Rose Ausländer

Die Dichterin Rose Ausländer war während des Zweiten Weltkrieges mehrere Monate wegen angeblicher Spionage in sowjetischer Haft. Das sollen neue Geheimdienstprotokolle beweisen, die osteuropäische Wissenschaftler bei einem Symposium zu Leben und Werk Ausländers in Ludwigsburg präsentierten. Die Schriftstellerin hatte über die Monate im Gefängnis stets geschwiegen. Bekannt wurden in Ludwigsburg zudem vier bisher unbekannte Gedichte Ausländers. /dpa 7.2.01

Zuflucht

Ales Rasanau, Dichter aus Weißrussland, hat in Hannover Zuflucht gefunden. Am Montag wurde er im Rathaus empfangen.
„Es ist, als wäre ein riesiges Netz gespannt, das mich von Himmel und Erde trennt“, schildert Ales Rasanau seine Situation als Schriftsteller in Weißrussland. Das Gefühl, beobachtet und am Telefon belauscht zu werden, Briefe und Pakete oft geöffnet und teilweise gar nicht zu erhalten, bedrohe nicht nur seine Familie, es belaste ihn auch künstlerisch: „Ich kann nicht mehr mit dem Himmel kommunizieren“. / Neue Presse 7.2.01

Bedrohung

Ales Rasanau, Dichter aus Weißrussland, hat in Hannover Zuflucht gefunden. Am Montag wurde er im Rathaus empfangen.

„Es ist, als wäre ein riesiges Netz gespannt, das mich von Himmel und Erde trennt“, schildert Ales Rasanau seine Situation als Schriftsteller in Weißrussland. Das Gefühl, beobachtet und am Telefon belauscht zu werden, Briefe und Pakete oft geöffnet und teilweise gar nicht zu erhalten, bedrohe nicht nur seine Familie, es belaste ihn auch künstlerisch: „Ich kann nicht mehr mit dem Himmel kommunizieren“. / Neue Presse 7.2.01

„Spionin“

Die Dichterin Rose Ausländer war während des Zweiten Weltkrieges mehrere Monate wegen angeblicher Spionage in sowjetischer Haft. Das sollen neue Geheimdienstprotokolle beweisen, die osteuropäische Wissenschaftler bei einem Symposium zu Leben und Werk Ausländers in Ludwigsburg präsentierten. Die Schriftstellerin hatte über die Monate im Gefängnis stets geschwiegen. Bekannt wurden in Ludwigsburg zudem vier bisher unbekannte Gedichte Ausländers. / dpa 7.2.01

Heinz Kahlau 70

Heinz Kahlau, Dichten gegen die Kälte. Zum siebzigsten Geburtstag des Lyrikers. / Katrin Hillgruber Tagesspiegel 6.02.2001 – Der Lyriker und Autor Heinz Kahlau feiert heute seinen 70. Geburtstag / Volker Müller Berliner Zeitung 6.2.01

Wilde Biographien

Debatte über „wilde“ Biographien u.a. mit Beiträgen von Uwe Kolbe und Ulrike Draesner / Perlentaucher

Just how good is he?

Never mind the misogyny and homophobia, Eminem is a brilliant poet. As the controversial rapper heads for Britain, Giles Foden explains why he belongs in the pantheon of literary greats.

The man is in town this week, and on the Nokia message board they’re asking, „Does anyone know how to get Stan as a ringer tone?“ Which is all very postmodern and interesting, since the hit song overtly references the brave new world of telecommunications: „Dear Slim, I wrote you but you still ain’t callin‘ / I left my cell, my pager, and my home phone at the bottom . . .“

… But who is he, really? Like the Portuguese poet Fernando Pessoa, with his quiverful of pseudonyms, like the coy Eliot of Prufrock, or Walt Whitman’s Song of Myself – „Do I contradict myself? Very well then I contradict myself, (I am large, I contain multitudes)“, Eminem is a multiple, elusive experience, one that folds about itself like his near-palindromic name (from Marshall Mathers: M ’n‘ M). / Giles Foden Tuesday February 6, 2001 The Guardian

Streit um Zbigniew Herbert

In Polen streitet man sich um den Dichter Zbigniew Herbert
Zu seinen Lebzeiten war Zbigniew Herbert ein souveräner Kopf, der es sich und der Umwelt nicht leicht machte. Die jetzige Auseinandersetzung über die politischen Ansichten des Lyrikers ist seiner vielfach nicht würdig. – Querdenker, die nicht in politische Rechts-Links-Schemata passen, laufen oft Gefahr, voreingenommen oder selektiv rezipiert zu werden. Das gilt besonders für jene Charaktere, die trotz oder wegen ihrer intellektuellen und künstlerischen Genialität im Umgang mit der Öffentlichkeit und ihren Mitmenschen eher schwierig sind. Teile ihrer Biographie und ihrer öffentlichen Äußerungen werden verschwiegen oder umgeschrieben. Man ordnet sie politischen Milieus zu, denen sie nicht angehörten oder nicht angehören wollten. Der 1998 gestorbene polnische Dichter war einer dieser Intellektuellen, die es sich und ihrer Umwelt nie leicht gemacht haben./ NZZ 5.2.01

Gerettete Texte aus dem Stasi-Staat

Eine literarische Reihe widmet sich Jürgen Fuchs:

Von Udo Scheer: Jena. Wohl nicht zufällig eröffnete jetzt Edwin Kratschmer, einer der wichtigsten Multiplikatoren für gesellschaftlich engagierte Literatur im Osten Deutschlands, die neue Buchreihe „Gerettete Texte“ mit dem frühen Gedichtzyklus „schriftprobe“ von Jürgen Fuchs. Im Umfeld des kürzlichen 50. Fuchs-Geburtstages (19. Dezember) des im Mai 1999 an Blutkrebs gestorbenen Schriftstellers und DDR-Bürgerrechtlers liegt damit erstmals ein Markstein seines lyrischen Frühwerks vollständig veröffentlicht vor (Schriftprobe, VDG Verlag, Weimar, 48 Seiten, 14 DM). /Nordwest Zeitung 3.2.01

Petersilie

In ihren Tagebüchern versammelt Marie Luise Kaschnitz viele um den Tod kreisende, auf dem Land spielende Geschichten, die gerade im Makabren religiöse Obsessionen offenbaren. Eine von ihnen lautet: „Connie“, erzählt aus Schloss Dorf in Österreich. Als die Schlossherrin gestorben war, musste der Sarg zugelötet werden. Die Tochter saß bei C. und hielt sich die Ohren zu. Es dauerte aber lang, hörte nicht mehr auf. C. ging nachsehen, es stellte sich heraus, dass man (Kriegszeit) alle defekten Blechgegenstände, Gießkannen usw., in die Kapelle gebracht hatte. Die Krankenschwester hatte, weil Winter war, nichts Grünes gefunden, der Toten ein Kränzchen im Sarg zu machen, und schließlich Petersilie gepflückt. Aber die alte Köchin, die für den Leichenschmaus viele Gäste zu versorgen hatte, holte ihr diese Petersilie empört wieder aus dem Sarg. / NZZ 3.2.01

Wer was Neues macht…

Wolfram Göbel setzt als Verleger auf Books on Demand:

Ein schmaler Gedichtband. 72 Seiten, gebunden, schön gestaltet, der Schutzumschlag in Grüntönen. Richard Wagner: „Mit Madonna in der Stadt“. Über den Inhalt könnte man viel reden, Über die luftleichten Windgedichte und Stimmen im Ohr des aus der deutschsprachigen Minderheit in Rumänien stammenden Künstlers Wagner. Doch auch die Erscheinungsform des Buches, das in der Lyrikedition 2000 von dem renommierten Germanisten Heinz Ludwig Arnold herausgegeben wird, ist der Rede wert: „Die Lyrikedition 2000 ist ein Demand Verlag der Buch & medi@ GmbH, München. Dieser Verlag publiziert in Verbindung mit dem Hamburger Buchgrossisten Libri ausschließlich Books on Demand. Die Bücher werden elektronisch gespeichert und auf Bestellung gedruckt, deshalb sind sie nie vergriffen. Books on Demand sind über den klassischen Buchhandel und Internet-Buchhandlungen zu beziehen.“ / Stuttgarter Zeitung 3.2.01

Petersilie

In ihren Tagebüchern versammelt Marie Luise Kaschnitz viele um den Tod kreisende, auf dem Land spielende Geschichten, die gerade im Makabren religiöse Obsessionen offenbaren. Eine von ihnen lautet: „Connie“, erzählt aus Schloss Dorf in Österreich. Als die Schlossherrin gestorben war, musste der Sarg zugelötet werden. Die Tochter saß bei C. und hielt sich die Ohren zu. Es dauerte aber lang, hörte nicht mehr auf. C. ging nachsehen, es stellte sich heraus, dass man (Kriegszeit) alle defekten Blechgegenstände, Gießkannen usw., in die Kapelle gebracht hatte. Die Krankenschwester hatte, weil Winter war, nichts Grünes gefunden, der Toten ein Kränzchen im Sarg zu machen, und schließlich Petersilie gepflückt. Aber die alte Köchin, die für den Leichenschmaus viele Gäste zu versorgen hatte, holte ihr diese Petersilie empört wieder aus dem Sarg. / NZZ 3.2.01

Neu

Frankfurter Anthologie der FAZ: Wulf Segebrecht über die „Kleine Ballade“ von Marie Luise Kaschnitz / Das neue Gedicht in der „ Welt „: Richard Pietraß über ein Gedicht von Peter Piontek / 3.2. 2001

Friedrich-Hölderlin-Preis an Dieter Wellershoff

Der Friedrich-Hölderlin-Preis der Stadt Homburg geht in diesem Jahr an den Kölner Schriftsteller Dieter Wellershoff. Er erhält den mit 25 000 Mark dotierten Literaturpreis für sein Gesamtwerk, besonders aber für seinen im vergangenen Jahr erschienenen Roman „Der Liebeswunsch“. Wellershoff, 1925 in Neuss am Rhein geboren, promovierte 1952 mit einer viel beachteten Arbeit über Gottfried Benn. Seit 1952 arbeitete er als Lektor für Literatur und die Buchreihe Neue Wissenschaftliche Bibliothek bei Kiepenheuer & Witsch. In den 60er Jahren gehörte er zum Kreis der Gruppe 47 und gilt als Förderer der Autoren Rolf Dieter Brinkmann, Nicolas Born und Günter Herburger sowie Begründer der Kölner Schule des Neuen Realismus.
Der mit 10 000 Mark dotierte Hölderlin-Förderpreis geht an die Berliner Lyrikerin Ulrike Draesner. Die Preisverleihung findet am 7. Juni, Hölderlins Todestag, im Kurhaus Bad Homburg statt. /H.L. Frankfurter Rundschau 2.2.01

Frau von Kaschnitz und die 68er

Von Walter Jens

„Vor-den-Kopf-stoßen als erzdemokratische Tugend“ fordert der Tübinger Zeitkritiker Walter Jens im SPIEGEL-ONLINE-Essay. Dabei verknüpft er das gegenwärtige Gezeter über die 68er mit einer fast vergessenen Frankfurter Schriftstellerin.

Frau Merkel, mit ihren von keiner Kenntnis getrübten Attacken gegen die 68er, möge nachlesen, was Marie Luise Kaschnitz , die Demonstrantin auf der Bockenheimer Straße, gegen brutale Polizeieinsätze aufbegehrend, in jener Zeit schrieb… / Der Spiegel 2.2.01