91. Hausacher Leselenz

Am vergangenen Wochenende tagte die Hausacher Leselenz-Jury, am Mittwoch wurden die drei neuen Hausacher Stadtschreiber bekannt: Silke Scheuermann aus Offenbach, Thorsten Nesch aus Leverkusen und Marie T. Martin aus Köln werden für drei Monate zu »Wahl-Hausachern«.

»Für mich schließt sich ein Kreis«, strahlte Silke Scheuermann gestern förmlich durchs Telefon. Zum ersten Mal überhaupt hatte sie sich um ein Stipendium beworben und niemals damit gerechnet, das das gleich klappen würde. Warum gerade in Hausach? »Ich hatte genug von den Reisen und den vielen Städten, da habe ich mich erinnert, wie herrlich ruhig es in Hausach ist«, sagt sie – und ihren jungen Hund kann sich auch mitnehmen. Der Kreis schließt sich, weil sie vor zwölf Jahren als ganz junge Lyrikerin bei der Eröffnungsveranstaltung zum Hausacher LeseLenz mit Elisabeth Borchers lesen durfte. Sie erinnert sich an »unglaublich freundliche Leute und ein riesiges Interesse an der Literatur«.

»Wenn es eine zärtliche Wortgenauigkeit gibt, dann bei Silke Scheuermann. Sie schöpft dabei fantasievoll Bilder, die scheinbar flüchtig daherkommen und es doch verstehen, den Leser innehalten zu machen und gängige Alltagsklischees aus ihren Angeln heben«, heißt es in der Begründung der Jury. Die Autorin hat sowohl Lyrik als auch Prosa veröffentlicht, wurde vielfach ausgezeichnet und will im Sommer Schwarzwald an ihrem neuen Roman arbeiten.

Ebenso groß war die Freude gestern bei Thorsten Nesch: »Ich habe heute ein Dauerlächeln«, freut sich der Vater dreier Kinder auf die drei Monate, in der er die Ruhe und die finanzielle Sicherheit hat, um an seinem neuen Jugendbuch zu arbeiten. Die Idee, für die er gerade recherchiert, »verträgt sich nicht mit einem großstädtischen Umfeld«. Dass damit erstmals auch noch eine Poetik-Dozentur für Kinder- und Jugendliteratur an der Pädagogischen Hochschule in Karlsruhe verbunden ist, sei für eine »tolle Sache«. (…)

Marie T. Martin (…) wird nach Odile Kennel und Thomas Rosenlöcher die dritte Gisela-Scherer-Stipendiatin. »Sie weiß um die Hilfs-Konstruktion Zeit, um deren vermeintliches Zeugnis und wundet Vers um Vers die Entblößungen ihres Uhr-Diktates aus«, schreibt José F. A. Oliver, der Lyrik-Experte in der Jury.

Sie schreibe »Gedichte, die nicht so tun als ob, sondern zeigen, was sie wissen: Dass der Kalender nur einen Tag kennt – das, was sich bündelt im Augenblick der Wahrnehmung«. Da Marie T. Martin aus Köln in Freiburg geboren ist, wird sie in etwa wissen, was sie im Schwarzwald erwartet. / Baden online

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