Kategorie: Deutsch

Andere Zeit

Wer zwischen Zeilen gerät
lebt in der anderen Zeit.
In ihr ists nie zu spät
für kurze Ewigkeit.

Österreichisches Gedicht

8 Die Sonne macht untergehend eine Bergkante sichtbar
und hinter den Lärchen erscheint der Mond:
Eins gibt das andre
und man freut sich

9 Eins gibt das andre
und man freut sich:
und die Freude gibt wieder ein andres

Ist das der Blödsinn?

«Ist dies», sagt man, «der Blödsinn,
den wir von unsern Dichtern erwarten ?»
«Wo bleibt das Pittoreske?»
«Wo bleibt der Strudel der Gefühle ?»
«Nein! Sein erstes Werk war das Beste.»
«Der Ärmste hat seine Ideale verloren.»

Krankfurt

152 Wörter, 1 Minute Lesezeit Jörg Fauser  (* 16. Juli 1944 in Bad Schwalbach, Taunus; † 17. Juli 1987 in München)  Frankfurt am Main (I)Trunken vom Höhenwahn meldet neuen Rekord die Deutsche Bank:67 Zentimeterwird ihre Zentrale die Konkurrenz überragen.Schau dir die Trümmer an sagt bei der… Continue Reading „Krankfurt“

fehlmärchen

kein und aber
verliefen sich im
wald aber erschlug
kein und kein
kind nicht einmal
wind bliebe der
aber vertriebe

Büchersaal

Aller Dichter An-die-Sterne-Greifen,
aller Denker Rechten mit der Welt;
Hoffnungen, die kühn ins Leere reifen,
Glauben, taub und blind auf Stein gestellt

Ich sage:

Das bin also ich, wie ich das Land durchquere, es mir erschließe. Und ich trage eine große Lampe an der Stirn, einen Detektor für außergewöhnliche Vorkommnisse vor der Brust, einen Expeditionshut, beige, auf dem Kopf, ich trage meinen Kopf, und gegen das gleißende Weiß, die Schneewehen, gegen die vaskuläre Erschlaffung, den anästhesierten Blick formuliere ich widerspenstige Sätze.

natürlich

das tafelsilber entsorgen
mit oder ohne segen
das weltliche segnen
ohne reue ohne trost

Ein Gedicht von gewisser Länge

Als längst die Mitternachtsglocke rief
Da war’s nicht schaurig, glasklar war’s
Befeuchtet mit einem Realismuskonzept
Kind war tot als ein besonderes Ereignis.

Zaw la zaw, kaw la kaw, hier ein wenig, da ein wenig

im neuen befreiten jahrtausend aber würden wir
unsere gesamte nahrung aus plastegefäßen
zu uns nehmen, unter anleitung der sowjetunion

Menschheit vor Feuerschlünden

Menschheit vor Feuerschlünden aufgestellt,
Ein Trommelwirbel, dunkler Krieger Stirnen,
Schritte durch Blutnebel; schwarzes Eisen schellt,
Verzweiflung, Nacht in traurigen Gehirnen

Diese einzelne Zeile

Ich blickt in die Häuser
Zum Schornstein hinein:
O Vater und Mutter,
Wie seid ihr so klein.
Tief unter mir säh ich
Fluss, Hügel und Tal,
Ach, wer das doch könnte,
Nur ein einziges Mal!

Und der Mond ist eingeschlafen

Und der Mond ist eingeschlafen
Mit dem großen weißen Kopfe
Hinter einer großen Wolke.
Und die Straßen gehen bleicher
Durch die Häuser und die Gärten.

Frauen

Drum, wenn dein Mann dir finstre Mienen,
die du nicht glaubest zu verdienen,
in seiner übeln Laune macht,
so denke, das ist Männergrille,
und sag: Herr, es gescheh‘ dein Wille
bei Tag, und meiner in der Nacht.

Franz Hodjak †

kein verzweifeln packt mich, kein bangen.
nur trinke ich mehr, um aufrecht zu gehn.
noch ein freund ist weggegangen.