BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE
Some of us have more active fantasy lives than others, but all of us have them. Here Karin Gottshall, who lives in Vermont, shares a variety of loneliness that some of our readers may have experienced.
More Lies
Sometimes I say I’m going to meet my sister at the café—
even though I have no sister—just because it’s such
a beautiful thing to say. I’ve always thought so, ever since
I read a novel in which two sisters were constantly meeting
in cafés. Today, for example, I walked alone
on the wet sidewalk, wearing my rain boots, expecting
someone might ask where I was headed. I bought
a steno pad and a watch battery, the store windows
fogged up. Rain in April is a kind of promise, and it costs
nothing. I carried a bag of books to the café and ordered
tea. I like a place that’s lit by lamps. I like a place
where you can hear people talk about small things,
like the difference between azure and cerulean,
and the price of tulips. It’s going down. I watched
someone who could be my sister walk in, shaking the rain
from her hair. I thought, even now florists are filling
their coolers with tulips, five dollars a bundle. All over
the city there are sisters. Any one of them could be mine.
American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©2010 by Karin Gottshall, whose most recent book of poetry is Crocus, Fordham University Press, 2007. Poem reprinted from the New Ohio Review, No. 8, Fall 2010, by permission of Karin Gottshall and the publisher. Introduction copyright © 2009 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.
Der Bayer Paul Thaller (50) alias Verserl-Paule wird über jedes der 32 Spiele ein Gedicht verfassen. Jeweils auf Oberbayerisch und auf Hochdeutsch. / B.Z.
Poets & Writers, Inc. has named James Richardson the fifth annual recipient of the Jackson Poetry Prize, a $50,000 award given to honor an American poet of exceptional talent who deserves wider recognition.. This year’s judges were Mark Doty, Rita Dove, and Gerald Stern. The Jackson Prize was established in 2006 with a gift from the Liana Foundation and is named for the John and Susan Jackson family.
Read the press release here.
In 2007, Elizabeth Alexander was selected as the inaugural recipient of the Jackson Poetry Prize by the poets Lucille Clifton, Stephen Dunn, and Jane Hirshfield. In 2008, Tony Hoagland was selected by Philip Levine, Robert Pinsky, and Ellen Bryant Voigt. In 2009, Linda Gregg was selected by Brenda Hillman, Edward Hirsch, and Charles Simic. In 2010, Harryette Mullen was selected by Fanny Howe, Ted Kooser, and C.K. Williams.
Schnelle Veränderungen erwartet Hint Shoufani nicht, solange es an demokratischer Gesinnung mangelt. Die Palästinenserin, Jahrgang 1978, gehört zu den schillerndsten Figuren der arabischen Frauenliteratur, ihre Themen sind: „Tod, Politik und Sex“.
Aus ihren englischen Gedichten spricht Pessimismus, aber auch eine kraftvolle Sinnlichkeit, die sich in assoziativen Wortketten den Weg bahnt. …
Aggressiven Rap zu hämmernden Hip-Hop-Beats schmettert der 22-jährige Tunesier El Général. Seine Protesthymne „Rais Lebled“ (Chef meines Landes) ist eine direkte Aussprache mit Staatschef Ben Ali. Über Facebook fand das zensierte Video seinen Weg in die Welt, mittlerweile gilt es als Auslöser für den Sturz des Kleptokraten. Die provokative Diktatoren-Konfrontation sucht auch die junge Ägypterin Hend Hammam. Ihr Gedicht „Brief an den Präsidenten der Republik“ formuliert eine in rhythmischen Reimversen verfasste Anklage gegen Hosni Mubarak: scharfzüngig, in einfachem Umgangsarabisch. Mit ihrem Landsmann Deeb teilt sie ein zentrales Anliegen: die Demokratisierung in der Kunst antizipieren, durch den Gebrauch des landeseigenen Dialekts, der noch die untersten Schichten erreicht. / Martin Ernst, Tagesspiegel
Am 1. Juli 2011 ab 18 Uhr wird das Erscheinen der vierten Ausgabe der INSKRIPTIONEN mit einer Ausstellung von Ulrich Hachulla gefeiert. INSKRIPTIONEN und OSTRAGEHEGE veranstalten gemeinsam ein literarisches Sommerfest, zu dem 100 Exemplare der INSKRIPTIONEN No. 4 zum Signieren ausgebreitet auf den Tischen liegen werden.
Auch in diesem Jahr wurden wieder literarische Beiträge von „inskriptionen.de“ ausgewählt, um sie in limitierter und numerierter Ausgabe als gedruckte Anthologie zu veröffentlichen. Unter dem Titel „echofrakturen“ versammeln sich Gedichte, Essays, Prosastücke und ihre Kommentare sowie Graphiken von Ulrich Hachulla.
Wie in den INSKRIPTIONEN werden auch im neuesten OSTRAGEHEGE-Heft Arbeiten von Ulrich Hachulla zu sehen sein. Umso mehr freuen wir uns, an diesem Abend eine Hachulla-Ausstellung in den Räumen des Verlags eröffnen zu können.
Und wie es sich für ein literarisches Sommerfest gehört: es wird gelesen! Autorinnen und Autoren der INSKRIPTIONEN No. 4 – „echofrakturen“ wie Jens Rosch, Ilona Schlott, Theodor Holz, Nikamos, Frank Norten, Karolin Pfeffer – um nur einige zu nennen – werden ihre Texte vorstellen. Als besonderen Lese-Gast erwarten wir Kerstin Hensel.
Zwei geniale Musiker aus der Ukraine werden den Abend abrunden: Elena und Ruslan Kratschkowski sind Akkordeonisten der Superklasse.
Die neue Ausgabe von INSKRIPTIONEN:
INSKRIPTIONEN No. 4
echofrakturen
http://l-lv.de/shop/index2.htm?group=20&itemid=662
Die bisherigen Ausgaben von INSKRIPTIONEN:
INSKRIPTIONEN No. 1
denkporno
http://l-lv.de/shop/index2.htm?group=15&itemid=583
INSKRIPTIONEN No. 2
parnoia, pink
http://l-lv.de/shop/index2.htm?group=15&itemid=616
INSKRIPTIONEN No. 3
mondgefleckt, elektrisch
http://l-lv.de/shop/index2.htm?group=20&itemid=629
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Veranstaltungsort:
Leipziger Literaturverlag
Galerie ERATA
Brockhausstr. 56
D-04229 Leipzig
Montag, 27.6., 18 Uhr
Zwischen den Welten – Literatur
Lesung und Gespräch mit Agus Sarjono und Brigitte Oleschinski, Moderation Berthold Damshäuser
Dienstag, 28.6., 18 Uhr
Zwischen den Welten – Literatur
Lesung und Gespräch mit Jamal D Rahman und Uwe Kolbe, Moderation Berthold Damshäuser
Mittwoch, 29.6., 18 Uhr
Zwischen den Welten – Literatur
Lesung und Gespräch mit Dorothea Rosa Herliany und Ulrike Draesner, Moderation Berthold Damshäuser
Donnerstag, 30.6., 18 Uhr
Zwischen den Welten – Literatur
Lesung und Gespräch mit Joni Ariadinata und Tobias Hülswitt, Moderation Berthold Damshäuser
Freitag, 1.7., 18 Uhr
Zwischen den Welten – Literatur
Lesung und Gespräch mit M Faizi und Tolya Glaukos, Moderation Berthold Damshäuser
Baxter Black ist von Beruf Cowboylyriker, und ein erfolgreicher dazu. Die New York Times nannte ihn “probably the nation’s most successful living poet”, den wahrscheinlich erfolgreichsten lebenden Dichter des Landes. Der schrieb jetzt ein Ratgeberbuch, ein „how to“-Buch mit dem sprechenden Titel “Lessons from a Desperado Poet: How to Find Your Way When You Don’t Have a Map, How to Win the Game When You Don’t Know the Rules, and When Someone Says It Can’t Be Done, What They Really Mean Is They Can’t Do It.” Lektionen eines Deperado-Dichters: Wie man seinen Weg ohne Karte findet, wie man das Spiel macht ohne die Regeln zu kennen, und Wenn jemand sagt, es geht nicht, meint er in Wirklichkeit, Er kann es nicht.
Letztere bezieht er zum Beispiel auf Pulitzerpreisträger, die sagen, von Lyrik kann man nicht leben. Sie vielleicht nicht, aber er. Unaufhaltsam nähert er sich einer Million verkaufter Bücher.
Sein erstes Buch, “A Cowboy and His Dog”, erschien 1980. Seit 30 Jahren schreibt er eine wöchentliche Kolumne, die heute von 150 Zeitungen nachgedruckt wird. / Candace Krebs, Ag Journal 24.6.
Bei cowboypoetry.com mehr Informationen und drei seiner beliebtesten Gedichte
Lyrik ist ähnlich wie Musik: Nur wenn sie richtig inszeniert wird, entfaltet sie ihre volle Schönheit und wird dem Rezipienten zugänglich*. Um das zu erreichen, haben sich das Deutsche Institut der Johannes Gutenberg-Universität und die Innenarchitekten der FH im Rahmen von „Stadt der Wissenschaft“ zu einem Lyriklabor zusammengeschlossen, in dem sie im vergangenen Semester mit Sprache und deren Ausdruck experimentierten. / Wiesbadener Tagblatt
Das Lyriklabor öffnet am 1. und 2. Juli jeweils um 21.30 Uhr. Führungen dauern bis etwa 24 Uhr. Karten (5 Euro/2,50 Euro) gibt es an der FH Holzstraße, in der Buchhandlung „Bukafski“ und bei „carmelotta und die Liebe zum Detail“.
*) Und wenn sie dann an Opernhäusern inszeniert wird, bekommt sie vielleicht auch richtig Knete, wie heute die Kunst der Oper?
Die Frage, die das Poesiefestival zum Abschluss in die Runde wirft, ist in eigener Sache natürlich eine substanzielle: Sind Lyrics Lyrik? Kann man Songtexte von Blumfeld oder F.S.K. neben die Gedichte Paul Celans stellen? Und: hätte der letzte Nobelpreis an Bob Dylan gehen sollen?
Auch in diesem Jahr soll die Grenze des traditionellen Lyrik-Begriffs wieder ein bisschen erweitert werden. Die These, die das Kolloquium verfolgt, gibt sich radikal, ist aber eigentlich nicht überraschend: Songtexte seien der „eigentliche Energiekern der Gegenwartslyrik“. / Martin Ernst, Tagesspiegel
Auch in der Schweiz werben die (Jung-)Liberalen aller Couleur für die Freiheit:
Bisher seien über 70’000 Unterschriften gesammelt worden, sagte Brenda Mäder, Präsidentin der Jungfreisinnigen und Co-Präsidentin des Referendumskomitees, an der Delegiertenversammlung der FDP am Samstag in Visp. Eingereicht bei der Bundeskanzlei wird das Begehren am 5. Juli, die Frist läuft am 7. Juli ab. Das Referendum ergriffen hatten die Jungparteien von FDP und SVP, die FDP sowie Exponenten der Grünliberalen, der Piratenpartei und der SVP.
Der Grossverteiler Migros unterstützte die Unterschriftensammlung finanziell. / nachrichten.ch
Migros ist, wen wunderts, der Bock als Gärtner. Der „Grossverteiler“, schönes Wort, verteilt auch Bücher im großen Stil in Ex Libris – Buchhandlungen. Wenn die Preise endlich liberalisiert sind, können Supermärkte und Tankstellen endlich die den Yuppies oder Julis wichtigen Bücher günstig anbieten. (Die anderen werden dann nach Freiburg oder Mailand fahren).
Dani Landolf schreibt:
Viel bedenklicher ist, dass von Ex Libris mit der von den meisten Schweizer Medien fast durchwegs unkritisch begleiteten Dumping-Kampagne systematisch versucht wird, die Vielfalt der Schweizer Buchhandelslandschaft – und mit ihr die Autoren und Verlage – zu zerstören. Denn wenn der Schweizer Buchhandel am Boden ist, braucht es kein Preisbindungsgesetz mehr. Und genau das ist das Ziel von Ex Libris. Das Unternehmen hat die Rabatt-Aktion nicht zufälligerweise nach dem Entscheid der Kommission für Wirtschaft und Abgaben (WAK) für ein Buchpreisbindungsgesetz lanciert.
Ex Libris ist eine Firma, die keine Buchhandels-GAV-Löhne zahlt, keine Buchhändlerinnen anstellt (geschweige denn welche ausbildet), ein sehr dürftiges Bestseller-Sortiment führt und sich offensichtlich nicht um den Gewinn (teilweise liegt der Ladenpreis unter dem Ankaufspreis), sondern nur um das Ausschalten der Konkurrenz kümmern muss. Mit der Migros im Rücken kann sich das Ex Libris offensichtlich leisten. Der restliche Schweizer Buchhandel nicht.
Mit dieser Aktion gibt Ex-Libris genau die Richtung vor, in der sich ein total liberalisierter Buchmarkt bewegt: In Ländern ohne Buchpreisbindung läuft der Kampf um die billigsten Bestseller nämlich über die Supermärkte, der restliche Buchhandel steht aussen vor – und mit ihm die Autoren und Verlage, die nicht nur Massenware produzieren. Der grosse Verlierer dieser Entwicklung ist die kulturelle Vielfalt.
(1976 sang Wolf Biermann beim Kölner Konzert: „Auch Liberale werden wir befrein“. Tja, vielleicht im nächsten Jahrhundert!)
Liber, Conversations-Lexikon; oder, Encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände [2. Auflage], Band 5. Macklot, 1816:
ein Beiname des Bacchus bei den Römern, bei welchem man sich den Begriff eines Lösers und Befreiers dachte. Ursprünglich war Liber ein alt – italienischer Gott der Zeugung und Verpflanzung, der seinen Namen von dem alten Worte libare (gießen, befeuchten) hatte. Er wurde mit der Libera und der Ceres gemeinschaftlich verehrt.
Liberalität, Liberale, liberale Ideen. Conversationslexikon 4. Auflage 1817–1819, 10 Bände [Brockhaus], Band 5, 1817:
Liberalität (von liber, der Freie, daher liberales, dem Freien gemäß) bezeichnet ursprünglich den Freisinn, oder die eines freien Mannes würdige Denkart und Handlungsweise. Der eigentliche Gegensatz davon ist die Servilität (von Servus, der Knecht oder Sclave, daher serviles, dem Sklaven gemäß), mithin der Knechtsinn, oder die gewöhnlich dem Sklaven eigene Denkart und Handlungsweise; wofür man aber lieber Illiberalität sagt, weil solche Denkart und Handlungsweise auch bei Personen vorkommen kann, die sich nicht im Zustande der Knechtschaft befinden.*
Liberalismus, Brockhaus Wissen 2004:
[aus lateinisch liberalis die Freiheit betreffend] der, Staats-, Gesellschafts- und Wirtschaftsauffassung, die die Freiheit des Einzelnen als grundlegende Norm menschlichen Zusammenlebens ansieht und den Fortschritt in Kultur, Recht, Sitte, Wirtschaft und sozialer Ordnung als den Inhalt geschichtlicher Entwicklung versteht. (…)
Der wirtschaftliche Liberalismus erhielt seine klassische Begründung durch A. Smith, D. Ricardo, J. Mill und fand seinen Ausdruck im 19. Jahrhundert in der Forderung nach Gewerbefreiheit, freiem Wettbewerb, Freihandel und in seiner extremsten Form im Manchestertum. Staatseingriffe, wie sie für den Merkantilismus typisch sind, lehnt der klassische Wirtschaftsliberalismus ab. (…) Das Gebot der Nichteinmischung des Staates gilt prinzipiell auch für die Beziehung zwischen Arbeitgebern und -nehmern. Die soziale Frage kann nach Auffassung des klassischen Liberalismus nur durch Selbsthilfe der Betroffenen und durch eine Verbesserung des Bildungswesens gelst werden. Unter Berücksichtigung praktischer Erfahrungen zeigt sich der wirtschaftliche Liberalismus des 20. Jahrhunderts als Neoliberalismus, dessen wirtschaftstheoretische Grundlagen weitgehend der Freiburger Schule entstammen.
[Selbsthilfe, genau!]
*) Die Stelle erklärt vielleicht ein wenig, wieso bei den letzten Bundestagswahlen so viele Leute, die kein Hotel besaßen, eine Partei wählten, die ankündigte, etwas für Hotelbesitzer zu tun (und, selbstredend, von Hotelbesitzern finanziell unterstützt wurde. M.G.
In neuen Einzelbänden und reichhaltigen Anthologien ist Serbien als lyrische Grossmacht zu entdecken, schreibt Ulrich M. Schmid in der NZZ:
Der Hamburger Slawist Robert Hodel gibt in einer umfassenden Anthologie mit dem Titel «Hundert Gramm Seele» einen kompetenten und lesenswerten Überblick über die serbische Lyrik der siebziger und achtziger Jahre. Die Gedichtsammlung wird eröffnet von Branko Čučaks (geb. 1948) provozierendem Text «Schock» (1971), in dem der Titoismus als «SCHEISSPARTEI» beschimpft wird. Viele Autoren prangern soziale Missstände an und verwandeln ihre Gedichte in kleine Prosaminiaturen. Gleichzeitig finden sich aber auch radikale Sprachexperimente wie etwa Stevan Tontićs poetische Deklination «Verb sterben», die von Hodel kongenial übersetzt wird: «Starb ach / sterb ech / verstarb an Verstand / versterb erst vergerbt / verstörb öft zermörbt / steurb staurb / staub / staubst und saust / straube und traure». Als Schweizer greift Hodel auch auf das Berndeutsche zurück, um dialektale Gedichte von Miroslav Cera Mihailović in eine angemessene Sprachform zu bringen.
Eine zweite Anthologie mit dem Titel «Eintrittskarte» schliesst direkt an Hodels Ausgabe an. Der in Köln lebende Publizist Dragoslav Dedović stellt 29 serbische Lyriker vor, die zwischen 1957 und 1980 geboren sind. …
Nur indirekt kann man den Rom Ilija Jovanović (1950–2010) zur serbischen Literatur zählen. Er wuchs in einer Zigeunersiedlung in Serbien auf, emigrierte 1971 nach Österreich und war langjähriger Obmann des Romano Centro in Wien. In einer sorgfältig gestalteten Ausgabe liegt nun eine Auswahl seiner zweisprachigen Gedichte in Romanes und Deutsch vor. Jovanović denkt immer wieder über das Aussenseitertum der Roma nach: «Nie lasst ihr uns / Wurzeln schlagen / einen Stamm bilden / die Äste ausbreiten. / Was bleibt uns übrig / als uns zurückzuziehen / in unsere Schale und / zu zweifeln / dass es eine Welt gibt / und dass wir leben.» Aus seiner Jugend in Serbien erinnert sich Jovanović noch an die «Verachtung», die ihm entgegengebracht wurde und ihm «bis heute in den Knochen steckt».
21.06.2011
Der Dichter und sein Schatten, Lesungen bei Litradio
Monika Rinck und Bertram Reinecke
49:25
Urs Allemann und Marcel Beyer
52:12
Lesung im Rahmen der internationalen Fachtagung Der Dichter und sein Schatten. Fallstudien zur Einflussdichtung, die vom 27. bis 30. April 2011 im Alfried Krupp Wissenschaftskolleg Greifswald stattfand.
Die Tagung hat versucht, das Phänomen der Einfluss-Lust (und nicht nur der „Einfluss-Angst“, mit der sich die wirkungsmächtige Studie von Harald Bloom auseinandergesetzt hat) unter der Perspektive ihrer Produktivität neu zu bewerten. Die Grundannahme ist, dass die Auseinandersetzung mit anderen DichterInnen und ihrer Sprache für die Entstehung einer eigenen Poetik konstitutiv ist. Dies gilt insbesondere für moderne Lyrik, in der im zwanzigsten Jahrhundert Formen wie Zitation und Montage, literarische ‚ready mades‘ und andere affirmative Formen von Intertextualität (bis zum Extremfall des Plagiats) ihre literarische Blüte erleben und aus dem Schatten des Trivialen treten. Das Verhältnis von Originalität und Epigonentum wird komplexer als bisher zu beschreiben sein. Nietzsche beklagt 1879 in Der Wanderer und sein Schatten die „Originalitätswut“ der Modernen, die im Unterschied zu den antiken Autoren eine regelrechte Angst vor der Konvention an den Tag legen würden. Doch gerade nachdem sich die modernen Autoren seit der Romantik scheinbar oder wirklich von den „Ketten“ der Tradition befreit (ein Bedürfnis jeder literarischen Avantgarde) und die vollständige Freiheit und Ungebundenheit ihrer künstlerischen Schöpfung behauptet haben, können sie sich ohne jegliche Einfluss- und Konventionsangst ‚leisten‘, auch epigonal zu sein: Wo der Zwang der Konvention nicht mehr so stark ist, kann die dezidierte Aneignung fremder Vorbilder anfangen.
Novalis schreibt in seinen «Fragmenten und Studien 1799–1800»: «Kritik der Poesie ist Unding. Schwer schon ist zu entscheiden, doch einzig mögliche Entscheidung, ob etwas Poesie sei, oder nicht.» Was Salvatore Quasimodo (1901–1968), den Literaturnobelpreisträger von 1959, angeht, fällt diese Entscheidung leicht. Gianni Selvanis zweisprachige Auswahl von zwanzig Gedichten («Das Leben ist kein Traum», Piper 1960) war ein Konzentrat. Jetzt hat die Dieterich’sche Verlagsbuchhandlung eine Edition vorgelegt, die mit Fug und Recht als ultimativ bezeichnet werden darf.
Es sei vorweggenommen, dass Christoph Ferber mit jedem der italienisch und deutsch vorgestellten 112 Gedichte ein höchst differenziertes Gespräch geführt hat. Und das heisst: Exakte Übersetzungen wechseln ab mit Passagen, die als ein «Weiterdichten» der italienischen Originalversion verstanden werden können, wie Hugo Friedrich im Rahmen seiner nach wie vor unentbehrlichen Studie «Die Struktur der modernen Lyrik» angedeutet hat. Die Kommentare von Antonio Sichera und das Nachwort von Georges Güntert liefern die Schlüssel zu einem Opus, das von der Wahrheit der Poesie Zeugnis ablegt. Dass diese Wahrheit sich sowohl hinter einer Geheimschrift verbergen als auch im Klartext offenbaren kann, erweist sich als evident. Sicheras Kommentare spiegeln eine äusserst penibel erstellte Quellengeschichte. Das Lesen mutiert zu einer Lektion. Namen wie Ugo Foscolo, Giovanni Pascoli, Giacomo Leopardi und Gabriele D’Annunzio verweisen auf eine breite Skala von Einflüssen, die es letzten Endes auch fraglich erscheinen lassen, Quasimodo ausschliesslich einer Strömung der modernen Lyrik zuzuordnen. Ein Kästchendenken verbietet sich. Es wäre sogar ein Verstoss gegen das Freiheitsprinzip hermetischen Dichtens. / Hansjörg Graf, NZZ 17.5.
Salvatore Quasimodo: Gedichte. 1920–1965. Italienisch – deutsch. Ausgewählt und übersetzt von Christoph Ferber. Mit einem Nachwort von Georges Güntert und Kommentaren von Antonio Sichera. Dieterich’sche Verlagsbuchhandlung, Mainz 2010. 336 S., Fr. 31.40.
Für die NZZ sprach Hoo Nam Seelmann mit dem koreanischen Autor Kim Kwang Kyu über koreanische Lyrik:
Welche Tendenzen gibt es in der Lyrik?
Kim: In der koreanischen Gegenwartslyrik lassen sich zwei grosse Richtungen ausmachen. Die eine zielt darauf, die traditionelle Lyrik durch neue Sujets und Stilelemente behutsam zu bereichern und zu erneuern. Man will so die Kontinuität der alten Lyriktradition erhalten. Die andere stellt dieses Bestreben als solches in Frage. Vor allem die junge Generation zeigt wenig Interesse an Überliefertem. Vergleichbar ist vielleicht die heutige Entwicklung in Korea mit dem Aufkommen des Expressionismus um 1900 in Deutschland. Die jungen koreanischen Lyriker scheinen wenig an der Interaktion mit den Lesern interessiert zu sein. Diese Entwicklung verschärft die gegenwärtige Krise der Lyrik zusätzlich. Aber das mag auch eine unnötige Sorge eines alten, etablierten Lyrikers sein. Denn die Werke der deutschen Expressionisten gehören ja inzwischen zu den Klassikern.
Traditionell galt in Korea die Lyrik als die edelste Gattung der Literatur und wurde von der Elite gepflegt, während Prosa mehr für die breitere Bevölkerung gedacht war. Wie sieht das heute aus?
Kim: Im alten Korea gab die Liebe zur Poesie den Massstab dafür ab, ob jemand gebildet war oder nicht. Heute werden Kenntnisse der Lyrik nur für die Schulprüfungen benötigt, was gewiss einen Abstieg bedeutet. Die Gegenwart ist mehr das Zeitalter der Prosa, besonders der Romane, so dass die Lyrik immer mehr an Bedeutung verliert. Trotzdem erfreut sich die Lyrik in Korea im Vergleich zu den deutsch- und englischsprachigen Ländern dank der Tradition einer grossen Beliebtheit. Eine zahlreiche Leserschaft belegt dies.
Kim Kwang Kyu: Geboren 1941 in Seoul. Studium der Germanistik in Seoul und München. Professor für Germanistik an der Hanyang-Universität. Bekannter Übersetzer deutschsprachiger Lyrik und Kulturvermittler. Er erhielt zahlreiche koreanische Literaturpreise. Auf Deutsch erschienen: «Die Tiefe der Muschel» (Pendragon, 1999), «Botschaften vom grünen Planeten» (Wallstein, 2010).
… denken wir an die rauschhaften Prophezeiungen Walt Whitmans, an das Erstaunen William Carlos Williams‘ angesichts simpler Dinge oder Robert Creeleys der Luft zum Atmen abgelauschte Zeilen – die „geschichtslose„ amerikanische Topographie hat eine eigene Lyrik hervorgebracht, die ohne Blindheit gegenüber den Unwegsamkeiten des Lebens voll Versprechen und unverbrauchter Schönheit steckt.
Das ist die poetische Facette am seit mehr als zweihundert Jahren staatstragenden American Dream, aus dessen Substanz auch der 1969 geborene Kevin Prüfer noch schöpft. Doch sein heutiges Amerika ist mit dem Alltag, den es ihm schenkt, nicht mehr ganz so jung und unverbraucht. Der mit Banalitäten wie Smalltalk, Billboards, Shoppingmalls angereicherte way of life kann leicht zur Ödnis geraten. Nicht einfach, aus diesen die Vorstellung überwuchernden Virtualitäten und Realitäten zweiter und dritter Hand Schönheit und Versprechen herauszufiltern – oder gar Wahrheit über die ins Wohnzimmer strahlenden Kriege, die die Nation in der Ferne ausficht. Prüfer jedoch versucht dies mit ästhetischer Raffinesse und Schlichtheit in einem zu bewerkstelligen: „Der Westen, zufrieden und sonnengegerbt, denn so besagt es die Geschichte,/ gefangen im Strudel/ allen entschwunden, außer dem sanften Traum,/ in dem der Westen westwärts reitet, der Wüstenstadt entgegen,/ zu den Mädchen, die sich um ihn scharen,/ die sein Pferd berühren,/ das schweißfeuchte Fell, die Flanken streicheln, den Sattel / und seine Schenkel -/ Köstlich, köstlich, sagen sie, dann lächeln sie / und ziehen ihn zu sich herab.“ Prufers Ars poetica ist nicht im Avantgarde-Sinn innovativ, dafür zugänglich, erprobt, variantenreich und voll Witz, den wiederum kulturpessimistische Melancholie kontrastiert. / Jan Röhnert, FAZ 21.6.
Kevin Prufer: Wir wollten Amerika finden
Ausgewählte Gedichte. Zweisprachig. Aus dem Amerikanischen von Norbert Lange und Susanna Mewe
Einband: Englisch Broschur
Seitenzahl: 220
Preis: 24,- EUR
ISBN: 978-3-939557-46-3
»Mein Imperium fiel wie ein Blutstropfen ins Gras.« Kevin Prufers Gedichte sind Expeditionsunternehmen in ein zerrissenes, um seine Träume und Selbstbilder gebrachtes Amerika. Sein Thema sind Zusammenbrüche und Unfälle von Autos wie Staaten. Sein Amerika ist eine Landschaft in der Notaufnahme, »Schnee« liegt wie »kleine Beruhigungsmittelchen im Garten verstreut«, seine Mitbürger begegnen ihm als schlaflose Pilger zwischen Einkaufszentren, Zerstreuung und Kriegsberichterstattung. Kevin Prufer hat das politische Gedicht für die Popmoderne reaktiviert und schafft es dennoch in diesem Waste Land des ersten Jahrzehnts des 21. Jahrhunderts die eigentliche Poesie des Menschseins zu feiern. Der Band ist in enger Zusammenarbeit mit Kevin Prufer von Susanna Mewe und Norbert Lange übersetzt worden.
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