Dschami

Nūru’d-Dīn ʿAbdu’r-Raḥmān-i Dschāmi

(persisch نورالدین عبدالرحمن جامی, DMG Nūr ad-Dīn ʿAbd ar-Raḥmān-i Ǧāmī; mit Titel Maulānā; geboren am 18. August 1414 in Chardscherd im Gebiet von Torbat-e Dschām in Chorasan, gestorben am 19. November 1492 in Herat) – ein persischer Dichter, geboren im Nordosten des heutigen Iran, gestorben im Nordwesten des heutigen Afghanistan

Ein Zweizeiler und vier Vierzeiler

Das Veilchen des Bartflaumes

Um acht Rosenparadiese geb ich nicht ein Zweiglein hin
Dieser Veilchen, die dir sprossen an der Seite von Jasmin.

8.
In der Nacht sei von den Frühaufstehenden,
In der Frühe von den Thränenflehenden;
Häng‘ an dem, von welchem du nicht lassen kannst,
Und entschlag dich allem abwärts gehenden!

9.
An dem Tische dieser Welt so Alt als Jung
Leidet um den Bissen tausend Kümmerung.
Auch sogar des Säuglings Augenkelch vergiesst
Hundert Tropfen, eh‘ das Tröpflein Milch ihm fliesst.

17.
Kann von der Welt Atomen ein Atom auch nur erscheinen,
In dem nicht müsst‘ ein Glanz von dir, o Glanznatur, erscheinen!
Ich suchte gestern auf der Welt die Spur von dir bei anderm;
Heut seh‘ ich von nichts anderm als von dir die Spur erscheinen.

24.
Ein Sophist, der von Vernunft kein Wort versteht,
Nennt die Welt ein Scheinbild das vorübergeht.
Ja, ein grosses Scheinbild ist die Welt, allein
Eine Wirklichkeit erscheint in jedem Schein.

Aus dem Diwan: Zwölfteilige deutsche Ausgabe. Von Nur ad-Din Abdur Rahman Dschami. Übersetzt von Friedrich Rückert. Verlag e-artnow, 2017 ISBN 8027214416, 9788027214419 Länge 574 Seiten

Goethe über Dschami

Dschami, allem gewachsen, was vor ihm geschehen und neben ihm geschah; wie er nun dies alles zu sammen in Garben band, nachbildete, erneuerte, erweiterte, mit der größten Klarheit die Tugenden und Fehler seiner Vorgänger in sich vereinigte, so blieb der Folgezeit nichts übrig, als zu sein wie er, insofern sie sich nicht verschlimmerte; und so ist es denn auch drei Jahrhunderte durch geblieben. Wobei wir nur noch bemerken, daß, wenn früher oder später das Drama hätte durchbrechen und ein Dichter dieser Art sich hervortun können, der ganze Gang der Literatur eine andere Wendung genommen hätte. (Noten und Abhandlungen zu besserem Verständnis des West-Östlichen Divans)

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