Junggesellenmaschine

Weil das Schöne das Wunderbare ist und zugleich eine
Junggesellenmaschine,
brauchen wir die Surrealisten dringender denn je : So lautet die Botschaft einer wissenschaftlichen Bekenntnisschrift, die im steingrauen Gewand daherkommt. Der fast farblose Umschlag mit dem rätselhaften Titel kennzeichnet dieses Buch als ein Erzeugnis aus dem Hause Klostermann und einen Beitrag in der Reihe „Das Abendland“. Der Umschlag steht außerdem mit der Autorin im Bunde. Grau ist das Packpapier, damit kein Augenschmaus ablenkt von den sinnlichen Ekstasen, die im Innern beschworen werden. Das spröde Design trägt die Beweislast: Es ragt in die Dingwelt und bleibt ihr enthoben. Es ist ein versinnlichtes surrealistisches Symbol. …
In der Tat ist „im Zeitalter der Virtualität ein vor- surrealistisches Verhältnis zu den Dingen nicht mehr denkbar“. Breton, Soupault & Co. inszenierten lustvoll den Schock der Bildüberflutung, der über uns Glasfaserkabelkunden längst hereingebrochen ist. Und Hugo Ball hatte ganz gewiss recht, als er in sein Notizbuch schrieb: „Das Wort hat jede Würde verloren. Das Wort ist zur Ware geworden.“
ALEXANDER KISSLER, Süddeutsche 2.3.02

RITA BISCHOF: Teleskopagen, wahlweise. Der literarische Surrealismus und das Bild. Klostermann Verlag, Frankfurt a. M. 2001. 442 Seiten, 49 Euro.

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