1984

Ausgehend von solchen Szenarien erscheint es plausibel, dass »der Aufstieg von Death und Black Metal parallel zum Niedergang des realexistierenden Sozialismus erfolgte«, wie Jan Tölva anmerkt. Es gab im Osten aber auch Versuche, konstruktiv zu wirken. Bert Papenfuß, der in der DDR zwar eine Steuernummer als Schriftsteller hatte, aber mit Publikations- und Auftrittsverbot belegt war, beschreibt, wie im März 1984 eine einwöchige »Zersammlung« in einem Hinterhof des Prenzlauer Bergs stattfand, gedacht als »eine Generalkonferenz der nicht-offiziellen Künstlerszene der DDR«. Die Teilnehmer verortet er »zwischen verboten, verkannt, unbekannt, Underground und halblegal, Kandidatenstatus , offiziell«. Einig wurde man sich nicht, weil man sich »in erster Linie aus Eigendünkel selbst im Wege gestanden« habe.

(…)»1984!« ist eine der besten Darstellungen der 80er Jahre in Ost und West, die heute überwiegend nur noch als das Jahrzehnt der komischen Frisuren, Blazer und Schnurrbärte verhandelt werden. Die grundlegende Pointe ist natürlich die, dass es nie mehr Staat gab als heute, wie Papenfuß betont. / Christof Meueler, junge Welt

Alexander Pehlemann/Bert Papenfuß/Robert Mießner (Hg.): 1984! Block an Block. Subkulturen im Orwell-Jahr. Zonic Spezial, Ventil Verlag, Mainz 2015, 285 S., 19,90 Euro

 

Inhaltsverzeichnis

  • Alexander Pehlemann: 1984! Block an Block. Subkulturen im Orwell-Jahr. Eine Art Einleitung
  • Frank Apunkt Schneider: There’s no future like »no future«
  • mr makowski: 1984: The Best Year In My Life?. Ich lade zum Tanz. Vielleicht Pogo, vielleicht Ska. Pol-Ska
  • Avi Pitchon: Oi! The Playlist. Das 1984 eines israelischen Punks
  • Michael Gratz: Lyrik in Zeiten von Newspeak
  • Wolfgang Müller: Apokalypsen in der Wohnzimmertapete. Westberlin im Jahr 1983: Nur noch zwölf Monate bis zum Weltuntergang
  • Marcus Psurek: Arm the Unemployed! – Frankie, New Pop und die Wucht der Uneigentlichkeit
  • Alexander Pehlemann: 198Four Well?. Mit Mikoláš Chadima und Ivan Bierhanzl im Gespräch
  • Jan Tölva: Extremely Loud and Incredibly Brutal. Das Jahr 1984 als Geburtsstunde von Death und Black Metal
  • Bert Papenfuß: Fortgesetzte Abgesänge auf Anfänge unter Umständen. Folge 5: Januar bis Juni 1984
  • Peter Wawerzinek: Kunsthochklemmmappe
  • Matthias Meindl: 1968–1984. Eine sexuelle Dekadenzgeschichte in drei Jugo-Filmen
  • Jonas Engelmann: Die Verschwulung der Welt. AIDS. 1984
  • Matteo Colombi: 1984, oder das Begehren und Aufbegehren der slowenischen Subkulturen
  • Alexei Monroe: In Memoriam Tomaž Hostnik, Ljubljana, 21. Dezember 1984
  • Mario Mentrup: 1984 kaufte ich Africa/Brass
  • Gábor Klaniczay : Subkultur und Underground im Jahre 1984 in Ungarn
  • Ray Schneider: Attentat im Friedensstaat
  • Thomas Helmprecht: Startbahn 18 West. Vom Hüttendorf zur politischen Jugendkultur im südlichen Rhein-Main-Gebiet
  • Kay Osterloh: Jena 84 und die großen Brüder
  • Michael Freerix: Post Punk in Ostfriesland
  • Marc Schweska: Technik- und Subkultur
  • Joerg Waehner: Endstation Balkan
  • Martin Büsser : Die Weltformel auf der Fußsohle
  • Diana Ivanova: BG 1984. Schaue niemals Bilder zur Beruhigung vor dem Tod an
  • Pavla Jonssonova: Never Mind 1984, Here’s Hudba 85
  • Martina Lisa: Klirrende Rasierklingen am Klavier. Der Mythos Filip Topol
  • Filip Topol: Tag und Nacht
  • Alexander Nym: Ziffern und Zeichen im Wandel der Zeiten. 1984 als popkulturelle Referenz und gescheiterte Chiffre
  • Robert Mießner: Gegenseitige Hilfe. Künstler zum und im britischen Bergarbeiterstreik 1984/85
  • Ewgeniy Kasakow: Das lange Jahr 1984. Ein Krisenabschnitt der sowjetischen Rockszene
  • Claus Löser: Die Helden des »Parallelen Kinos«
  • Su Tiqqun: Der Gedrechselte
  • Su Tiqqun: Die Schwangere

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