Aufregend sinnlos

Aebli ist ein Meister der minimalisierenden Ironie: «Alles hat höchstens keine Bedeutung.» Der Ameisenjäger im Gedicht «Selbstgespräch am Abend» ist zweifellos ein Selbstporträt des Dichters: «Kinder auf der Strasse / machen wenigstens Lärm. / Du machst gar nichts.» Nichts ausser Jagd auf Ameisen: «Erstaunlich viel / Angriffsfläche, diese / Lebewesen, / und dabei so / klein», bemerkt er. Das kommt einer Selbsterkenntnis gleich. Der Jäger und Dichter redet von der eigenen Angriffsfläche und seiner Statur, die nicht mächtiger ist als die seiner Beute: «Überall, wo er hinkommt, bildet er ein Klümpchen.» – «Klümpchens» Arbeit, nein: Aeblis Poesie ist so verletzlich wie Ameisen. Mit einer seiner eigenen Formeln ausgedrückt: Sie ist so aufregend sinnlos wie «Staub fotografieren». / NZZ 24.1.04

Kurt Aebli: Ameisenjagd. Gedichte. Suhrkamp-Verlag, Frankfurt am Main 2004. 75 S., Fr. 14.90.

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: