Sisi

Franz Werfel und Hilda Doolittle (H.D.) haben heute Geburtstag, Pauline Schanz und Mary Oliver, aber Lyrikzeitung gibt heute Elisabeth von Österreich-Ungarn das Wort, Sisi, Kaiserin und Autorin von Tagebüchern und Gedichten. An diesem Tag im Jahr 1898 starb sie. Sie verehrte Heine, der 40 Jahre älter war als sie, sie wollte der Stadt Düsseldorf ein Heinedenkmal schenken, die es aber ablehnte, so dass es nach langer Irrfahrt wie Heine selber in Frankreich Asyl fand. (Okay, verkürzte Fassung einer langen Geschichte. Es gibt zwei Heinedenkmäler, die von ihr finanziert wurden, das zweite steht in New York).
Ein Heine war sie nicht (von ihrem fünf Jahre jüngeren Generationsgefährten Mallarmé schweigen wir). Große Dichtung ist es nicht (aber warum immer nur „große“ lesen? Wie sollte man dann Maßstäbe entwickeln?). Für sie war das Schreiben Tagebuch und wohl auch Therapie. Hier zwei Proben aus dem Zyklus Nordsee Lieder (1885-87). Die erste ist unfreiwillig komisch-anstößig.

3.
Die Fischer geh’n am Strand herum
Im feschen Sonntagsschmuck,
Und kosen, Liebchen fest am Arm,
Mit Blick und Händedruck.

Heissa! Ich brauch‘ kein‘ Fischermann;
Mein Liebster liegt am Meer,
Der Göttliche, der Herrliche,
Mit seinem Schild und Speer!

Die zweite geht so durch.

20.
Finis

Die Feder, die ich vier Wochen
In deine Fluten getaucht,
Nun hab‘ ich sie zerbrochen,
Sie wird nicht mehr gebraucht.

Vier Wochen hat sie besungen
Dich ohne Unterlass;
Ob diess ihr wohl auch gelungen?
Ach, wir bezweifeln das!

Nun wird sie wieder vertauschet
Mit Schläger und Rappier;
Dieweil die Woge hier rauschet,
Trägt dort mich’s edle Tier.

Die Poesie können holen,
(Die ich ins Meer versenkt,)
Die Kabeljau und die Soolen; Ihnen sei sie geschenkt.

(Soolen: alte Schreibweise von Solen, Salzwasser).

Als Zugabe ein Stück Polemik von kaiserlicher Hand, gerichtet an die Kritiker ihres Heinedenkmals – und das hat mehr Biss:

Antwort an …

Dass meinem „Aufruf“ du nicht Lob geschenkt,
Ja, dass du ihn sogar sehr schlecht gefunden,
Es hat mich dies wahrhaftig nicht gekränkt,
Ich hab‘ des Tadels Stachel nicht empfunden.
In seiner Seele hätt‘ ich mich zu tief versenkt
Und zu begeistert Ihm den Kranz gewunden?
Der solche Kritik über mich verhängt,
Der Arme bellt mir gut mit andern Hunden.

Quelle: Sissis [sic] Gedichte. Kaiserin Elisabeth von Österreich (eBuch) Bei Google für 99 Cent zu haben.

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