Wider das Sauffen

Georg Neumark

(* 16. März 1621 in Langensalza; † 8. Juli 1681 in Weimar)

Der nächste Jubilar: Georg Neumark, ein Dichter aus der Generation von Sibylla Schwarz, wurde heute vor 400 Jahren geboren. Man kennt von ihm das Kirchenlied „Wer nur den lieben Gott lässt walten“. Ich bringe zur Geburtstags-Jubelfeier ein Sonett und zwei Epigramme über das Saufen, das ein Problem war.

Sonnet/
An die unmässigen Weinsäuffer. 

Ihr Helden / die ihr Euch selbst saufft vom Witz und Sinne /
  Die ihr euch spät und früh mit vollem Glas' ergetzt/
  Die ihr anstatt der Kirch euch in ein Weinhaus setzt /
Die ihr an GOttes statt die geile Lustgöttinne
Und euren Bachus ehrt / bedenkt/ was Sauffen könne /
  Hat nicht der Wein den Loht zur Unzucht angehetzt?
  Hat Alexander nicht den Klitus hingemetzt
Jn voller Trunkenheit? O Seelenmörderinne!
O Lasterquell'! es ist mit Thränen zu beklagen /
  Wie mancher Mord / Verraht / wie manche Hurerei/
  Wie mancher Diebstahl auch durch dich verübet sei.
Bedenk dieß Trunkenbold. Dieß muß ich dir noch sagen:
  Der Wein der ist gesund / wenn man ihn recht geneust /
  Ein Gift/ im fall man ihn / wie Wasser / in sich geust.

Aus: G. Neumarks von Mühlhausen aus Thüringen Fortgepflantzter Musikalisch-Poetischer Lustwald / Zweite Abtheilung : Jn welcher so wohl geist- als weltliche weitläuftigere poetische Gedanken, Glükkwünschungen, Lobschriften, Leichreden, Trauer- und Hochzeitsversche neben etlichen Geschichtreden begriffen sind. Jehna : Georg Sengenwald, 1657, S. 297

An einen Vielsäuffer.

Du praalst: Ich sauffe viel / krieg aber keinen Dummel /
  Und söff' ich auch das Bier bei halb-und gantzen ein/
So werd ich doch nicht voll. Hör du / versoffne Hummel/
  Gleich solch' ein' Heldenthat kan auch ein volles Schwein.

Aus: G. Neumarks von Mühlhausen aus Thüringen Fortgepflantztes Musikalisch-Poetisches Lustwaldes Dritte Abtheilung/ In welcher allerhand kurtze Getichte / Überschriften / Sinn-Lehr-Trost-Straf-und Wahlsprüche/ Geist-und Weltlich zu befinden sind. Jehna: Georg Sengenwald, 1657,  S. 21

Gegenverweiß des Teutschen
und Spaniers.

LAß ab / du Teutsche Sau / von deinem großen Sauffen!
Und du / du Spanscher Hund / vom Raub' und Hurenlauffen!

Ebd. S. 39

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