Das Archiv der Lyriknachrichten | Seit 2001 | News that stays news
Ursula Krechel (* 4. Dezember 1947 in Trier) Die Frau mit dem grausamen Mund Die Frau mit dem grausamen Mund durchmißt die Messe, mißt, wägt ab, handelt trägt einen falschen Namen, der richtig ist zwischen den Visitenkarten von Wölfen fehlt ihre Karte, aber ihr Ruf bleibt. Spricht sie,… Continue Reading „Ihr Mund spricht“
Joseph von Eichendorff (* 10. März 1788 auf Schloss Lubowitz bei Ratibor, Oberschlesien; † 26. November 1857 in Neisse, Oberschlesien) Zwielicht Dämmrung will die Flügel spreiten, Schaurig rühren sich die Bäume, Wolken zieh’n wie schwere Träume – Was will dieses Grau’n bedeuten? Hast ein Reh… Continue Reading „Hüte dich, bleib‘ wach und munter!“
Thomas Brasch (* 19. Februar 1945 in Westow, North Yorkshire; † 3. November 2001 in Berlin) CHLEBNIKOW 1 Neben den Werkhallen stehen die Drehbänke auf dem Schrottplatz. Am Fenster die Losung: Automaten treten zur Arbeit an. Aber eine Schreibmaschine bleibt eine Schreibmaschine, sagt der Dichter R. Mit Maschine oder Federkiel nur:… Continue Reading „Haltet die Formen rein, sagt der Zeitungskritiker“
Zum 85. Geburtstag von Elke Erb ein Stück aktueller Lektüre Aus: Ich bin in Straßburg geborenNotizen zu Arp Aus: Elke Erb. Poet’s Corner 3. Berlin: Unabhängige Verlagsbuchhandlung Ackerstraße, S. 14 / 18
Theo Breuer Sei gefühllos! Johann Wolfgang Goethe ∙ Dritte Ode draußen die ringelblumen drinnen das brausausen das schwindeln geneigte geschöpfe ∙ gleichmütig ∙ gelassen — nicht schwer, langweilig ist mir mein zeit und neuerlich fieses schwindsaubrauseln ist das die hälfte ich lebe taumle —… Continue Reading „draußen die ringelblumen“
Rainer Malkowski (* 26. Dezember 1939 in Berlin-Tempelhof; † 1. September 2003 in Brannenburg) Mitten in einen Vers Mitten in einen Vers über die Vergeblichkeit menschlicher Beziehungen klingelt das Telefon. Sollen wir kommen? fragen die Freunde. Ja‚ rufe ich erleichtert, ja! Und der Vers bleibt auf dem Schreibtisch liegen, wo er eine… Continue Reading „Mitten in einem Vers“
Vergangenes Jahr starb Friedrich Christian Delius im Alter von 79 Jahren. Heute wäre sein 80. Geburtstag. Dazu ein Gedicht aus den 60er Jahren vorigen Jahrhunderts. Friedrich Christian Delius (* 13. Februar 1943 in Rom; † 30. Mai 2022 in Berlin) Armes Schwein Um zwei Uhr nachts stürmten wir das Haus des namhaften… Continue Reading „Da haben wir also doch wieder einen Fehler gemacht“
Franz Grillparzer (* 15. Januar 1791 in Wien; † 21. Januar 1872 ebenda) KUSS Auf die Hände küßt die Achtung Freundschaft auf die offne Stirn‚ Auf die Wange Wohlgefallen, Selge Liebe auf den Mund; Aufs geschloßne Aug die Sehnsucht In die hohle Hand Verlangen, Arm und Nacken die Begierde; Übrall sonst… Continue Reading „Kussgedicht“
Jürgen Landt (* 1957 in Loitz, Kreis Demmin, lebt in Greifswald) Landt wurde 1983 aus der DDR ausgebürgert und übersiedelte nach Hamburg. Über den Roman „Sonnenküsser“ schrieb Mathias Schnitzler in der Berliner Zeitung: Dieser Roman ist maßlos‚ roh, brutal. Er ist wahrhaftig. Und er ist gut. Eine derartig getriebene, aggressionsgeladene und… Continue Reading „Ich will nicht“
Zum 125. Geburtstag von Bertolt Brecht ein Gedicht des jungen Dichters zusammen mit einer vom Dichter verfassten Gebrauchsanleitung. Das Buch heißt Hauspostille. Es besteht aus fünf Lektionen und einem Schluss. Die erste Lektion trägt den Titel Bittgänge, sie besteht aus 9 Kapiteln (9 Gedichten).… Continue Reading „Was fürs Gefühl“
Eva Strittmatter (* 8. Februar 1930 in Neuruppin; † 3. Januar 2011 in Berlin) Sie war schon 43, als ihr erster Gedichtband erschien. Er kam mit dem Geruch des lange Verbotenen oder wenigstens Zurückgehaltenen. Ich las ihn damals gleich und mehrmals. Obwohl ich vor allem bei den nachfolgenden Büchern mehr und mehr… Continue Reading „Ich“
Rudolf Ditzen alias Hans Fallada (* 21. Juli 1893 in Greifswald; † 5. Februar 1947 in Berlin) Körperlicher Ekel Sie sprach zu ihm: „Das ist nicht abzuwenden: Ich mag dich gern, jedoch mein Leib haßt dich, Er droht in mir mit aufgehobnen Händen Und saugt dich heiß gleich einer Flamme Stich.… Continue Reading „Ekel“
Das heutige Gedicht könnte auch zum Ausbremsen eifrigen Interpretierens dienen. Wenn sie nur nicht immer solche Eile hätten. Geschrieben hat es Heinz Kahlau, der auflagenstärkste Dichter Deutschlands. Heinz Kahlau (* 6. Februar 1931 in Drewitz, Kreis Teltow; † 6. April 2012 in Greifswald) Das Lied von der Eile Ein Fleisch wächst auf den… Continue Reading „Wenn sie nur nicht solche Eile hätten“
Zur Abwechslung was Aktuelles. Außerdem ist es sein Geburtstag. Johannes Kühn (* 3. Februar 1934 in Bergweiler, Gemeinde Tholey, Saarland) DER PREIS Sie sind, die Spötter, über mir wie Vögel mich belästigend im Flug, bei mir gewesen viele Jahre. Nun bietet diese Ehrung ihren… Continue Reading „Die Spötter“
Hugo von Hofmannsthal (* 1. Februar 1874 in Wien; † 15. Juli 1929 in Rodaun bei Wien) Terzinen 1. Über Vergänglichkeit Noch spür ich ihren Atem auf den Wangen: Wie kann das sein, daß diese nahen Tage Fort sind, für immer fort, und ganz vergangen? Dies ist ein Ding, das keiner voll aussinnt,… Continue Reading „Daß alles gleitet und vorüberrinnt“
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