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Man spricht vom „expressionistischen Jahrzehnt“, bequemerweise meist von 1910 bis 1920 (was 11 Jahre sind). Aber wie alle solche Schubläden ist der Begriff zu eng (Sind die in den 20er Jahren „Nachgeborenen“ wie Georg Kulka oder Erich Arendt wirklich nur Epigonen?) und zu weit.… Continue Reading „Spießer-Expressionismus“
René Schickele (* 4. August 1883 in Oberehnheim im Elsass; † 31. Januar 1940 in Vence, Alpes-Maritimes) Vorortballade Um seine Villa beneidet der eine den andern, um das Leuchten des Wannsees, um seine Terrasse mit geflochtenen Stühlen, um das Segelboot „Ramses“. Um seinen Hühnerhof… Continue Reading „Vorortballade“
Ich taste mich an das Hölderlinjahr heran. Eine Kurzode aus dem Jahr 1798. Friedrich Hölderlin (1770-1843) Ehmals und jezt. In jüngern Tagen war ich des Morgens froh, Des Abends weint’ ich; jezt, da ich älter bin, Beginn ich zweifelnd meinen Tag,… Continue Reading „Ehmals und jezt“
Albert Maurüber (* 1896 Czernowitz, † 1951 Bukarest) Mein Kamerad II Mein Kamerad! Ich rufe Dich, wie es der Schmerz der Tat mir entpresst und die Wollust: Täter zu sein, aufquellen lässt aus meines Menschtums Tiefen … Nicht darfst Du kreisen, ein unendlich ferner… Continue Reading „Kamerad“
2020 ist nicht nur Expressionismusjahr (100 Jahre Menschheitsdämmerung), sondern Hölderlinjahr. Vor 250 Jahren, 1770 wurden geboren: Friedrich Hölderlin, Ludwig van Beethoven, Georg Wilhelm Friedrich Hegel (ein starker Jahrgang), auch sonst noch z.B. Sophie Mereau oder William Wordsworth. L&Poe bringt neben einer großen Expressionismusanthologie eine… Continue Reading „Hölderlinjahr“
Endre Ady (* 22. November 1877 in Érmindszent, Komitat Sathmar, Österreich-Ungarn; † 27. Januar 1919 in Budapest) DAS FLIEHENDE LEBEN Ei, schau, wie er da flieht, der hohe Herr, das Leben, verfolgt wie ein entlaufener Knecht vom größeren Herrn, der ihn gerecht am Kragen… Continue Reading „Es ist mein Leben“
John Förste (* 26. Januar 1889 Mainz, † 21. März 1941 Berlin-Buch) Nacht Der Erde Leib erzittert wie ein Tier. Nacht kauert fremd und Einer stöhnt im Schlaf. Rötlich umrändert schwanken der Gestirne Zeichen, Die gelben Tode: Heulender Granaten Heißblaue Zungen, flammend in die… Continue Reading „Vom Schlachtfeld“
Walter Hasenclever (* 8. Juli 1890 in Aachen; † 21. Juni 1940 in Les Milles bei Aix-en-Provence) Die Nacht fällt scherbenlos ins Unbewußte; Erlebnis bröckelt von dir ab wie Kruste, Schon schirrt der Tag mit Faß, Laterne, Karren Einäugige Pferde, die auf Futter harren.… Continue Reading „Die Nacht fällt scherbenlos ins Unbewußte“
In den über 100 Jahren sind etliche dieser Gedichte, die einmal befremdeten, zu Publikumslieblingen avanziert. Unsere Expressionismus-Anthologie 2020 versucht auch weniger Bekanntes zu bringen, aber die Ohrwürmer dürfen nicht ganz fehlen. Die Sammlung begann mit van Hoddis‘ Weltende, das war so einer, aber als… Continue Reading „Was ist das, Expressionismus?“
Ernst Blass (* 17. Oktober 1890 in Berlin; † 23. Januar 1939 in Berlin) Pause Wir nahmen diese farbigen Getränke Des Nachts in einer tanzerfüllten Bar – Geschliffene Gläser, Kniee, Handgelenke, Es ist kein Zweifel, daß das wirklich war. Wir hörten ja auch all… Continue Reading „Pause“
Am 22. Januar 1945, heute vor 75 Jahren, starben zwei Dichter der „Menschheitsdämmerung“:: Alfred Wolfenstein in Paris und Else Lasker-Schüler in Jerusalem. Heute ein Gedicht von Wolfenstein aus der „Symphonie jüngster Dichtung“ 1920. ALFRED WOLFENSTEIN CHOR Faßt eure Finger: Fühlet euch denken, Tupfend wie Geigen,… Continue Reading „Musik in Worten“
Ludwig Meidner Aus: Mondsichelgesang Der Maurer braucht die Backsteine und der Dichter die trillernden Vokale. Auf großen, weißen Zetteln habe ich mir meine Backsteine angehäuft. Das Lexikon lieh mir seine Wortfülle. Nun wühl ich blindlings in den Worten. Ich nehme sie in den Mund… Continue Reading „Mondsichelgesang“
An diesem Tag 1948: Die deutsche Dichterin Henriette Hardenberg, die 1937 vor den Nazis nach England geflohen war, wird britische Staatsbürgerin. Henriette Hardenberg (geboren 5. Februar 1894 in Berlin; gestorben 26. Oktober 1993 in London) REQUIEM Meine Mutter sitzt im Blütenschnee, Vögel in ihren… Continue Reading „Requiem“
Fráňa Šrámek (* 19. Januar 1877 in Sobotka; † 1. Juli 1952 in Prag) ADA, MINKA, MARTA Blutiger Tau an gelblichen Blüten, es krümmt sich der Pfad, drei Mädchen nahn, bloßfüßige Mädchen, die Wangen erglühten, der Tau beleckt sie, der Tau spritzt sie an;… Continue Reading „Ada und Minka und Marta“
Joseph Brodsky (Iossif Alexandrowitsch Brodskij, russisch Иосиф Александрович Бродский; * 24. Mai 1940 in Leningrad; † 28. Januar 1996 in New York) Jüdischer Friedhof Jüdischer Friedhof bei Leningrad. Ein schiefer Zaun aus modrigem Holz. Hinter dem schiefen Zaun, liegen nebeneinander Juristen und Kaufleute, Musiker… Continue Reading „Jüdischer Friedhof“
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