114. Meine Anthologie: Gegen Grammatiker

Aus der „Griechischen Anthologie“, Buch XI: Trink- und Scherzepigramme

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Der Grammatiker umtriebiges Geschlecht, Wurzelgräber der Musen
Anderer, traurige Motten im Flug von Distel zu Distel,
Quälgeister der großen Geister, wagt es, euch mit Erinna zu brüsten,
wadenbeißende kläffende Köter des Kallimachos,
Poetenpest, Kinderverschatter,
verzieht euch, heimlich nagende Schädlinge der schönklingenden Dichtung! 


Γραμματικῶν περίεργα γένη, ῥιζωρύχα μούσης / ἀλλοτρίης, ἀτυχεῖς σῆτες ἀκανθοβάται, / τῶν μεγάλων κηλῖδες, ἐπ‘ Ἠρίννῃ δὲ κομῶντες, / πικροὶ καὶ ξηροὶ Καλλιμάχου πρόκυνες, / ποιητῶν λῶβαι, παισὶ σκότος ἀρχομένοισιν, / ἔρροιτ‘, εὐφώνων λαθροδάκναι κόριες. (Antiphanes)

Eine mehrbändige Ausgabe der Anthologia Graeca wird im Stuttgarter Verlag ANTON HIERSEMANN KG vorbereitet. Die Übersetzungen stammen von Dirk Uwe Hansen (Greifswald), Jens Gerlach (Hamburg), Peter von Moellendorff (Gießen), Kyriakos Savvidis (Bochum) und Christoph Kugelmeier (Saarbrücken). Der erste Band wird voraussichtlich noch in diesem Jahr erscheinen. Das 11. Buch kommt in den 3. Band und wird von Christoph Kugelmeier übersetzt. Die obige Übersetzung stammt von Dirk Uwe Hansen (nicht aus der Ausgabe).

Eine metrische Übersetzung von Dietrich Ebener in Dietrich Ebener (Hg.): Die Griechische Anthologie. 3. Band. Berlin u. Weimar: Aufbau Verlag 1981, S. 83

Wikipedia ist hier noch einsilbig bzw. -sätzig:

Antiphanes of Macedon is the author of ten epigrams in Greek Anthology; one of these is headed as Antiphanes of Megalopolis and may be by another poet.

Die katalanische Version hat dagegen 4 Sätze:

Antífanes (Antiphanes, Ἀντιφάνης) fou un poeta epigramàtic grec.

Alguns dels seus epigrames es conserven a l‘antologia grega. Va viure després de Meleagre, en temps de l’emperador AugustFilip de Tessalònica va incorporar alguns dels seus epigrames a la seva antologia, cosa que ens els ha conservat.

Die Aufbau-Ausgabe sagt:

Antiphanes: Von Makedonien bzw. Megalopolis, 1. Hälfte des 1. Jahrhunderts u.Z.

Lustig ist, daß Megalopolis beinahe die griechische Übersetzung von „Mecklenburg“ ist, bzw. umgekehrt, Meckel = michel, groß (Gegensatz zu Luxemburg = lützel, little burg). Nur „Stadt“ statt „Burg“. Die Herzöge von Mecklenburg waren ja trotz des deutschen Namens Slawen wie die Makedonier seit dem Mittelalter. Makedonien wiederum hat auch „groß“ im Namen:

The name Macedonia (Greek: Μακεδονία, Makedonía) is related to the ancient Greek word μακεδνός (Makednos). It is commonly explained as having originally meant ‚a tall one‘ or ‚highlander‘, possibly descriptive of the people.

Außerdem umfaßt das slawische Wort „grad“, „gorod“ sowohl Stadt als Burg (Petrograd = Stadt Peters = Petersburg). Im übrigen wird auch der Name „Gratz“ von dem Wort abgeleitet, also Stadt- oder Burgbewohner. Hochgewachsene Stadtbewohner zwischen Deutschen und Slawen oder zwischen Dichtung und Grammatik. Stimmt schon. [Andere Deutung: gracz, polnisch Spieler]

2 Comments on “114. Meine Anthologie: Gegen Grammatiker

  1. Sehr schön, auch wenn Kallimachos natürlich eigentlich ein cooler Typ war! Immerhin hat er selbst Dichtung hinterlassen. Schulgelehrte Nachrede kann ja auch wirklich sehr lästig sein! Sie hat einen so schlechten Ruf, dass man ihn nutzen kann, auch den zu bashen, der eine Dichtung ohne Vorurteile kritisiert. Aber ein Epigramm soll ja nicht differenziert sein, sondern eine Waffe. Sicher deswegen setzt Gratz ostentativ seine etymologischen (damals hätte man vielleicht noch „grammatisch“ gesagt) Studien darunter

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    • Auf Kallimachos, den urbanen Hochgewachsenen zwischen Dichtung und Grammatik, lassen wir natürlich nichts kommen, da gebe ich dir Recht. Die prokynes kann man ja auch verstehen als die kleinen Kläffer, die ohne Verstand ihrem Herrchen vorauslaufen und alle Entgegenkommenden verbellen, um sich dann winselnd (aber unbelehrbar) zurückpfeifen zu lassen. Es gibt solche Hunde…

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