisten, als dass sich von einer neuen Berliner Dichterschule sprechen ließe. Und doch verbindet sie manches –… Continue Reading „174. Nicht im Elfenbeinturm“

173. Für die Schublade

Ariane Grundies war im vergangenen Sommer zwei Wochen als Stadtschreiber des Goethe-Instituts in Helsinki. Ende September veröffentlichte das Goethe-Institut ein Gespräch mit ihr. Ist schon eine Weile her, erst jetzt hat mich jemand darauf aufmerksam gemacht, aber interessant ist es vielleicht auch jetzt noch.… Continue Reading „173. Für die Schublade“