99. Q, W, Z

Wo schon Buchstaben verboten werden, wie soll da Literatur gedeihen? Q,W,X gehören nicht zum türkischen Alphabet, in der kurdischen Sprache sind sie dagegen reichlich vorhanden. Wer die Wörter mit den bösen Buchstaben benutzte, dem drohte in der Türkei lange Zeit Gericht und Gefängnis. Das Sprachverbot ist gefallen, die Türkei sucht den Frieden mit ihren Kurden und mit sich selbst. In der Millionenstadt Diyarbakir im Südosten des Landes, im kurdischen Herzen der Türkei, hat die Sprachrevolution schon das gesamte öffentliche Leben erfasst. Kurdisch ist die Sprache der Straße und der Kultur, der Bazare und der Bühnen, der Caféhäuser und der Kinos. Sonst gilt Zweisprachigkeit: vom Rathaus bis zur Polizei.

Das macht auch den kurdischen Dichtern Mut. ‚Ein Traum hat sich erfüllt‘, sagt Zaradachet Hajo. Sechzehn Jahre lang hat Hajo, ein Kurde mit syrischen Wurzeln, das kurdische PEN-Zentrum geführt – vom Exil in Deutschland aus. Nun ist für den 63-Jährigen die Zeit gekommen, den Sitz der Vereinigung kurdischer Literaten von Deutschland nach Diyarbakir zu verlegen. / Christiane Schlötzer, Süddeutsche Zeitung 21.5.

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