31. Adjektive

Also geb ich nach und schreib am populärsten Thema weiter:

  • Reich-Ranicki: ekelhaft
  • Biermann: stümperhaft (er nennt das auch „dumpfbackigen Polit-Kitsch“ und „literarische Todsünde“)
  • Hochhuth: anmaßend
  • Westerwelle: absurd (der Außenminister spricht ebenfalls von einer „literarischen Todsünde“)

Die Wiener Presse meint:

Meinungsmacher mögen angewidert sein von der antiisraelischen „Das-wird-man-ja-noch-sagen-dürfen“-Lyrik des deutschen Nobelpreisträgers. Die Masse ist auf der Seite von Günter Grass.

Günter Grass verblüfft nicht nur mit seiner Ahnungslosigkeit. Fast mehr noch nervt seine lächerliche Pose als Draufgänger, der es endlich wagt, das Schweigen zu brechen.

9 Comments on “31. Adjektive

  1. no name, no sense… das krieg ich nicht zusammen.
    anscheinend braucht man hier unbedingt einen namen, damit die schubladen aufgehen können, zumal es sich ja um einen kommentar handelt?

    Liken

    • ich hab schon oft versucht zu erklären, nicht immer erfolgreich. ja, hier braucht man einen namen. nicht weil es um „prominenz“ geht, sondern weil ein kommentar, den man nicht mit dem eigenen namen beglaubigt, keinen wert hat. wozu soll das gut sein? feigheit? anonym jemand andres anschwärzen? rumpöbeln? gibts massenhaft im internet, aber in einer öffentlichen debatte ist es fehl am platze. habe mut, dich deines eigenen namens zu bedienen! und wenn es unbedingt anonym sein soll, warum nicht am eigenen platz? hier will ich das nicht, basta.
      (es kann ausnahmen geben, zb beim sprechen über jemand, von dem man abhängig ist (chef, juror etc.): in dem fall könnten sie sich vertrauensvoll an mich wenden.

      Liken

  2. DER „P.N.“-FAKTOR: es ist schade, daß sich von zahlreichen kommentatoren der lyrikzeitung nicht mehr erwarten lässt, als jede gelegenheit dazu zu mißbrauchen, sich möglichst pauschal niedrigschwellig zu artikulieren. habe soeben den artikel über grass in der rheinischen pest gelesen (ausgabe vom samstag, 7.4.12, seite A6 politik), in dem die herren beermann & schröder VERSUCHEN, das gedicht im detail zu interpretieren: meiner meinung nach sieht man sogar an ihrem inhaltlich entlanghangelnden versuch, wie 1seitig sich ein text sogar im detail auf demagogische eigeninteressen reduzieren lässt. WIRKLICH HOFFEND auf qualitativ hochwertiges in der analyse, um das pro+contra grass besser zu verstehen – mit gruß aus dem verregneten düsseldorf, tom @ http://www.POLITLYRIK.de

    Liken

  3. „ich, Wolkenstein, leb sicher klain vernünftiklich,
    das ich der werlt also lang beginn zu hellen“ (OvW)
    Im Schwanken zwischen dem argumentum ad hominem und der Geißelung der lyrischen Qualität verbleibt nichts als Döns mit Ge.

    Liken

  4. VON MAULHELDEN UND MENSCHEN: nach mehrfachem lesen des grassen -angeblich krassen- gedichtes werd ich den verdacht nicht los, daß ALLE, die sich angesprochen ODER angegriffen fühlen, sich im grunde ERTAPPT fühlen und mit händen und füßen von den wahrheiten ablenken wollen, die mister nobelpreis gegen BEIDE staaten äußert, oder isolierte textstellen für sich zu instrumentalisieren bemühen. ich empfinde grassens text zwar KEINESWEGS als „gedicht“ (noch nichtmal unter „antilyrischen“ kriterien), sondern als sehr simplen brainstorming-essay, der durch zeilenumbruch nur optisch leichter lesbar wird. aber inhaltlich habe ich KEINE EINZIGE stelle gefunden, auf die sich irgendeine der kritiken wirklich explizit berufen könnte. im gegenteil: ich war verblüfft, daß er in ALLE richtungen GLEICHMÄßIG schläge verteilt und die eingetretene resonanz auf seinen text sogar selbst lapidar prophezeit – und z.b. das ranicki-reizwort „jude“ kommt noch nichteinmal wörtlich im text vor, stattdessen seine verbundenheit zu israel und sein eigener untilgbarer makel, den er aus sorge um den allgemeinen frieden als seinen schatten „verantwortungsbewußt“ überspringen möchte! übrigens bin ich persönlich gegen identitätszuschreibende wörter wie „jude“ und „ausländer“, da sie meiner meinung nach erst eine riskante wertende realität erfinden. stattdessen könnte man das wort INLÄNDER DES PLANETEN ERDE aus kosmischer sicht vertreten und die MENSCHHEIT ALS GALAKTISCHE FAMILIE bezeichnen, um die ewige kollektivsuizidale tendenz unserer lebensform als „indirekten globalen kannibalismus“ zu enttarnen. aber ich bin sicher, auch ein solcher extraterrestrischer standpunkt würde von den jeweiligen „gegnern des kosmischen“ als irgendwie esoterisch menschverachtend (womöglich auf den begriff eines „kosmischen kommunismus“ reduziert) zurechtinterpretiert werden… FOLGENDEN STELLEN im grasstext entnehme ich seinen humanistischen ansatz, der NICHT partei für 1 seite ergreift, sondern sich gegen die „ÜBERGREIFENDE“ POLITIK AN SICH richtet:

    – „das von einem Maulhelden unterjochte und zum organisierten Jubel gelenkte iranische Volk“

    – „Zwang, der Strafe in Aussicht stellt, sobald er mißachtet wird; das Verdikt ‚Antisemitismus‘ ist geläufig.“

    – „ich schweige nicht mehr, weil ich der Heuchelei des Westens überdrüssig bin“

    – „darauf bestehen, daß eine unbehinderte und permanente Kontrolle des israelischen atomaren Potentials und der iranischen Atomanlagen durch eine internationale Instanz
    von den Regierungen beider Länder zugelassen wird“

    – „Nur so ist allen, den Israelis und Palästinensern, mehr noch, allen Menschen, die in dieser
    vom Wahn okkupierten Region dicht bei dicht verfeindet leben und letztlich auch uns zu helfen.“

    es wäre hilfreich, wenn Günter Grass selbst eine klarstellung in der lyrikzeitung platzieren würde, wobei mein wunsch darin läge, daß er sein eigenes gedicht quasi sekundärliterarisch selbst analysieren würde, um dem „lyriklaien“-leser eine fußnoten-chance zu geben, die ganzen angriffe gegen IHN zu verstehen bzw zu entkräften. was ich merkwürdig finde, ist daß Grass auf Kritik erwiderte, „er wollte deutlich machen, dass es ihm in erster Linie um die Regierung von Premierminister Benjamin Netanjahu gehe, die gegen jede UN-Resolution den Siedlungsbau fortsetzt, Israel mehr und mehr Feinde schaffe und das Land isoliere“, aber genau diese seine konkreten kritikpunkte NICHT DEUTLICH (nämlich „DIREKT“ wörtlich) zu einem echten politgedicht formt sondern dem „intellektualen“ leistungsdruck erliegt, einen sublimierten, abstrakten text zu schreiben, der allzu spröde ohne poetische emotion auskommen will, um vielleicht seinen eigenen kriterien eines „allgemeingültigen“ (nicht nur privatistischen) „friedensgedichtes“ gerecht zu sein? sein verkappter mini-essay liest sich wie ein traktat oder wie immer man sowas nennen soll, aber das DIREKTE feuer im herzen des dichters wird „rational“ unterdrückt. man wühlt beim lesen in „großväterlich gebildeter“ kalter asche, um unter dem „argumentativen“ platten politjargon die ehemalige wirklich menschliche glut (wut, angst, sorge etc) zu ahnen…

    WAS ALSO IST EIN „GUTES“ POLITGEDICHT, fragt der forscher in mir, wenn grassens text laut biermann nur „stümperprosa“ sei? oder hat es seine „qualität“ (brauchbarkeit) bereits bewiesen, indem es angebliche skandale auslöst? ich behaupte nein, das erschiene mir als allzu billiger trick, um wie eine absichtlich schlechte „sensationsmeldung“ die boulevardpresse zu füttern! ein liedermacher wie Konstantin Wecker, der selber in der region kulturelle friedensarbeit leistet(e), erscheint mir da wesentlich poetischer als der staatsdichter und nunmehr beinahe schon staatsfeind Grass… ich bitte um aufklärung in jeder hinsicht! auch, falls ich hier selber einem blinden auge erliegen sein sollte.

    Liken

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: