Vier Quartette neu übersetzt

Thomas Stearns Eliot, der gebürtige Amerikaner und geistige Brite, drohte seinen Ruf als einer der ganz großen Neuerer der Moderne zu verlieren, als die „Quartette“ zwischen 1936 und 1942 sukzessive erschienen: zu mystisch und vor allem zu katholisch erschien den Lesern dieser Zyklus aus vier Langgedichten, geradezu antimodern in seiner Grundhaltung.

Im Aufbau ähneln die „Quartette“ zwar Eliots avantgardistischem Meisterwerk „The Waste Land“. Doch anders als im kühnen Schlüsseltext der lyrischen Moderne, der vielstimmig zwischen Umgangssprache und hohem Ton, zwischen atemlosem Gerede und buddhistischer Rätselhaftigkeit schwingt, verzichtete der Dichter in seiner letzten großen lyrischen Arbeit auf Vielklang und hielt sich eine einzige Stimme. Es ist – suchend, sehnend, spottend, meditierend, resignierend – erkennbar die seine.

In der neuen Übertragung des Lyrikers Norbert Hummelt werden Eliots schwer zu entschlüsselnde Verse nun ein wenig zugänglicher. Hummelt sucht das Sprechbare und Klingende dieser Lyrik nahe am Original – und gibt damit der deutschen Fassung etwas zurück, das in älteren Übertragungen (wie der von Eva Hesse) zugunsten begrifflicher Setzungen eher zu kurz kam. / Katharina Döbler, DLR

T.S. Eliot: „Vier Quartette. Four Quartetts“
Aus dem Englischen von Norbert Hummelt
Suhrkamp, Berlin 2015
,
93 Seiten, 19,95 Euro

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