Ein Sprachspieler aus dem 16. Jahrhundert

… begann mit Ende des 20. und Beginn des 21. Jahrhunderts das Interesse an der Sprache Papillons zu wachsen – und dieses Interesse sieht man auch noch deutlich in der Anthologie von hochroth Paris walten. 1984 erschien eine Studie zum Sprachspiel bei Papillon von Isa Dardano-Basso, 1988 eine Ausgabe der Diverses Poésies, einem reichlich bunten Zyklus, herausgegeben von Nerina Clerici Balmas. Die Sprachspielerei und Sprachverdrehung, die Sprachzerstückelung und Sprachverschlüsselung Papillons gerade in den Diverses Poésies ist freilich nicht ohne Vorbild und Tradition, aber in ihrem experimentellen Charakter und ihren teils radikalen Spitzen scheint dieser Aspekt seines Werkes doch am leichtesten anschlussfähig an die Themen, Debatten und Formspielereien, die die zeitgenössische Lyrik umtreiben. Die Verschlüsselung geht zum Teil so weit, dass es fraglich wird, ob hier überhaupt eine Verschlüsselung vor sich geht, und nicht vielmehr eine Art protodadaistischer Spieltrieb. Entsprechend und diesem Themenakzent folgend eröffnet die neue Anthologie aus Paris mit dem Sonett in unbekannter Sprache aus den Diverses Poésies, das ein süßes Liebesgeheimnis zwischen Dichter und Geliebter inszeniert (…) dieses Gedicht ist unter den sprachexperimentellen sicherlich eines der gelungensten, vollständigsten. Aus der Reihe dieser bis zur Hermetik verschlüsselten Texte bringt die Anthologie von Nowak noch einige, wenn auch nicht alle, die sich in den Diverses Poésies finden – aber dennoch dominiert in diesem Band deutlich das Spiel: mit Silbenzahlen, mit nicht endenwollenden Reihungen, mit einzelnen Buchstaben, mit der erweiterten Leserichtung im Akrostichon, mit der zerfaserten Leserichtung des Anagramms.  / Tobias Roth, Signaturen

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Marc Papillon de Lasphrise: mon secret ma mignonne. Hg. v. Leszek Nowak. Frz. Paris (hochroth) 2013. 30 Seiten. 6,00 Euro.

Verleihung des Erich-Maria-Remarque-Friedenspreises verschoben

Aus organisatorischen Gründen ist die Verleihung auf das Frühjahr 2016 verlegt worden, sagte ein Sprecher. Dahinter steckt offenbar, dass es nicht möglich war, wegen der heftigen Kritik an der politischen Haltung des syrischen Autors Ali Ahmad Said (Adonis) zum Assad-Regime, eine angemessene Preisverleihung zu organisieren.

So konnte bisher niemand gefunden werden, der die Laudatio auf die Trägerin des Nebenpreises hält, die Bürgermeisterin von Lampedusa Giuseppina Maria Nicolini. Für Adonis war zwar mit dem Publizisten Daniel Gerlach ein Laudator gefunden worden, aber auch erst nachdem der diesjährige Träger des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels, Navid Kermani, es abgelehnt hatte, sie zu halten. / DLR spricht mit Stefan Weidner

Adonis selbst sei über die Verschiebung „nicht erfreut“, sagte Schneider. Man versuche aber, „ihm deutlich zu machen, dass wir unsere Entscheidung, ihm den Preis zu verleihen, nicht revidieren werden.“ / FAZ

Sag an Villon

Schon im ersten Gedicht wird der Bezugsrahmen abgesteckt:

sag an villon komm sprich mit mir
was tun wenn alle stricke reißen ich
häng im echo meiner worte kann
mich selbst schon nicht mehr hören

was tief in meine kehle schneidet
ist ein lied aus herkunftszeichen …

und wenig später heißt es im gleichen Gedicht: „im unterwegssein da ist zukunft…“. Francois Villon (1431-1463), vielleicht der bedeutendste Dichter des französischen Spätmittelalters, wird als Bruder im Geiste wahrgenommen, er ist der stille Begleiter mit dem Bauer im letzten Gedicht dieses Bandes „ach ja villon da wär noch was“ erneut in Dialog tritt. Es ist ein Fazit des klarsichtigen Pessimisten Bauer, der u.a. die vielen in der Welt befindlichen missglückten Gedichte betrachtet, auch das Misslingen der eigenen Zeilen, und konstatiert: „von dichtertreff zu dichtersuff / auch unsre zunft ändert sich nie“. / Monika Vasik bei Fixpoetry über

Christoph W. Bauer
stromern
Haymon

2015 · 136 Seiten · 17,90 Euro
ISBN: 978-3-7099-7022-5

Jannis Ritsos (1909-1990)

Auch nach Ende des 2. Weltkriegs, in dem Ritsos als Partisan gegen die deutschen Besatzungstruppen gekämpft hatte, hörte die griechische Bürgerkriegssituation nicht auf, sodass der Autor von 1948 bis 1952 inhaftiert wurde – damals notierte er seine Lyrik auf Gefängnisinseln wie Limnos oder Makronisos, heimlich auf Zetteln, die in Flaschen versteckt und im Sand eingebuddelt wurden.

300 Ermordete allein auf Makronisos, 600 Gefangene seien irrsinnig geworden, 900 hätten sich nur hinkend fortbewegen können. „Sie verlangen das Brot zurück, das sie nicht aßen, “ schrieb Ritsos. „Die Toten verlangen ihr Leben zurück.“ Die Peinigung durch Verfolgung und Einzelhaft traf Ritsos noch einmal Ende der 1960er-Jahre während der Zeit der Diktatur durch die Militärobristen, die aber schließlich vor einer anderen Macht, der der Weltöffentlichkeit, zurückweichen mussten. Kein Geringerer als Louis Aragon hatte Jannis Ritsos zum „größten lebenden Dichter“ ernannt. Da war neben den politischen Kampfgesängen auch der neue lyrische Ton wahrgenommen worden, den Ritsos in Büchern wie „Mondscheinsonate“ oder „Steinerne Zeit“ in die griechische Lyrik hineingebrachte hatte, indem er mit seinem anderen Verständnis des „Griechentums“ alle romantischen Verklärungen der griechischen Landschaft ausblendete (…) / Christian Linder, DLF

Gedichte und Schmungks

Und noch auf andere Weise haben die Gedichte von Kito Lorenc etwas Kindliches an sich, was jedoch keinesfalls abwertend gemeint ist, sondern viel mehr ihre Qualität ausmacht: so wie es manchmal schwer sein kann gegen die glasklare Logik eines Kindes zu argumentieren, kann man auch den Gedichten von Kito Lorenc einfach nicht widersprechen:

[…]
denn es gibt nichts
was ein Nichtstuer nicht
schon nicht getan hätte

Der Untertitel von Windei in der Wasserhose des Eisheiligen lautet „Gedichte und Schmungks“. Gleich zu Beginn wird das Wort „Gedichte“ mit einer Fußnote und folgender Erklärung versehen: „Schmungks (sächs.) – Zusammengekochtes“ Kito Lorenc bringt treffend in einem Wort auf den Punkt, worum es sich bei Schmungks handelt. Jan Kuhlbrodt erklärt es im Nachwort etwas ausführlicher: „Durchsetzt ist der Band mit Schmungks, aphoristischen Gebilden aus teils vorgefundenem Wortmaterial, widerborstigen Sentenzen.“ Diese Schmungks unterscheiden sich von den Gedichten darin, dass sie meist Worterklärungen oder Zitate sind und sich oft wie absurde Lexikoneinträge lesen, beispielsweise wenn das äußerst seltsame Phänomen NORDIC WALKING sehr nüchtern beschrieben und zu erklären versucht wird. Manche Schmungks sind aber auch tatsächliche Lexikoneinträge, was sie jedoch nur noch absurder macht:

SELBSTMORD (ältere Definition): Seltene, im realen Sozialismus mehr und mehr zurückgehende Todesart. (Meyers Lexikon in einem Band, Leipzig).

Und auch die Frage, was denn eigentlich ein Gedicht sei, lässt Kito Lorenc nicht ungeklärt, widmet dem Gedicht einen eigenen Schmungk (oder eine Schmungk? Gibt es Schmungks überhaupt in der Einzahl?*):

GEDICHT. Ein Gedicht muss unklar sein. Über etwas, das sich von selbst versteht, muss man kein Gedicht machen.

/ Astrid Nischkauer, Fixpoetry

Kito Lorenc  ·  Ralph Lindner (Hg.)  ·  Jayne-Ann Igel (Hg.) · Jan Kuhlbrodt (Hg.)
Windei in der Wasserhose des Eisheiligen
poetenladen

2015  ·  104 Seiten  ·  16,80 Euro
ISBN:  9783940691668

Siehe auch Kai Hammermeister: Könnte man weglaufen davor, ein Dichter von Heimat zu sein? Fixpoetry 03.09.2013 über:

Kito Lorenc
Gedichte
Mit einem Vorwort von Peter Handke
Suhrkamp
2013 · 128 Seiten · 13,95 Euro
ISBN: 978-3-518-22476-2

*) Meine Antwort als Experte: Schmungks ist bereits Einzahl, vgl.: Zeugs 😉

Poetry strikes back

Woman Trolls Trump By Reading Book Of Poems On Racism In The Background Of A Speech
Important to keep a book in one’s bag, if an event gets boring or there is a lull.

posted on Nov. 10, 2015, at 11:05 p.m.
Katherine Miller (Hier mit dem Originalvideo von Trumps Auftritt)

At a Donald Trump rally on Monday, a woman in the crowd cracked open a copy of what appears to be Claudia Rankine’s Citizen, a book of poetry about race and racism in America.

She waited until about 12 minutes into his speech…

…texted for a bit…

…had a short conversation…

…and cracked open the book…

…to really read it up close.

Katherine Miller is the political editor for BuzzFeed News and is based in New York.

Bert-Brecht-Preis 2016 für Silke Scheuermann

Mit dem Bert-Brecht-Preis 2016 wird (…) die Schriftstellerin Silke Scheuermann ausgezeichnet. In ihren „utopischen Gedichten“ spiegelt sich in faszinierender Weise die Gegenwart. Silke Scheuermann wurde für ihre Lyrik-Sammlung „Skizze vom Gras“ bereits 2014 mit dem Hölty-Preis ausgezeichnet, der die höchstdotierte Lyrikauszeichnung im deutschsprachigen Raum darstellt.

Silke Scheuermann wurde am 15. Juni 1973 in Karlsruhe geboren, studierte Theater- und Literaturwissenschaft und arbeitete am germanistischen Institut der Universität Frankfurt a. Main. Ihre Lyrik
und Prosa wurde in zahlreiche Anthologien aufgenommen, mit ihrem Lyrikband „Der Tag an dem die Möwen zweistimmig sangen“ debütierte sie 2001. Es folgten zahlreiche Preise Auszeichnungen und Stipendien, z.B. bereits 2001 der Leonce-und-Lena-Preis der Stadt Darmstadt, 2004 das Literaturstipendium Villa Aurora, Los Angeles, 2009 das Stipendium Villa Massimo, 2013/14, das Stipendium des Internationalen Künstlerhauses Villa Concordia in Bamberg. 2004 war Silke Scheuermann Stadtschreiberin in Beirut, 2005 in Dresden.

Kulturreferent Thomas Weitzel: „Vor allem mit ihrer Lyrik deutet und kommentiert Silke Scheuermann in subtiler, niemals dogmatisierender Weise das Zeitgeschehen in filigran-kraftvoller Metaphorik. Dabei erreicht sie in ihrem Werk eine sehr eigene und außerordentlich hohe ästhetische Qualität.“
Die Verleihung des Preises erfolgt im Rahmen des Brechtfestivals 2016. / Presse Augsburg

Knochenmusik

Zwei Auszüge aus einer Rezension von Alexandru Bulucz zu Gedichten von Werner Söllner:

1

Eines ist sicher, da würgt jemand an seinen Verfehlungen. Dieses Würgen: ein persönliches, ein poetologisches. Das eine ist nicht ohne das andere zu denken. In der Juryerklärung zur SWR-Bestenliste November, auf der Knochenmusik Platz 5-6 belegt, heißt es zu Söllner vorsichtig: „Er begann mit dem Schreiben von Gedichten und Kinderbüchern in den Zeiten der Diktatur in Bukarest. Schuldlos kommt man da nicht heraus.“
Aber führt besagtes Würgen des Schuldigen (um in der Sprache der SWR-Jury zu verbleiben), führt Einsichtigkeit, führt die Tatsache, dass man sich zu den eigenen Fehlern bekennt, zur Lösung des Problems?

2

Vielleicht ist Söllner der Dichter der schönen Gedichte. Verglichen mit den vielen der aktuell eingesetzten lyrischen Formen dürften seine als eher klassisch gelten. Seine Sprache ist wenig emphatisch und zurückhaltend, sie ist bilderreich, präzis und nicht verrätselt, so als sei diese Lyrikform die einzige, für die man in einer nicht unter Zensur leidenden Staatsform plädieren könnte. Aber man hat den Eindruck, durch die Wirkung dieser Sprache auf den Leser, durch das, was sie in einem auslöst, würden die Gedichte implodieren, so viel enthaltene Semantik schwebt insgeheim in ihrem Hintergrund mit. Jede Zeile ist für sich eine semantische Einheit, lücken- und ausnahmslos. Zu Recht schrieb Heinrich Detering einst vom Klangzauber der Dichtung Söllners. Söllner konnte das Hören in seinem nach zwei Semestern aufgegebenen Physikstudium schulen: „Und da habe ich exakt zwei Semester lang Physik studiert, weil ich Physik (…) ungeheuer faszinierend finde. (…) Und während der beiden Semester habe ich herausfinden müssen (…), dass zum Physikstudium auch stundenlange Aufenthalte im Phonetiklabor gehören, wo man Glasröhren reiben musste, damit die Sandfüllungen dieser Glasröhren Wellen nachbilden, damit wir die akustischen Wellen verstehen.“ (Söllner 2012 im Gespräch mit Bernd Leukert, dem Herausgeber der Reihe, in der Knochenmusik erscheint.) Anders lässt es sich kaum sagen: Söllners Dichtkunst grenzt an Perfektion. / Signaturen

Werner Söllner: Knochenmusik. Gedichte. Mit einem Nachwort von Eva Demski. Frankfurt am Main (Edition Faust) 2015. 72 S. 18 Euro.

Pro und contra

Erste Besprechungen.  bei Zeit online:

Das in den vergangenen Jahren oftmals gescholtene Genre des Metatextes, der nicht nur das Schreiben selbst zum Thema hat, sondern in der Regel auf den Mehrwert einer auf Effekt und Lacher ausgelegten Performance baut, war in diesem Jahr mit Beiträgen von Hilde Drexler und Toby Dax vertreten. Daran kann man grundsätzlich etwas zu kritteln haben. Gerade Hilde Drexler, die als erste Autorin las, legte mit Zinnentanz aber einen klanglich und rhythmisch fabelhaft durchkomponierten Text über das Suchen nach Wort, Syntax und Plot vor, der zweifelsohne über die kurzweilige Unterhaltung hinausging.  (…)

Einen originellen, wenngleich in der Ausführung noch nicht geglückten, Ansatz stellte Philip Krömer mit seinem fiktiven Zusammentreffen des Dichters H.C. Artmann und dem Massenmörder Fritz Haarmann vor.

(…)

Wer es zum morgendlichen Auftakt des zweiten Wettbewerbtages noch nicht wieder in den Saal des Heimathafens Neukölln geschafft hatte, dem entging die Lyrik von Tobias Lewkowicz. Die Gedichte des 1984 Geborenen muten auf dem Papier an wie eine Partitur und mögen so manchem Leser auf den ersten Blick sperrig und konzeptioniert erscheinen. Wer sich an die Lektüre wagt oder einfach nur Lewkowicz zuhört, der merkt unmittelbar, dass der erste Eindruck trügt. Lewkowiczs Gedichte sind still emphatische Liebes- und Familienerkundungen, die das Zufällige, Willkürliche von Entwicklungen und Ereignisfolgen durch die Anordnung der Zeilen abbilden. Immer wäre, so liest man bei Lewkowicz, auch eine andere Abzweigung im Dasein möglich gewesen.

Die Kritikerin fragt sich dann, warum die „hochkarätig“ besetzte Jury

ausgerechnet drei Texte auszeichnete (zweimal Prosa, einmal Lyrik), die weit unter dem literarischen Niveau verschiedener anderer lagen, in sprachlicher sowohl wie in inhaltlicher Hinsicht, Texte, die nichts aufrissen in der Wahrnehmung und keinen eigenen Ton fanden, kann kaum anders als sprachlos machen. Sie sollen an dieser Stelle deshalb nicht der Rede wert, sondern allein der Vollständigkeit halber genannt werden: Andra Schwarzes brave Naturgedichte, Jessica Linds Text Mama über die Zweifel und Hürden des Mutterwerdens, Theresia Töglhofers Beziehungsgeschichte Das pure Leben.“

Und schließt mit dieser Nicht-Andeutung:

Falls doch den einen oder anderen die Frage umtreiben sollte, was die Schriftstellerjury zu ihrer Entscheidung bewogen haben mag, dann kann man nur hoffen, dass er nicht auf die irrwitzige, verschwörungstheoriegesättigte Pointe verfällt, dass hier bewusst nicht das gefördert wird, was nach potenzieller Konkurrenz aussieht. Ein solcher Gedanke wäre so verrückt, dass wir ihn an dieser Stelle noch nicht einmal in einer Andeutung aussprechen wollen.

Anders urteilt Tobias Wenzel im Deutschlandradio:

Hilde Drexler: „‚Unter den Wipfeln‘, nein, scheiße, Wortwiederholung, ‚unter den …‘, warum nicht Wipfeln, ist ja kein Schulaufsatz“

Die Österreicherin Hilde Drexler und einige andere Autoren mehr schrieben über das Schreiben. Metatexte, die müde machten und bei denen man sich fragte, ob die in der Tat noch jungen Autoren denn bisher überhaupt nichts erlebt haben. Der Wiener Toby Dax brachte es in seinem Beitrag auf den Punkt, verstand aber wohl nicht den Bumerangeffekt seines Satzes:

Toby Dax: „Die Literatur ist eine anstrengende Sache, besonders wenn man nichts zu sagen hat.“

Terezia Mora: „Dann lass es halt!“

Rief Terezia Mora diesem Autorentyp zu. Ihr und ihren Jury-Kollegen Jan Brandt und Klaus Merz ist es zu verdanken, dass andere Autoren die Preise erhielten…

Die Gewinner des 23. open mike stehen fest

Die Juroren des 23. open mike haben entschieden: Die Preise für Prosa gingen an Jessica Lind (Wien) für den Text „Mama“ und Theresia Töglhofer (Graz) für den Text „Das pure Leben“. Der Preis für Lyrik ging an Andra Schwarz (Leipzig) für die Gedichtsammlung „Von hier gibt es keine bilder nur grau“. Lobende Erwähnungen sprach die Jury für Margarita Iov (Leipzig), Felix Kracke (Frankfurt a.M./Berlin) und Tobias Lewkowicz (Gießen) aus. Den Preis der taz-Publikumsjury erhielt Philip Krömer (Erlangen) für den Text „Der eine der andere“.

Der open mike wird von der Literaturwerkstatt Berlin und der Crespo Foundation ausgelobt und ist mit insgesamt 7500,- EURO dotiert.

Aus den knapp 600 eingegangenen gültigen Bewerbungen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum wählten sechs Lektoren aus renommierten Verlagen die 20 Autoren und Autorinnen aus, die am 7. und 8. November 2015 beim Finale im Heimathafen Neukölln in Berlin ihre Texte vor täglich bis zu 500 Zuschauern vortrugen. Die Juroren Jan Brandt, Klaus Merz und Terézia Mora kürten die Preisträger.

Der open mike hat sich, seitdem er 1993 zum ersten Mal verliehen wurde, zum wichtigsten deutschsprachigen Literatur-Nachwuchswettbewerb entwickelt und ist Karrieresprungbrett für junge Autoren. Gewonnen haben ihn u.a. Karen Duve, Kathrin Röggla, Jochen Schmidt, Terézia Mora, Tilman Rammstedt, Judith Zander und Inger-Maria Mahlke.

Die Gewinner 2015:

Jessica Lind, 1988 in St. Pölten geboren. Lebt in Wien, wo sie als selbständige Drehbuchautorin und dramaturgische Beraterin arbeitet. Nebenbei studiert sie an der Filmakademie Wien Drehbuch & Dramaturgie im Masterstudium. 2015 ist sie Writer in Residence des ORF III Literaturnachwuchsförderprogramms. Im selben Jahr erhält sie das Drehbuchstipendium der LiterarMechana. 2012 das BKA Startstipendium für Literatur. 2010 den Youngster of Arts Förderpreis der Stadt St. Pölten, sowie das Hans Weigel Literaturstipendium. Das Hörspiel „Ich träume vom Sehen“ entstand im Zuge des Ö1 Wettbewerbs Wörter.See 2010. Texte wurden in der Literaturzeitschrift „etcetera“, der „Fm4 Wortlaut Anthologie“ und in „The Gap“ veröffentlicht. Sie führte Regie bei Kurzfilmen, Kurzdokumentarfilmen und Musikvideos.

Theresia Töglhofer, 1985 in Graz geboren. Studium der Geschichte und der Internationalen Beziehungen in Graz und Paris, es folgten weitere berufliche Stationen in Belgrad, Brüssel, Wien und Berlin, wo sie seit 2011 lebt. Von 1997 bis 2002 in der Jugendliteraturwerkstatt Graz aktiv, erster Platz österreichweit im europäischen Literaturwettbewerb des Perplex-Magazins (2002). Seit Oktober 2015 ist sie Lektorin des Österreichischen Austauschdienstes an der Universität Osijek, Kroatien.

Andra Schwarz, 1982 in der Oberlausitz nahe der polnischen Grenze geboren, lebt heute in Leipzig. 2008 wurde sie für den Literaturpreis poet bewegt nominiert und 2012 mit dem 2. Preis beim 10. Feldkircher Lyrikpreis ausgezeichnet. Seit Oktober 2013 studiert sie am Deutschen Literaturinstitut Leipzig.

Philip Krömer, 1988 in Amberg geboren, studiert in Erlangen Germanistik, ist Mitgründer und Verleger des „homunculus verlags“ sowie Herausgeber der Literaturzeitschrift „Seitenstechen“. Hat in Zeitschriften veröffentlicht und arbeitet an seinem ersten Roman. Er ist Vater eines Sohnes. Sein Leben ist Literatur.

Die Gewinner des open mike lesen im Anschluss in Frankfurt und Wien:

Mi, 11.11., 20 Uhr, Lesung im orange peel, Frankfurt, www.orange-peel.de

Do, 19.11., 19 Uhr, Lesung im Literaturhaus Wien, www.literaturhaus.at

Der open mike ist eine Gemeinschaftsveranstaltung der Literaturwerkstatt Berlin und der Crespo Foundation in Kooperation mit dem Heimathafen Neukölln und dem Allitera Verlag. Mit freundlicher Unterstützung des Fachbereichs Kultur des Bezirksamtes Neukölln.

Die Wettbewerbstexte sind als Anthologie im Allitera Verlag (www.allitera.de) erschienen und dort oder im Buchhandel erhältlich.

Am 15.11.2015 um 0:05 Uhr sendet Deutschlandradio Kultur die Reportage „23. open mike“ von Irene Binal.

Der open mike im Netz:

www.literaturwerkstatt.org

www.openmikederblog.de

www.facebook.com/openmikeberlin

Münstersche Poetikdozentur

Kleist-Preisträgerin Monika Rinck hält öffentliche Vorlesungen – Erste münstersche Poetikdozentur

Juliane Albrecht Presse- und Informationsstelle
Westfälische Wilhelms-Universität Münster

Die renommierte Lyrikerin und diesjährige Kleist-Preisträgerin Monika Rinck tritt im November die erste münstersche Poetikdozentur an. Die publikumswirksame Performerin hält vier öffentliche Vorlesungen „Zur Theorie und Praxis der Dichtung“ in diesem November und Dezember, und bei einer „Lyrik Late Night“ am 23. November trägt sie aus ihren Werken vor. Die Dozentur ist angesiedelt am Germanistischen Institut der Universität Münster. Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei.

Die Lyrikerin und Kleist-Preisträgerin Monika Rinck tritt im November die erste münstersche Poetikdozentur an. Sie wird vier öffentliche Vorlesungen „Zur Theorie und Praxis der Dichtung“ im November und Dezember halten und während einer „Lyrik Late Night“ aus ihren Werken vortragen. Angesiedelt ist die Dozentur am Germanistischen Institut der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU).

Die 1969 geborene Monika Rinck lebt und arbeitet in Berlin. Ihre Lyrikbände (z. B. „Helle Verwirrung/Rincks Ding- und Tierleben“, „Honigprotokolle“) stehen für eine neue deutsche Lyrik, die im Vortrag und im Internet ebenso funktioniert wie in der stillen Lektüre. Neben Lyrik schreibt Monika Rinck Essays und Prosa und übersetzt aus dem Ungarischen. Sie arbeitet mit Illustratoren, Ton- und Lichtkünstlern zusammen, mit ihren Kolleginnen Ann Cotten und Sabine Scho tritt sie zudem als „Rottenkinckschow“ auf.

„Die Poetikdozentur ermöglicht unseren Studierenden und einer interessierten Öffentlichkeit die Begegnung mit aktueller Literatur und einen Einblick in die Denk- und Arbeitsweise einer unserer wichtigsten Dichterinnen“, hebt Moritz Baßler, Professor am Germanistischen Institut der WWU und Mitinitiator der münsterschen Poetikdozentur, die Bedeutung des Veranstaltungsformats hervor. „Wir erhoffen uns dadurch nachhaltige Anregungen für die literarische Kultur in Münster.“

Die öffentlichen Termine der münsterschen Poetikdozentur in 2015:

Poetikvorlesung: Zur Theorie und Praxis der Dichtung
Montag, 9. November: Schwimmen
Montag, 23. November: Schlafen
Montag, 7. Dezember: Verkörpern
Montag, 14. Dezember: Ansprechen
Beginn ist jeweils um 18.15 Uhr im Hörsaal S1 im Schloss, Schlossplatz 2.

Lyrik Late Night
Montag, 23. November
Ab 21 Uhr im Theater im Pumpenhaus, Gartenstraße 123.

Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei.

Poetopie

Zukunft war gestern – inzwischen rückt uns die Gegenwart bis unter die Haut

Hansjürgen Bulkowski

Hannah Arendts Gedichte

Was bisher nur Kenner ihres Werkes wussten, wird nun mit dem am 9. November erscheinenden Band mit allen Gedichten Hannah Arendts auch einer breiten Öffentlichkeit bekannt: Die Philosophin und Professorin für Politische Theorie, die Verfasserin des Jahrhundertbuchs Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft und des immer wieder diskutierten Berichts Eichmann in Jerusalem mit dem anthropologischen Verdikt der »Banalität des Bösen«, die Schülerin und Geliebte Heideggers, die bei Jaspers in Heidelberg promoviert hatte, ja: Diese Hannah Arendt hat auch – ebenso sprachlich betörende wie von Ironie getragene – Lyrik verfasst.

In Ich selbst, auch ich tanze werden sämtliche 71 Stücke ihrer Poesie in einer mustergültigen Edition veröffentlicht – darunter auch acht bislang unbekannte Werke. Und so viel sei vorab gesagt: Der Zivilisationsbruch durch die Schoa teilt auch das lyrische Werk Arendts. (…)

Der Titel dieses kleinen Bandes ist einem Gedicht aus jungen Jahren (Winter 1923) entnommen, in dem es unter anderem heißt: »Ich selbst/Auch ich tanze,/befreit von der Schwere/Ins Dunkle ins Leere. (…) Ich selbst,/auch ich tanze./Ironisch vermessen,/Ich hab nichts vergessen,/Ich kenne die Leere,/Ich kenne die Schwere,/Ich tanze, ich tanze/In ironischem Glanze«. /   Harald Loch, Jüdische Allgemeine

Hannah Arendt: »Ich selbst, auch ich tanze«. Piper, München 2015, 160 S., 20 €

Spanische Übersetzerpreise

In Spanien wurden zwei Übersetzer mit Nationalpreisen für das beste übersetzerische Werk und die beste Übersetzung ausgezeichnet. Jordi Fibla erhält den Preis für sein übersetzerisches Werk und Arnau Pons Roig für die beste Übersetzung.

Jordi Fibla Feito (geboren in Barcelona, 1946) übersetzte etwa 300 Werke aller Genres ins Spanische, vor allem Erzähltexte und Essays. Er übersetzt aus dem Englischen (u.a. Philip Roth, Saul Bellow, J.M. Coetzee, Lawrence Durrell, Nadine Gordimer, John Irving, Henry James, Rudyard Kipling, D.H. Lawrence, David Malouf, Arthur Miller, Colum McCann, Toni Morrison, Vladimir Nabokov, Dorothy Parker, Thomas Pynchon, W. Somerset Maugham, Susan Sontag, Amy Tan, Paul Theroux, John Updike und Edith Wharton.) und Französischen. Die Preissumme beträgt 20.000 Euro.

Arnau Pons Roig (Balearen, 1965) wird für das beste übersetzte Werk ausgezeichnet. Die Jury wählte seine 2014 erschienene Übersetzung von Paul Celans Atemkristall / Cristall d’alè aus.

Er ist Lyriker, Übersetzer, Herausgeber und Essayist. Neben Celan übersetzte er u.a. Luiza Neto Jorge, Dino Campana, Welimir Chlebnikow, Itzhak Katzenelson, Antonin Artaud etc. Er schrieb über katalanische Autoren wie Espriu, Marçal, Bauçà, Maragall, Guimerà und edierte Hannah Arendt, Hélène Cixous, Joan Miró, Ángel Carmona, Thomas Bernhard, Machmud Darwisch auf Katalanisch. / rtve.es

Feldkircher Lyrikpreis: PreisträgerInnen 2015

Die JurorInnen Axel Görlach (Autor, Preisträger 2014), Marie-Rose Rodewald-Cerha (Vorstandsmitglied des Theaters am Saumarkt), Julietta Fix (Fixpoetry/Hamburg) und Regina Hilber (Schriftstellerin, Wien) haben  aus der Vielzahl von eingesendeten Gedichten ihre Wahl getroffen: Der erste Preis des diesjährigen Feldkircher Lyrikpreises geht an die Nummer  72014, ein weiterer Preis wird an die Nummer 12345 vergeben.

Anlässlich der  „Lyrikpreis-Gala“ werden die PreisträgerInnen am Freitag, 6. November 2015 um 20.15 Uhr im Theater am Saumarkt der Öffentlichkeit präsentiert. / schrieb das Theater am Saumarkt vor der Veranstaltung.

Gewöhnlich gut unterrichtete Quellen lösen die Zahlen wie folgt auf:

1. Preis:  Susanne Eules für Gedicht doina de jale
2. Preis: Christoph Szalay für Insomnia