Jannis Ritsos (1909-1990)

Auch nach Ende des 2. Weltkriegs, in dem Ritsos als Partisan gegen die deutschen Besatzungstruppen gekämpft hatte, hörte die griechische Bürgerkriegssituation nicht auf, sodass der Autor von 1948 bis 1952 inhaftiert wurde – damals notierte er seine Lyrik auf Gefängnisinseln wie Limnos oder Makronisos, heimlich auf Zetteln, die in Flaschen versteckt und im Sand eingebuddelt wurden.

300 Ermordete allein auf Makronisos, 600 Gefangene seien irrsinnig geworden, 900 hätten sich nur hinkend fortbewegen können. „Sie verlangen das Brot zurück, das sie nicht aßen, “ schrieb Ritsos. „Die Toten verlangen ihr Leben zurück.“ Die Peinigung durch Verfolgung und Einzelhaft traf Ritsos noch einmal Ende der 1960er-Jahre während der Zeit der Diktatur durch die Militärobristen, die aber schließlich vor einer anderen Macht, der der Weltöffentlichkeit, zurückweichen mussten. Kein Geringerer als Louis Aragon hatte Jannis Ritsos zum „größten lebenden Dichter“ ernannt. Da war neben den politischen Kampfgesängen auch der neue lyrische Ton wahrgenommen worden, den Ritsos in Büchern wie „Mondscheinsonate“ oder „Steinerne Zeit“ in die griechische Lyrik hineingebrachte hatte, indem er mit seinem anderen Verständnis des „Griechentums“ alle romantischen Verklärungen der griechischen Landschaft ausblendete (…) / Christian Linder, DLF

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