73. Lyrik hat es schwer?

Lyrik hat es heutzutage schwer“, erklärt der Kamener Schriftsteller Heinrich Peuckmann, lese ich. Mag sein. Jeder sagt das. Trotzdem ist es falsch. Da wird einfach die Vergangenheit verklärt. Lyrik hatte es fast immer schwer. Wahrscheinlich nicht zu Sapphos und Pindars Zeiten, wo sie eine Funktion hatte. Und in Rom? Der Epiker war staatstragend, ein paar „große“ Lyriker genossen Ansehen und waren von Gönnern abhängig. Gunst kann gewährt und entzogen werden, Ovid landete im Exil. Und was ist mit den „kleineren“ Lyrikern Roms? Der große Walther von der Vogelweide schlug sich so durch und bekam spät ein kleines Lehen, wofür ein Dankgedicht fällig wurde. Klopstock wurde schon zu Lebzeiten viel gelobt und wenig gelesen, ein ausländischer Gönner ernährte ihn. Hatte Goethe es leicht? Sein Geld verdiente er als Multiminister. Ruhm und ein Zubrot erwarb er mit Werther und Faust, aber mit Lyrik? Die Erstausgabe des berühmten „West-östlichen Divans“ lag noch 100 Jahre später wie Blei im Lager. Hatte Trakl es leicht, van Hoddis, Ehrenstein? Benn wurde mit 6 Gedichten berühmt-berüchtigt, Geld verdiente er damit ebensowenig wie Else Lasker-Schüler, beide rechneten auf bzw. ab. Und in anderen Ländern vielleicht, mag sein. Anscheinend verehren „die Russen“ oder jedenfalls viele Russen ihre großen Dichter sosehr, daß sie ihr Gesamtwerk einscannen und ins Internet stellen, ohne Rücksicht auf ein Copyright. Würde Suhrkamp hinnehmen, wenn man so mit Brecht oder Celan verführe? In einigen asiatischen Ländern genießt die Lyrik große Popularität, aber das mit „Stadien füllenden Lesungen“ ist eine Legende, stimmt vielleicht für einen oder zwei, wovon der eine schon tot ist. Aber in kaum einem anderen Kulturkreis wurden so viele Lyriker geköpft, verbrannt, gehäutet, wahrscheinlich hat nur Stalin noch mehr Lyriker ermorden oder verhungern lassen. Ins Gefängnis und Exil getrieben wurden sie sowieso, fast überall.

Lyrik hat es schwer, richtig, aber „heutzutage“ ist ein Schmarrn.

7 Comments on “73. Lyrik hat es schwer?

  1. hast du ne andre idee, was ich tun könnte als zu „schimpfen“ über fortdauernde beleidigungen und verleumdungen gegen mich und andere? herr schneider ist einer der vielen lyriker, über die du pauschal urteilst ohne ein einziges ihrer bücher gelesen zu haben. es ist ja nicht das erstemal daß wir diese auseinandersetzung haben. bitte laß es einfach und such dir für deine selbstdarstellungen ein forum, das intellektuell besser zu dir paßt. ich meine das wie ich es sage. jeder weitere beitrag von dir, in dem du statt argumente vorzutragen auf personen eindrischst wird kommentarlos gestrichen. –
    auch wenn die erfahrung lehrt, daß argumente nicht ankommen, noch einmal zur information, ich habe dich weder aus der schlagwortwolke heraus- noch wiederaufgenommen und kann das auch gar nicht. das macht ein algorithmus, den ich nicht beeinflussen kann.

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  2. ja, die schwere als schwer…punkt(punktpunkt) liegt wohl in der perspektive der rolle, die man einnimmt, und da sind wir wieder bei der „unabhängigkeit“ oder auch nicht 🙂 die/der kommende diesjährige nahbellpreisträger((in) weiß ein lied davon zu singen, hier ein preview des interviews „WELTHALTIG & WIDERSTÄNDIG“ mit ihr/ihm, wo sie/er auf das „betriebsrauschen“ eingeht !!!
    http://poemie.jimdo.com/nahbellpreis/preistr%C3%A4ger-portraits/15-nahbell-preis-2014-steht-schon-fest-wird-aber-erst-sp%C3%A4ter-bekannt-gegeben/

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    • mensch, hör doch mal auf!

      das ist in der häufung + wiederholung +selbstdarstellung + längen + (sagen wir) selbstzentrierten einlassunge & auswürfen schon länger sowie in regelmäßig schüben oder meinetwegen hochzeiten kaum noch zu ertragen; es sei denn, man ignoriert totto pro pars.

      auf die art vergeht es einem vollkommen, die LZ zu lesen, vor allem letzte kommentare anzuklicken, wo es öfters ganz int. debatten mit immer wieder interessanten erweiterungen neuen meinungen und sichtweisen gibt

      UND: beschimpft hast du (auch) mich schon gehörig, in deiner typischen ART&weise, außerdem unter umständen rechtliche schritte angekündigt, zusätzlich körperliche züchtigung in aussicht gestellt
      > d.h. also mußt du jetzt nicht wieder in die vollen gehen und endlose tiraden loslassen bzw. manifeste, textkollonen bzw. metaZENdoppelketten oder was auch immer anbringen.

      in der nächsten reinkarnation sehe ich zu analphabet zu werden so unsere karmalitergeister uns wieder in den selben zeittopf & sprachkontainer werfen

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      • bist du der vom herausgeber in schutz genommene penner, der auf fakebook in seinen privaten galerien NAMEN für geklaute fotos mißbraucht und auf meine bitte, daß ich das NICHT witzig finde, glatt noch fragt, wer ich sei? du weißt noch nichmal, mit WEM du befreundet bist, aber erlaubst dir mit deinen fakebook freunden blöde späße? ja wie doof kann man nur sein! meine angebote bleiben bestehen. die generation fakebook gehört einfach in die tonne!!! und was das kommentieren hier betrifft, habe ich mehrfach (ohne deine widerworte) wiederholt, daß ich es im sinne der sache empfinde, wenn dichter das kommentarfeld für LYRIK verwenden. das geschieht leider viel zu selten, ist natürlich nur MEINE meinung. jedenfalls war ich der einzige, der den ukrainischen kollegen ein antikriegsgedicht als solidaritätsgruß postete. DAS finde NICHT NUR ICH erschreckend dürftig, aber ich weiß von einigen kritischen, qualitativ hochwertigen LESERN dieser zeitung, daß sie schon vor langer zeit die eigene einmischung hier AUFGEGEBEN haben, weil man sich nur die hörner am psychopillepalle und manchmal sogar an LÜGEN abstößt. so wie jetzt. ich lach mich tot! aber wenn die SCHWEIGENDE mehrheit lieber nur nette, aalglatte kommentare möchte, kein problem. warum mein name allerdings wieder in der schlagwortwolke aufgenommen wurde, verstehe mal einer. wie lange muß ich mich raushalten, um da endlich gelöscht zu werden? der große herausgeber schimpft sowieso NUR RESTLOS über all meine beiträge, da liegt also eine gewisse schizophrenie vor… in diesem sinne, ahoi und helaaf, und viel spaß noch!

        [hervorhebungen statt kommentar von mir, michael gratz]

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  3. Das schwer ist immer von einem Markt aus gedacht – also von einer so oder so festzustellenden Zahl von Interessenten für eine Sache. Und die, die das denken (lancieren), sind oft genug deren Promotoren (Kritiker) im Dienste von Verlegern (und damit der Relevanzbereitung ihrer eigenen Disziplin). Aber auch bei der Dichtung, bei dem damit zu Sagenden geht es ja um Deutungsansprüche.

    Das Seltsame ist, dass es der Lyrik mit all dem neuen Publikum und dem Betrieb vielleicht nicht so viel besser geht als sonst (als früher – wenn auch in der Tendenz ja wohl doch). Zwar haben sich die Aufnahmekapazitäten ausgeweitet, aber für den zunehmenden Ausstoß sind sie eben auch heute noch beschränkt.

    So viel interessante Lyrik wie heute geschrieben wird, kann auch der ihr Geneigte gar nicht lesen. So bleibt es insgesamt doch wieder „schwer“.

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