Kategorie: Deutschland

Pleiadengedicht

Heute Dirk Uwe Hansens Doppelfassung des „Pleiadengedichts“. Obwohl es nicht einmal sicher ist, ob es wirklich von Sappho stammt, ist es heute eins ihrer bekanntesten Gedichte. Überliefert ist es ohne Nennung eines Autornamens in einem antiken Metrikhandbuch. In einer Anthologie aus dem 15. Jahrhundert… Continue Reading „Pleiadengedicht“

Scherben und Skizzen

2012 veröffentlichte der Philologe und Dichter Dirk Uwe Hansen ein Bändchen mit ausgewählten Fragmenten der Sappho in zweifacher Gestalt, als die Scherben der Fragmente (Scherben ist bei einem der Fragmente sogar wortwörtlich wahr: der Text von Fragment 2 Voigt überdauerte eingeritzt in eine Tonscherbe)… Continue Reading „Scherben und Skizzen“

Honoraraussicht ist es nicht

Achtung Achtung, wir unterbrechen unsere Sapphoserie für eine wichtige Duchsage: Gottfried Benn Satzbau Alle haben den Himmel, die Liebe und das Grab, damit wollen wir uns nicht befassen, das ist für den Kulturkreis besprochen und durchgearbeitet. Was aber neu ist, ist die Frage nach… Continue Reading „Honoraraussicht ist es nicht“

Zauberspruch

Sarah Kirsch Keiner hat mich verlassen Keiner hat mich verlassen Keiner ein Haus mir gezeigt Keiner einen Stein aufgehoben Erschlagen wollte mich keiner Alle reden mir zu Aus: Sarah Kirsch: Zaubersprüche, Gedichte. Berlin und Weimar: Aufbau, 1972

In Froschpfuhl all das Volk verbannt, Das seinen Meister je verkannt.

Johann Wolfgang Goethe Erklärung eines alten Holzschnittes vorstellend Hans Sachsens poetische Sendung In seiner Werkstatt Sonntags früh Steht unser treuer Meister hie: Sein schmutzig Schurzfell abgelegt, Einen saubern Feierwams er trägt, Läßt Pechdraht, Hammer und Kneipe rasten, Die Ahl steckt an den Arbeitskasten; Er… Continue Reading „In Froschpfuhl all das Volk verbannt, Das seinen Meister je verkannt.“

Ihr quatscht darüber, ohne es zu kennen

Thomas Brasch IHR QUATSCHT DARÜBER, OHNE ES ZU KENNEN Ihr verdammt es, das was ich Nichts nenne. Weil mir besseres Wort fehlt. Ihr nennt Nihilisten Idioten, weil ihr keine seid. Ihr nennt sie dumm, nicht denkend Aha! Na und? Woran denkt ihr? An Honig,… Continue Reading „Ihr quatscht darüber, ohne es zu kennen“

Das fürchten nicht und nie das wünschen

Thomas Brasch DAS FÜRCHTEN NICHT UND NIE DAS WÜNSCHEN darf mir abhanden kommen, auch mein täglich sterben nicht das seellos süchtig sein auf keinen fall nur hirnlos reimen wie ein wicht muß beendet werden da ist ein gott und setzt sich zwischen alle stühle… Continue Reading „Das fürchten nicht und nie das wünschen“

Schwarmrede im Krieg

Georg Philipp Harsdörffer / Sigmund von Birken/ Johann Klaj Aus: Pegnesisches Schäfergedicht Als sie nun solchem Geschrey nachgiengen/ funden sie in der Nähe die Melancholische Schäferin Pamela/die ihr sicherlich einbildete/ sie were das arme und in letzten Zügen liegende Teutschland. In dieser Raserey ließ… Continue Reading „Schwarmrede im Krieg“

Ständchen

Georg Philipp Harsdörffer Ständchen Nun der übermüde Tag Mehr zu wachen nicht vermag, Schleicht der süße Schlaf herein, Legend aller Sorgen Klag‘ In den finstern Schattenschrein. Alles liegt in sanfter Ruh‘ Vieler Augen schließet nu Mancher vorverübte Traum, Blühend so dem Morgen zu, Gleich… Continue Reading „Ständchen“

von dem schrei zittert schwel vnd balcken gar

Martin Luther Das deudsch Sanctus. Jesaia dem propheten das geschach, das er ym geyst den herren sitzen sach auff eynem hohen thron ynn hellem glantz, seines kleides saum den kor fullet gantz. Es stunden zween seraph bey yhm daran. Sechs flugel sach er eynen… Continue Reading „von dem schrei zittert schwel vnd balcken gar“

Was Dr. Kerr bedeute

Else Lasker-Schüler Alfred Kerr Jakobsohn und Jakobfritzen Lassen die Tinten spritzen Wasserfarbenrot. Und Mühsam, eh ichs vergesse, Kain heißt seine Presse; Kein Jakob schlägt sie tot. Und Pfemfert der Aktionäre, Zieht mich in die Affaire: Ob Dr. Kerr tut not? Was Dr. Kerr bedeute… Continue Reading „Was Dr. Kerr bedeute“

Treulosen Freunden

Else Lasker-Schüler Ich liege wo am Wegrand (Treulosen Freunden) Ich liege wo am Wegrand übermattet – Und über mir die finstere kalte Nacht – Und zähl schon zu den Toten längst bestattet. Wo soll ich auch noch hin – von Grauen überschattet – Die… Continue Reading „Treulosen Freunden“

Else Lasker-Schüler

Versöhnung Es wird ein großer Stern in meinen Schoß fallen … Wir wollen wachen die Nacht, In den Sprachen beten, Die wie Harfen eingeschnitten sind. Wir wollen uns versöhnen die Nacht – So viel Gott strömt über. Kinder sind unsere Herzen, Die möchten ruhen… Continue Reading „Else Lasker-Schüler“

Es gab kein Buch

Bertolt Brecht Klage des Seami über den Tod seines Sohnes Motomasa Ich erlernte meine Kunst von meinem Vater; er Unterwies mich in den Vorschriften und Überlieferungen. Sie waren geheim, es gab kein Buch. Seami ist ein japanischer Autor und Schauspieler des 14. Jahrhunderts. Brecht… Continue Reading „Es gab kein Buch“

Rationalistische Exegese

Heinrich Heine Rationalistische Exegese Nicht von Raben, nein mit Raben Wurde Elias ernähret – Also ohne Wunder haben Wir die Stelle uns erkläret. Ja, anstatt gebratner Tauben, Gab man ihm gebratne Raben, Wie wir deren selbst mit Glauben Zu Berlin gespeiset haben. Entstanden 1850… Continue Reading „Rationalistische Exegese“