60. Chiffren der Wehmut und Sehnsucht

Über Franz Schuberts Vertonung von Gedichten und Liedern des pommerschen Pfarrers und Dichters Ludwig Gotthard Kosegarten (1758-1818) spricht der Musikwissenschaftler Dr. Peter Tenhaef am Donnerstag, dem 19.2.04, um 20.00 Uhr im Greifswalder Falladahaus, Steinstraße 58/59. Kosegarten, der auch Professor an der Universität Greifswald war, machte u.a. den Maler Caspar David Friedrich auf die Naturschönheit der Insel Rügen aufmerksam. Bei der Bücherverbrennung der Studenten beim Burschenschaftsfest auf der Wartburg im Oktober 1817 waren unter 23 „undeutschen“ verbrannten Büchern auch drei von Kosegarten. (Wer von Schubert vertont und von „Turnvater Jahns“ Gefolgsleuten verbrannt wurde, kann nicht ganz uninteressant sein!)
Unter den von Schubert vertonten Texten Kosegartens ist auch diese asklepiadeische Ode mit positiver Mitte und etwas brutaler Coda:

An Rosa (II)

Rosa, denkst du an mich? Innig gedenk´ ich dein.
Durch den grünlichen Wald schimmert das Abendroth.
Und die Wipfel der Tannen
Regt das Säuseln des Ewigen.

Rosa, wärest du hier, säh´ ich in´s Abendroth
Deine Wangen getaucht, säh ich vom Abendhauch
Deine Locken geringelt
Edle Seele, mir wäre wohl!

Lieber lehn‘ ich an dir, als an der Einsamkeit
Trautem Busen. Mir klingt süsser der Flötenton
Deiner klagenden Stimme,
als das Säuseln im Tannenhain.

Jedes leisere Weh‘, Jedes verschwieg’ne Ach,
Das den Busen mir presst, haucht‘ ich dir öfter aus,
Schöpfe freieren Odem,
klomm heroischer felsenan.

Nie soll darum ein Freund meiner holdseligen
Rosa mangeln, und nie Milderung ihrem Gram!
Nie sei trostlos ihr Leiden,
ihre Urne nie blumenleer!

Komponiert 19.10.1815, D 316
Hörbuch: „Mit Ludwig T. Kosegarten nach Rügen“

Kosegarten kam 1792 als Pfarrer auf die Insel Rügen. Neben Naturbeschreibungen erzählt Kosegarten auch vom Alltag der Inselbewohner und ihrer Ausbeutung durch die französischen Besatzer, denen sie Bouillon, Wein und Kaffee liefern sollten. Eine „schöne Entdeckung für alle Rügen-Reisenden“, meint Rolf Michaelis, Die Zeit 8.6.2000.

„Mit Ludwig Theobul Kosegarten nach Rügen.“
Kassette. 1792. Lesung mit Musik

Audio Verlag, Berlin 2000, ISBN 3898130738
Kassette, 0 Seiten, 32,95 DM

[ Klappentext ]
Gelesen von Siegfried W. Kernen. Musik: Traugott M. Eberwein „Sinfonie Nr. 3, Es-Dur, op. 84“. 52 Seiten (Booklet). Mit diesem Briefroman begründete Ludwig Theobul Kosegarten (1758-1818) die Legende Rügen, die heute neue Blüten treibt. Der literarisch äußerst betriebsame Pastor, der in ausgiebigem Briefwechsel mit Herder und Goethe, Schiller und Caspar David Friedrich stand, schuf dazu eine Kunstfigur. Sein fiktiver Held aus gutem Hause schildert seine wahrhaft platonische Liebe zu der berühmten Insel, die er nach und nach für sich entdeckt. Er beschreibt einen katastrophalen Schiffbruch an der Küste des Vorpommerschen Eilands, geht mit den Fischern auf Heringsfang, erlebt eine Dorfhochzeit und erwandert Kap Arkona und die Stubbenkammer. Kosegarten selbst kam 1792 als Pastor nach Rügen.

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: