Lange neigte man dazu, die Figur der Nadja in André Bretons gleichnamigem Roman, den Karlheinz Bohrer einmal zur «Basisschrift der klassischen Moderne» erklärt hat, für eine surrealistische Kunstfigur zu halten, die von der Begegnung mit einer realen Frau stark angeregt war. Ihre Erscheinung – mal heruntergekommen, mal elegant in Schwarz und Rot gekleidet –, ihr zielloses Flanieren durch Paris, ihre enigmatischen Aussprüche, all das war zu schön, um wahr zu sein. Die Figur Nadja schien allzu vollendet das Ideal des Surrealismus zu verkörpern. Denn ihr und denen, die um sie herum waren, passierte das, wonach sich die Surrealisten auf den Spuren des Romantikers Gérard de Nerval und des Postromantikers Charles Baudelaire sehnten. Heute wissen wir, dass Nadja tatsächlich keine surrealistische Erfindung oder Montage war, dass André Breton lediglich berichtete, was ihm im Oktober 1926 widerfuhr. Nadja war eine bizarre, mittellose junge Frau, die in einem seltsamen Verhältnis zur gesellschaftlichen Wirklichkeit stand und daran zugrunde ging. (…)
Breton hat seine Schreibweise später mit der eines medizinischen Bulletins verglichen. Es lag ihm daran, die Objektivität des noch so unglaubwürdigen Geschehens zu betonen. Das wird jetzt durch die Faksimiles wahr. Breton hatte damals nicht gewagt, alle Dokumente aufzunehmen. Stattdessen streute er eine Auswahl von Fotografien ein, die ein Schüler Man Rays für ihn 1927 in Paris machte. Sie sollten dem Roman den Charakter des Gewesenen, Geschehenen geben. Breton selbst war mit den Bildern nicht zufrieden, auf denen nur die menschenleeren Orte der Begegnungen, nicht André und Nadja zu sehen waren. Mit Nadjas Zeugnissen gewinnt der Roman nun jenen Eindruck des Objektiven im Wunderbaren, den Breton im Kopf hatte, und erfüllt obendrein Nadjas Wunsch, dass etwas von ihnen beiden bleibe. / Franziska Meier, NZZ 12.7.
Rita Bischof: Nadja revisited. Brinkmann & Bose, Berlin 2013. 315 S., Fr. 45.90.
Gruß an den Neckar
Still ist der Berg und der Fluss und das Tal
Es scheint die Natur in Sinnen Versunken.
Die gefiederten Sänger verstummen zumal
Und der Wald an dem Hügel ruht schlummertrunken.
Die Karawane der Sterne zieht
Ohne Glöckchenklingen auf himmlischen Wegen
Still leuchtet der Mond. Die Bewegung entflieht,
Im Schosse der Nacht sich schlafen zu legen.
So stark ist der Stille Zaubermacht,
Dass der Neckar ruht, nicht weitertfliessend.
Nun sei auch Du stille, mein Herz, in der Nacht
und schlafe, das Leid in Dich verschliessend.
Mohammed Iqbal
Sir Muhammad Iqbal ist DER pakistanische Nationalphilosoph, Poet, islamischer Reformer und geistiger Vater Pakistans, der dieses Gedicht wohl 1907 in Heidelberg, während seiner Studiums geschrieben hat. / Mikel Bower
„Rot ist der Abend auf der Insel von Palau, und die Schatten sinken“ – so beginnt Gottfried Benns Gedicht über die Südseeinsel, die einst zum deutschen Kolonialreich gehörte und hierzulande die wildesten Assoziationen weckte. Reichtümer, Hitze, Nacktsein – die Namen Upolu, Apolima und Manono wehten Nervosität in die deutschen Wohnzimmer der Kaiserzeit.
Unternehmer, Lebensreformer, Aussteiger wie August Engelhardt, dessen Geschichte Christian Kracht in seinem Roman „Imperium“ erzählt, brachen nach Deutsch-Neuguinea und Samoa auf, und diejenigen, die nicht so weit gehen wollten, benannten ihre Gartenkolonien, wo man halbnackt das neue, freiere Leben erproben konnte, nach den Inseln. Eine dieser Laubenkolonien, die selbst wie eine Insel in einem Meer aus über 2500 Parzellen in Berlin liegt, heißt noch immer so: Samoa.
Nun hat das echte Samoa damals nicht vielen Glück gebracht – das Handelshaus Godeffroy&Sohn, das die deutsche Kolonialisierung Samoas begonnen hatte, ging bankrott; auf der Kaisergeburtstagsfeier 1887 gab es eine Schlägerei zwischen Europäern und einheimischen Ehrengästen, Konsul Becker ließ deswegen den Inselkönig entmachten, die Anhänger eines Mannes namens Mata’afa zündeten zusammen mit einem Amerikaner das deutsche Konsulat an, woraufhin Konsul Knappe den Kriegszustand ausrief und von Bismarck mit der Begründung, er handele „ab irato“, im Zorn, abberufen werden musste: Das Paradies wurde zum Irrenhaus der Kolonialpolitik. / Niklas Maak, FAZ
Der Tiroler Autor Robert Prosser erhält heuer den Reinhard-Priessnitz-Preis: Die mit 4.000 Euro dotierte Auszeichnung wird dem Künstler (Jahrgang 1983) am 27. Oktober im Literaturhaus Wien überreicht, kündigte die Institution am Dienstag an. Prosser veröffentlichte bisher im Klever Verlag die Prosabände „Strom“ (2009) und „Feuerwerk“ (2011). / Der Standard
Anne Carson verkauft sich erstaunlich gut für eine Lyrikerin. Vielleicht liegt es daran, dass die Verse der Kanadierin gern im Prosaparlando daherkommen. Auch thematisch sind viele der Gedichte aus „Decreation“ gut zugänglich. Sie kreisen oft, wie schon in früheren Bänden, um die Beziehung zu ihrer bejahrten Mutter:
„Wenn ich mit meiner Mutter spreche, mache ich es schön. Bücherrücken beim Telefon.
Büroklammern in einer Porzellanschale. Radiergummisprenkel auf dem Tisch. Sie spricht voll Sehnsucht Vom Tod. Ich beginne alle Büroklammern in die andere Richtung zu kippen.“
Der Anfang des Gedichts „Verbindungen“. Eine für viele vertraute Situation, das Telefonat mit der Mutter, die innere Gemütsverfassung spiegelt die äußere: Verbindungen in vielfacher Bedeutung. Im englischen Original heißt das Poem übrigens „Lines“ und bietet damit noch eine weitere Ebene, wie ein paar Verse später deutlich wird:
„Die/ Büroklammern/ sind auf gleicher Linie, unsterblich.“ Es ist nicht die einzige Stelle, an der deutlich wird, welchen Vorteil zweisprachige Ausgaben haben.
Carson kann aber noch anders: „Dein glasiger Wind bricht sich am ruflosen Ufer und kräuselt sich um die Rose / Welches Messer hat diese Stunde / gehäutet.“ („Es hilft nichts“). Hier beginnt der eigentliche Carson-Kosmos, in dem Metaphern verdichtet werden, bis sie zur Chiffre fermentieren. Das erinnert nicht zufällig an Paul Celan, dem die Komparatistin Carson vor ein paar Jahren eine große Studie gewidmet hat. / André Hatting, DLR
Anne Carson: Decreation. Gedichte, Oper, Essay
S. Fischer Verlag, Frankfurt/Main, 2014
252 Seiten, 24,99 Euro
Diese Hefte, an der Zahl 42, die er bis zu seiner Entlassung 1924 aus der Festungshaft (er war Regierungsmitglied in der Räterepublik gewesen) mit persönlichen, literarischen und politischen Empfindungen und Geschehnissen füllte, erwartete ein bizarres Schicksal: Zehn Jahre später, kurz nach Mühsams Tod. wanderte seine Witwe, Zenzl, eigentlich Kreszentia Elfinger (1884 – 1962), – das gerettete Archiv im Gepäck – zunächst nach Prag und später nach Moskau aus: Die Kominterngenossen interessierten sich für den Nachlass des zwar offen antimarxistischen, aber durch seine satirischen Schriften und seinen wahrlich heroischen Tod legendär gewordenen Poeten und Publizisten. Zenzl wurde versprochen, dass Mühsams Werke in viele Sprachen übersetzt würden, was mitnichten geschah. Wahrscheinlich erwiesen sich seine Schriften als unverwertbar für die schlichte sowjetische Propaganda. Am 23.4.1936 wurde sie verhaftet. Nach fast zwei Jahrzehnten in Straflagern und in sibirischer Verbannung durfte Zenzl Mühsam 1954 ausreisen. In die DDR. Ihr folgten Mikrofilme des Mühsam-Nachlasses, die der ostdeutschen Akademie der Künste (nicht der Witwe!) übergeben wurden. Acht Hefte aus den Jahren 1910/11 und 1916 – 1919 gelten als verschollen, wobei nicht klar ist, wo sie zu suchen sind: beim KGB? bei der Komintern? im Moskauer Institut für die Weltliteratur?
Die übergebenen Hefte erfuhren in der DDR sämtliche Höhen und Tiefen des offiziellen Interesses an Mühsam, der immer „unkoscher“ blieb, was er wahrscheinlich mit der ihm eigenen fröhlichen Kindlichkeit gern bejaht hätte. Nach der Wende kam die Suche nach willigen Verlagen – jetzt wurde nicht die Ideologie, sondern die Ökonomie zum Hindernis für die Veröffentlichung der 8000 Tagebuch-Seiten. Schließlich kamen Chris Hirte und Conrad Piens, die Herausgeber des Tagebuchs, zur Entscheidung, es ins Netz zu stellen. Und auch ein Verlag hat sich gefunden, der Berliner Verbrecher-Verlag, der im Sommer 2011 begonnen hat, den „reinen Text“, ohne Kommentare und Register, zu publizieren. Der ersten Bände der fünfzehnbändigen Ausgabe sind wunderschön, brauchen aber unbedingt die Netzunterstützung unter der Adresse http://muehsam-tagebuch.de, wo der Kommentar und das Namensregister zu finden sind. Ich glaube, das ist eine hervorragende Lösung, und warte ungeduldig auf jeden neuen Band: nicht nur des Zeitgeschichtlichen wegen und nicht allein wegen dieser faszinierenden Persönlichkeit, die die Eigenschaften eines verzogenen Kindes und eines wahren Helden, eines Bohemiens und eines überaus fleißigen Literaten in sich vereinte, sondern auch wegen der zauberhaften Prosa, die auf fast jeder dieser 8000 Seiten aufglänzt. / Oleg Jurjew, Fixpoetry
Eine Greifswalder Buchhandlung war so freundlich, lang her schon, einen wertvollen Preis für ein Ausschreiben zu sponsern. Das Buch liegt noch immer eingeschweißt auf unserm Tisch, nur fand das Ausschreibe-Thema nicht genug Resonanz und ein zweites herbeigeschafftes auch nicht. Für ein diffuses Spielchen wollten wir das Buch nicht verschleudern, und Tagesarbeit kam dazwischen.
Gute Bücher aber altern nicht und veralten nicht. Deshalb jetzt ein Angebot zur Güte. Güte!
Wer bis 31.7. das untenstehende Sonett übersetzt und uns die Übersetzung einreicht, hat die Chance, einen wertvollen Buchpreis zu bekommen. Wir bieten als Hauptpreis an:
Ezra Pound, Die Cantos: Erste zweisprachige Gesamtausgabe [Gebundene Ausgabe]
Eva Hesse (Übersetzer)
Ladenpreis € 128
Die Jury besteht aus Dirk Uwe Hansen und Michael Gratz.
Falls mehr als eine preiswürdige Übersetzung herauskommt, würden wir keine Mühe scheuen, weitere Preise aufzutreiben. Außerdem nähmen wir geeignete Fassungen in ein – wie wir fest glauben: gutes – Buchprojekt auf.
Hier das zu übersetzende Gedicht (die Autorin hat uns die Rechte eingeräumt).
MARILYN HACKER
Didn’t Sappho say her guts clutched up like this?
Before a face suddenly numinous,
her eyes watered, knees melted. Did she lactate
again, milk brought down by a girl’s kiss?
It’s documented torrents are unloosed
by such events as recently produced
not the wish, but the need, to consume, in us,
one pint of Maalox, one of Kaopectate.
My eyes and groin are permanently swollen,
I’m alternatingly brilliant and witless
—and sleepless: bed is just a swamp to roll in.
Although I’d cream my jeans touching your breast,
sweetheart, it isn’t lust; it’s all the rest
of what I want with you that scares me shitless.
Marilyn Hacker, “[Didn’t Sappho say her guts clutched up like this?]” from Love, Death and the Changing of the Seasons, published by W.W Norton. Copyright © 1995 by Marilyn Hacker.
Perlentaucher-Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.07.2014
Luisa Schulz kann kaum glauben, dass dieser Klassiker des 20. Jahrhunderts bei uns noch immer nahezu unbekannt ist, selbst nach Nabokovs Einsatz für Vladislav Chodasevic. Die nun in einer Auswahl erstmals auf Deutsch zu lesenden Gedichten des russischstämmigen Dichters bieten Schulz bittere Exilgedichte, herbstlich-düstere Russland-Impressionen, Symbolistisches, eine Chronik der Oktoberrevolution, „Elegien der Unsicherheit“ und ein für die Rezensentin erstaunlich aktuelles Porträt Berlins, in dem sie die „Ästhetik des Missklangs“ ausmacht. Dass der Band mit gutem Papier, Anmerkungsteil, Nachwort (von Nabokov) und Bildern recht hochwertig daherkommt, erscheint ihr fast zu viel für einen Vergessenen.
Europäische Nacht
Ausgewählte Gedichte 1907 bis 1927. Russisch/deutsch
Arco Verlag, Wuppertal 2013
ISBN 9783938375549
Gebunden, 222 Seiten, 24,00 EUR
Ezra Pound gehört zu den umstrittenen Figuren des 20. Jahrhunderts. Trotz seiner politischen Nähe zur faschistischen Ideologie, der Internierung in einem amerikanischen Gefangenenlager 1945 und der Jahre in einer Irrenanstalt ist sein literarischer Rang unbestritten, sein Einfluss auf James Joyce, auf T.S. Eliot oder Ernest Hemingway, auf die literarische Moderne, verbürgt. Zwischen 1910 und 1960 hat Pound an seinem Groß-Gedicht „The Cantos“ geschrieben, die gerade mal 117 Gesänge versammeln.
Monarchien vergingen, Republiken wurden gegründet, Diktatoren siegten und scheiterten. Zwei große Kriege verwüsteten die Erde. Die Dichtung durchpflügt alle Schichten der Historie und der Kulturkreise, beschreibt Wirtschaftverhältnisse, Politik, Krieg und Kunst. Mehr als ein Dutzend lebender und toter Sprachen werden in den „Cantos“ verwendet. Zitate aus den Verwaltungsakten der Renaissance-Republik Venedig stehen neben Imitationen von Homers „Odyssee“ und Dantes „Divina commedia“, neben Nachahmungen des Minnesangs provenzalischer Troubadours und des bildreichen Philosophierens im Alten China. Tom Peuckert entdeckt in den „Cantos“ ein Lied der Globalisierung, bietet seine Lesart der Gesänge. / DLR Lyriksommer
Der Literaturpreis 2014 des Sächsischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst geht an Jan Kuhlbrodt. Diesen Vorschlag der Jury hat die sächsische Kunstministerin Sabine von Schorlemer nunmehr bestätigt.
„Mit Jan Kuhlbrodt wird ein sächsischer Autor geehrt, dessen Wirken sich durch alle Genres zieht und in seiner literarischen Schaffensbreite außergewöhnlich ist. In seinen Romanen und Gedichten widmet er sich der Aufarbeitung gesellschaftlicher und biographischer Aspekte der zurückliegenden Ära. Diese reicht in seinem Werk von der Topographie einer Kindheit in Chemnitz über die Wendezeit bis hin zur Gegenwart. Souverän wandelt Jan Kuhlbrodt zwischen narrativen und essayistischen Passagen und erweist sich dabei als Autor, der trotz hohen Reflektionsniveaus mit Leichtigkeit, Melancholie und Selbstironie erzählen kann. In seinen aktuellen Gedichten begegnen wir einer philosophisch durchdrungenen Poesie, in der – zuweilen zugespitzt und mit Humor – ein differenzierter Umgang mit der Geschichte thematisiert wird. Jan Kuhlbrodt hat sich über Sachsen hinaus einen Namen als Übersetzer und Herausgeber gemacht, aber auch als Mentor und Förderer der jungen literarischen Szene und darf als poetischer Kosmopolit gelten, der mit großer Selbstverständlichkeit auch in den digitalen Medien präsent ist“, so die Jurybegründung.
Der mit 5.500 Euro dotierte Preis wird im Rahmen des vom Sächsischen Literaturrat e. V. veranstalteten Projektes „Landnahme“ voraussichtlich im November 2014 übergeben. Der Literaturpreis wird in diesem Jahr zum fünften Mal verliehen (seit dem Jahr 2012 „Literaturpreis“, vorher „Literaturförderpreis“). Preisträger waren im Jahr 2012 Andreas Altmann, 2010 Jens Wonneberger, im Jahr 2008 Undine Materni und im Jahr 2006 Thomas Böhme.
Der Jury gehören an: die Schriftstellerinnen Undine Materni und Constanze John, der Literaturkritiker Ulf Heise, der Journalist Dr. Tomas Gärtner sowie der Verleger Andreas Heidtmann.
Jan Kuhlbrodt
geboren 1966 in Chemnitz, Studium in Leipzig und Frankfurt am Main sowie Studium am Deutschen Literaturinstitut, zwischenzeitlich Arbeit als Lehrer in einem Projekt für straffällig gewordene Jugendliche; ehemaliger EDIT-Herausgeber, Ostragehege-Redakteur und zeitweilig Dozent am Deutschen Literaturinstitut Leipzig; lebt in Leipzig als Autor, Redakteur und Herausgeber u.a. der Reihe Neue Lyrik (KdFS, zusammen mit Jayne-Ann Igel und Ralph Lindner); überregionale Tätigkeit in literarischen Beiräten und Jurys; Stipendien der Kulturstiftung Sachsen und der Stiftung Niedersachsen
Werke / Auswahl wichtiger Titel:
Veranstaltung im Literaturarchiv Saar-Lor-Lux-Elsass
Melanie Löw
Pressestelle der Universität des Saarlandes
Universität des Saarlandes
Beim Übersetzen eines englischen Gedichtes ins Deutsche, hängt viel davon ab, wie der Übersetzer den Text interpretiert. Inwieweit Literatur überhaupt übersetzbar ist, darüber diskutieren Experten am Freitag, den 11. Juli, ab 14 Uhr bei den „Übersetzergesprächen 4“ im Literaturarchiv Saar-Lor-Lux-Elsass in Dudweiler. Mit dabei ist auch der Lyriker und Übersetzer Klaus Martens. Der emeritierte Professor leitete bis 2009 den Lehrstuhl für Nordamerikanische Literatur und Kultur und das Zentrum für kanadische und angloamerikanische Kulturen an der Universität des Saarlandes. Interessierte sind herzlich eingeladen. Der Eintritt ist frei.
In zwei Workshops werden die Teilnehmer unter anderem der Frage nachgehen, ob Literatur übersetzbar ist. Klaus Martens zeigt am Beispiel von Prosatexten des walisischen Schriftstellers Dylan Thomas unterschiedliche Übersetzungsvarianten auf. Darüber hinaus wird die Bedeutung subjektiver Textinterpretationen beim Übersetzen anhand ausgewählter Gedichte besprochen.
Professor (em.) Klaus Mertens leitete von 1990 bis 2009 den Lehrstuhl für Nordamerikanische Literatur und Kultur an der Saar-Uni. Hier gründete er auch 1994 das Zentrum für kanadische und angloamerikanische Kulturen, das er ebenfalls geleitet hat. Außerdem ist Martens als Lyriker und literarischer Übersetzer bekannt. Er hat unter anderem die deutsche Ausgabe der Werke von Dylan Thomas im Carl Hanser Verlag herausgegeben und Gedichte des karibischen Dichters und Schriftstellers Derek Walcott, der Literatur-Nobelpreisträger des Jahres 1992, ins Deutsche übertragen.
Die Übersetzergespräche werden vom Literaturarchiv Saar-Lor-Lux-Elsass und dem Team um Professorin Heidrun Gerzymisch vom Advanced Translation Research Center (ATRC) der Saar-Uni organisiert. Gerade für Übersetzer und Übersetzungswissenschaftler ist es wichtig, sich mit Übersetzungsprozessen auseinanderzusetzen, weil sie helfen, das vielschichtige Geschehen des Übertragungsvorganges zu verstehen.
Ort: Literaturarchiv Saar-Lor-Lux-Elsass,
Campus Dudweiler,
Beethovenstraße Zeile 5, Raum 5.108
Zeit: 14 bis 18 Uhr
Wolfgang Rihm erhält den Robert Schumann-Preis für Dichtung und Musik 2014
In diesem Jahr zeichnet die Akademie der Wissenschaften und der Literatur den Komponisten Wolfgang Rihm mit dem Robert Schumann-Preis für Dichtung und Musik aus. Der Preis wird an Persönlichkeiten für ein herausragendes Lebenswerk auf dem Gebiet der Dichtung und der Musik vergeben. Er ist mit 25.000,- € dotiert und wird alle zwei Jahre verliehen. Erster Preisträger war 2012 Pierre Boulez.
Mit Wolfgang Rihm zeichnet die Jury einen »Schreibmusiker und Musikschreiber« aus und »in der Synthese dieser beiden Daseinsformen den charakteristischsten Kopf unserer Zeit. Rihm überführt den Strom seiner Gedanken zuallererst in Musik, weiß aber auch auf unnachahmliche Weise deren Unaussprechliches in Worte zu fassen. Bei der Tonvermessung seiner klingenden Welt verbündet er sich seit je mit den Geistern der Sprache, mit Sophokles, Hölderlin, Büchner, Nietzsche, Artaud, Heiner Müller, immer wieder Goethe (sie alle begleiten den Komponisten, als seien sie Zeitgenossen) in Werken des großen Musiktheaters (oder in der Intimität des Liedes) – und mit dem Geist seiner eigenen Sprachmacht.«
Wolfgang Rihm wird die Auszeichnung am 6. November 2014 in der Akademie entgegennehmen. Die Laudatio hält die Musikkritikerin Eleonore Büning; das musikalische Programm gestalten der Bariton Hans-Christoph Begemann und der Pianist Thomas Seyboldt.
Stifter des Preises ist die Mainzer Strecker-Stiftung, für die die Vergabe dieser Auszeichnung durch die Akademie der Wissenschaften und der Literatur mit ihrer eigenen Klasse der Literatur und der Musik in den richtigen Händen liegt, wie der Vorsitzende der Stiftung, Dr. Peter Hanser-Strecker, betont. Im Rahmen des Akademienprogramms koordiniert die Mainzer Akademie seit langem zahlreiche Musikeditionen von Bach bis Schönberg, so dass durch diesen Preis auch die weitere Verbindung zwischen Wissenschaft und Kunst befördert wird. »Ich freue mich, dass nach Pierre Boulez eine weitere bedeutende Doppelbegabung auf den Gebieten der Musik und der Literatur ausgezeichnet wird«, so der Präsident der Akademie, Prof. Dr. Dr. h.c. Gernot Wilhelm.
Verflucht seien sie, der verdammte Zúñiga, der aalglatte Joseph Blatter und seine Marionette Jerôme Valcke. Von nun an wird Neymar unser El Cid sein. So wie der tapfere spanische Ritter tot, auf dem Pferd, in Valencia seine Krieger in die Schlacht gegen die Mauren führte, so wird uns die Inspiration unseres Mohikaners durch diese Endphase der WM leiten.
O Globo, 6.7.14 gefunden hier
Es umfasst 25 Seiten, holpert stellenweise heftig im Versmaß, aber es reimt sich: „Geschichte und Reisen der Feldpoststation Nr. 33 bei der 29. gemischten Landwehr-Brigade“. Geschrieben hat diese Reisebeschreibung in Versen der Feldpostschaffner Peter Hintzen. (…) „Als 1914 der Krieg entbrannt´, ganz Deutschland wie ein Fels da stand. Vorbei aller Hader, Parteiengezanke, deutsche Liebe und Treue war dem Kaiser zum Danke.“ So beginnt das Gedicht, das sich in den folgenden Zeilen dann mit dem „verräterischen Belgierland“, dem „italienischen Esel (Englands Vasall)“ und dem „Hauptanstifter, genannt John Bull“ beschäftigt. / Rheinische Post
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