Leseecke 2

Leseecke ist eine neue Rubrik, die sich der Veröffentlichung aller 154 Sonette Shakespeares in Günter Plessows Übersetzung und dem Originaltext (bei Signaturen) anschließt und hier Leseecke und Forum zur Diskussion über die Sonette und / oder Übersetzungen sein kann. Jedenfalls ich werde in den nächsten 154 Tagen mir jeden Tag eins der Sonette vornehmen und hier den Originaltext und von Fall zu Fall zusätzliches Material anbieten. Einladung zum Pendeln von Shakespeare zu Plessow und zurück (wenns sein muß auf Umwegen über Schlegel/Tieck, Bodenstedt, George, Kraus & Co). (Die Zahl neben dem Wort Leseecke ist die Nummer des Shakespearesonetts).
Sonette 1-7 bei Signaturen hier
Bisherige Folgen der Leseecke hier.

2

VVHen fortie Winters shall beseige thy brow,
And digge deep trenches in thy beauties field,
Thy youthes proud liuery so gaz’d on now,
Wil be a totter’d weed of smal worth held:
Then being askt, where all thy beautie lies,
Where all the treasure of thy lusty daies;
To say within thine owne deepe sunken eyes,
Were an all-eating shame, and thriftlesse praise.
How much more praise deseru’d thy beauties vse,
If thou couldst answere this faire child of mine
Shall sum my count, and make my old excuse
Proouing his beautie by succession thine.
          This were to be new made when thou art ould,
          And see thy blood warme when thou feel’st it could.

Einige Anmerkungen zum Text:

 

1 beseige besiege (belagern)

liuery Schmuckgewand (Livree)

totter’d weed (2. Ausg. 1640: tattered) a) Lumpengewand b) Unkraut (in einer Manuskriptfassung steht rotten weeds)

6 lusty kräftig, lebhaft; sexuell aktiv

thriftlesse wertlos

deseru’d deserved (verdiente)

13 make my old excuse rechtfertigt mein Alter

14 could cold

Bildschirmfoto 2016-04-26 um 01.03.11

Faksimile der Erstausgabe (Q, 1609)
Faksimile der Erstausgabe (Q, 1609)

Deutsche Fassung von Stefan George:

Bildschirmfoto 2016-04-26 um 01.12.57

Deutsche Fassung von Karl Kraus:

Dir wird, wenn in die Jahre du gekommen
und Falten furchend durch dein Antlitz ziehn,
Erinnrung jener Schönheit wenig frommen,
die schneller als die Zeit dir ging dahin.

Und wenn dich dann wer fragt, wohin sie kam,
und wo sie, da sie nicht mehr sei, gewesen,
dann frage deinen Stolz, ob deine Scham
sie ließe aus erloschnen Augen lesen.

Doch wahrlich andern Ruhm trügst du davon,
könntst du auf die bewahrte Schönheit zeigen
und sprechen: Seht, in meinem jungen Sohn
ist heut vorhanden, was mir einst zu eigen!

Durch Alter endet nicht der Lebensmut:
die Jugend, die du schufst, erwärmt dein Blut.

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