Nicht Poesie

Gustav Sack

(* 28. Oktober 1885 in Schermbeck; † 5. Dezember 1916 bei Finta Mare, Rumänien)

Bekenntnis

Das sind mir Worte nur und Klänge,
künstliches Reflexionsgedränge,
das hat nicht Herz, nicht Poesie,
das läßt mich kalt, ich weiß nicht, wie.

Gewiß: denn dem Poet,
wie ihr ihn liebt und ihn versteht,
sprang noch die Welt nicht jäh entzwei
in Ding und Dinges Konterfei,
dem ist noch nicht die Welt verdorrt
zum hohlen Klang und dürren Wort,
der sieht noch nicht in jedem Ding
sich selbst, der in die Dinge ging,
der findet sich nicht ewig wieder,
der pinselt seine warmen Lieder
herzhaftig nach der Wirklichkeit,
nach Grund und Sinn und Raum und Zeit,
als ob das alles Dinge wären,
die plastisch aus dem Chaos gären
und ohne Zweifel so bestehn,
wie er sie eben stets gesehn.

Mir aber klirrend eins, zwei, drei
sprang diese schöne Welt entzwei
und ließ mir, nicht viel mehr als nichts,
den Wiederschein nur jenes Lichts,
das rätselhaft die Nacht durchfährt
und dann für immer wieder in sie kehrt,
zwecklos, sinnlos und gänzlich einerlei,
was es in Wahrheit wohl gewesen sei.

Darum ich denn die Poesie,
wie ihr sie pflegt, verlach, ich weiß nicht, wie.

Aus: Versensporn 35: Gustav Sack. Jena: Edition Poesie schmeckt gut, 2019, S. 15

One Comment on “Nicht Poesie

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: