Kategorie: Deutsch

78. Gedult, Gelaßenheit, treu, fromm und redlich seyn

(aus Lyrikwiki Labor) Anfangszeile eines Gedichts von Johann Christian Günther (1695-1723), das erst 150 Jahre nach seinem Tod veröffentlicht wurde (und auch dann noch zensiert!). Von Günther wurden zu Lebzeiten nur verstreute Einzeltexte gedruckt. Eine erste Teilsammlung vom Herausgeber Fessel erschien erst nach seinem Tod… Continue Reading „78. Gedult, Gelaßenheit, treu, fromm und redlich seyn“

77. Erlösung durch Nymphen

„Abgesehen von den im Jahr drei bis vier glücklichen Monaten, in denen ich arbeiten kann, quäle ich mich herum in der Hoffnung, dass etwas geschieht, das mich genug fasziniert, um darüber zu schreiben“, bekannte Wolf Wondratschek in dem erwähnten Interview mit André Müller. An… Continue Reading „77. Erlösung durch Nymphen“

76. Gepflegte Sätze

Der Aufstieg Gottfried Benns zum wichtigsten deutschen Nachkriegsdichter ist eines der erstaunlichsten Comebacks der Literaturgeschichte. Denn Benn, der als Expressionist bekannt geworden war, unter anderem mit seinen schockierenden „Morgue“-Gedichten (1912) wie der „Krebsbaracke“, war 1945 gleich doppelt auf dem Abstellgleis gelandet. Weil er der… Continue Reading „76. Gepflegte Sätze“

75. Gedicht

 VEREINIGUNGEN, TROST, DAS MEER IM FLUR Wenn du nicht gehen willst, ich kann dich schleppen Durch Gassen, über Kinderwagentreppen Doch hinterher von Kindern keine Spur Gestank von Kleiderständern, falls die riechen Die Mantelränder, umgenäht, sind länger Mit Feuchtigkeit versehen, stinken strenger Verbeugen wir uns… Continue Reading „75. Gedicht“

73. Wunschlos schauen

Der schönste Beitrag im neuen „Ostragehege“ ist indes eine poetologische Miniatur der Dichterin Kerstin Preiwuß, eine Art Präludium zu einem dort abgedruckten Gedicht-Zyklus der Autorin mit kafkaesken „Stilleben“. In einer Meditation über ein Bild von Henri Matisse beschreibt Preiwuß die überwältigende Evidenz, die beim… Continue Reading „73. Wunschlos schauen“

72. Kino im Kopf

Schrott Ist die Studie nicht auch ein Kniefall vor dem positivistischen Zeitgeist? Schrott Einerseits stimmt das natürlich. Das Geheimnisvolle, Unsagbare und Geniale der Poesie wird zugunsten des Messbaren ausgesetzt – doch nur um sich ihr einmal von der Seite der Pragmatik nähern zu können. Wie groß… Continue Reading „72. Kino im Kopf“

71. Das kann doch wohl nicht sein

Auch zum Thema Lyrik-Debut: Stefan Heuer über die Erwartungshaltung von Lyriker/innen mit wenig oder gar keiner Erfahrung beim Publizieren: […] Eine große Anzahl unangeforderter Lyrikbände findet seinen Weg in meinen Briefkasten. Und ich muss es sagen, wie es ist: Die Gedichte werden dadurch nicht… Continue Reading „71. Das kann doch wohl nicht sein“

69. Buch ohne Staben

Wenn er, wie er sagt, wirklich keinen Plan von Kunst hat, dann liegt es vielleicht daran, dass er selbst Kunst ist. Raver-Frisur, ungarischer Bart, Pullunder und Adidas-Sneaker – der Lyriker und Performer Dr. Peter Treznok an sich macht Spaß, da kann sein so genanntes… Continue Reading „69. Buch ohne Staben“

68. Radiosendung mit „Geistersehen“ und rough-Song

Heute 20 – 21 Uhr auf Radio 98,1  (im Raum Greifswald, live im Internet auf http://www.98eins.de) die neueste Sendung der Plattform-Redaktion mit Berichten von der Leipziger Messe u.a. über die Uraufführung des rough-Songs am ersten Messeabend in der Gaststätte Waldfrieden durch Christian Filips und… Continue Reading „68. Radiosendung mit „Geistersehen“ und rough-Song“

67. Clemens Schittko hat einen Preis

Der zweite „Lauter Niemand Preis für politische Lyrik“ wurde kürzlich in Berlin vergeben. Eine Verteidung des Siegertextes von Stefan Schmitzer, The Gap: Der „Lauter Niemand Preis für politische Lyrik“ ist lustig dotiert (400 € – gerade so viel, dass es noch als „echtes“ Preisgeld durchgeht) und von einer Literatur-Zeitschrift gestiftet, die… Continue Reading „67. Clemens Schittko hat einen Preis“

66. Statistik

Apropos Zahlen – brandneu kommen diese an: 3sat.online 3satText 3satText 14.04.11 20:34:47 S.505-1 Kultur Nachrichten Dichter-Anzahl: Deutschland führt Deutschland ist, wie EU-Statistiker herausgefunden haben, immer noch ein Land der Dichter und Denker. Rund 330.000 Schriftsteller und Künstler arbeiten in der Bundesrepublik, so viele wie… Continue Reading „66. Statistik“

65. Wie findet Lyrik heute eine Öffentlichkeit? TeaTimeLesungen und Gespräche

Sonntag, 17.4., 17.30 Uhr „Gedichte sind kein Luxus, sie gehören zu unserem Existenzminimum“, schreibt Elisabeth Borchers. Sie ist fest davon überzeugt, dass Lyrik unverzichtbar ist, doch im letzten Jahr erschienen nur etwa 15 Lyrikdebüts*) im deutschsprachigen Raum, ein verschwindend geringer Anteil im Vergleich zu der stetig wachsenden… Continue Reading „65. Wie findet Lyrik heute eine Öffentlichkeit? TeaTimeLesungen und Gespräche“

64. Einsiedler-Existenzen

Gemeinsam mit seinen Mitstreitern Hans Arp, Richard Huelsen­beck, Marcel Janco und Tristan Tzara machte sich Ball allen Ernstes daran, mit seinen dadaistischen Aufführungen ein – wie er schrieb – „Gegenspiel zum Bolsche­wismus“ in Szene zu setzen. Alle literarischen Traditionen wurden auf den Prüfstand gestellt,… Continue Reading „64. Einsiedler-Existenzen“

63. Gedicht

Von Thomas Kunst, Leipzig   ES SIND DIE LETZTEN SCHÖNEN TAGE HIER Auf dieser Welt, ich weiß, was nötig wäre, Mit einem Ascher, einer Gartenschere Zertrümmer ich den Tisch mit Schalentier. Wir hören Gieseking und warten lange, Daß von den Ratten endlich Zeichen kommen… Continue Reading „63. Gedicht“

62. Deutschland brauchte den Mythos Luise Rinser

Was Sie über Luise Rinsers Rolle während der NS-Herrschaft herausgefunden haben, ist nicht schön… Sánchez de Murillo: «Nein! Es gibt unbestreitbare Tatsachen, über die man sich empören muss. Ihre Hitler verehrenden Gedichte sind ja schon früher bekanntgeworden. Aber das ist nur ein Bruchteil. Die… Continue Reading „62. Deutschland brauchte den Mythos Luise Rinser“