Schlagwort: Lyrikzeitung

May Song

May you be happy eternally,
As long as you love me.

Ihr dummen Kerle

Ihr dummen Kerle, die ihr Frauen
grundlos anklagt, ohne zu sehen,
dass ihr selbst die Ursache seid
für das, was ihr ihnen unterstellt

Luftzug von tausend Jahren

»Und die einen Völker gingen nach Norden
andere aber – nach Süden.
Und ihre Wege trennten sich für tausend Jahre
aber nur die vorwärts gingen
hinterließen Städte und Dörfer
Gräberfelder und zerschlagenes Geschirr
und die zu spät kamen –
sammelten hinter jenen die Stille auf«

es muss ein Wolf gewesen sein

es muss ein Wolf gewesen sein
sonst wär sie ja nicht querfeldein
zurück in ihre nackte Sicherheit
und hätte sich nicht so in Richtung Mond gesträubt

spielte wie teufel im zwielicht

Taube
gedanken,im blutstrom pochend, verpassen da
wie schrecklich träge sprache ist

wer entlässt die angst

wohin gehen die alten ideen
wenn niemand mehr sie denkt?
wer entläßt die angst
ihrer blinden verbote
wer schließt ihre geschlossenen
augen ein für allemal?

Du im Gehorchen und Befehlen schwach

Mit vierzig Jahren wardst du eingezogen
Zum Kriegsdienst noch. Man schrieb mit blauem Stift
Dir auf die nackte Brust, schwach eingebogen,
Wie einem Hammel, den das Schlachtlos trifft,
Roh eine Nummer auf, ’s ist nicht gelogen.
Ich löschte mühsam später erst die Schrift
Von meiner Haut, eh ich mit Pappkarton
Nach Vorschrift dir gefolgt zur Garnison.

Ein Spaziergang, zugleich etwas über (falsche) Schreibweise und (korrekte) Aussprache

man sagt, sie können nicht denken
aber sie können schlafen ohne dabei von den ästen zu fallen
könnte ich doch auch die schwerkraft vergessen
und aufhören zu denken

An die Einwohnerschaft Berlins

Ihr lieben Leute lasst Euch sagen
Dass ich seit Jahren keine Wohnung hab.
Und die es lesen will ich fragen,
»Wer lässt mir einige Zimmer ab?«

Jean Paul zum 200. Todestag

Die nächste Sonne

Hinter den Sonnen ruhen Sonnen im letzten Blau, ihr fremder Strahl fliegt seit Jahrtausenden auf dem Wege zur kleinen Erde, aber er kommt nicht an. O du sanfter, naher Gott, kaum tut ja der Menschengeist sein kleines, junges Aug auf, so strahlst du schon hinein, o Sonne der Sonnen und Geister!

Es herrscht Frieden

Es herrscht Frieden.
Der Frühling hat begonnen.
Die Sonne scheint.
Ich bin rausgegangen, die Menschen sind gelassen,
Auch ich bin gelassen.

Liebt niemand hier Schweres?

Du willst ums Verrecken verstanden werden, sonst ist es umsonst, dein Leben, und du musst es wieder tun, die Inkarnation.
– Ist Verständlichkeit Selbstähnlichkeit oder Strafarbeit?
Du bist eine schwere Aufgabe, liebt niemand hier Schweres?

Und was ist mit Gerhard

keiner geht hier weg
wichtig ist der Fleck
hör auf mit dem Dreck
und was ist mit Gerhard geschehn
mit Gerhard ist gar nichts geschehn

Vor 700 Jahren starb der Dichterfürst Wizlaw von Rügen

Bier und Meth und guter Wein,
Rinder, Gänse, fette Schwein’ –
Muß des Menschen Herz erfreun,
Hahn kräht uns im Stalle.

Warum

Wenn alle Menschen goldne Nägel hätten
Dann würden Präsidenten niemals Hemden tragen
Und ließen Leute friedlich ihre Suppe löffeln.