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Veröffentlicht am 26. Februar 2026 von lyrikzeitung
161 Wörter, 1 Minute Lesezeit.
Johann Friedrich von Traunsdorff
(† nach 1644)
IN DIESER WELT IST LAUTER BSCHISS.
Was man zusagt und helt, ist gwiß,
Das ander alles ist erlogn,
Ist wahr, hab's aus keim Finger gsogn.
Groß und klein Hans ist alles gleich,
Der Arm liegt so wohl als der Reich | liegt: lügt
Und der Reich so wohl als der Arm,
Es geht halt zu, daß Gott erbarm.
Kein Wahrheit ist mehr bei den Leutn,
Trauen und Glauben zu den Zeitn
Erloschen leider ganz und gar,
Darum jetzund in großer Gfahr
Die Wahrheit und der wert Credit,
Als welche man mit Füßen tritt,
Und man für kein Schand helt das Liegn,
Drob sich auch möchten Balken biegn.
Aus: Wir vergehn wie Rauch von starken Winden. Deutsche Gedichte des 17. Jahrhunderts. Hrsg. Eberhard Haufe. Bd. 1. Berlin: Rütten & Loening, 1985, S. 387
Lebensdaten unbekannt. Wahrscheinlich ein Österreicher, lebte in Bern im Exil.
Kategorie: Österreich, Deutsch, SchweizSchlagworte: 17. Jahrhundert Lyrik, Barockgedicht, deutsche Gedichte 17. Jahrhundert, Eberhard Haufe, Gesellschaftssatire Barock, In dieser Welt ist lauter Bschiss, Johann Friedrich von Traunsdorff, Rütten & Loening
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Darf ich als Gegenstück ein Gedicht von Anna Roemersdochter Visscher zeigen? Gleiches Jahrhundert, aber weniger pessimistisch.
Helaes! Waer is de vriedtſchap heen?
Dat klaeght, en vraeght, ſchier yder een.
En ſoeckt niet veer, ſ‘is dicht by u:
Maer is, gelijck de Echo ſchuw,
Die ongeroepen blijft als ſtom.
De vriendtſchap die heeft oock waerom,
Dat ſy ſoo ſelden haer laet ſien:
Sy kan, noch wil niet zijn allien.
Dus wie dat wenſcht te zijn bemindt
Van and’ren; van ſich ſelfs begint.
Want vriendtſchaps voor beweſen jonſt,
Dwingt met een heyl’ge toover-konst
Alleen geen menſchen bot en ſuer,
Wreet, ongevoeligh, ſtugh en ſtuer:
Maer ſelfs een Leeuw, hoe wreet en fel,
Deed oock aen ſijn weldoener wel.
Soeckt ghy bemint te zijn ? bemint : want d’eene min,
En voor beweſen jonſt brenght noodlijck d’ander in
Versuchsweise übersetzt:
Ach wo ist nur die Freundschaft hin
Fast jeder fragt, sieht nicht den Sinn
Ihr sucht nicht weit, t‘is nahe euch !
Sie aber ist wie Echo scheu
Die, ungerufen, bleibt nur stumm.
Die Freundschaft kennt auch das Warum
Sie selten ist und muss so sein
Sie kann und will nicht sein allein.
Also wer wünscht zu sein geliebt
Der selber erstmal Liebe gibt.
Wer freundlich eine Gunst verleiht
Dann Zauber auch hält Gunst bereit.
Nur botter, saurer Menschenschlag
Ganz unempfindlich nur sein mag.
Sogar ein Löw‘, der grausam ist
Der ihm tat wohl, gar nicht vergisst.
Du willst das man dich liebt ? / hab‘ lieb : weil Lieb‘ an sich
Holt ohne Zweifel heim / die Liebe auch für Dich
https://archive.org/details/roemervisschersz00viss/page/82/mode/2up
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