Das Archiv der Lyriknachrichten | Seit 2001 | News that stays news
Hugo Ball (* 22. Februar 1886 in Pirmasens; † 14. September 1927 in Sant’Abbondio-Gentilino, Schweiz) Memento [Pfingsten 1924] Wo sind sie jetzt mit ihren Epauletten Die Feldmarschälle und von den Korvetten Die Kapitäne mit den goldenen Tressen? Wo sind sie jetzt, die prunkenden Maitressen? Wo… Continue Reading „Wo sind sie jetzt“
Abi Anwari HINTER MIR Ich bin hinter mir gelaufen. Hörte nicht schaute nicht. Ich bin hinter mir gelaufen. Aus: Abi Anwari: Sonnenvogel. Gedichte. Edition fundamental, 2008, S. 10. Abi Anwari, geboren 1946 in Teheran, lebt seit 1972 in Köln.
Ágnes Nemes Nagy (* 3. Januar 1922 in Budapest; † 23. August 1991 ebenda) Alkohol In klirrend sich häufenden Knoten stirbt der Wald, sagt Lebewohl. Die Grünsommerflamme verflogen. Was bleibt, ist der Rest-Alkohol. Trink, trink. Was Trester geblieben, press aus und schluck ihn runter. Schnaps-Seele, dunkel, durchtrieben, mach uns die Kehlen… Continue Reading „Alkohol“
Hansgeorg Stengel (* 30. Juli 1922 in Greiz; † 30. Juli 2003 in Berlin) Antwort eines befragten Affen „Als Affe bin ich gegen Fragebogen, doch sage ich, wenn ich mich äußern soll, daß mich die These eines Biologen sehr schlüssig dünkt und sehr gedankenvoll. Der Mister Darwin, habe ich erfahren,… Continue Reading „Hansgeorg Stengel 100“
Ingolf Brökel Gedichtinterpretation zu „Der Rauch“ von Bertolt Brecht Für Käthe Reichel Das kleine Haus unter Bäumen am See. (Hier wohnt das Käthchen.) Vom Dach steigt Rauch. (Zeichen, daß sie da ist, da ist für ihn: er (kurz) kommen kann.) Fehlte er (Schlüsselzeile: schwerwiegende… Continue Reading „Der Rauch“
Karoline von Günderrode (* 11. Februar 1780 in Karlsruhe; † 26. Juli 1806 in Winkel) Überall Liebe Kann ich im Herzen heiße Wünsche tragen? Dabei des Lebens Blüthenkränze sehn, Und unbegränzt daran vorüber gehn. Und muss ich traurend nicht in mir verzagen? Soll frevelnd ich dem liebsten Wunsch entsagen? Soll muthig ich… Continue Reading „Überall Liebe“
Heute spiele ich Orakel. Ich nehme eine dicke Anthologie – die 19. Auflage des Echtermeyer (Cornelsen 2005) war am schnellsten zur Hand – und suche ohne hinzusehen eine Seite irgendwo im Innern. Und siehe, es ist schon wieder Wedekind. Auf der Seite stehn noch… Continue Reading „Tantenmörder“
Frank Wedekind (* 24. Juli 1864 als in Hannover; † 9. März 1918 in München) Mahnung Greife wacker nach der Sünde! Nur die Sünde bringt Genuss. Ach, Du gleichest einem Kinde, Dem man alles zeigen muss; Einem unschuldsvollen Kinde, Das den Satan noch nicht kennt, Nein, wahrhaftig, nur die Sünde Ist der Freuden… Continue Reading „Mahnung“
Marceline Desbordes-Valmore (* 20. Juni 1786 in Douai; † 23. Juli 1859 in Paris) Erinnerung. Als eines Abends plötzlich er erblaßte, Als seine Stimme unverhofft verstummte Im halbgesproch’nen Wort, als seine Augen So brennend heiß, mich schwer verwundeten Mit Leiden, die ihm eigen, wie ich wähnte – Als seine Züge von… Continue Reading „Erinnerung“
Hans Fallada (Rudolf Ditzen, * 21. Juli 1893 in Greifswald; † 5. Februar 1947 in Berlin) Tagziel Die Bäume johlen mit geschloßnem Mund Sinnlos in eines Autos hingeklirrte Raschheit, Die Luft am Straßenrand pfeift hoch und rund Und ist haarspitz, doch auch von trüber… Continue Reading „Tagziel“
Reinhard Johannes Sorge (* 29. Januar 1892 in Rixdorf, heute Berlin-Neukölln; † 20. Juli 1916 in Ablaincourt, Département Somme) Meere! Neu-Meere! Nie betretene Küsten! Menschen! Licht-Menschen! Nie geliebte Liebe! Stern-Sterben! Tod-Rausch! Nie geschluchztes Lied! Zu fremden Ufern biege mir die Segel, Du meines Schweigens wundersame Macht! Aus dem 4. Aufzug des Dramas „Der… Continue Reading „Aus dem Drama „Der Bettler““
Ein neues Heft der Reihe Versensporn bringt einen Querschnitt durch das lyrische Werk des Expressionisten Alfred Lichtenstein. Alfred Lichtenstein (* 23. August 1889 in Wilmersdorf; † 25. September 1914 bei Vermandovillers, Département Somme, Frankreich) Gegen Morgen Was kümmern mich die flinken Zeitungsjungen. Mich ängstet nicht… Continue Reading „Gegen Morgen“
Ernst Jandl (* 1. August 1925 in Wien; † 9. Juni 2000 ebenda) selbstporträt, 18. juli 1980 es sei mit ihm was los. nein, so genau wisse er selbst es nicht, spüre jedoch daß nichts mehr sei wie es gewesen sei. davon erzählen wolle er eigentlich nicht. wolle eigentlich überhaupt nichts, wolle… Continue Reading „Auch wenn kein Wort mehr glänze“
Milán Füst (geboren 17. Juli 1888 in Budapest; gestorben 26. Juli 1967 ebenda) Selbstbildnis Ein Alter, hager und hakensinnig will auch ich sein, so, wie der Herr … Und solltest du fordernd fragen nach meinen Kindern, so werde ich voll Verachtung den Kopf abwenden … Denn keine Kinder hab ich, ich… Continue Reading „Selbstbildnis“
Wjatscheslaw Iwanow (* 16. Februarjul. / 28. Februar 1866greg. in Moskau; † 16. Juli 1949 in Rom) Schweigen Steht in flammendem Schweigen die Rose, Sie weiß nicht, was die Nachtigall sang. Ihre Seele – ein duftender Klang, Der uns anfliegt und haucht: »Bin ganz Rose.« Der uns anfliegt und haucht: »Bin ganz Pracht.« Und so… Continue Reading „Schweigen“
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