Minne

(L&Poe Journal #02 Neue Texte)

Kerstin Becker

MINNE

ich will zu dir Wald wir
müssen eine neue Sprache finden wir
sind so künstlich aufgeforstet wir
können zusammen nicht kommen

siehst du die Speckgürtel
und Ghettos um die Städte
Abriegelsystem humanus ich gehör
der Kaste Allerletzter an

in dir gehe ich leichter du
fängst Unruh ab seit Jahren
branden Lärme näher näher an den Saum
du bist so schön
in deinem Chlorophyllgeschmeide

wir hätten oft schon tot sein können Wald
wie geht es dir
in dir geh ich am Faden aus Instinkt und ahne Ahnen
und glaub fast an der Menschenhirne Amen

wenns stimmt kehrn wir mit letzten Energiereserven
gegen den Strom wie Lachs zum Ort unsrer Geburt zurück
du grüner Uterus ich schmieg mich ein
will Spross von deinen sein
wir rotten aus und wir bereun

wir haben Weichmacher im Blut es geht uns gut
unsere Flüssigkeiten pulsen kosmisch angetrieben
dein Humus duftet stark bewegt
unsere Nabelschnur
schnitten wir ab

Aus: „Das gesamte hungrige Dunkel ringsum“ Erscheint: (geht gerade in Druck) Frühjahr 2022, Edition Azur / Voland & Quist.

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