Nossis vielsprachig

Mein Freund Hansen (Dirk Uwe) schickt mir einen Reader, darin „alle Gedichte von Nossis aus der Anthologie, übersetzt von „Gerlach, Hansen, Kugelmeier, Savvidis, Teichmann, von Moellendorff“. Darin dieses, dasselbe, das Kling nach Rexroth übersetzt hat (siehe gestern). Aber von wem die einzelnen übersetzt sind, kann ich daraus nicht ersehen, einer der 6 (wird nachgereicht).

Hier erst mal das Gedicht in der neusten Fassung:

5, 170 Nossis

Nichts ist süßer als die Liebe,
alles Prächtige ist nur zweite Wahl dagegen,
selbst Honig spucke ich aus.
Nossis sagt das und: wen Kypris nicht liebt,
der weiß auch von Rosen nicht, was das für Blumen sind.

Apropos Buchpreise, Preise für Bücher: ich besitze bereits zwei Gesamtausgaben der „Griechischen Anthologie“, die erste erworben 1981. Ich kann hier zeigen, wie ich damals Bücher zu kaufen pflegte. Auch in der DDR gab es ein „Börsenblatt für den deutschen Buchhandel“, ich weiß nicht mehr, ob das der genaue Titel war. Es war mir gelungen, dieses Wochenblatt zu abonnieren, darin lag eine Beilage mit Kärtchen für alle in dieser Woche neu angekündigten Bücher, genannt Vorankündigungsdienst. Das konnte man also ausschneiden und zur Buchhandlung des Vertrauens schicken, in Greifswald war das eine übriggebliebene private Buchhandlung von Paul und Wilhelmine Singelnstein. Ich gab ihnen also das Kärtchen, dieses hier:


und nach ein paar Wochen (manchmal Monaten, Jahren… manche Bücher erschienen auch nie, da bekam ich irgendwann das Kärtchen zurück mit dem Kommentar, wird nicht erscheinen, so hatte man die Übersicht, in der Regel hieß das: darf nicht erscheinen, die DDR war da ja ängstlich) bekam man dann das Gewünschte. Das hatte den Vorteil, dass man, ich, auch rare Bücher, sogenannte Bückware, meistens zuverlässig bekam. Jetzt zur Anthologie. Das Buch sollte 3 Bände umfassen mit ca. 1280 Seiten und stolze 22 Mark der DDR kosten. Das konnte ich mir leisten. Selbst wenn, wie in diesem Fall, der tatsächliche Preis auf 31 Mark angestiegen war.

Die wohlfeile Ausgabe erschien in der „Bibliothek der Antike“, herausgegeben und übertragen im Versmaß des Originals, in der Regel Distichen oder Hexameter. Hier Nossis in der Fassung von Ebener, Die Griechische Anthologie in drei Bänden, Berlin u. Weimar: Aufbau, 1981:

„Lieben bedeutet das höchste Glück. Ihm folgen die andern
  Glücksgüter. Honig sogar spiee für jenes ich aus.“
So spricht Nossis. Die Frau, der Kypris die Liebe versagte,
  kennt nicht die Schönheit, mit der blühend die Rose sich schmückt.

Ein paar Jahrzehnte später gelang es mir, antiquarisch eine andere Gesamtausgabe zu erwerben, etwas teurer, aber immer noch preiswert für die Sache: Vierbändig Griechisch und Deutsch, herausgegeben von Hermann Beckby, Heimeran Verlag München 1957. Hier dessen Fassung:

Ein gleiches (das vorige hatte die Überschrift "Süßigkeiten")

„Nichts ist süßer als Liebe, weit hinter ihr stehen die andern
  Freuden, den Honig sogar spei ich vom Munde dafür.“
So spricht Nossis. Die Frau, der Kypris nicht Liebe gegeben,
  kennt die Rose noch nicht, weiß nicht, wie prangend sie blüht.

An dem kurzen Gedicht mag man Vor- oder Nachteile metrischer Übersetzung diskutieren. Hier der Originaltext zum Vergleich.

Schließlich eine englische Fassung:

Aus: THE GREEK ANTHOLOGY WITH AN ENGLISH TRANSLATION BY W. R. PATON (LOEB CLASSICAL LIBRARY), London: Heinemann 1920

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