Lauter Bschiss

161 Wörter, 1 Minute Lesezeit.

Johann Friedrich von Traunsdorff

(† nach 1644)

IN DIESER WELT IST LAUTER BSCHISS.
Was man zusagt und helt, ist gwiß,
Das ander alles ist erlogn,
Ist wahr, hab's aus keim Finger gsogn.
Groß und klein Hans ist alles gleich,
Der Arm liegt so wohl als der Reich | liegt: lügt
Und der Reich so wohl als der Arm,
Es geht halt zu, daß Gott erbarm.
Kein Wahrheit ist mehr bei den Leutn,
Trauen und Glauben zu den Zeitn
Erloschen leider ganz und gar,
Darum jetzund in großer Gfahr
Die Wahrheit und der wert Credit,
Als welche man mit Füßen tritt,
Und man für kein Schand helt das Liegn,
Drob sich auch möchten Balken biegn.

Aus: Wir vergehn wie Rauch von starken Winden. Deutsche Gedichte des 17. Jahrhunderts. Hrsg. Eberhard Haufe. Bd. 1. Berlin: Rütten & Loening, 1985, S. 387

Lebensdaten unbekannt. Wahrscheinlich ein Österreicher, lebte in Bern im Exil.

One Comment on “Lauter Bschiss

  1. Darf ich als Gegenstück ein Gedicht von Anna Roemersdochter Visscher zeigen? Gleiches Jahrhundert, aber weniger pessimistisch.

    Helaes! Waer is de vriedtſchap heen?

    Dat klaeght, en vraeght, ſchier yder een.

    En ſoeckt niet veer, ſ‘is dicht by u:

    Maer is, gelijck de Echo ſchuw,

    Die ongeroepen blijft als ſtom.

    De vriendtſchap die heeft oock waerom,

    Dat ſy ſoo ſelden haer laet ſien:

    Sy kan, noch wil niet zijn allien.

    Dus wie dat wenſcht te zijn bemindt

    Van and’ren; van ſich ſelfs begint.

    Want vriendtſchaps voor beweſen jonſt,

    Dwingt met een heyl’ge toover-konst

    Alleen geen menſchen bot en ſuer,

    Wreet, ongevoeligh, ſtugh en ſtuer:

    Maer ſelfs een Leeuw, hoe wreet en fel,

    Deed oock aen ſijn weldoener wel.

    Soeckt ghy bemint te zijn ? bemint : want d’eene min,

    En voor beweſen jonſt brenght noodlijck d’ander in

    Versuchsweise übersetzt:

    Ach wo ist nur die Freundschaft hin

    Fast jeder fragt, sieht nicht den Sinn

    Ihr sucht nicht weit, t‘is nahe euch !

    Sie aber ist wie Echo scheu

    Die, ungerufen, bleibt nur stumm.

    Die Freundschaft kennt auch das Warum

    Sie selten ist und muss so sein

    Sie kann und will nicht sein allein.

    Also wer wünscht zu sein geliebt

    Der selber erstmal Liebe gibt.

    Wer freundlich eine Gunst verleiht

    Dann Zauber auch hält Gunst bereit.

    Nur botter, saurer Menschenschlag

    Ganz unempfindlich nur sein mag.

    Sogar ein Löw‘, der grausam ist

    Der ihm tat wohl, gar nicht vergisst.

    Du willst das man dich liebt ? / hab‘ lieb : weil Lieb‘ an sich

    Holt ohne Zweifel heim / die Liebe auch für Dich

    https://archive.org/details/roemervisschersz00viss/page/82/mode/2up

    Gefällt 1 Person

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..