Veröffentlicht am 21. Oktober 2014 von lyrikzeitung
In der traditionsreichen Lyrikreihe „Poesiealbum“ neu erschienen:
Heft 313: Ingolf Brökel
Heft 314: Monika Rinck
Jeweils 32 Seiten, 4 €
Neu bei Lyrikwiki:
ist eine Lyrikreihe in Heftform, die 1967 von Bernd Jentzsch gegründet wurde. Bis August 1990 erschien monatlich ein Heft von 32 Seiten Umfang, das bis Anfang 1990 90 Pfennig kostete und in den ersten Jahren auch von der Post im Abonnement und an Kiosken vertrieben wurde. Trotz schmalen Umfangs war es sorgfältig ediert – stets von Kennern des Gesamtwerks ausgewählt und mit Titelvignette und doppelseitiger Grafik im Innern ausgestattet (Grafiken von Werner Klemke, Horst Hussel, Rolf Münzner, Hans Ticha, Wolfgang Mattheuer, Gerhard Altenbourg, Nuria Quevedo, Günter Horlbeck, Hannelore Teutsch, Carlfriedrich Claus, Willy Wolff, Robert Rehfeldt, Horst Antes, Einar Schleef, Hermann Glöckner, Werner Tübke, Uwe Pfeifer, Dagmar Ranft-Schinke, Baldwin Zettl u.v.a.). Als Bernd Jentzsch in einem Brief an die DDR-Führung gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns und den Ausschluß Reiner Kunzes aus dem Schriftstellerverband protestierte, wurde er abgesetzt. Ein paar Jahre später wurde auch sein Nachfolger Richard Pietraß aus politischen Gründen abgesetzt.
Neben klassischen deutschen und internationalen Autoren war die Reihe ein Ort für Lyrikdebüts (Wulf Kirsten, Kurt Bartsch, Harald Gerlach, Jürgen Rennert, Gabriele Eckart, Thomas Brasch, Richard Leising, Brigitte Struzyk, Steffen Mensching, Uta Mauersberger, Christa Kozik, Hans Brinkmann, Klaus-Peter Schwarz, Kathrin Schmidt, Hans-Eckardt Wenzel, Wilhelm Bartsch, Udo Degener, Johannes Jansen u.v.a.) sowie zahlreiche DDR-Erstveröffentlichungen (u.a. Allen Ginsberg, Octavio Paz, René Char, W.H. Auden, Dylan Thomas, Welimir Chlebnikow, César Vallejo, Julian Przyboś, Arthur Rimbaud, Bob Dylan, Claes Andersson, Jannis Ritsos, Itzik Manger, Charles Bukowski, Anna Achmatowa, Aimé Césaire, Arsenij Tarkowski, Konrad Bayer, Boris Vian).
Die Reihe konnte die Währungsunion nicht überleben. Das letzte Heft, Nr. 275: August von Platen, wurde vom Staatlichen Buchhandel der DDR nicht mehr ausgeliefert und zum größten Teil als Müll entsorgt. Nur private Buchhandlungen lieferten das Heft noch an ihre Kunden aus. [1] 1991 erschien noch ein Heft zu Ehren des Gründers Bernd Jentzsch im BrennGlas Verlag Assenheim.
Die letzte Herausgeberin Dorothea Oehme startete 1992 in der »Unabhängigen Verlagsbuchhandlung Ackerstraße« in Berlin die Lyrikreihe »Poet´s Corner« nach ähnlichem Konzept, Herausgeber war „Orplid & Co., Gesellschaft zur Pflege und Förderung der Poesie“ (Hefte von Elke Erb, Ossip Mandelstam, Frank-Wolf Matthies, Quirinus Kuhlmann u.a.).
1996 wurde ein Verein „Poesiealbum“ gegründet, der die Reihe fortsetzen wollte. Bert Papenfuß und Sascha Anderson sollten die Hefte herausgeben – wegen der Stasimitarbeit Andersons verweigerte Bernd Jentzsch die Zustimmung. Daher gründeten sie eine Heftreihe „Poetische Bögen“, von der 12 Hefte in der Connewitzer Verlagsbuchhandlung Leipzig erschienen.
Seit Herbst 2007 erscheint das Heft wieder im Märkischen Verlag Wilhelmshorst, Verleger ist Klaus-Peter Schwarz. Anfangs erschienen Hefte, die in der DDR aus politischen Gründen oder aus Gründen der Ignoranz der Entscheider nicht erscheinen durften, wie Peter Huchel, Ernst Jandl und Ezra Pound. Derzeit erscheinen 4 Hefte im Jahr im originalen Format. Gleichzeitig (seit März 2007) gibt Ralph Grüneberger für die Leipziger „Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik“ unter dem Titel „Poesiealbum neu“ ebenfalls eine Heftreihe im Originalformat mit thematischen Anthologien heraus.
[1] Der Autor dieses Artikels hatte ein Abonnement bei der Greifswalder Buchhandlung Paul und Wilhelmine Singelnstein und wurde bis zum Schluß zuverlässig beliefert.
Poesiealbum.info mit vollständiger Bibliographie
ISSN 1865-5874
Veröffentlicht am 21. Oktober 2014 von lyrikzeitung
Selten war mehr Fauna und Flora als beim Finale des Münchner Lyrikpreises. Gab es jemals einen Zyklus über Kiefern? Sebastian Unger hat ihn verfasst, und Kathrin Schmidt hatte sich bereits in der Zeitschrift Ostragehege dazu geäußert: Die zentralen Gestirne dieser Gedichte seien Tiere und Pflanzen.
Markus Hallinger, der Preisträger des Wettbewerbs, brachte das Bild des Hasen, der, dem Dichter gleichgesetzt, mit abgezogenem Fell dasteht, „geschält wie die Sprache“. Von der Prozession der Schnecken über Bienenschwärme bis zum Pferd, das zwischen den Bäumen und überall sonst wohnt, reicht das Tierrepertoire des 1961 geborenen Autors. Seinen Gedichten war jene so oft und gern geforderte Lebenserfahrung anzumerken.
In Tobias Roths Texten – mehrfach als bukolische Idyllen bezeichnet – tauchte bereits im Titel der „Floratempel“ auf. Eines der gelungensten Gedichte des Abends trug die Überschrift „Versuch über Herden und Rudel“. Hier zeigte der Lyriker en passant seine Souveränität, ohne sich mit seiner Renaissance-Kenntnis in die Fänge der Tradition zu begeben. Dabei galt die Skepsis nicht den historischen Bezügen, sondern dem unzureichenden Bemühen, dieses hochintelligente Spiel mit einer Modulation ins Jetzt glaubhaft zu machen.
Bunt und schillernd auch die Tierwelt in Kathrin Bachs Gedichten: Kaninchen, Seehunde, Käfer, Wespen, Schwäne, Möwen und Fische. Ihre Texte, mal als Metamorphosen, mal als Traumsequenzen eingestuft, konnten nicht zuletzt durch die unangestrengte Form überzeugen. Bemerkenswert, für dieses Finale jedenfalls, war, dass auch ein Du zum Vorschein kam. Vielleicht waren es, ganz im Verborgenen, dunkel getönte Liebesgedichte, worauf nicht zuletzt der Vorgang des Ineinanderverschmelzens im Gedicht „aggregat“ hindeutete.
Konstantin Ames, gewiss kein Naturdichter, hatte doch zumindest „klassische Kühe“ aus seiner saarländischen Heimat zu bieten. Und wer kennt nicht Niedaltdorf und die legendäre Landstraße L 354, die an Jungbullen vorbeiführt und irgendwann einen Blick auf die Kirche des Guldendorfs Leiding erlaubt? Wer so radikal Provinz einbezieht, sie gleichermaßen amtlich wie sinnlich belegt, wer dazu die Mundart mitführt und auch auf das Wort „Kläranlagenseechen“ nicht verzichtet, der darf – finde ich – auch den Titel sprachanarchischer Heimatdichter führen! / Andreas Heidtmanns Bericht von der Endrunde des Lyrikpreises München vollständig im Poetenladen
Veröffentlicht am 21. Oktober 2014 von lyrikzeitung
Einige Krimtataren waren im Krieg zur Wehrmacht übergelaufen. Den Deportationsbefehl für diese Bevölkerungsgruppe unterschrieb Stalin im Mai 1944 persönlich. Er begann mit den Worten: „Viele Krimtataren haben das Vaterland verraten.“ Eine Woche später wurden 190000 Tataren nach Usbekistan abtransportiert.
Heute sagen viele Krimtataren, der eigentliche Grund für die Vertreibung sei nicht die Kollaboration gewesen. An der Volkstragödie seien „die Juden“ schuld. Das klingt nach einer antisemitischen Verschwörungstheorie. Bei einigen Krimtataren spürt man auch einen latenten Antisemitismus. Aber diese konkrete Behauptung hat einen historischen Hintergrund.
Mitten im Krieg hatte Stalin zwei Mitglieder des Sowjetischen Jüdischen Antifaschistischen Komitees nach Amerika entsandt, den Schauspieler Solomon Michoels und den Dichter Itzik Feffer. Die beiden sollten bei den amerikanischen Juden um Unterstützung für die Rote Armee werben. Nachdem die Krim 1944 befreit worden war, hoffte das Komitee, dass dort eine autonome jüdische Republik entstehen könnte, für Juden aus aller Welt. Noch zur Zarenzeit war die Krim ein Zentrum zionistischen Lebens gewesen. Hier wurden Aussiedler auf Palästina vorbereitet.
Während der NKWD im Sommer 1944 Hunderttausende Tataren, Griechen, Bulgaren und Armenier von der Krim vertrieb, trafen sich Michoels und Feffer mit Außenminister Molotow, um über einen jüdischen Staat zu sprechen. Gleichzeitig kamen Zehntausende Juden, die im Krieg geflohen waren, auf die Halbinsel zurück.
Stalin ließ Michoels und Feffer fallen, sobald die Generalversammlung der UN im November 1947 beschlossen hatte, den Staat Israel zu gründen. Wenige Monate später wurde Michoels ermordet. Feffer landete im Lager – wie auch die Ehefrau des Ministers Molotow, eine Jüdin.
Die meisten Vertriebenen durften erst nach 1991 auf die Krim zurückkehren. / Tim Neshitow, Süddeutsche Zeitung 20.10.
Itzik Feffer (auch Izik Fefer, jiddisch איציק פֿעפֿער, russisch Ицик Фефер, Исаак Соломонович Фефер; * 1900 in Schpola, Ukraine; † 12. August 1952 in Moskau) war ein sowjetischer jiddischer Dichter. Er wurde nach einem Schauprozeß gegen das Jüdische Antifaschistische Komitee in der „Nacht der ermordeten Dichter“ vom 12. zum 13. August 1952 ermordet.
Veröffentlicht am 21. Oktober 2014 von lyrikzeitung
BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE
To celebrate my 75th year, I’ve published a new book of poems, and many of them are about the way in which we come together to help each other through the world. Here’s just one:
Two
On a parking lot staircase
I met two fine-looking men
descending, both in slacks
and dress shirts, neckties
much alike, one of the men
in his sixties, the other
a good twenty years older,
unsteady on his polished shoes,
a son and his father, I knew
from their looks, the son with his
right hand on the handrail,
the father, left hand on the left,
and in the middle they were
holding hands, and when I neared,
they opened the simple gate
of their interwoven fingers
to let me pass, then reached out
for each other and continued on.
American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©2012 by Ted Kooser from his most recent book of poems, Splitting an Order, Copper Canyon Press, 2014. Poem reprinted by permission of Ted Kooser and the publisher. Introduction copyright © 2014 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.
Veröffentlicht am 20. Oktober 2014 von lyrikzeitung
SteglitzMind sprach mit dem Verleger Andreas Heidtmann (Poetenladen) u.a. über Independent-Verlage:
Welche besonderen Risiken verorten Sie für Ihren Verlag?
Es bedarf einer guten Kondition, um einen Independent Verlag zu führen. Wie lange hält man das durch, Wochenendarbeit und Messen eingeschlossen? 10 Jahre, 20 Jahre, 30 Jahre? Übernimmt jemand den Stab?
Was schätzen Sie an der Independent-Szene besonders?
Die gute Literatur. Die meisten Independents machen Dinge, von denen sie überzeugt sind. Bei den Großen gibt am Ende oft der Geschäftsführer (und nicht der Lektor) die Richtung an.
Veröffentlicht am 20. Oktober 2014 von lyrikzeitung
Der vom Literaturbüro vergebene Lyrikpreis München zeichnet sich durch sanfte Gründlichkeit aus, wenn über das Jahr verteilt gleich zwei Vorrunden stattfinden, bei denen ebenfalls klug besetzte Jurys öffentlich über die vorgetragenen Gedichte nachdenken. Beim Finale im Kulturzentrum Gasteig gastierten jetzt Dichter, die in den letzten Jahren in der Szene für Aufmerksamkeit gesorgt haben. Da war etwa der rigorose Stilpluralist Konstantin Ames, bei dessen Versen die Jury haderte, ob es sich nun um „sprachanarchische Heimatgedichte“ oder doch schon um „Post-Poetisches“ handele, was auch immer letzteres sein sollte. Da war der höchstens scheinbare „Naturlyriker“ Sebastian Unger, der im Gleiten und Verhaken seiner Beschreibungen Bedeutungswelten gleichermaßen andeutete und verbarg. Und da war der Renaissance-Spezialist Tobias Roth, der in künstlich präparierten Traditionsreferenzen ein durchaus zeitgenössisches Wachsfiguren-Arkadien erschuf: „Ich schicke dir eine Gondel, der / Rauch über der Bastille ist noch nicht hier.“
Für die schließlich prämierten Gedichte des in der „Lyrikedition 2000“ veröffentlichenden Markus Hallinger fand die Jury die Formel, dass sie „die größte Bereitschaft zum nicht abgesicherten poetischen Sprechen“ entwickelten. Diese Kategorie ließe sich erörtern. Und Hallingers beim ersten Hören unvermittelt bis genügsam wirkende Sprachreflexionen selbstredend auch: „Ich stand, ein Hase, erstaunt, das Fell abgezogen, / über Nase und Ohren, / geschält wie die Sprache.“ Mit dem Basler Professor Wolfram Fues gab es allein einen Juror, der unter Anrufung offenbar unhintergehbaren Germanistenwissens absurd autoritäre Verdikte zu fällen pflegte: „Ist-Sätze sind in der Lyrik immer gefährlich!“ Der Rest war des Diskutierens würdig und wurde das auch.
FLORIAN KESSLER, Süddeutsche Zeitung 20.10.
Veröffentlicht am 19. Oktober 2014 von lyrikzeitung
Beim Finale zum Lyrikpreis München 2014 lasen am 18.10. um 19 Uhr im Vortragssaal der Bibliothek des Gasteig:
Die Jury entschied wie folgt:
Gewonnen hat Markus Hallinger.
Den zweiten Preis teilen sich Konstantin Ames und Kathrin Bach.
Die Jury:
Veröffentlicht am 19. Oktober 2014 von lyrikzeitung
ob Utopie oder Apokalypse – rückkehrend aus der Zukunft kommen wir nach und nach in der Gegenwart an
Hansjürgen Bulkowski
Veröffentlicht am 18. Oktober 2014 von lyrikzeitung
BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE
Here’s a lovely poem for this lovely month, by Robert Haight, who lives in Michigan.
Early October Snow
It will not stay.
But this morning we wake to pale muslin
stretched across the grass.
The pumpkins, still in the fields, are planets
shrouded by clouds.
The Weber wears a dunce cap
and sits in the corner by the garage
where asters wrap scarves
around their necks to warm their blooms.
The leaves, still soldered to their branches
by a frozen drop of dew, splash
apple and pear paint along the roadsides.
It seems we have glanced out a window
into the near future, mid-December, say,
the black and white photo of winter
carefully laid over the present autumn,
like a morning we pause at the mirror
inspecting the single strand of hair
that overnight has turned to snow.
American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©2013 by Robert Haight from his most recent book of poems, Feeding Wild Birds, Mayapple Press, 2013. (Lines two and six are variations of lines by Herb Scott and John Woods.) Poem reprinted by permission of Robert Haight and the publisher. Introduction copyright © 2014 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.
Veröffentlicht am 18. Oktober 2014 von lyrikzeitung
Der GWK-Literaturpreis 2014 geht zu gleichen Teilen an den Lyriker Georg Leß und die Romanautorin Susan Kreller. Die renommierte Auszeichnung für herausragende junge Schriftsteller aus Westfalen-Lippe ist 2014 mit 3.000 Euro pro Preisträger und der Aufnahme in ein Förderprogramm der GWK dotiert. Susan Kreller wurde 1977 in Plauen geboren und lebt als freie Autorin in Bielefeld. Georg Leß, der heute in Berlin lebt, wurde 1981 in Arnsberg geboren. In seinen Gedichten thematisiert der Lyriker die Bedrohung und das Zerbechen der personalen Existenz und des Verstehens sowie die Mechanismen, beides aufzubauen und aufrecht zu erhalten. Worüber er spricht, mache er, so die Jury mit Dr. Pia-Elisabeth Leuschner vom Lyrikkabinett in München, der Luxbooks-Verlegerin Annette Kühn aus Wiesbaden und dem Hochschullehrer Dr. Jürgen Gunia von der Universität Münster, zugleich intensiv spürbar in so konzentrierten wie offenen, so originellen wie suggestiven und nachhaltigen Bildern, in unverwechselbar eindringlichem Ton und schmerzlichen Brüchen in Bildfolge und Satzbau. Susan Kreller wird für einen Auszug aus ihrem Romanmanuskript „Pirasol“ ausgezeichnet. Mit stiller Ironie und behutsamem Pathos erzählt sie die Geschichte einer 81-jährigen ‚Halbjüdin‘, die sich ihr Leben lang in ihr Schicksal ergeben hat, nun aber, im Jahr 2011, dabei ist, gegen ihre Mitmenschen aufzubegehren. In kluger und spannender Szenenführung, in atmosphärisch verdichteter, ganz eigenwilliger Sprache, in Bildern, die Psychisches körperlich und dinglich werden lassen, entstehe, so die Jury, eine eigenwillige Romanwelt, die durch ein scheinbar unscheinbares Leben die großen Themen der Existenz neu und berührend erzähle und erlebbar mache: Tod, Gewalt, Genozid, die Gottverlassenheit und den alltäglichen Verrat, die Suche nach Aufgehobensein, dem Trost der Kunst, den Versuch der Rebellion. Die beiden Literaturpreisträger werden zusammen mit den GWK-Preisträgern für Kunst und Musik am 30. November 2014 in Bielefeld ausgezeichnet.
Veröffentlicht am 18. Oktober 2014 von lyrikzeitung
Am 7.10. starb in Rom der Schauspieler und Schriftsteller Federico Boido (aus Italowestern als Rick Boyd bekannt) im Alter von 74 Jahren. Er war auch Drehbuchautor, Film- und Theaterregisseur sowie Straßenmaler in Rom und veröffentlichte Gedichtbände und einen Roman. Mehr
Veröffentlicht am 18. Oktober 2014 von lyrikzeitung
Von brennender Aktualität erscheinen mir diese Sätze Volker Brauns. Er schrieb sie 1993, die ersten Sätze verweisen auf die frühen 90er Jahre – aber 2014 sind sie aktueller denn je. Deutschland, nicht nur das offizielle, das auch, sondern die vielen Leute in ihren vielen Nischen denken nicht gern an Afrika, Syrien oder die Ukraine.
Deutschland denkt jetzt an sich, und das ist eine beschränkte Beschäftigung. Von außen gesehen, von Frankreich her, eine Art Verblödung, aber sie wird hier nicht empfunden. Warnungen wie der Appel ‚a la vigilance , der auf die „zunehmende Konfusion im intellektuellen Leben Frankreichs“, und nicht nur Frankreichs, hinweist, werden hier unter den Teppich gekehrt. Die Wachsamkeit, für Umberto Eco „ganz einfach die Denkarbeit“, wird gering geachtet; einer der Gründe ist „der frühere Dogmatismus der alten Linken. Es gab eine Zeit, da waren alle, die anders dachten als wir, Faschisten. Als Reaktion auf diese früheren Exzesse neigt man heute dazu, jedem die Hand zu geben und nicht mehr zu unterscheiden, wo die Feinde und der Ort der Vereinnahmung sind“ (Gespräch mit Roger-Pol Droit).
Volker Braun: Das Hakenkreuz in der Wange. In: Ders., Wir befinden uns soweit wohl. Wir sind erst einmal am Ende. Äußerungen. edition suhrkamp, 1998, S. 97.
Veröffentlicht am 18. Oktober 2014 von lyrikzeitung
In einer grandiosen Schlussrunde erinnert Achleitner an den „großen Ernst“ und die „ungeheure Brillanz und Genauigkeit“ in den Arbeiten des Dandys Konrad Bayer, und endlich kommen auch die Frauen zu Wort, denen er im Wien von damals als „Exterrestrischer“ erschien – Ingrid Wiener: „Wir sind nur auf Friedhöfe gegangen. Und er hat immer geredet, aber ich kann mich leider nicht erinnern, es war sicher etwas Philosophisches.“ / Daniela Strigl, Süddeutsche Zeitung 10.10.
Veröffentlicht am 18. Oktober 2014 von lyrikzeitung
Eine Freundin schreibt mir:
Hallo Michael, wenn ich Deine GESTORBEN-Meldungen lesen, krieg ich jedesmal einen Schreck, für einen Blitzmoment lese ich da meinen eigenen Namen und denke gleichzeitig, wie oft wirst Du das noch lesen, bis andere es lesen, diesmal bist du gemeint. Dieses „Gestorben“ kann einen ziemlich vergruseln (und ist deshalb schnell wegzuklicken, zu löschen), hat auch etwas Serielles, vielleicht wäre es doch besser, als gewissermaßen Ehreerweis für den Verstorbenen, stets neu eine andere Formulierung zu finden. Nur so 1 Gedanke.
Der Gedanke ist mir nicht fremd, obwohl mich die Überschrift ihrer Mail etwas kränkte. Gestorben für wen? stand da und ich halte es für ein bißchen ungerecht, weil ich ja gerade versuche, auch Informationen und Namen zu bewahren, die nicht in die Kurznachrichten der Zeitungen finden. Außerdem ist sie jünger als ich und wenn es nach der Ordnung geht, wird sie ihren Tod nicht im Lyrikblättchen lesen. Vielleicht erweist ja sie mir den Dienst und schreibt dann eine letzte Meldung: „Gestorben. Der Gründer dieses Blattes vom digitalen Zeitungsbaum ist vorgestern leider im Alter von 98 Jahren gestorben.“ Aber das ist noch eine Weile hin.
Nein, der Gedanke ist mir nicht fremd. Manchmal schreibe ich den Namen dazu, oder setze ein †. Beim Tod des polnischen Sängers Czesław Niemen rettete ich mich ins Polnische und schrieb: Niemen nie żyje. Aber wenn ich zum Beispiel das nehme, wird es auch schnell eine Rubrik. Gestorben wird immer. Gestorben, verdorben, dichten die Dichter, und Frau Marthe Schwertlein möcht ihren Mann auch tot im Wochenblättchen lesen. Was meinen die Leser meiner Nachrichten dazu? Irgendein Vorschlag?
(Während ich das schreibe, weiß ich, daß drei Todesnachrichten seit Tagen im Portfolio warten. Ich hatte diese Woche wenig Zeit. Und jetzt bloß nicht die Recherchemaschine anwerfen, damit die Nachricht kein Großraumgrab wird.)
Veröffentlicht am 18. Oktober 2014 von lyrikzeitung
Dichtkunst, sie ist schlicht (über-)lebensnotwendig, heißt es da von [Peter] Hub, der gerade mit dem Sprachbewahrerpreis 2014 gewürdigt worden ist. Schließlich hatte die Poesie ursprünglich mal den Sinn, das andere Geschlecht rumzukriegen. Was Wunder, dass Hubs Einsatz für die Lyrik vor allem bei der Jugend gut ankommt. / Mainpost
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