30. American Life in Poetry: Column 198
This column has had the privilege of publishing a number of poems by young people, but this is the first we’ve published by a young person who is also a political refugee. The poet, Zozan Hawez, is from Iraq, and goes to Foster High School in Tukwila, Washington. Seattle Arts & Lectures sponsors a Writers in the Schools program, and Zozan’s poem was encouraged by that initiative.
Self-Portrait
Born in a safe family
But a dangerous area, Iraq,
I heard guns at a young age, so young
They made a decision to raise us safe
So packed our things
And went far away.
Now, in the city of rain,
I try to forget my past,
But memories never fade.
This is my life,
It happened for a reason,
I happened for a reason.
American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright © 2007 by Seattle Arts & Lectures. Reprinted from „We Will Carry Ourselves As Long As We Gaze Into The Sun,“ Seattle Arts & Lectures, 2007, by permission of Zozan Hawez and the publisher. Introduction copyright © 2009 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.
29. Lieder nach Eva Strittmatter
Der Berliner Pianist, Komponist, Bandleader und Musikpädagoge Manfred Schmitz (Jahrgang 1939) vertonte nun Gedichte Eva Strittmatters und machte daraus einen Zyklus von 20 Liedern; Chansons von zart und verhalten bis kraftvoll und mitreißend. Als Interpretin dafür gewann er die 1969 in Ilmenau geborene Schauspielerin und Sängerin Susanne Kliemsch, mit der er bereits erfolgreich andere Chanson-Programme realisiert hatte. Jetzt ist „Ich mach ein Lied aus Stille“ auf CD erschienen, was die beiden Protagonisten zum Anlass für ein besonderes Veröffentlichungskonzert in Dresden nehmen. / Sächsische Zeitung
Susanne Kliemsch/Manfred Schmitz
11.1., 20 Uhr, Kleines Haus, DD
14 Euro im Vorverkauf
28. Dirk von Petersdorff wird Professor in Jena
„Lehrerausbildung ist unser Kerngeschäft“, sagt Prof. Dr. Dirk von Petersdorff. Der frisch ernannte Lehrstuhlinhaber für Neuere deutsche Literatur der Universität Jena beschreibt damit nicht nur die eigene „starke Affinität zur Schule“. Der 42-jährige Neu-Jenaer macht dadurch auch deutlich, dass Geisteswissenschaften für ihn zu einer Profession führen. „Literaturwissenschaft sollte man nie aus der Lebenspraxis herauslösen“, erläutert von Petersdorff sein Credo, das er auch den Studierenden aller Studiengänge in Jena vermitteln möchte. / idw 7.1.
27. Hölderlins Rhythmus
Previšic tritt mit dem Anspruch auf, eine objektiv feststellbare Lücke in der germanistischen und komparatistischen Literaturwissenschaft schließen zu wollen: Er untersucht den Rhythmus der Gesänge Friedrich Hölderlins aus den Jahren 1795 bis 1808 und konstatiert dabei einen tiefgreifenden Wandlungsprozess, welcher als „metrische Dekomposition“ bezeichnet wird. / Torsten Mergen,literaturkritik.de Nr. 1, Januar 2009
Boris Previsic: Hölderlins Rhythmus. Ein Handbuch.
Stroemfeld Verlag, Frankfurt a. M. 2008.
320 Seiten, 32,00 EUR.
ISBN-13: 9783861091851
26. Marica Bodrožic – eine deutsche Dichterin aus Dalmatien
Dass die Wörter nicht nur Wörter sind und ihre außergewöhnliche Kombinatorik eine ganz andere Wahrheit zum Vorschein kommen lässt, zeigen vor allem die beiden Gedichtbände. Schon ihre zunächst durchaus rätselhaften Titel sind Programm: „Ein Kolibri kam unverwandelt“ heißt der eine, „Lichtorgeln“ der andere. Wobei man sich bei den synästhetisch durchwehten Textflächen der „Lichtorgeln“ durchaus nicht sicher sein kann, ob es sich hier überhaupt um einen Gedichtband handelt oder ob der universalpoetisch freie Umgang mit Sprachpartikeln nicht vielmehr jegliche Gattungsgrenze aufsprengt. Kindheit, Muttersprache, Naturempfinden und Balkankrieg bleiben auch hier thematische Bezugspunkte, und natürlich immer wieder auch die Möglichkeiten und Unmöglichkeiten der Sprache. „Wenn Marica Bodrožic die Einheit der Synästhesie in Sprache vereinzelt, gewissermaßen in Einzelteile zerlegt, dann entstehen jene unvermeidlichen Wortinseln, die nur das Wagnis, ins Unheimliche des Dazwischen einzutauchen, miteinander verbinden kann“, bemerkt Nadja Wünsche in der „FAZ“. / Klaus Hübner, literaturkritik.de » Nr. 1, Januar 2009
Ein Kolibri kam unverwandelt. Gedichte. Salzburg 2007 (Otto Müller)
Lichtorgeln. Gedichte. Salzburg 2008 (Otto Müller)
Die Sprachländer des Dazwischen. Essay. In: Uwe Pörksen / Bernd Busch (Hg.): Eingezogen in die Sprache, angekommen in der Literatur. Positionen des Schreibens in unserem Einwanderungsland (= Valerio 8). Göttingen 2008 (Wallstein)
25. Geübter Steilpass – lyrische Collagen von Andreas Noga
Vor kurzem stieß ich durch Zufall auf eine Statistik der Stiftung Lesen, aus der hervorging, dass in Deutschland jeder Vierte überhaupt keine Bücher liest. Auch die dort aufgeführten „Gelegenheitsleser“ verzeichnen laut Umfrage einen leichten Rückgang, während die Zahl der „Viel-Leser“ (mehr als 50 Bücher pro Jahr) mit rund 3 Prozent stets gleich bleibt. Leider war dieser Statistik nicht zu entnehmen, um was für Bücher es sich dabei handelt, denn die Frage nach Anspruch und Umfang ist dabei ja nicht gänzlich unbedeutend. Und so hätte es mich gefreut, wenn neben der Quantität und der (zugegeben sehr subjektiv empfundenen) Qualität der konsumierten Bücher auch das Kriterium der Nachhaltigkeit Berücksichtigung gefunden hätte – denn was ist ein Buch, von dem nichts hängen bleibt, das zum einen Auge rein und zum anderen raus geht, ohne Spuren zu hinterlassen, Neugier zu schüren oder Lücken zu schließen? Wer diese schmierige Formel noch länger in den Händen wendet, die Temperatur langsam erhöht und die Inhalte um das Beiwerk reduziert, kristallisiert über kurz oder lang die „Inspiration“ heraus, die dafür sorgen kann, dass ein Text beim Leser nachwirkt, wenn die eigentliche Lektüre längst abgeschlossen ist.
Andreas Noga, 1968 geborener, im Westerwald lebender Lyriker und Lyrikredakteur der Zeitschrift „Federwelt“, ist ein Mensch, der gegenüber der Inspiration offen ist. Sein neuester, bereits vierter Gedichtband „Orakelraum“, als neunter Band der hochkarätig besetzten Lyrikreihe der Silver Horse Edition erschienen, weist denn auch durch die Kategorisierung „lyrische Collagen“ auf das Fertigungsverfahren dieser Texte hin: Fundstücke aus unterschiedlichsten Printmedien, Schlagzeilen, Überschriften und Gedichten anderer Autoren, aus denen er mittels Assoziation neue Bilder geschaffen hat.
Aus wenigen Wörtern spinnt Noga neue Fäden, neue Zusammenhänge, nimmt alte Motive auf und bringt sie in neue Konstellationen, wobei er sich als aufmerksamer Beobachter erweist, der gerade die zwischenmenschlichen Beziehungen fein auszuleuchten und auszudrücken vermag.
schweigsam
noch bliebe ein rest zu sagen
mein mund ist vorübergehend geöffnet
dann wieder geschlossen
die speerspitzen mit denen du zielst
sind vergiftet –
wenn man stille fotografieren könnte
wäre mein schweigen ein fisch
glatt und silbern
und er sähe aus der tiefe
zu dir hoch
Ein runder, vielseitiger Lyrikband, von dem genügend hängen bleibt, um
a) einen Tag im Büro zu überstehen, kurz vor dem Jahresabschluss,
b) einen einsamen Abend mit miserablem Fernsehprogramm ignorieren zu können, und
c) mit der einen oder anderen Zeile ein eigenes Gedicht zu beginnen.
Ein inspirierter, inspirierender Gedichtband.
/ stefan heuer
Andreas Noga: „Orakelraum“ – Lyrische Collagen
Silver Horse Edition
40 Seiten, 6,80 €
Limitierte Auflage von 100 nummerierten und signierten Exemplaren
ISBN: 978-3-937037-24-0
24. Übrigens
Befreit diese Gesellschaft von diesem Lärm, so dass die, die Ohren haben, sie nutzen, um gute Musik zu hören.
Der amerikanische Jazzmusiker Charlie Mingus (Mehr: WDR Podcast)
23. THESE WALLS WILL HAVE TO GO
Three newly discovered poems by Langston Hughes have their first known publication in the January 2009 issue of Poetry magazine.
BY ARNOLD RAMPERSAD
POETRY MEDIA SERVICE
Langston Hughes wrote these simple poems* in 1930, as the Great Depression loomed in America. By the end of 1933, in the depths of the crisis, he had composed some of the harshest political verse ever penned by an American. These pieces include „Good Morning Revolution“ and „Columbia,“ but above all, „Goodbye Christ.“ Here the speaker of the poem ridicules the legend of Jesus in favor of the radical reality of Marx, Lenin, „worker,“ „peasant,“ „me.“ Around 1940, under severe pressure from conservatives, Hughes repudiated „Goodbye Christ“ as an unfortunate error of his youth. However, in 1953 he was again forced to condemn this poem when he appeared, by subpoena, before Senator Joseph McCarthy’s infamous subcommittee probing allegedly „un-American“ activities by some of our leading scholars, scientists, and artists.
At his core, Hughes was a lyric poet entranced by the charms and mysteries of nature. Nevertheless, political protest was a key aspect of his writing virtually from his high-school days, when many of his classmates were the children of Jewish and Catholic immigrants from Europe who taught him the importance of protesting against injustice. A stirring voyage to colonial Africa in 1923, when he was barely twenty-one, only intensified his commitment to protest art.
These discoveries are minor poems, but reflect some of his abiding concerns and images.
The second poem, which begins „I look at the world,“ is cut from Hughes’s radical poetic cloth. Again one hears echoes of some of his better-known poems. The words „And this is what I see“ followed, as in a sermon-like refrain, by „And this is what I know“ is a familiar rhetorical device in his work. Familiar, too, are the conceits of narrow assigned spaces that almost suffocate blacks, „silly“ walls that pen them in, and, both ominously and beautifully, „dark eyes in a dark face.“
The brevity of these poems conserves their power and, in doing so, prevents them from becoming boring. Again, they are simple– but we must remember that Hughes lived as an artist by the idea that simplicity at its best is or can be complex. Surely these three poems do not widely expand our knowledge of Hughes or his art. However, they remind us poignantly, in their lancing grace, of the qualities that made him the poet laureate of his people and an American master. Hughes saw such poems both as „mere“ propaganda and also as necessary acts of the committed poet. As a black writer facing racism on a daily basis, he had a remarkably precise sense of scale, as well as an inspired knowledge of the words and rhythms of speech that would best convey his messages to blacks and whites alike. The truth is that we cannot have too many poems by Langston Hughes, no matter how modest they seem to be on the surface.
*These poems were written in pencil on the endpapers of Langston Hughes’s edition of An Anthology of Revolutionary Poetry (Active Press, 1929). They were discovered by Penny Welbourne, a rare book cataloger at the Beinecke Rare Book and Manuscript Library at Yale University, where the Hughes Papers are housed. Please visit poetryfoundation.org to see a facsimile slideshow of the original.
I look at the world
I look at the world
From awakening eyes in a black face–
And this is what I see:
This fenced-off narrow space
Assigned to me.
I look then at the silly walls
Through dark eyes in a dark face–
And this is what I know:
That all these walls oppression builds
Will have to go!
I look at my own body
With eyes no longer blind–
And I see that my own hands can make
The world that’s in my mind.
Then let us hurry, comrades,
The road to find.
Arnold Rampersad is the author of the two-volume The Life of Langston Hughes and editor of The Collected Poems of Langston Hughes. This article first appeared in Poetry magazine. Distributed by the Poetry Foundation. Read more about Langston Hughes, and his poetry, atwww.poetryfoundation.org.
© 2009 by Arnold Rampersad. All rights reserved.
22. Darf zurück
„Leben wie ein Baum, einsam und frei, und brüderlich wie ein Wald, das ist unsere Sehnsucht.“ Mit diesen Versen aus dem Gedicht „Davet“ (Die Einladung), ist der größte türkische Lyriker des 20. Jahrhunderts, Nazim Hikmet, auch in Deutschland bekannt geworden. Lange war der Dichter, der mit „Menschenlandschaften“ das berühmteste Epos über Anatolien schuf, in seiner Heimat verfemt, jetzt soll er offiziell rehabilitiert werden. Gestern beschloss das türkische Kabinett, ihm post mortem seine Staatsbürgerschaft zurückzugeben und die Rückkehr von Nazim Hikmets sterblichen Überresten in die Heimat zu ermöglichen. / taz 6.1.
„Es ist ein Schritt hin zur Anerkennung unterschiedlicher Meinungen, Sprachen und Volkszugehörigkeiten, der nötig ist, um Mitglied der EU zu werden“, sagte Dogu Ergil, Politikwissenschaftler an der Universität Ankara. / AP
Mehr: FAZ.net 7.1. / Welt 7.1. / ND 7.1. / BBC news
In L&Poe: 2001 Jan # Nazim Hikmet wird rehabilitiert; 2001 Jun # Machmud Darwisch ist einer der letzten Dichter; 2002 Jan # John Berger über Nazim Hikmet; 2002 Jan # Hikmet fesselnd; 2002 Jan # Gefängnis für Gedichte; 2002 Jan # Atatürks verlorener Poet; 2002 Feb # Warum es die Türkei nicht schafft; 2002 Mrz# Hikmet 100; 2002 Jul # Human Landscapes; 2002 Dez # Poesie am Schaufenster; 2005 Mai #5. Das Wetter ist seltsam geworden; 2005 Jun #6. Lyrikpolizei; 2005 Nov #90. Philadelphia feiert; 2006 Okt #19. Alain Lance ausgezeichnet; 2007 Okt #38. Die Brücke. Forum für antirassistische Politik und Kultur 145; 2008 Okt #54. Hikmet-Auswahl; 2008 Okt #58. Türkei: früher lyriklastig; 2008 Okt #62. Versfelsen; 2008 Okt #69. Hikmets Traum; 2008 Okt #72. Die Einäugigen und die Lyrik
21. Chomsky, Mandelstam, Stein
Es waren die Erkenntnisse des amerikanischen Sprachwissenschafters Noam Chomsky, die in den sechziger Jahren für Inger Christensen die Legitimation der schriftstellerischen Tätigkeit begründeten. Dessen Gedanken «über eine angeborene Sprach-Fähigkeit und über allgemein gültige formale Regeln für den Satzbau, die (. . .) zugleich ermöglichen, dass ins Unendliche Sätze generiert werden», hätten sie mit einem «phantastischen Glücksgefühl» erfüllt, bemerkte sie, «eine nicht beweisbare Gewissheit, dass die Sprache eine unmittelbare Verlängerung der Natur» sei. Dank Chomsky verspürte sie «dasselbe <Recht> zu sprechen wie der Baum, Blätter zu treiben».
Jedes strukturierte Sprechen war damit gemeint, auch die Stellungnahmen der Bürgerin. Gerade in den Jahren ihrer Anfänge galt Inger Christensen als eminent politische Autorin. Sie äusserte sich mit Versen etwa zu Fragen des Städtebaus. Im Winter 1969/70 konnte man ihre Texte von Kopenhagener Hauswänden lesen. Zeilen daraus wurden allenthalben zitiert, gerieten zum Fanal: «Eine Gesellschaft kann wie aus Stein sein (. . . ), bis jemand damit anfängt, eine Stadt aufzubauen, eine Stadt, die weich ist wie ein Körper.» …
Christensen war mit deutschen Dichtern vertraut, von Goethe über Novalis und Kleist bis Heissenbüttel. Handkes «Linkshändige Frau» hatte sie ins Dänische übersetzt. Sie las Robert Walser, nicht weniger als Mallarmé, Rimbaud, René Char. Sie lebte mit Mandelstam und Shakespeare und Gertrude Stein. / Beatrice von Matt, NZZ 6.1.
Mehr: Die Welt / Tagesspiegel / Westdeutsche Zeitung / Neue Westfälische / Kölner Stadtanzeiger / BLK / SZ / Badische Zeitung (Michael Braun) / The StraitsTimes / Zeit / Der Standard
20. Glausers Gedichte
Die Berliner Literaturkritik annotiert eine Ausgabe der Gedichte des vor allem als Krimiautor bekannten Schweizers Friedrich Glauser (1896-1938), die arg verspätet 70 Jahre nach seinem Tod erscheinen.
GLAUSER, FRIEDRICH: Pfützen schreien so laut ihr Licht. Nimbus Verlag, Wädenswil 2008. 70 S. mit Anh., 22 €.
Ebenfalls annotiert und mit 2 Leseproben vorgestellt wird eine Auswahl von 100 Gedichten Johannes R. Bechers.
Johannes R. Becher
Hundert Gedichte
Herausgeber: Jens-Fietje Dwars, Nachwort: Jens-Fietje Dwars
Leinen, 164 Seiten,
Erschienen bei: Aufbau-Verlag
978-3-351-03245-6
12,95 € *) / 25,40 Sfr
19. Die Wörter der Geister
Man kann vielleicht widersprechen, wenn heute gesagt wird, der neue, von Gizzi und Killian herausgegebene Band sei das Werk Jack Spicers, des Kaliforniers, dessen biographische Einzelheiten auf eine Weise mythologisiert wurden, daß er selber es gewiß geschmacklos nennen würde. Mehr als jeder andere Dichter seiner Generation betonte Spicer das Unpersönliche am Erscheinen eines Gedichts von „außen“: unter dem Einfluß von „Gespenstern“, „Marsmenschen“ und, wichtig: „der Toten“. In Anlehnung an W.B. Yeats’ Methode geistiger Séancen (Yeats’ Frau Georgie kanalisierte die Wörter der Geister für den Dichter zum Mitschreiben) vertrat Spicer die Meinung, daß die persönliche Geschichte des Dichters unbedeutend sei im Vergleich mit dem viel größeren Spielraum des Gedichts. Er verfüge nicht über die Worte: sie seien die materiellen Einmischungen, die ihm erlaubten, ein Anderes in seine dynamischen und komplexen Perspektiven einzuschließen. / Dale Smith, Bookslut
My Vocabulary Did This to Me: The Collected Poetry of Jack Spicer (Wesleyan Poetry) (Hardcover)
by Jack Spicer (Author), Peter Gizzi (Editor), Kevin Killian (Editor)
Vgl. L&Poe 2008 Dez #107. Lyrik und Politik
18. Inger Christensen gestorben
Immer wieder ist die dänische Dichterin Inger Christensen als Kandidatin für den Nobelpreis im Gespräch gewesen, doch die bedeutendste Literaturauszeichnung der Welt blieb ihr am Ende versagt. Im Alter von 73 Jahren starb, wie erst am Montag bekannt wurde, Dänemarks bedeutendste Lyrikerin der Gegenwart bereits am Freitag. …
„Berlingske Tidende“ schrieb einmal, die Dichterin habe von Zeitströmungen unabhängige Lyrik und Prosa mit enormer Leuchtkraft geschaffen. „Sie erinnert immer wieder an die Überwindung einer großen Trauer“, hieß es. Man könne sagen, dass sie ihr literarisches Genre „revolutionär erneuert“ habe, wenn diese Begriff nicht so schlecht zur scheuen und sich selbst fast verleugnenden Persönlichkeit der Dichterin passe. Christensen trat als Person öffentlich kaum in Erscheinung. …
Als „Meisterwerk europäischer Poesie“ wurde „Schmetterlingstal. Ein Requiem“ gerühmt: Es enthält einen klassischen Sonettenkranz mit vierzehn Sonetten und dem abschließenden Meistersonett. Christensens Requiem entfaltet in einem Spiel von kindlichen Verwandlungen in verschiedenen Schmetterlingsarten eine „Symmetrie der Trauer“. Wirklichkeit und Vorstellung lassen sich in ihren Werken kaum auseinanderhalten. Zur Jahrtausendwende erschien „Der Geheimniszustand und Das Gedicht vom Tod“, eine Sammlung von Essays und Lyrik.
Über sich selbst und den Antrieb zum Schreiben erklärte Christensen einmal: „Ich bin eine ganz normale Sterbliche, mache Essen und treibe alles Mögliche. Nur manchmal, und es geschieht eigentlich selten, vergesse ich, was ich gewusst habe. Dann muss ich es noch einmal formulieren.“ / FAZ.net
Nachrufe: FR 6.1. / FAZ 6.1. /
In L&Poe: 2001 Jan # Nacht der Poesie auf dem Potsdamer Platz; 2001 Mrz # Die Sterndeuter (7); 2001 Mrz # Lyrik auch mal in der taz; 2001 Jun # Die sechsten Frauenfelder Lyriktage; 2001 Jun # Das erste Internationale Literaturfestival Berlin; 2001 Jun # Auf dem Internationalen Literaturfestival Berlin; 2001 Jun # Über das erste Internationale; 2001 Sep # Sechste Frauenfelder Lyriktage; 2001Okt # Inger Christensen las in Göttingen; 2002 Feb # Banater Alphabet; 2002 Feb# Much of; 2002 Mai # In dem frechen Online-Literaturmagazin “ fackel „; 2002 Mai # Christensen in Hombroich; 2002 Aug # Über das Jubiläum des Künstlerhauses; 2002 Sep # Ledergerbers Gedichtladen; 2003 Mrz # det/das: Kling über Christensen; 2003 Jun # Det/ Das: Abschied von Mallarmés Moderne; 2003 Sep # Universalgedicht det/ das; 2003 Sep # Drittes Internationales Literaturfestival Berlin; 2004 Jun #5. Inger Christensen in Dresden; 2005 Jan #51. Wiederverzauberung. Inger Christensen 70; 2005 Jan #52. Todesaufschubsdichtung; 2005 Jan #65. Christensen missing; 2005 Jun #73. „Das. Das war es. Jetzt hat es begonnen.“; 2005 Aug #26. Irrtum; 2005 Sep #5. Alphabet der Welt; 2005 Sep #58. Scandinavian, Germanic, and Slavic Poetry Today; 2006 Jan #90. Dansk kulturkanon; 2006 Feb #15. Dänische Lyrik; 2006Feb #89. Die dänische Lyrikerin; 2006 Mrz #38. Irische Lyrik Live auf der Leipziger Buchmesse; 2006 Apr #43. Dante und der Fanatismus (der Anderen); 2006 Mai#44. Dichterfest in Kopenhagen; 2006 Mai #57. Homilettrie für Christensen; 2006Sep #48. Was er liest; 2006 Dez #79. Lyrik boomt im Internet; 2007 Mai #30. Poesie graphisch – Skandinavische Lyrik auf Bodoniblättern; 2007 Dez #62. Wie fahrendes Volk; 2008 Jun #75. „So tun, als ob“; 2008 Jul #43. 28. ERLANGER POETENFEST; 2008 Jul #57. Inger Christensen und Kathrin Schmidt in Ahrenshoop; 2008 Jul #61. 9. poesiefestival berlin erfolgreich beendet; 2008 Aug#111. Irrwitzig & melodiös; 2008 Nov #18. Stein-Zerfledderung
17. Alice Salomon Poetik Preis 2009 an Rebecca Horn
Fr 16.1. und Sa 17.1.
Der Poetik-Preis wird jährlich von der Alice Salomon Hochschule Berlin vergeben. Erstmals wurde er 2007 verliehen, kurz nachdem die Alice Salomon Hochschule Berlin als erste in Deutschland den Masterstudiengang „Biografisches und Kreatives Schreiben“ einführte.
Der Preis ist eine Hommage an seine Namensgeberin. Für die Sozialreformerin Alice Salomon stellten bereits vor 100 Jahren Kunst und Kultur wichtige Inspirationsquellen zur Erforschung und zur geistigen Reflexion der Welt dar.
Mit dem Preis werden Künstlerinnen und Künstler ausgezeichnet, die durch ihre besondere Formensprache und künstlerische Vielfalt zur Weiterentwicklung der literarischen sowie visuellen und musischen Künste beitragen. Die Betonung liegt dabei auf der künstlerischen Interdisziplinarität, die sich auch in den Kulturangeboten der Hochschule wieder findet.
Rebecca Horn hat seit dem Beginn der siebziger Jahre ein Werk geschaffen, das sich aus Performances, Filmen, skulpturalen Raum-Installationen, Zeichnungen, Fotoübermalungen und Gedichten zusammenfügt. Die Kunstwerke bieten dem Betrachter die Möglichkeit, mythische Bilder zu assoziieren und kulturgeschichtliche, literarische und philosophische Bezüge herzustellen.