Kategorie: Deutsch

Kreuzworträtsel

231 Wörter (wenn man das Gedicht zweimal liest) 1 Minute Lesezeit In ihrem Band Rätsel in großer Schrift verwandelt Franziska Füchsl das Kreuzworträtsel in eine poetische Denkfigur. Was zunächst wie ein harmloses Spiel erscheint, wird zur Reflexion über Sprache, Unsicherheit und Erkenntnis. Wer stellt die Fragen? Wer… Continue Reading „Kreuzworträtsel“

A: – krass! A: – ach was!

A: – hab acht lackaff, das kracht!
A: – hab dank, narr, was hat’s bracht?
A: – wart’s ab.

Wetterumschwung der Grammatik. Dichtung

Vom Brocken aus, vom Ochsenkopf, wo die drahtigen Radarstationen knisternd in den Versfrequenzen wühlen, wird genommen, was man kriegen kann, man reicht nicht ran, die Tannen stehen eng und so freischützrauschend um die Findlinge aus Granit.

Nahbellpreis an Marvin Chlada

Die Wünsche und die Triebe
Das Harte und das Weiche
Der Hunger und die Liebe
Das Schlaffe und das Steife

Als die künstlichen Menschen

Da sitzen sie
etwas zu glatt im Gesicht
und trinken Tee
blicken einander tief in die Augen
oder krümmen sich vor Lachen

Doppelschlinge

auf wegen gehts keinen schritt / weiter. jeder gedankenzusatz ein / abschnitt im robotermärchen (aus: Herakles)

Fehlte grade noch daß du mich überfällst

Kennst du das Land in dem die Toten leben
Dort hab ich seinerzeit möbliert gewohnt
Sie hatten dort die besten Bibliotheken
Und alle Schatten wollten was bewegen
Sogar die Macht war dort hinter dem Mond

das wortspiel ist aus

es wäre eine täuschung zu meinen, das wortspiel sei ein sprachspiel. auf ein sprachspiel lässt man sich ein, freiwillig oder unfreiwillig.
das sprachspiel steht einem offen.
man kann seine teilnahme an ihm verweigern um den preis des ausschlusses. man kann seine regeln annehmen um den preis des kompromisses.

Der Komet

Es rütteln an ihren silbernen Ketten
Der Löwe, der Stier und der Große Bär,
Aus brodelnden Welten fährt zischend ein Tropfen
Hinunter in das schwarzgähnende Meer.

Irmgard Senf (1.5.1935 – 30.5.2025)

wer belügt
wer bedroht gewissenlos
wer befiehlt Gewalt
wer verübt erneut Verbrechen
wer vergrößert die Kraft der Waffen
wer produziert
wer verdient am Tod
wie entzerren wir den gordischen Knoten

haus eines dichters

dass die tomatenpflanzen in den giebeltöpfen
so hoch wachsen dass der dichter nur die hand
aus dem fenster zu strecken braucht
um die paradeisäpfel zu ernten

Meine Haare sind Wälder

Ich zeichne mich
Mit geraden Strichen
Meine Nase ist der Hauseingang
Meine Augen sind Fenster
Mein Gesicht ist eine Mauer
Meine Stirn ist der Teppich

„wie vernünftig sind wir“

„wie vernünftig sind wir.
wie vertrottelt seid ihr.
das volk hat immer recht.
ihr könnt uns gern haben.“

Liebliches Fest – und fast alle kamen

Pfingsten, das liebliche Fest, war gekommen! es grünten und blühten
Feld und Wald; auf Hügeln und Höhn, in Büschen und Hecken
Übten ein fröhliches Lied die neuermunterten Vögel;
Jede Wiese sproßte von Blumen in duftenden Gründen,
Festlich heiter glänzte der Himmel und farbig die Erde.

vergiss das feuer nicht

schon beim frühstück
(blaues thermos, muckefuck, mehrfruchtmarmelade)
lauschte ich den rechenzentren.