Übel-, Übel-, Übeltäter

Während der Sommerzeit finden Sie in der Lyrikzeitung jeden Tag ein Sommergedicht. (Sommergedichte können vom Sommer handeln, müssen aber nicht. Es reicht, sie im Sommer zu lesen.)

Carl Meinhof aus Hinterpommern war der erste deutsche Afrikanist mit Lehrstuhl (Hamburg 1909). Er wurde am 23. Juli 1857 in Barzwitz bei Rügenwalde geboren und starb am 11. Februar 1944 in Greifswald. Beerdigt ist er auf dem Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg.

Ein Lied aus Togo aus seinem Band Die Dichtung der Afrikaner, Berlin 1911, S. 160. Ein Gedicht mit Funktion, man singt es, wenn man über böse Nachrede zu klagen hat, vielleicht hilfts (einem selber bestimmt!).

Übel-, Übel-, Übeltäter,
Neider, Neider, Neidhammel,
Übeltäter besingen Leute,
Macht Platz und seht ihnen zu!
Übeltäter besingen Leute,
Übeltäter haben mich besungen.

Schwätzer, Schwätzer, Schwätzer,
Schwätzweib, Schwätzweib,
Die Schwätzer haben mich ins Gerede gebracht,
Macht Platz, seht ihnen zu!
Die Schwätzer haben mich besungen;
Fallet über sie her, kommt mir zur Hilfe!

Leider hört Meinhof hier auf mit dem Kommentar: „Den Schluß lasse ich als gar zu afrikanisch weg.“ Vermutlich meint er, daß es den wilhelminischen Sittencodex verletzen würde. Im nächsten Satz heißt es: „Die meisten Somalischimpflieder sind von entschlossenster Obscönität“.

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