Senryū über Corona

Gisbert Amm

VIER SENRYŪ ÜBER CORONA

În diesêm Sênryū 
ûber Corôna trâgen 
dîe Wôrter Mâsken.

In______diesem______Senryū 
über______Corona______halten 
die______Wörter______Abstand.

In diesem Senryū 
über Corona schert es 
die Wörter gar nicht.

In |||| diesem |||| Senryū 
über |||| Corona |||| wurde 
es |||| übertrieben.

Aus: Gisbert Amm: Das Fingerzeighaus. Gedichte. F.W. Bernstein: Zeichnungen. Berlin: Bübül Verlag, 2022, S. 55

Ghasel 15

August von Platen

(* 24. Oktober 1796 in Ansbach; † 5. Dezember 1835 in Syrakus, damals Königreich beider Sizilien)

Ghaselen 
15

Wer Gelder eingetrieben,
Durchbebt die Nacht vor Dieben;
Mir, der ich nichts besitze,
Vergeht sie nach Belieben.
Es dunkeln zwar die Lüfte,
Doch sind sie rein geblieben;
Da senkt des Himmels Wagen
Der Sterne heil'ge Sieben.
O lernt die Welt beschauen,
Dann lernt ihr auch sie lieben!
Bemächtigt euch der Tage,
Die Jedem schnell zerstieben!
Die Welt ist eine Tafel,
Noch viel ist unbeschrieben.

Aus: August von Platen, Gedichte (Ausgabe 1834)

Aus der Weißkohlmatrix

Kenah Cusanit 

(geboren 1979 in Blankenburg (Harz))

Weißkohl

Man braucht ein Messer, will man was über seinen Charakter erfahren. Einmal senkrecht durchtrennen bitte. Was sehen Sie: einen Engel, dessen Flügel in Flammen aufgehen oder eine Zypresse, die zu lang in einer Blumenpresse gelegen hat? Kohlschau ist I Ching für Anfänger. Geschwurbel, wie man heute sagt. Aber in die Küche zu den Fakten: Ziehen Sie das äußerste Blatt ab. Dann noch eins. Sehen Sie sich das an: weder stirbt's noch verändert's sich. Was ist das. Vegetative Palilalie? Aus der Weißkohlmatrix ist auch die Berliner Philharmonie gebaut, wirklich, ich hab’s erst auch nicht geglaubt.

Aus: Jahrbuch der Lyrik 2022. Hrsg. Matthias Kniep u. Nadja Küchenmeister. Frankfurt am Main: Schöffling, 2022, S. 138

Reim (Engl)

Konstantin Ames

Reim (Engl)

GOd today is too lazy
so an I choose to climb
a Schutthügel all the way
like an I planned to do such
a thing like other people perhaps
plan to murder s.o. of their own kind
on a Tier · Tiere waren da natürlich au
ch s war ja Neobarock in this era of pre-war

We were enemies before our friendship-play
began & hostile ones became my fellows
real friendship only comes from advers
city magdeburgisieren Make It New
I was that tree I sat next to in this
godforsaken Hasenheide I was
this heathen deeply ashamed
rasen und toben die Heiden
until in some sort of sun
light web a Kohlmeise
greeted me nodding

Manfred Winkler 1922-2014

(* 27. Oktober 1922 in Putilla, Bukowina, Rumänien; † 12. Juli 2014 in Jerusalem) 

Manfred Winkler wurde in der früher österreichischen Region geboren, als die zu Rumänien gehörte. Er ging zur Schule in der Kulturmetropole Czernowitz. 1940 wurde die Nordbukowina in der Folge des Hitler-Stalin-Pakts von der Sowjetunion besetzt. Eltern und Bruder wurden verhaftet und nach Sibirien deportiert. 1941 eroberten rumänische Truppen, die an der Seite Deutschlands gegen die Sowjetunion kämpften, das Gebiet zurück, und jetzt wurde er von den rumänischen Behörden deportiert. Nach Kriegsende fiel die Nordbukowina wieder an die Sowjetunion, und Winkler wurde nach Rumänien ausgesiedelt. 1959 konnte er nach Israel ausreisen. Außer Deutsch schrieb er auch Hebräisch.

Mein Bart hat Wurzeln geschlagen

Ich hol mir die Nacht zum Spielen 
wie einen entschlüpften Ball,
der Himmel wölbt sich uns entgegen. 
Von allen Wegen
scharen sich Vögel dem Morgen zu. 
Noch ist alles unbewegt und winterklar. 
Ich wart auf einer Bank
                                           schon tausend Jahr, 
mein Bart, den ich von Propheten ererbt,
hat Wurzeln geschlagen
und saugt aus der Tiefe das bittere Salz.

Aus: 40 Jahre Israel : Die deutsche Sprache, deutschsprachige Literatur und Presse in Israel / Eine Anthologie hrsg. von Paul Tischler. Mit e. Einl. von Margarita Pazi und e. Geleitw. von Paul Tischler. München : Paul Tischler, 1988 (ISBN 3-924047—01-4) (= Impressum Heft 4/5, 1988) S. 25

Vor 90 Jahren geboren: Sylvia Plath

Sylvia Plath 

(* 27. Oktober 1932 in Jamaica Plain bei Boston, Mass.; † 11. Februar 1963 in Primrose Hill, London)

An Appearance

The smile of iceboxes annihilates me.
Such blue currents in the veins of my loved one! 
I hear her great heart purr.

From her lips ampersands and percent signs 
Exit like kisses.
It is Monday in her mind: morals

Launder and present themselves.
What am I to make of these contradictions? 
I wear white cuffs, I bow.

Is this love then, this red material
Issuing from the steele needle that flies so blindingly? 
It will make little dresses and coats,

It will cover a dynasty.
How her body opens and shuts—
A Swiss watch, jeweled in the hinges!

O heart, such disorganization! 
The stars are flashing like terrible numerals. 
ABC, her eyelids say.
Eine Erscheinung

Das Lächeln von Kühltruhen vernichtet mich. 
Solch blaue Ströme in den Adern meiner Geliebten! 
Ich höre ihr großes Herz schnurren.

Wie Küsse springen Und- und Prozentzeichen 
Von ihren Lippen.
In ihrem Geist ist es Montag: Moral

Wäscht und präsentiert sich.
Was soll ich halten von diesen Widersprüchen? 
Ich trage weiße Manschetten, ich verbeuge mich.

Ist das also Liebe, dieses rote Material,
Das aus der Stahlnadel fließt, die so blendend dahinfliegt? 
Es wird kleine Kleider und Mäntel herstellen.

Es wird ein ganzes Geschlecht einhüllen.
Wie ihr Körper sich öffnet und schließt—
Eine Schweizer Uhr, an den Scharnieren Juwelen! 

Oh Herz, welche Unordnung!
Die Sterne funkeln wie schreckliche Ziffern. 
ABC, sagen ihre Lider.

Aus: Sylvia Plath: Übers Wasser. Nachgelassene Gedichte. Zweisprachig. Aus dem Amerikanischen von Judith Zander. Wiesbaden: Luxbooks, 2013, S. 36f

Tücke des Feindes

Günter Kunert 

(geboren am 6. März 1929 in Berlin; gestorben am 21. September 2019 in Kaisborstel)

Tücke des Feindes

Nichts erfuhr
auf der Insel Ioa 
eine japanische Kompanie
vom Ende des Krieges, vom Stillstehn 
der Waffen, von der Verwundeten Austausch, 
Befreiung der Gefangenen, dem beginnenden Aufbau
zerstörter Häuser und Städte, sondern zog morgens
auf Wache, spürte hinter jedem Gesträuch nach,
erschreckt vom Ruf wilder Hirsche, mißtrauisch
gegenüber der Nachtigall, ob sie nicht etwa
ein getarntes Signal, vor Wachsamkeit
schlaflos und völlig zermürbt und hielt,
daß kein Feind kam, für eine besondere
Tücke des Feindes. 

Aus: Günter Kunert: Notizen in Kreide. Gedichte. Leipzig: Reclam, 1970, S. 64

Warum Bäume nicht fliegen

Jiří Kolář 

(* 24. September 1914 in Protivín; † 11. August 2002 in Prag)

Würden
fliegen
sie
Eier
Bäume
könnte
Möbel
wären
eßbar
ich
ein
aus
Schrank
aus
gebratene
auf
Furnier
Essig
druckte
die
auf
erschiene
Zeitung
einem
schriebe
mit
Peitsche
den
schriebe
mit
Peitsche
den
führen
Leute
der
führen
Leute
der
ginge
endlich
Lebendige
es
Bäume
legten
auch
legten
Eier
man
essen
Möbel
machte
mir
Rippchen
einem
Salat
Stühlen
Hobelspäne
Sägmehl
mit
und
man
Zeitung
Beefsteak
die
auf
Beefsteak
man
der
auf
Rücken
man
der
auf
Rücken
die
aus
Haut
die
aus
Haut
es
ins
ginge
endlich

Aus dem Tschechischen von Konrad Balder Schäuffelen und Tamara Kafková. Aus: Jiří Kolář, Das sprechende Bild. Poeme – Collagen – Poeme. Mit einem Nachwort von Konrad Balder Schäuffelen. Frankfurt/Main: Suhrkamp, 1971, S. 63f

Sonett 35

August von Platen

(* 24. Oktober 1796 in Ansbach; † 5. Dezember 1835 in Syrakus, damals Königreich beider Sizilien)

Sonette

35.

Wer möchte sich um einen Kranz bemühen,
Den unsre Zeit, die feile Modedirne,
Geschäftig flicht für jede flache Stirne,
Aus Blumen flicht, die zwo Sekunden blühen?
 
Wer wollte noch für das Vollkommne Glühen,
Wo man willkommen ist mit leerem Hirne?
Wer wollte fliegen gegen die Gestirne,
Wo Funken bloß aus faulem Holze sprühen?
 
Gereimten Aberwitzes Propaganden,
Fahrt ruhig fort, euch wechselseits zu preisen,
Und stellt euch nur, als wär ich nicht vorhanden!
 
Ein Zeitungsblatt ist leider nicht von Eisen,
Und wenn posaunt ihr seid in allen Landen,
Eins fehlt euch doch – es ist das Lob der Weisen.

Aus: August von Platen, Gedichte (Ausgabe 1834)

deutschland unter merkel

Tone Avenstroup

tyskland under merkel

menn mater
svaner i havel
ensomme menn fisker
på hver sin bredde av kanalen
snørene henger
i grå dis
falmede blad
driver forbi

deutschland unter merkel

männer füttern
die schwäne auf der havel
einsame männer fischen
jeder an seiner uferkante
die schnüre hängen
im grauen dunst
verblasste blätter
treiben vorbei

Aus: Tone Avenstroup, Silene. fünf serien und vier vereinzelte. fem serier og fire løse. Oberwaldbehrungen: Engstler, 2016, S. 11. Übersetzung aus dem Norwegischen von Tone Avenstroup mit Dank an Henryk Gericke

Ghasel

Heinrich Leuthold 

(* 9. August 1827 in Wetzikon; † 1. Juli 1879 in Zürich) 

Im sichern Hafen land ich nie; 
Mich selber überwand ich nie; 
Des Lebens Wechsel sucht ich auf, 
Doch seinen Reiz empfand ich nie; 
Mein Herzblut rieselt hin im Lied, 
Dies wunde Herz verband ich nie. 
Wohl hab ich oft geklagt, jedoch 
Mein herbstes Weh gestand ich nie: 
Die Schönheit, die ich früh geliebt, 
Die göttliche, umwand ich nie; 
Da wollt ich folgen der Vernunft, 
Doch ihren Wink verstand ich nie; 
Wieviel ich in der Welt erstrebt, 
Den Stein der Weisen fand ich nie.

Aus: Die Krokodile. Ein Münchner Dichterkreis.  Hrsg. Johannes Maar. Stuttgart: Reclam, 1987, S. 353

Günther Deicke 1922-2022

Günther Deicke 

(* 21. Oktober 1922 in Hildburghausen; † 14. Juni 2006 in Mariánské Lázně, Tschechien)

Nacht

Da ist nur Stille. Eine Frau, ein Mann.
Kein Spiel der Finger und kein Spiel der Zehen.
Die nichts als ihre eigne Nacht ansehen,
vergehn und gehn einander nichts mehr an.

Da ist der Wind gleichgültig und der Regen,
der vor dem Fenster hart herniederschlägt.
Da ist nur Nacht, die schwer am Dunkel trägt,
kein Feuer flammt, kein Zeichen auf den Wegen.

Gedanken wolln gesagt sein. Doch kein Wort.
Und ihre Nähe kennt nicht die Berührung.
Zwei Boote, steuerlos und ohne Führung.
Die Nacht ist wie ein Meer und schwemmt' sie fort.

Aus: Wulf Kirsten & Wolfgang Trampe (Hrsg.): Don Juan überm Sund. Liebesgedichte. Berlin und Weimar: Aufbau, 1975 (Edition Neue Texte), S. 55

Aber du musst tanzen

Theodor Storm 

(* 14. September 1817 in Husum; † 4. Juli 1888 in Hanerau-Hademarschen) 

Hyazinthen

Fern hallt Musik; doch hier ist stille Nacht,
Mit Schlummerduft anhauchen mich die Pflanzen;
Ich habe immer, immer dein gedacht;
Ich möchte schlafen, aber du mußt tanzen.

Es hört nicht auf, es rast ohn Unterlaß;
Die Kerzen brennen und die Geigen schreien,
Es teilen und es schließen sich die Reihen,
Und alle glühen; aber du bist blaß.

Und du mußt tanzen; fremde Arme schmiegen
Sich an dein Herz; o leide nicht Gewalt!
Ich seh dein weißes Kleid vorüberfliegen
Und deine leichte, zärtliche Gestalt. – –

Und süßer strömend quillt der Duft der Nacht
Und träumerischer aus dem Kelch der Pflanzen.
Ich habe immer, immer dein gedacht;
Ich möchte schlafen; aber du mußt tanzen.

das geht jetzt zu weit

Tom de Toys, 1.10.2022 ©POEMiE™ @poetryclip.de

SELBSTANALDÜSE
(FURZEN FÜR DEN FRIEDEN)

das geht jetzt zu weit - is schon klar denn:
es geht hier um literatur und nicht um selbstanalyse.
ich hätte schauspieler werden können und pianist
auch professor wäre eine option gewesen dann
hätte ich sogar beamtenstatus und wäre unkündbar
und das notwendige kleingeld käme immer
aus dieser zaubertasche die nie leer wird ich sage
NIE LEER was für ein paradies, was für ein para...
aber was is passiert?
ein poet is der junge jetzt trotzdem
oh welch eine schande! eine verschwendung von
naturtalent intelligenz und hochbegabung
aber es ist zu spät er hat bereits 1 gedicht VERÖFFENTLICHT
in einer zeitschrift die niemand kennt ich sage:
NIEMAND! die zeitschrift hat keine leser
der herausgeber is irgendein wahnsinniger
ein idealist träumer hartz4-empfänger
mir stand die welt offen als ich zu jung war um
mitzuspielen ich hatte fragen nicht irgendwelche
sondern die sogenannten "letzten" fragen
ich entschied instinktiv daß diese fragen zunächst
geklärt sein müssten bevor ich mir ein identitätskorsett
umschnüre und keine luft mehr vor lauter arbeit kriege
dieses sich totarbeiten bis zur rente um danach
nicht mehr atmen zu können vor lauter verzweiflung
über das verlorene leben im büro mit kollegen die
überhaupt keine fragen stellen die nie angefangen
hatten zu DENKEN geschweige denn FÜHLEN die
einfach nur abarbeiten was andere ihnen vorlegen
und nach der arbeit ihre seltsamen hobbys pflegen
über die wir hier besser nicht reden sollten nein nein
das geht alles zu weit, meine damen und herren
hier geht es um LITERATUR und um poesie und
ich sitze hier vor ihnen WEIL ich ein dichter bin
ein verfickter besoffener arschlochdichter
der keine reime verwendet der keine metaphern benötigt
der keine geheimnisse um irgendein sensationelles
originelles thema macht
ICH HABE KEIN THEMA. jetzt hab ichs verraten.
oh ja, schmeisst mich raus! und beschimpft mich!
verwehrt mir erfolg und den ruhm der institutionalisierten
ein zungenbrecher! I N S T I T U T I O N A L I S I E R T E N.
na geht doch. lange geübt. stimme warm gemacht.
immer wiederholt bis es sitzt sogar auswendig
sehen sie ich schaue noch nichtmal auf das manuskript:
institutionalisierten. nicht zu verwechseln mit internierten.
ich bin weder interniert noch institutionalisiert
meine werke wurden noch nicht verbrannt
(das kommt noch wenn ich so weiter mache)
wollen sie noch ein gedicht? ein schönes? richtiges?
ich hätte da noch was feines speziell für liebhaber von
guten gedichten ein gedicht für den literaturkanon
ein wahrhaftiges echtes erfolgsgedicht ein
nobelpreisgedicht ein ein förderungswürdiges
stipendiumsgedicht das in jeder zeitung gedruckt
wird und tausende leser erreicht ich hätte es schon
am anfang gebracht aber ich wollte das beste fürs ende
aufheben damit sie mit einem super gefühl heimgehen
der abend hat sich gelohnt die veranstaltung
war eine literarische offenbarung es bleibt leider
keine zeit mehr dafür aber ich schwöre ich hätte
da wirklich noch ein gedicht gehabt das ihnen allen
so richtig gefällt kommen sie wieder sie finden mich
immer hier auf der parkbank bei jedem wetter

In meinem Dorf

Andrea Zanzotto 

(* 10. Oktober 1921 in Pieve di Soligo; † 18. Oktober 2011 in Conegliano) 

… werde ich euch so gut es geht und im Vertrauen ein sehr heiteres Gedicht vorlesen, das das Thema von Leopardis Quiete dopo la tempesta (Ruhe nach dem Sturm) aufgreift. Die Heiterkeit ist hier wie ein inneres Feuer, ich identifiziere mich sogar mit der Sonne und stelle mir vor, dass ich die Ursache des Widerscheins in den Fenstern bin; denn nach dem Gewitter tauche ich wieder auf, und die Heiterkeit entspringt dem kurzen Moment der Wiederversöhnung. Ich habe Leopardi nicht direkt imitiert, aber wenn man die Freude beschreiben will, die man empfindet, wenn nach dem Gewitter wieder die Sonne scheint, muss man sich unweigerlich mit dem langen Schatten Leopardis auseinandersetzen, der im Grunde ja auch kein Schatten, sondern ein leuchtendes Phantasma ist.

IN MEINEM DORF

Zierlich sind nunmehr die Träume 
die mich allesamt lieben 
mit ihnen bleibe ich in meinem Dorf, 
mich gelüstet nach Zucker; 
jenseits des Platzes und des roten Salbei 
findet der Regen Unterschlupf 
es ersterben die Geräusche 
auch der dumme Kummer 
der dich fürchten gelehrt hat 
diesen Alptraum-Tag 
und sein Schwarz einer harmlosen Schlange

Von meiner Rückkehr glitzern die Fenster 
Und die Äpfel bei mir zuhaus, 
die Anhöhen sind die ersten 
benetzten Ziele der Himmel, 
lauter Wasser aus Gold füllt den Eimer 
lauter Sand meinen Hof 
und mit den Anhöhen reimen sie sich

Von Tor zu Tor wird Liebe geschrieen 
in der süßen Verwüstung 
und die Sonne unsichtbar neigt sich 
über eine neue Seite des Sturms.

Deutsch von Karin Fleischanderl, aus: Andrea Zanzotto, Die Welt ist eine andere. Poetik. Holderbank: Engeler / Wien und Bozen: Folio, 2010, S. 117

NEL MIO PAESE

Leggeri ormai sono i sogni, 
da tutti amato 
con essi io sto nel mio paese, 
mi sento goloso di zucchero; 
al di là della piazza e della salvia rossa 
si ripara la pioggia 
si sciolgono i rumori 
ed il ridevole cordoglio 
per cui temesti con tanta fantasia 
questo errore del giorno 
e il suo nero d’innocuo serpente

Del mio ritorno scintillano i vetri 
ed i pomi di casa mia, 
le colline sono per prime 
al traguardo madido dei cieli, 
tutta l’acqua d’oro è nel secchio 
tutta la sabbia nel cortile 
e fanno rime con le colline

Di porta in porta si grida all’amore 
nella dolce devastazione 
e il sole limpido sta chino 
su un’altra pagina del vento.