„In Deutschland machen wir nicht viel Aufhebens darum“

„Sehen Sie, ich bin Redakteurin im Ullstein-Verlag. Die Ullsteins stammen auch von Juden ab. Aber in Deutschland machen wir nicht viel Aufhebens darum, ob ein Haus von Juden abstammt. Das sind rein religiöse Fragen. Ich bin nicht religiös, also betrachte ich mich nicht als Jüdin – noch bin ich jemals als solche angesehen worden.“

– Vicki Baum, Interview mit der Jewish Times, 1. Mai 1931. Zitiert nach Henry M. Broder: Jüdischer Kalender 2009–2010. 30. August/20. Elul

Deutschland schien fast auf dem Weg, der Menschheit nach 1000 Jahren antijüdischen Hasses ein Beispiel zu strahlen. Es kam anders. Deutschland riß das Ruder rum und versuchte sich erfolgreich an einem Beispiel im anderen Extrem. Sie überlebte, weil sie es rechtzeitig verließ.

Wolfgang Koeppen, im Januar 1933 ein junger Zeitungsschreiber, der seiner unglücklichen Liebe nach München gefolgt war und deshalb die Ereignisse der sogenannten „Machtergreifung“ verpaßte, schrieb Jahrzehnte später, 1933 habe er erfahren, daß viele seiner Freunde Juden waren. (Seine unglückliche Liebe auch. Sie konnte aus Deutschland fliehen, ihr Vater, ein deutscher Unternehmer und Lyriker, wurde von Deutschen ermordet.) Koeppens erste Bücher erschienen 1934/35 in einem jüdischen Verlag. Kein guter Start im neuen Deutschland.

Vicki Baum, auch Vicky Baum, eigentlich Hedwig Baum (* 24. Januar 1888, heute vor 130 Jahren in Wien; † 29. August 1960 in Hollywood)

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