Stimmt es Sie traurig, dass Lyrik ein wenig aus der Mode gekommen ist?
Stéphane Hessel Auf jeden Fall, vor allem aber, dass Lyrik nicht mehr auswendig gelernt und kaum noch vorgetragen wird.
Sie selbst nennen sich einen leidenschaftlichen Rezitator. Beginnt Lyrik erst zu leben, wenn sie vorgetragen wird?
Hessel Wenn man ein Gedicht aufsagen kann – und mag es noch so dumm erscheinen –, dann sind die, die es hören, davon auf jeden Fall berührt. Manche schämen sich ja, ein Gedicht aufzusagen, weil es wie eine Zumutung klingt. / Rheinische Post
Für die Düsseldorfer Tage der Poesie im Heine Haus am 26. und 27. Oktober wählte Hessel das Motto aus (von Apollinaire).
Weil er sich „als Lyriker und Autor für Kinder und Erwachsene verdient gemacht“ hat, ist der Schriftsteller Peter Härtling heute in Kassel mit dem Jacob-Grimm-Preis Deutsche Sprache 2012 ausgezeichnet worden.
„Peter Härtling gehört zu den vielfältigsten deutschsprachigen Autoren der Gegenwart. Er hat sich als Journalist, Kritiker und Verleger, aber besonders als Lyriker und Autor für Kinder und Erwachsene verdient gemacht“, begründete der Bamberger Sprachwissenschaftler Helmut Glück die Entscheidung der Jury für die Vergabe des Hauptpreises.
Der in Mörfelden-Walldorf lebende Schriftsteller reiht sich damit ein in die Liste prominenter Preisträger. Ausgezeichnet wurden unter anderem der Dramatiker Rolf Hochhuth, Loriot (Vicco von Bülow), „FAZ“-Herausgeber Frank Schirrmacher, die Kinderbuchautorin Cornelia Funke oder „Panik-Rocker“ Udo Lindenberg. [und im vergangenen Jahr Nora Gomringer]. / hr online
Aus Wikipedia:
Der Jacob-Grimm-Preis Deutsche Sprache wird seit 2001 jährlich an Personen verliehen, die sich wie sein Namensgeber Jacob Grimm „in besonderem Maße um die Anerkennung, Weiterentwicklung und Pflege des Deutschen als Kultursprache“ verdient gemacht haben. Er ist mit 30.000 Euro dotiert.
Preisträger sind u.a.:
*) wie heißt das eigentlich auf Englisch?
Preisstifter Eberhard Schöck über die Stiftung, „Warum ich den Kultupreis Deutsche Sprache gestiftet habe“:
Meine Stiftung, die Eberhard-Schöck-Stiftung, hat sich zwei Hauptaufgaben vorgenommen: Seit 1993 die Förderung der Handwerkerausbildung in ehemals kommunistischen Ländern und seit 2000 die Vergabe des Kulturpreises Deutsche Sprache.“ (…)
Warum haben unsere Politiker und Intellektuellen nicht den Mut in aller Offenheit und Konsequenz über dieses Thema zu sprechen?
Ich habe für mich die Initiative ergriffen: Anfang des Jahres 2000 habe ich ein weiteres Aktien-Paket in die Eberhard-Schöck-Stiftung eingebracht. Der Ertrag dieser Aktien steht für einen „Kulturpreis Deutsche Sprache“ zur Verfügung.
Die uns fehlende Nationalidentität hat auch zu einer Gleichgültigkeit gegenüber unserer Sprache geführt. Der Schluss sollte erlaubt sein, dass umgekehrt über den Schutz der Sprache auch die Entwicklung eines gesunden Nationalbewusstseins möglich sein sollte.
Wenn wir aber selbst unsere Sprache nicht lieben und schätzen, wie soll sie dann von anderen geschätzt werden? Wie soll man als Volk ernst genommen werden, wenn man sich selbst nicht ernst nimmt!
Der „Kulturpreis Deutsche Sprache“ soll deshalb an Personen und Institutionen vergeben werden, die sich verdienstvoll und erfolgreich für den Erhalt und die kreative Weiterentwicklung unserer Sprache einsetzen. Mit einem Preisgeld von insgesamt 35.000 € ist er einer der höchstdotierten Sprach- und Literaturpreise im deutschen Sprachbereich. Die Vergabe des Preises erfolgt zusammen mit dem „Verein Deutsche Sprache e.V. (VDS)“, Dortmund. Der VDS setzt sich besonders für die Bewahrung der deutschen Sprache in einem Europa mit der ihm eigenen Kultur- und Sprachenvielfalt ein.
Wer hätte das gedacht?
Nach Angaben des Börsenverein des Deutschen Buchhandels macht die Lyrik nur einen verschwindet geringen Anteil an den Umsätzen des Buchhandels aus. Rund ein Drittel des geschätzten Gesamtumsatzes der Branche von rund 9,6 Milliarden Euro im Jahr 2011 machte Belletristik aus. Der Lyrik-Anteil an der Belletristik betrug nur 1,2 Prozent – Tendenz in den vergangenen Jahren fallend. „Viele nehmen sich ja heute kaum noch Zeit für die reine Lektüre“, sagt der Vorsitzende der Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik, Ralph Grüneberger. / Literatur: 20 Jahre Literaturzeitschrift „Das Gedicht“ – weiter lesen auf FOCUS Online
Das zu einer Meldung zum 20. Jubiläum der Zeitschrift „Das Gedicht“, die durch einen „Skandal“, wie die Medien immer wieder berichten (einen von der Sorte, bei der nord- oder ostdeutsch Sozialisierte fragend die Stirn runzeln, „im wahrsten Sinne des Wortes handfest“ halt) die Auflage steigerte:
Im Jahr 2000 sorgte der Dichter Anton G. Leitner mit seiner Literaturzeitschrift „Das Gedicht“ für einen im wahrsten Sinne des Wortes handfesten Skandal.
Unter der Überschrift „Geile Gedichte – Vom Minnesang zum Cybersex“ und mit unsittlich geballter Faust auf dem Titelbild hatte er erotische Gedichte renommierter Autoren wie Ulla Hahn und Friederike Mayröcker auf den Markt gebracht. „Die kamen päckchenweise zurück“, erinnert er sich heute – teils waren erboste Nachrichten dabei. Eine Mainzer Buchhandlung verweigerte damals zum Beispiel die Annahme, weil der „Dom nicht weit“ war.
Doch was ein wirtschaftlicher Totalschaden zu werden drohte, entpuppte sich als außerordentlicher Glücksfall. Weil die Medien auf ihn aufmerksam wurden, die „Bild“-Zeitung auf einer Doppelseite über seine „geilen Gedichte“ berichtete und in der damals höchst populären RTL-Show „Sieben Tage, sieben Köpfe“ ein Witz über die Abkürzung seines mittleren Namens – G. – fiel, schoss die Auflage für „Das Gedicht“ in die Höhe – und auf 10 000 Stück. „Wir kamen gar nicht hinterher mit dem Nachdrucken“, erinnert sich Leitner im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.
Fragen wir Google – die kennen verschiedene Varianten. Offenbar gibt es den 20.10. als „Tag des Poeten“, den 14.3. als Nationalen Tag der Poesie und den 21.3. als Welttag der Poesie. Vielleicht teilt jemand Näheres mit?
http://www.smartkids.com.br/…/20-outubro-dia-do-po… – Diese Seite übersetzen
DIA DO POETA. Dia do Poeta Poeta é aquele que faz versos, que escreve poesias. A poesia, ou gênero lírico, ou lírica é uma das sete artes tradicionais, uma …
Leitor faz homenagem ao Dia do Poeta – Folha de S.Paulo
www1.folha.uol.com.br/…/994385-leitor-faz-ho… – Diese Seite übersetzen
21 out. 2011 – Era 20 de outubro. Primaveril feriado. Agora por lei, decreto assinado, odia do poeta passaria a ser –dos dias do ano– o mais festejado.
Mensagens – Dia do poeta (04/10)
ilhado.com.br/index.php?id_editoria=13&id… – Diese Seite übersetzen
Hoje é o dia do Poeta!O Poeta é aquela pessoa que com sua arte nos traz alegrias, reflexões, fantasias, sonhos e até mesmo realidade, mesmo sendo de uma …
http://www.velhosamigos.com.br/…/diapoeta.html – Diese Seite übersetzen
DIA DO POETA … E em certos dias quando penso em minha gente, trago o Vinicius na mente, … Ser poeta é transformar em palavras uma grande essência.
Día Mundial de la Poesía – Wikipedia, la enciclopedia libre
es.wikipedia.org/wiki/Día_Mundial_de_la_Poesía – Diese Seite übersetzen
El Día Mundial de la Poesía es tributo a la palabra poética propuesto en el año 2001 por la Unesco, se celebra cada 21 de marzo (equinoccio de primavera) …
http://www.hiroshibogea.com.br/?p=14363 – Diese Seite übersetzen
14 mar. 2012 – 6 Respostas para “Hoje é Dia do Poeta”. Olhar Feminino março 14th, 2012 at 9: 02. Parabéns Hiroshi! Hiroshi Bogéa março 14th, 2012 at 9:15 …
http://www.sosuaonline.net › … › Locales & Nacionales – Diese Seite übersetzen
21 Oct 2011 – Con motivo conmemorarse El Día del Poeta, inspirado en el natalicio de la poetiza Salomé Ureña de Henríquez, felicitamos a todos los poetas …
14 de Março – Dia Nacional da Poesia – Brasil Escola
http://www.brasilescola.com › … › Março – Diese Seite übersetzen
Dia Nacional da Poesia . Dia da Poesia – Homenagem a Castro Alves, o poeta dos escravos.
Breiten Raum geben die Organisatoren dieses Jahr der Lyrik. Im Zürcher Helmhaus geben Klaus Merz und der Südtiroler Lyriker Sepp Mall eine Session, im Cabaret Voltaire der Lyriker Werner Lutz und der Musiker Rudolf Lutz eine Matinee. Der Kabarettist Rolf Schlatter performt zudem im Tram Gedichte aus dem Buch «König der Welt». Und schliesslich wird am Festival «Zürich liest» erstmals der Zürcher Lyrik-Preis vergeben. / Basler Zeitung
Zürich liest: Do 25.-So 28.10.
It’s the birthday of the poet Arthur Rimbaud (books by this author), born in Charleville, France (1854). He began writing letters to the poet Paul Verlaine, whose work he admired, and Verlaine invited him to stay at his house. When he arrived, Rimbaud had his first masterpiece in his pocket, a poem called „The Drunken Boat“ (1871), describing the journey of an empty boat as it wanders the ocean and eventually breaks apart.
Rimbaud didn’t get along with Verlaine’s family or his friends. He had a habit of taking off his clothes and shouting obscenities in public, and that tended to put people off. But everyone agreed that his poetry was the work of a genius and Verlaine fell in love with him. The two had a scandalously open affair that shocked the rest of the Paris literary scene. But they had a bitter break-up, and the relationship ended when Verlaine tried to murder Rimbaud with a pistol, shooting him in the arm.
Verlaine went to prison and Rimbaud went back to his mother, and he wrote one of his last books, A Season in Hell (1873). Rimbaud had been 16 when he started publishing his poetry, and he was 19 when he gave up on poetry and took off to wander around the world, winding up in Africa, where he became an arms dealer. He kept writing letters to his family, but he never wrote another poem, and never gave any hint that he missed writing them.
Rimbaud, who said: „I turned silences and nights into words. What was unutterable, I wrote down. I made the whirling world stand still.“ / The writer’s almanac
Das Gesamtwerk von Tomas Tranströmer, dem wortkargen Nobelpreisträger von 2011, umfasst rund 300 Seiten, mehr nicht. Seit seinem – im Tennis würde man sagen – trockenen und präzisen Aufschlag von 1954 unter dem Titel «17 Gedichte» baut er ein Werk, bei dem Lakonie und emotionale Intensität Hand in Hand gehen. Seine skeptische Maxime «Reduziere» scheint immer die perfekte Balance zu finden zu seiner Hingabe an das Rauschen des Sehens und Hörens. Zwischen den beiden zu kalibrieren – das ist sein Lied: ein federnder Rhythmus, eine in Grau geschlagene Kantilene, aus der plötzlich Farben sprühen, wie wenn hinter dem Laub ein Specht aufblitzt.
Wie er zu dieser Kunst kam, kann man nun an seinen von Jonas Ellerström herausgegebenen Jugendgedichten ablesen, ein Lokaltermin, der uns einen genauen Einblick in die Entstehung seiner Lyrik gewährt. (…)
Bis dahin hatte Tranströmer Wissenschafter werden wollen und eine erstaunlich lückenlose Sammlung der Insekten von Runmarö angelegt. Dieser Insel, auf der er sich oft mit seinem Grossvater aufhielt, widmete er das epische Langgedicht «Ostseen» und machte sie so zum Mittelpunkt seines Werkes./ Hans Jürgen Balmes, NZZ
Tomas Tranströmer: Ungdomsdikter / Jugendgedichte. Mit einem Aufsatz von Jonas Ellerström und Arbeiten auf Papier von Peter Frie. Übersetzt von Hanns Grössel. – Fredrik Sjöberg: Tomas Tranströmers Insektensammlung von der Insel Runmarö. Mit Arbeiten auf Papier von Peter Frie. Übersetzt von Klaus-Jürgen Liedtke. Beides: Kleinheinrich, Münster 2011. Nur gemeinsam erhältlich: € 50.–.
Als Angelika Janz im Rheinland in den 70er Jahren erste Schritte in die Literatur- und Kunstszene unternahm, lehrte in Düsseldorf Joseph Beuys, in der Kunst wurden nicht die Schlachten des 19. Jahrhunderts geschlagen, sondern zwischen Pop Art und Fluxus wurde im Zukunftslabor gearbeitet – an den Hochschulen, in den Werkstätten und auf der Straße. In Zeitschriften wie Sprache im technischen Zeitalter wurde nicht (wie heute) Kanon verwaltet, sondern Zukunft gesucht. Serendipity hieß ein Schlagwort damaliger Debatten – Angelika Janz beteiligte sich mit einem Statement und sah ihre Fragmenttexte als ein mögliches Verfahren in diesem Rahmen.
Im Jahre 1993 konstatierte Michael Glasmeier in einem Text über ihre Fragmenttexte den Abbruch des Experiments: „was ich von der Literatur erwarte – Experiment, längeres Gedankenspiel, Zeitgenossenschaft, Grenzgängertum –, scheint sich in ein merkwürdiges statisches Gejammer, in eine weinerliche, selbstbezogene Enge verkrochen zu haben“. Und in diesem Kontext sah er in ihren Fragmenttexten den Beleg, dass trotz des „langsamen Verglühens der Konkreten und Visuellen Poesie Ende der 70er und der konservativen Haltung von Feuilleton und Literaturwissenschaft“ ein Freiraum für Experimente fortbestehe.
(…)
„Avantgardistische“ oder „experimentelle“ Kunst wird oft als schwer verständlich empfunden. Selbst in den meist im Internet geführten Debatten junger Autoren geistert das Gespenst einer „unverständlichen“, akademischen Kunst herum. Dieser Zustand hat mehr als eine Ursache – man müsste nach dem Deutsch- und Kunstunterricht ebenso fragen wie nach Paradigmenwechseln in den Theoriedebatten der letzten Jahrzehnte sowie nach sozialen Bedingungen der arbeitsteiligen Gesellschaft. Leicht zu zeigen wäre aber, dass ihm auch ein fundamentales Missverständnis zugrunde liegt, das in den Institutionen (Schule, Wissenschaft und Medien) weitergetragen wird. Wesentliche Teile der Avantgarde des 20. Jahrhunderts waren von dem Bestreben getragen, Kunst und Lebenswelt zusammenzuführen. Namentlich der konkreten und visuellen Poesie eignet ein eminent demokratischer Grundzug. Einer der Gründe, warum sich dort entwickelte Verfahren in der Werbung verbreitet haben. Wenn man in der Schule lernen würde, den eigenen Sinnen zu trauen, anstatt krampfhaft nach einer in der Tiefe verborgenen Bedeutung zu suchen, wäre viel gewonnen.
(…)
Die heute modisch gewordene Schreibung mancher Worte mit Großbuchstaben in der Mitte, wie beim taz-„I“ in AutorInnen oder wie eben beim ZuFall ist technisch gesehen eine Verfremdung, die uns das automatisch Gewordene und daher nicht mehr Wahrnehmbare in den Worten wahrnehmen lässt. Das Wort FragMentalität (so der Titel einer Notiz) überlagert die Bedeutung des Wortes Fragment mit den Worten „Frage“ und „Mentalität“. So findet mitten im Wort eine Diskussion statt. Solchen Worten begegnet man im vorliegenden Buch öfter. „Deutschwund“ kann man verschieden lesen. Ist das “Deutsch-wund“, also wund am Deutschsein? Oder vielleicht „Deut-Schwund“: entzieht sich uns die Bedeutung? Anders als oft in der Schule gilt hier immer: beides zugleich. Nicht Einfalt, sondern Vielfalt führt weiter.
Dabei fällt auch auf, dass diese Schreibweise (diese SchreibWeise) ebenfalls Fragmentcharakter hat. Das Wort zerfällt in zwei oder mehr Fragmente verschiedener Herkunft, die zusammentreffen und eventuell neue Sinnmöglichkeiten eröffnen.
Aus dieser Mehrfachlesbarkeit erklärt sich auch, warum Angelika Janz die Grenzen zwischen Fremd- und Eigentext bewahrt. Man könnte ja den so entstandenen Text abschreiben – vielfach könnte man das Ergebnis nicht von ihren „richtigen“ Gedichten unterscheiden. Die Wunde im Textkörper erinnert an die Disparatheit der Elemente, die diesen Text formten, und erschwert eine allzu glatte und eindimensionale Lesart. An ihre Stelle tritt „der Deutung Vielraum“ (vgl. „Den Sinn, den Stoff, die Worte“ in diesem Band).
Michael Gratz, aus der Einleitung zu:
120 Seiten, €11,95
Hier bestellen
Die Autorin
Angelika Janz, Jahrgang 1952, studierte Germanistik, Kunstgeschichte und Philosophie in Essen und Bochum. Seit 1979 arbeitet sie als Künstlerin – neben grafischen Arbeiten auch Aktionen im öffentlichen Raum und (Spoken-Words-)Performances –, Kunst- und Museumspädagogin – von 1988 bis 2010 freie Mitarbeiterin am Museum Folkwang (Essen) – und Schriftstellerin – von Lyrik, Hörspiele über Prosa bis hin zur experimentellen Literatur. Mit ihrem Umzug in das vorpommersche Aschersleben Anfang der 90er Jahre engagiert sie sich auch sozial – u.a. mit Schreib- und Hörspielwerkstätten für Kinder und Jugendliche sowie der KinderAkademie im ländlichen Raum. Von 1997 bis 2003 organisierte sie Kulturfestivals in dieser Region (Polnische Woche in Mecklenburg-Vorpommern, Tanztendenzen, Nordischer Klang) und war Mitinitiatorin des Koeppenhauses in Greifswald.
Für ihre Arbeiten wurde sie mehrfach ausgezeichnet: neben dem Ersten Preis für experimentelle Literatur der Stadt Düsseldorf erhielt sie u.a. Arbeitsstipendien der Länder Nordrhein-Westfalen und Mecklenburg-Vorpommern sowie des Deutschen Literaturfonds und des Deutschen Kunstfonds, außerdem wurde sie 2008 mit dem Deutschen Lokalen Nachhaltigkeitspreis der Deutschen Umwelthilfe und der Grünen Liga ausgezeichnet.
Einzelveröffentlichungen
Kataloge
Aus: Angelika Janz: tEXt bILd. Ausgewählte Werke 1: Visuelle Arbeiten und Essays. Greifswald: freiraum-verlag 2012. 120 Seiten, € 11,95. Hier bestellen
Gespräch im Jugendamt: „Ach so, Lyrikerin? … Muss ich ihren Namen denn kennen?“ – „Nein, müssen schon gar nicht – ich schreib ja auch keine „Israel“-Gedichte.“
Emily Dickinson
386
Answer July –
Where is the Bee –
Where is the Blush –
Where is the Hay?
Ah, said July –
Where is the Seed –
Where is the Bud –
Where is the May –
Answer Thee – Me –
Nay – said the May –
Show me the Snow –
Show me the Bells –
Show me the Jay!
Quibbled the Jay –
Where be the Maize –
Where be the Haze –
Where be the Bur?
Here – said the Year –
*
Antworte mir –
Wo ist der Duft –
Wo ist der Tanz –
Wo ist die Gruft?
Ach geh doch her –
Wo ist der Star –
Wo ist das Moor –
Wo ist die Luft –
Antworte selbst!
Nein, sagt ich ihm –
Zeig mir den Zweig –
Zeig mir den See –
Zeig mir den Gauch!
Geifert der Gauch –
Wo bleibt der Wurm –
Wo bleibt der Stern –
Wo bleibt die Nuß?
Hier – sprach der Herr –
Phonetisch
Ahnsherr schuf Leid –
Wer ist debil –
Wer ist verblaßt –
Wer ists, hehe?
Hase schuf Leid –
Wer ist gesiebt –
Wer ist gebaut –
Wer ist gemein –
Ahnsherr ´s ihm lieh –
Nee setze Mäh –
Schon mieses No –
Schon mieses Belln –
Schon miesen Schnee!
Quirlte der Schnee –
Wer biete Mais –
Wer biete heiß –
Wer biete Bier?
Hier – setze Gier
Zwei Umsetzungsversuche von Michael Gratz
An unterschiedlichen Orten Leipzigs werden Lesungen, Diskussionen, Verlagsvorstellungen und andere Literaturveranstaltungen zu erleben sein.
Gemeinsam mit dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels e.V. wird das Festival mit dem Träger des diesjährigen Friedenspreises des Deutschen Buchhandels, dem chinesischen Schriftsteller Liao Yiwu eröffnet, welcher laut Begründung des Stiftungsrates des Börsenvereins „sprachmächtig und unerschrocken gegen die politische Unterdrückung aufbegehrt und den Entrechteten seines Landes eine weithin hörbare Stimme verleiht.“
Innerhalb des Festivals wird der Übersetzerpreis „Tiefgang“ des Vereins DIE FÄHRE e.V. verliehen.
Am Sonnabendnachmittag, den 20. 10. präsentieren 14 Verlage zum „Fest der Verlage“ im Oberkeller der Moritzbastei von 14 bis 18 Uhr ihre Neuerscheinungen. Ab 14.30 Uhr gibt es auf der Bühne moderierte Gespräche mit den Verlegern, Autorenlesungen und Live-Musik. / Mehr
Mit
Katharina Bendixen · Volker Ebersbach Roland Erb · Rosemarie Fret · Ralph Grüneberger · Andreas Heidtmann · Jörn Hühnerbein · Jayne-Ann Igel · Dagmara Kraus · Jan Kuhlbrodt · Alain Lance · Clemens Meyer · Mario Osterland · Marion Poschmann · Kerstin Preiwuß · Jörg Schieke · Kathrin Schmidt · Julia Schoch · Johanna Schwedes · Lutz Seiler · Volly Tanner · Liao Yiwu u.v.a.
U.a.
Die eigene Rede des andern…
Mit Kathrin Schmidt und Marion Poschmann, Lutz Seiler und Jörg Schieke
Freitag 19.10. 19.30 Uhr
POET Leseparty
Clemens Meyer, vorgestellt von Mario Osterland. Jayne-Ann Igel, vorgestellt von Jan Kuhlbrodt. Katharina Bendixen, vorgestellt von Johanna Hemkentokrax
Freitag 19.10. 20.00 Uhr
Wir Seesterne
Gedichte von Miron Białoszewski
Polnisches Institut
Buchpremiere mit der Lyrikerin und Übersetzerin Dagmara Kraus (Leipzig), dem Slawisten, Übersetzer und Freund des Autors, Henk Proeme sowie mit bekannten Nachdichtern.
Dienstag 23.10. 19:00 Uhr
Zum zweiten Mal treffen beim Zebra Poetry Film Festival Filmemacher aus dem Ausland auf Dichter aus Berlin. “Poetic Encounters” nennt sich der ungewöhnliche Filmworkshop, der dieses Jahr ganz im “Fokus Polen” steht. Wiola Sowa, Maciek Majewski und Lukasz Twarkowski verfilmen Gedichte von Nico Bleutge, Norbert Hummelt und Christian Filips. / Berliner Filmfestivals
»Jene Gang (…) die ungehemmt selbst Mord nicht scheut«, wird wohl der Mossad sein. Vielleicht auch die israelische Regierung oder die Weisen von Zion. In jedem Fall nicht ordinäre Killer, sondern Massenmörder: »(…) der atomare Tod in Bomben – ungezählt«. Da ist er wieder, der Topos aus Grass’ Frühjahrspoem »Was gesagt werden muss«: Die Juden als Bedrohung des Weltfriedens und der ganzen Menschheit.
(…)
Lyrischer Judenhass war schon von besserer Qualität. T. S. Eliot, auch er Antisemit und Nobelpreisträger, hat es in seinem Poem »Burbank with a Baedeker: Bleistein with a Cigar« vorgeführt. Dort heißt es in der sechsten Strophe: »The rats are underneath the piles. The jew is underneath the lot.« Welch’ eindringliche Metaphorik und sprachlich elegante Reduktion. Widerwärtiger Dreck, gewiss, aber von meisterlichem Stil. Wenn wir uns schon beleidigen lassen müssen, dann doch bitte von einem Könner. Grass aber bringt den literarischen Antisemitismus in Verruf. / Michael Wuliger, Jüdische Allgemeine
Tobias Haberl sprach mit Friederike Mayröcker, Süddeutsche Zeitung Magazin:
Sie werden im Dezember 88 Jahre alt. Fällt Ihnen das Leben schwerer als noch vor zehn Jahren?
Ja, mit 77 war ich noch ziemlich frisch. Im Moment habe ich eine Arthrose an den Füßen. Ich kann nicht mehr rasch gehen. Dicke Bücher schaffe ich auch nicht mehr. Ich bin langsam geworden. Gott sei Dank nicht beim Denken und Schreiben. Ich arbeite jeden Morgen, bis ich spüre, dass ich aufhören muss, weil der Blutdruck auf 200 ist.
»Körperruine«, »Monster im Spiegel« – kommt alles in Ihren Texten vor. So nehme ich mich nun mal wahr und es gefällt mir nicht. Trotzdem bin ich nur äußerlich das alte Weib, das durch die Straßen humpelt, innerlich bin ich immer noch das 17-jährige Mädchen, das in Deinzendorf barfuß über die Wiese läuft. Ich glaube, ich habe eine Kinderseele. Kann man das so sagen?
(…)
Aber Sie zählen zu den ganz großen Autoren des 20. und 21. Jahrhunderts, 2004 wurden Sie als Favoritin für den Literatur-Nobelpreis gehandelt.
Aber meine Bücher hatten immer kleine Auflagen. Ein paar Tausend pro Buch vielleicht. Genau weiß ich es nicht. Die großen Herren bei Suhrkamp nehmen mich nicht so wahr, der Enzensberger kennt mich, glaube ich, gar nicht. Und gelebt habe ich vor allem von den Preisgeldern. Ich habe viele Preise bekommen.
Ist es nicht kränkend, wenn man als hochgelobte Schriftstellerin seinen Lebensunterhalt nicht mit dem Schreiben bestreiten kann?
Ich habe es immer hingenommen. Viele andere Autoren können vom Schreiben leben, auch mittelmäßige. Die Leute sagen, mein Werk sei schwierig, ich frage mich, was sie meinen, ich verstehe jeden Satz.
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