67. Clemens Schittko hat einen Preis

Der zweite „Lauter Niemand Preis für politische Lyrik“ wurde kürzlich in Berlin vergeben. Eine Verteidung des Siegertextes von Stefan Schmitzer, The Gap:

Der „Lauter Niemand Preis für politische Lyrik“ ist lustig dotiert (400 € – gerade so viel, dass es noch als „echtes“ Preisgeld durchgeht) und von einer Literatur-Zeitschrift gestiftet, die im ihrem Namen (Lauter Niemand) schon ihr Programm umreißt (etwa: Hinzens und Kunzens Privatpoetiken in fruchtbarem Nebeneinander mit den Patent-Kapazundern des „neuen deutschen Lyrik-Hypes“).

Zum Anlass gab es eine Lesung der Autoren der „engeren Wahl“, eine Diskussion  und die Bekanntgabe des Preisträgers. Dass der Clemens Schittko heißt und den Preis für sein Gedicht „Who is who / Is who or what“ gekriegt hat, erfüllt mich mit Genugtuung. Weil:

Diesen Monstertext, diese 24 Seiten füllende Litanei über Geschichte und Farce der deutschen Gegenwart, dieses  genial einfach konstruierte Ding kenne ich schon länger (seit „Perspektive“#64). Habe ihn/ sie/ es auch bei zwei Anlässen als „extrem super“ bezeichnet und musste dann den Doppelvorwurf „zu lang! und unterkomplex!“ lang und breit entkräften. Stimmt halt einfach nicht. Das hab ich jetzt, dank der Lauter Niemand-Jury, quasi schriftlich.

Geschenkt: Wer von „Who is who…“ nur die erste halbe Seite liest, muss sich denken: Kennen wir schon, bringt uns nicht weiter. Ein einziges Formprinzip – hier die Aussage „A heißt jetzt B“ – über allerhand Sachverhalte zu spannen, ist wirklich weder neu noch originell. Und erinnert an die langweiligeren Gebilde von Erich Fried et al.

Aber je länger der Text läuft, desto mehr wird deutlich, was das nochmal heißt, dass dokumentarisch-didaktische Lyrik ihre Wurzeln genauso sehr in Lied und Zauberspruch hat wie jede andere. Einen Text zu bauen, der zum Mitgrölen – „Raider heißt jetzt Twix“ – genauso anregt wie zur Recherche von Detailfragen deutschen Versicherungsrechts oder zur Kontemplation verschobener Subjektbegriffe – das mache Schittko mal einer nach.

Dass Schittko noch keinen „eigenen“ Gedichteband hat, ist eine Frechheit. Wo es Zeug von ihm zu lesen gibt, steht andererseits eh hier.

Lauter Niemand. Berliner Zeitschrift für Lyrik und Prosa

www.lauter-niemand.de

One Comment on “67. Clemens Schittko hat einen Preis

  1. wie???? mach mal einer nach? das is ja zum schiiiießen! weiß der glühende verehrer schittkos (den ich auch schätze,ha, nebenbei mit verlaub) denn nicht, daß clemens die fortsetzung von KAI POHL ist, der das spielfeld mit der figur „heißt jetzt“ eröffnete? auch von mir und nanderen (wie HEL TousainT) wurden bereits variationen in pohls teil 3 integriert, das gnze wächst sich zu einem echten monster aus 😉 und klar hat schittko den preis zu recht… geürchte besagen sogar (nur so nebenbei mit verlaub), daß er heimlich im G&GN-institut als kandidat für den nahbellpreis diskutiert wird… nebenbei (mit VERLAUB!!!!)) ist DER wiederum auf 10 millionen dotiert und damit der weltweit höchstdotierte lyrikpreis. aber wen interessierts… hahahahahahaha, DAS LEBEN IST LUSTIG! affenplanet! überall nur polizisten! und noch ein krieg und noch ein krieg und wenn ich mein haribo krieg, schrei ich siiiieg…

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