Spirituelle Poesie ist politisch

„Solange es Religionen gibt, wird es auch Kriege geben.“
Merete Lundbye

G&GN-INSTITUT / Das Lundbye-Zitat ziert das Rückcover des neuen Gedichtbandes „NEUROATHEISMUS“ von Tom de Toys, der im Interview mit Pier Zellin über seine Poetologie sagt:

„Meine Direkte Dichtung ist quasi „Erfahrungslyrik“ mit dem Schwerpunkt auf ekstatischen Erkenntnissen. (…) Das Spirituelle als Überwindung jeglicher Religiosität ist eben mein Hauptanliegen. Deshalb verstehe ich eine erwachsene, freie Spiritualität als Transreligiosität. (…) Neuroatheistisch bedeutet ja, daß die Überwindung der Religiosität durch einen nervösen Körperzustand erreicht wird, eine ekstatische Erkenntnis, die durch die Nervenbahnen strömt, die gespürt wird anstatt nur gedacht“
Quelle: DIE SEHNSUCHT NACH DEM LETZTEN GEDICHT
http://urruhe.jimdo.com/b%C3%BCcher/neuroatheismus-interview/

Pier Zellin hat den Gedichtband außerdem für Kultura-extra rezensiert und untersucht die Gedichte auf ihre lebensphilosophische Tauglichkeit:

„Das direkte Du ohne jenseitige Dimension ist vielleicht das Kernthema der Gedichtauswahl und erklärt auch den Titel. Wo früher traditionell Gott angesiedelt wurde, ist nun eine Leere, die mit konkretem Leben gefüllt wird. (…) Tom de Toys holt das ehemals Religiöse, das Heile und Heilige, ganz ins konkrete, diesseitige Leben, er zersetzt geradezu jegliche Hoffnung auf Überirdisches und bietet als philosophische Alternative einen „radikalen Kontaktismus“, der sich wie eine anti-esoterische mystische Erfahrung anfühlt“

Quelle: Neuro? Atheismus? Kombiniert?
http://www.kultura-extra.de/literatur/spezial/buchkritik_tomdetoys_neuroatheismus.php

Es wird viel geredet über die Notwendigkeit einer neuen Politisierung der zeitgenössischen Lyrik, aber da noch immer Kriege und Terrorismus durch Glaubenssysteme verursacht werden, muß auch nach den spirituellen Dimensionen von Lyrik gefragt werden. Nicht nur „engagierte“ Gedichte üben Gesellschaftskritik, auch spirituelle Poesie ist politisch! Alles Wissenswerte über den Gedichtband hier: www.TRANSRELIGIÖS.de

One Comment on “Spirituelle Poesie ist politisch

  1. Angewandte Dichtung: […] Zu ihr gehören alle Dichter, die sich als Verkünder und Verbreiter einer Weltanschauung und Weltgestaltung fühlen, die nicht von ihnen selbst stammt. Ferner, um viele Stufen tiefer als sie, alle die, die […] das Publikum finden, sich dem Theater anpassen oder ähnliches wollen und sich darauf berufen, daß der Dichter für seine Zeitgenossen schreibe und sich also nach ihnen richten müsse. Sie hat es immer gegeben, und sie sind in der Mehrzahl. Eine völlige Trennung ihrer auf Anwendung bedachten Anschauungen von denen der reinen Dichtung ist nun freilich weder wünschenswert noch hat sie je bestanden; aber wenn sie den Ton angeben und der zugrunde liegende Unterschied nicht beachtet oder gar mißachtet wird, wie es seit langem wieder der Fall ist, verfällt die Literatur unaufhaltsam.

    Robert Musil, Notiz um 1926

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