132. Herta Müller schneidet aus

Auf der Suche nach den prägnantesten Wörtern für ihre Bücher schneidet Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller (56) Zeitungsartikel klein und setzt die Schnipsel dann zu neuen Sätzen zusammen. Beim Kleben dieser Kollagengedichte gingen ihr die Wörter von der Hand in den Kopf.

«Das Wort schaut mich an», sagte die Schriftstellerin am Montagabend bei einer Lesung in Tübingen. Entscheidend für den Erfolg dieser Technik sei der Zusammenprall ungewöhnlicher Wörter.

Literarische Texte seien dafür allerdings ungeeignet, es müssten Zeitungstexte sein. «Die schönsten poetischen Wörter sind die, die ahnungslos poetisch sind», sagte die Nobelpreisträgerin. / zeit.de newsticker 24.11.

2 Comments on “132. Herta Müller schneidet aus

  1. „[…]
    Jedes Mal inmitten unserer Worte ein Loch,
    eine Schlinge von Sinn –
    und vielleicht

    unser Name.

    Meine Stadt hat Raum für Wurzeln des Wassers,
    hier zerlegen wir noch den Regenbogen.
    Meine Stadt.

    Und ich höre jemanden auf der Straße sagen:
    „Ich will Sand, nicht Öl, im Getriebe der Welt sein.“

    Ich erinnere dein Flüstern
    erinnere ich.
    Dass ich aus Zeitungen Gedichte schnitt.
    Ich schnitt, ich schnitt.
    Machte aus den Meldungen ein Loch ohne Ereignis.
    Denn hier in Meiner Stadt sind Wir das Neuste vom Tage.
    Und…
    könnte man Tasten drunter schieben,
    wäre es vielleicht
    ein Lied.“

    Ausschnitt aus „Meine Stadt“
    von KLAVKI

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