100. Resi Langer

Als die 1886 in Breslau geborene Resi Langer nach der Schauspielschule 1906 nach Berlin geht, kommt sie als Sekretärin im Verlag Alfred Richard Meyers unter. Meyer dichtet unter dem Namen Munkepunke, vor allem aber gibt er die Gedichte der Avantgarde heraus – Gottfried Benn, Else Lasker-Schüler, Max Hermann-Neisse und andere. Langer heftet die Werke zu „Lyrischen Flugblättern“ zusammen und beginnt sie öffentlich vorzutragen. Als der Expressionist Ernst Stadler sie auf die verspielte, erotische Lyrik des Rokoko aufmerksam macht, nimmt sie auch diese in ihr Repertoire auf. Mit den Gedichten Christian Morgensterns und Wilhelm Buschs lebt sie zudem ihre humoristische Seite aus. Auch ihre Filmrollen, so 1912 als Debütantin in „Der Ulk im Film“ oder zuletzt in „Ferien vom Ich“ (1934), sind im komischen Fach angesiedelt.

In ihren Vorträgen entwickelt Resi Langer einen ganzen eigenen Stil, der sich bewusst von den „Rezitationen“ etwa einer Adele Sandrock absetzt. Langer erscheint vielmehr als Mischung aus eleganter Marquise und rustikalem Nachbarsmädel, zugleich aristokratisch und proletarisch. Der Dadaist Richard Huelsenbeck, nach der kurzen Ehe von Langer und Meyer und vor Hugo Ball ihr Geliebter, nennt sie eine „Vortragskünstlerin von Rang“, Max Brod später im „Prager Tageblatt“ begeistert eine „Meisterin“. / Elke Brüns, Tagesspiegel

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