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Veröffentlicht am 14. Juni 2014 von lyrikzeitung
Gesetzt den Fall, wir hätten aus Friedrich Hölderlins Feder einzig und allein das Gedicht „Hälfte des Lebens“ – eines der grandiosesten Gedichte der gesamten Literaturgeschichte, zweifellos*). Aber würde Hölderlin dieselbe Stellung einnehmen, die ihm zu Recht zugedacht ist, hätte er nur dieses eine Gedicht geschrieben?
Genügt also ein Gedicht, ein Buch, um ein großer Autor zu sein? / Edwin Baumgartner, Wiener Zeitung
*) „Das Kranke an diesen Versen kann wohl nur von solchen, die täglich mit Katatonischen umzugehen haben, gleichsam gefühlsmäßig erfaßt werden. Das Ganze steht da als ein imposanter Ausdruck der Vereinsamung; seine Umgebung erschien dem Kranken fremd und rückte in eine unheimliche, unfassbare Ferne. Die Unfähigkeit zur Abstraktion liess den Kranken am unmittelbaren sinnlichen Eindruck haften..“ (Dr. med Wilhelm Lange: Hölderlin – Eine Pathographie, Stuttgart 1909 S. 120/1)
Kategorie: Deutsch, DeutschlandSchlagworte: Edwin Baumgartner, Friedrich Hölderlin, Wilhelm Lange
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Der Rezensent der Wiener Zeitung hätte vilelleicht ein bisschen mehr zu Hans Herbert Grimms Roman Schlump schreiben können, und ein bisschen weniger darüber, was er sonst noch gelesen hat. Aber dann ware die Rezension nicht in die Lyrikzeitung gekommen. Ich habe übrigens ein Gedicht geschrieben, in dem die bekanntesten Gedichte von Hölderlin und Celan vorkommen. Ist auch erschienen, in Zeitschriften und in dem Buch „23+23=1“. http://blogs.yahoo.co.jp/dujuan99nihon/17584154.html
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„Die Unfähigkeit zur Abstraktion…“ Das Gedicht ist eines der abstraktesten und am tiefsten durchdachtesten in der deutschen Literatur. Ziel Hölderlins war es Philosophie sinnlich zu verdeutlichen. Hier: Das Dichtertum in einer undichterischen Zeit, die die Schönheit vergessen hat. Die Schwäne sind die Dichter, die sich, die Natur, den Himmel trunken in der Dichtung widerspiegeln. Das Wasser, ihr „heilignüchterner“ Geist, reflektiert die heilige Schönheit des Himmels und der Welt. In der kalten Zeit kann die Schönheit, der Welt durch die Dichter nicht mehr widergegeben werden: der See ist zugefroren. Nicht mehr die Sprache der Dichter erklingt, sondern es klirren die Wetterfahnen, die die Natur technisch deuten. Hölderlin nannte diese Zeit die Zeit der „Götternacht“ auch den „Winter“, der den Frühling im alten Griechenland abgelöst hat. Die weitere tiefere Philosophie wird in den anderen „Nachtgesängen“ noch genauer entfaltet.
Nicht ohne Grund hat z.B. Heidegger Hölderlin den größten Denker der Deutschen genannt…
(PS das ist noch ein einfaches seiner Gedichte!)
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