Preis der Leipziger Buchmesse für Lyrikband

LBM_Logo_2015_4CDie Gewinner des Preises der Leipziger Buchmesse 2015: Jan Wagner, Philipp Ther und Mirjam Pressler – Die Jury des Preises der Leipziger Buchmesse unter der Leitung von Hubert Winkels hat entschieden: Jan Wagner, Philipp Ther und Mirjam Pressler lauten die Preisträger 2015 in den Kategorien Belletristik, Sachbuch/Essayistik und Übersetzung. Insgesamt 115 Verlage hatten 405 Werke in den Wettbewerb 2015 geschickt.

Die Jury 2015

  • Hubert Winkels (DIE ZEIT / Deutschlandfunk)
  • René Aguigah (Deutschlandradio Kultur)
  • Dirk Knipphals (taz)
  • Sandra Kegel (FAZ)
  • Meike Feßmann (Freie Literaturkritikerin)
  • Lothar Müller (Süddeutsche Zeitung)
  • Daniela Strigl (Freie Literaturkritikerin)

 

Levure littéraire 11 devoted to music and literature

DEAR WRITERS, ARTISTS AND FRIENDS, YOUR ATTENTION PLEASE!
Levure littéraire is looking for your ideas as to its next number in spring 2015. Levure littéraire will be composed around the wonderful union between music and literature, ear and eye, the sounds and letters. Levure littéraire 11 will be devoted to music and literature, and vice-versa: from poetry of song, via rhythm to voice, musicality and melody…musicians, artists, writers, photographs, journalists and psychoanalysts will celebrate the captivating relationship between the musicians and other creators of Art. Your contributions to this subject (texts in original (and also in translation) format word, photos as jpg, pdf, mp3, video, etc.) are very welcome.
The address of our electronic magazine:levurelitteraire@aol.com
Deadline: 30. 04. 2015

Die Nachteile des Erfolgs

(…) „Da hat es innerhalb der Lyrikszene schon ein bisschen Diskussion drüber gegeben“, fasst Seel die Reaktionen auf Wagners Nominierung betont nüchtern zusammen. Kern der Diskussion: Wenn Lyrik ausnahmsweise einmal wahrgenommen werde, wieso dann ausgerechnet ein so konventioneller Autor wie Jan Wagner?

Inwiefern Wagner konventionell schreibt, darüber lässt sich streiten. Tatsache ist, dass die Gedichte in „Regentonnenvariationen“ Titel tragen wie „torf“, „ein pferd“ oder „versuch über seife“, und dass sie sehr kunstvoll mit traditionellen Formen spielen. Einige behaupten allerdings, es fehle dieser Gegenwartslyrik an Gegenwart.

Der Lyriker Björn Kuhligk, der in den nuller Jahren zusammen mit Jan Wagner Anthologien zur Gegenwartslyrik herausgegeben hat, erklärt sich die Debatte um die Nominierung folgendermaßen: „Die Lyrikszene ist klein und da gibt es mitunter ein Verhalten, das an Kaninchenzüchtervereine erinnert. Wenn das eine Kaninchen den Preis gewonnen hat, dann beschweren sich alle anderen.“ Nun hat Wagner noch nichts gewonnen, aber auch seine Nominierung findet Kuhligk schon ein „tolles Zeichen“.

Schließlich gehe es darum, einem größeren Publikum zu zeigen, dass Lyrik hergestellt werde und gleich viel wert sei wie ein Roman. Kuhligk, der im Brotberuf als Buchhändler arbeitet, kann mit dem Konservatismusvorwurf gegen Wagner wenig anfangen. Es sei nur logisch, dass man bei einem so großen Preis wie dem Leipziger Buchpreis einen Lyriker auswähle, dessen Gedichte verständlicher seien als die eines experimentell arbeitenden Autors.

Dass Wagners Nominierung „markttechnisch klug“ sei, findet auch die Lyrikerin Sabine Scho. Gut findet sie die Wahl deshalb allerdings nicht. „Wenn man sagt, man will eine Signalwirkung für das, was Lyrik heutzutage macht, dann hätte man jemand ganz anderen nominieren müssen“, meint Scho. Wagner behandle „sehr restaurative Themen“, erklärt sie ihren Unmut und hält kurz inne – „also sozusagen: drei Esel auf Sizilien“. Ziemlich spöttisch klingt das, persönlich will sie es aber nicht verstanden wissen. Wagner sei eben „auch nur Statthalter für jemanden, auf den man sich ständig einigen kann“.

Was sie wirklich störe, sei, dass man mit der Nominierung Wagners die Lyrik in eine altbekannte Ecke schiebe, sie zuständig mache „für das Ergriffensein angesichts der Natur, für das Erste und Letzte und dann auch immer in einem innehaltenden Ton“.

In diesem Punkt ist sich Daniela Seel mit „ihrer“ Autorin – denn Sabine Scho ist bei kookbooks verlegt – einig. Wer Lyrik als etwas Schöngeistiges verstehe, verkenne, wie sehr Gedichte die Wahrnehmung von Sprache schärfen könnten. Das sei etwas unmittelbar Politisches. „Aber das wird nicht mitvermittelt, wenn Gedichte als eine Wohlfühlkategorie gesehen werden, wo ich etwas Schönes über Seife lese“, findet Seel.

Nichtsdestotrotz, betont sie, sei Jan Wagner ein sehr guter Dichter, der die Anerkennung durchaus verdiene. Nur eben „nicht in so einem überragenden Maße mehr als andere, die sperrigere und experimentellere Formen machen“. Letzten Endes sei es ein „Problem der Repräsentation“; wenn nur ein Lyrikband ausgewählt werde, könne der naturgemäß nicht für alle anderen stehen.

Worauf sowohl Scho als auch Seel hinweisen, ist, dass in den letzten Jahren eine sehr vielfältige Lyrikszene entstanden sei, von der eine breitere Öffentlichkeit aber nach wie vor wenig Notiz nehme. Ein Protagonist dieser neuen Vielfalt ist Max Czollek.

Er ist Gründungsmitglied des Lyrikkollektivs „G13“ und Mitorganisator von „babelsprech“, einem Projekt zur Vernetzung junger deutschsprachiger Lyrik. Kollaborieren und sich ein eigenes Publikum generieren, das ist Czolleks Ansatz. Er gönne Jan Wagner den Erfolg, erklärt er, trotzdem lese er die Nominierung vor allem als eine „symbolische Aktion“.

Max Czollek ist Jahrgang 1987, Wagner, Kuhligk, Scho und Seel sind alle in den Siebzigern geboren. Vielleicht liegt es an seiner Zugehörigkeit zu einer anderen Generation, dass Czollek als Einziger auch Kritik an der Lyrikproduktion selbst anführt.

Wagners Schreiben habe eben eine Bedeutungsebene. Wenn er von einigen als konventioneller Lyriker angesehen werde, habe das auch „viel mit der Misere gegenwärtiger Lyrik zu tun“, die sich dieser inhaltlichen Ebene verweigere. „Das ist ein bisschen wie die Melodie in der Musik, wenn du keine Melodie mehr hast, hast du moderne, super-avancierte Musik, aber kein Mensch kann es hören, der nicht schon weiß, wie man dem zuhören soll“, findet Czollek. Eine bestimmte Form von Publikumsorientierung spiele in der gegenwärtigen Lyrik mitunter betont keine Rolle.

Ist die vermeintlich mangelnde Orientierung am Publikum nun Ursache oder Folge der geringen Wahrnehmung von Lyrik? Scho, Seel und Czollek weisen auf jeden Fall alle darauf hin, dass die großen Verlage sich im Grunde kaum für Lyrik interessierten. Kuhligk setzt noch grundlegender an: Gedichte lesen habe eben mit Aufmerksamkeit zu tun, mit Arbeit. „Das ist eine schöne Anstrengung“, findet er, „aber das wollen viele nicht.“

So unterschiedlich die Erklärungen für die geringe Wahrnehmung des Genres ausfallen, in einem stimmen alle, mit denen man im Frühjahr 2015 über den Stand der Gegenwartslyrik spricht, überein: Die Marktferne sei gleichzeitig auch mit einer enormen künstlerischen Freiheit verbunden. „Die Lyrik ist von allen Formaten, die es in der Literatur gibt, glaube ich, immer am weitesten, weil es damit am wenigsten Geld zu verdienen gibt“, meint Kuhligk.

Dass diese Freiheit mit größerem kommerziellem Erfolg eingeschränkt würde, darüber herrscht ebenso Konsens. Aber, so Seel, selbst wenn sich die Wahrnehmung verzehnfachen würde, wäre sie immer noch extrem gering. Scho wiederum kann, gefragt nach den negativen Folgen, die eine steigende Aufmerksamkeit haben könnte, nur lachen: „So hat es ja auch Nachteile. Ich würde gerne mal neue Nachteile haben. Die Nachteile des Erfolgs würde ich auch ganz gerne mal erleben.“ Jan Wagner kann das vielleicht schon Donnerstagnachmittag. / Luise Checchin, taz 11.3.

Karl Krolow: Alltägliche Gedichte (1968)

Karl Krolow wurde heute vor hundert Jahren, am 11. März 1915, geboren. An seine „ästhetische Botschaft“, die er uns in seinen Alltäglichen Gedichten hinterließ, erinnert Alexandru Bulucz auf Faustkultur. Zitat:

Die erste Zeile der Alltäglichen Gedichte lautet: „Zeit: etwas“. Die Einsicht, dass die Zeit nicht nichts ist, sondern etwas, impliziert eine Differenz: die der eigenen Gegenwart zu allem, was war, und zu dem, der man selbst einmal war: „Die wechselnden Ansichten / dessen, was war“ („Älter werden“). Diese Krolowsche Differenz meint Bedenkzeit, keine chronometrische, meint Schattenzeit: „Die Uhr / hat ein Gefühl für Schatten“, heißt es im „Stundengedicht“. Einige Zeilen früher wird von der „Zeit“ gesprochen, „in der die Zeit sich ändert“ und in der sie verändert: Da würgt jemand an seinen Verfehlungen, der um die Last, die er sich selber aufgebürdet hat, weiß: „Ich weiß nicht, / was du von mir willst / ohne Schatten.“ („Ohne Schatten“) /

 

Lust auf Lyrik

Denis Scheck im Gespräch mit dem MDR:

Sie sagten uns mal, hin und wieder seien Sie die schablonenhafte Sprache der Medien so leid, dass Sie eine unbändige Lust auf Lyrik überkomme: So wie Bären sich nach dem Aufwachen aus dem Winterschlaf auf Bärlauch stürzten, sehnten Sie sich nach Poesie. Haben Sie einen aktuellen Tipp für Leute, denen es ähnlich geht? Wir freuen uns auch über einen Vers als Anregung!

Ich versuche mich gerade an der Übersetzung eines schönen Gedichts von Catull, Carmen 7, und bemühe mich herauszufinden, ob das in Vers vier angesprochene Sylphium, jenes nur an der kyrenäischen Küste wachsende Universalwürzkrauts der Antike, wirklich ausgestorben ist. So etwas macht mindestens so viel Spaß, wie den Meeresgrund nach versunkenen spanischen Galeonen abzusuchen:

Quaeris, quot mihi basiationes
tuae, Lesbia, sint satis superque.
quam magnus numerus Libyssae harenae
laserpiciferis iacet Cyrenis,
oraclum Iovis inter aestuosi
et Batti veteris sacrum sepulcrum.

(Und hier freundlicherweise die Übersetzung für uns Nachgeborene: Du sagst, wie viele Küsse / von dir, Lesbia, mir genug und und mehr als genug sind. / So groß die Zahl des libyschen Sandes / Im Lasarpicium tragenden Kyrene / Zwischen dem Orakel des von Hitze geplagten Jupiter / und dem heiligen Grab des alten Battus. „laserpiciferis“ entspr. der Arzneipflanze Sylphion)

Nun ist mit Jan Wagner erstmals ein Dichter für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert. Eine gute Wahl?

Die beste. Jan Wagner schreibt wunderbare Gedichte über so gegensätzliche Themen wie den Giersch im Garten oder Koalabären, außerdem besitzt er perfekte Umgangsformen und nutzt sein Dichtertum nicht als Ausrede für schlechtes Benehmen und mangelnde Körperhygiene. Was kann man von einem Lyriker mehr erwarten?

Mit Lyrik eine Botschaft formulieren

UNESCO-Welttag der Poesie feiert Kulturgut Sprache

Zum Welttag der Poesie am 21. März erinnert die Deutsche UNESCO-Kommission an die Bedeutung und Vielfalt des Kulturguts Sprache. Der von der UNESCO ins Leben gerufene Tag soll Verlage und Medien ermutigen, poetische Werke besonders von jungen Dichtern zu unterstützen. Der Welttag erinnert an die Bedeutung mündlicher Traditionen und fördert den kulturellen Austausch zwischen den Völkern. Seit 2000 wird der Welttag der Poesie, der auf eine Initiative Marokkos zurückgeht, jedes Jahr gefeiert.

„Die Kunst der Poesie ist für das kulturelle und gesellschaftliche Leben unverzichtbar. Die poetische Vielfalt reicht heute von der klassischen Buch-Lyrik bis zum modernen Twitter-Gedicht im Internet. Unser Alltag wird mehr denn je von kurzen Texten und verdichteten Inhalten geprägt. Die Poesie ist damit überraschenderweise vielleicht die aktuellste Form, eine persönliche Botschaft zu formulieren“, sagt Dr. Verena Metze-Mangold, Präsidentin der Deutschen UNESCO-Kommission.

Die zentrale Veranstaltung in Deutschland richtet die Literaturwerkstatt am 20. März in Kooperation mit der Stiftung Brandenburger Tor und weiteren Partnern unter Schirmherrschaft der Deutschen UNESCO-Kommission in Berlin aus. Dichterinnen und Dichter aus fünf Ländern präsentieren am Vorabend zum Welttag der Poesie ihre Werke: Es lesen der spanische Künstler Enrique Falcón, dessen Gedicht „Der Marsch der 150 Millionen“ für Furore gesorgt hat, die amerikanische Autorin Ellen Hinsey, die über familiäre Traumata schreibt; Afrizal Malna, der zur neuen Dichtergeneration Indonesiens zählt; die russische Lyrikerin Anzhelina Polonskaya, die an die große Erzähltradition ihres Landes anknüpft und der deutsche Lyriker Jan Wagner, der als erster Dichter für den Preis der Leipziger Buchmesse 2015 nominiert ist.

Das Grußwort hält die Präsidentin der Deutschen UNESCO-Kommission Dr. Verena Metze-Mangold. Es moderiert der Journalist Knut Elstermann.
Weitere Partner sind die Akademie Schloss Solitude, das Berliner Künstlerprogramm des DAAD und das Instituto Cervantes.

  1. März 2015, Beginn 20:00 Uhr
    Welttag der Poesie
    Stiftung Brandenburger Tor
    Max Liebermann Haus, Pariser Platz 7, Berlin
    Moderation: Knut Elstermann (Journalist, Berlin)
    Eintritt frei

Die Platzanzahl ist begrenzt. Anmeldung erforderlich vor dem
16. März unter info@stiftungbrandenburgertor.de

Weitere Informationen:
www.unesco.de/welttag_poesie.html

Neu bei Engeler

Elke Erb: SonnenklarDie neue Sammlung von Texten umfasst zum einen die Jahre 2013 und 2014, andererseits „geholte“ Texte von 1968 bis 2012 sowie Reiseaufzeichnungen: „Durchgehendes Bildmotiv die Zweibeiner-Mädchen, Mantelrand unterm Hintern. Noch 12 Minuten Fahrt. Bln-Adlershof, nun schon „unsere Menschen draußen im Lande“ (Funktionärsfloskel). Unendlicher Schrebergarten, Menschen-Kaninchen-Idyll; auch, Mehring, ach, Bismarck, Altglienecke, wer war je Christ, Nä, so doch nicht … so funktioniert es nicht … Grünbergallee … es geht nur mit einem kleinen Ruck im Gehirn; dann ist man einen Augenblick mehr-geht-nicht-zufrieden. Die lassen die Leute hier eine Stunde fahren ohne ein einziges Pißklo.“

96 Seiten, Euro 9,-/ sFr. 10.- (roughbook 032)

* * *
„Was ist, das war, was wird.
Wer das kapiert, funktioniert nicht mehr so, wie die wollen.“
Ferdinand Schmatz. Durchleuchtung. Haymon Verlag, Innsbruck-Wien 2007
Das ist eine Weisheit, die den diesbezüglich gängigen Typ überholt.
Oder? (Wenn nicht, bitte berichtigen: elke.erb@pc66.de)
//

Mütze #9. Es wird Frühling mit neuen Texten von Birgit KempkerChristian FilipsClaudia GablerSam RiviereRahul Soni und Niels Röller, erhältlich hier: http://muetze.me/muetze-bestellen.htm

Jean Krier

Als Luxemburger ist er von Geburt (1949) an zweisprachig. So fließen in seine auf Deutsch geschriebenen Gedichte immer wieder kleine, im Dienste des Rhythmus und des Esprit des Verses stehende französische Satzfetzen ein.

Zu Kriers Lyrik gehört seine doppelte Muttersprache. In ihr kann er alle Schmerzen seiner existenziellen Grenzgänge ausdrücken. Leser seiner Gedichte folgen ohne Schwierigkeiten dieser luxemburger Variante deutsch-französisch-sprachiger Literatur: „Und schlag mir das aus dem Kopf, herzhaft, stimmlos: / letzte Worte, die bleiben stecken im Hals – allez, on verra.“

Der Leser versteht den Gesang von der Endlichkeit, der Vergeblichkeit, auch der politischen Fragwürdigkeit der Existenz, wenn er im Gedicht „St. Peter im Schwarzwald“ liest: „… ich bin so froh in Deutsch / Land zu sein – erst gehängt, dann verbrannt.“ / Saarbrücker Zeitung

Jean Krier: Eingriff, sternklar. Gedichte aus dem Nachlass, hrsg. von Michael Braun. Poetenladen Verlag, 88 S., 17,80 Euro.

Kein neumodischer Kram

Diesen Mann umgibt etwas Magisches. Anders lässt sich das, was sich gestern im Foyer der Rheinschule ereignete, nicht erklären. Rund 160 Kinder saßen dort auf ihren Stühlen. Und lauschten gebannt. Nur mit einem Stuhl und seiner Gitarre „Frieda“ stand Oliver Steller vor seinem Publikum auf der kleinen Bühne und vollbrachte gar Zauberhaftes. Mit Liedern und Gedichten brachte er die Grundschüler zum Jubeln. Und das, indem er sie nicht mit neu-modischem Kram überreizte, sondern Alt-Bekanntes darbot: Theodor Fontanes Ballade „Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“ von 1889 zum Beispiel, oder „Der Fisch Fasch“ von Bertolt Brecht.

Wenn Kinder über den alten Ribbeck lachen – | WAZ.de – Lesen Sie mehr auf:
http://www.derwesten.de/staedte/emmerich/wenn-kinder-ueber-den-alten-ribbeck-lachen-aimp-id10443941.html#plx806569461

THEO – Berlin-Brandenburgischer Preis für Junge Literatur

Die Longlist des „THEO – Berlin-Brandenburgischer Preis für Junge Literatur“ 2015 steht fest: Aus den rund 460 Texten zum Thema „10 Sekunden“, die für den überregionalen Schreibwettbewerb eingereicht wurden, sind zwölf Einsendungen von Schülerinnen und Schüler aus Berlin, Brandenburg, Hamburg, Hessen und Nordrhein-Westfalen für den Literaturpreis nominiert.

(…)

Die Nominierten in der Kategorie Lyrik sind: Emily Dentler (14 Jahre) aus Bad Homburg, Joceline Ziegler (17 Jahre) aus Berlin und aus Neuruppin Danielle Schneider (18 Jahre).

Bei der Preisverleihung am Sonntag, den 19. April 2015 um 11 Uhr im Roten Rathaus in Berlin wird der „THEO – Berlin-Brandenburgischer Preis für Junge Literatur“ in der Kategorie Prosa in drei Altersstufen (10-12 Jahre, 13-15 Jahre und 16-18 Jahre) vergeben. Zusätzlich wird ein THEO in der Kategorie Lyrik und ein Junior-THEO verliehen. Die Nominierten lesen aus ihren Beiträgen, danach erfolgt die Preisvergabe der fünf THEOs. / Buchreport

Ausrücken mit Modellen

Ein Gespräch zwischen Kristian Kühn und Alexander Gumz auf Signaturen beginnt so:

KK: Die erste Frage, die ich habe, ist vom Titel deines letzten Bandes her dieses „ausrücken mit modellen“ – bezieht es sich unter anderem auch auf Lyrikideen oder inhaltliche Modelle, die da zum Ausdruck kommen sollen?
AG: Ja, der Titel gewählt, 
 Zyklen im engen Sinn. Bis vor kurzem habe ich eher selten Zyklisches geschrieben. In letzter Zeit hat sich das mit zwei, drei Projekten geändert. Als Selbstveränderungsmaßnahme, quasi (lacht).

KK: Aber sie haben alle irgendwie dann doch eine andere Stimmung. Der erste Eindruck beim Lesen war für mich das Hermetische, das schreibt ja auch Antje R. Strubel in ihrem Nachwort: Man wird mitgenommen, weiß aber nicht warum. An den Aussagen kann es eigentlich nicht liegen, aber trotzdem ist da was zwischen den Zeilen, was einen bewegt, man weiß nicht was, so eine Stimmungsführung, bist du da hermetisch geschult? Oder hat sich das so ergeben?
AG: Also „hermetisch“ ist erstmal so ein Schreckenswort, weil es heute meist negativ konnotiert verwendet wird. Wenn es aber heißen soll, was du eben gesagt hast: dass man als Leser_in erstmal in irgendeiner Form angesprochen, angeregt, bewegt wird, ohne gleich sagen zu können, wodurch genau, finde ich es eine angenehme Erläuterung dafür, wie Gedichte – und Kunst allgemein – arbeiten können. Und eigentlich möchte ich genau das erreichen: Texte schreiben, die sinnlich evident sind – so dass man nicht bloß mit dem Kopf gegen Wände rennt – ohne dass sie sich restlos aufschlüsseln. Und ideal wäre für mich, dass jeder Leser, jede Leserin etwas Eigenes damit anfangen kann. 

Faktencheck

Simone Kornappel hat sich die Mühe gemacht, die „schönsten“ Fragmente aus „SPIEGEL“-BESTSELLERLISTE SACHBUCH „Dieses Buch ist reiner Stuss“. Von Denis Scheck (Büchermarkt 3.3.) zusammenzustellen, auch ein Beitrag zum Thema Vielfalt und Schönheit der deutschen Gegenwartsliteratur:

Bestsellerliste // (…) bringen die zehn meistgelesenen Sachbücher der Deutschen luftige 3782 Gramm auf die Waage: zusammen 3589 Seiten. // ja hoch erfreut über die Vielfalt und Schönheit der deutschen Gegenwartsliteratur // das Niveau des populären Sachbuchs hierzulande durchaus beachtlich. // Bestsellerliste // Diesmal mit Büchern über Deutschland in der Gegenwart und Deutschland im Zweiten Weltkrieg, // aus der Feder von Granden der Historikerzunft // Titanen unter den deutschen Entertainern // Schriften von Redakteuren von „Bild“, „FAZ“ und „Bunte“ und Machwerken anderer Lappenclowns // Selten habe ich mit so großem Vergnügen (…) Bestsellerliste gelesen // Wir leben in einem tollen Land, wenn solche Bücher auf unseren Bestsellerlisten stehen. // Menschheitsideen, die den Westen zum Motor in der Weiterentwicklung von Werten und Maßstäben machten. // Dieses Werk ist ein Meilenstein! // mit einer schlagenden Fülle // (…) fordert, das Kapital an die demokratische Kette zu legen. Recht hat er. // Der Autor ist von Beruf „Bild“-Zeitungsredakteur, was ich verachte // ein unterhaltsames Büchlein gelungen, das lehrt, wie man Konversation betreibt, ohne an Skylla oder Charybdis des Smalltalks Schiffbruch zu erleiden //treffend zwischen den Polen „Klugscheißerei“ und „Moralscheißerei“ // Das Vermächtnis des brillanten Welterklärers // einer jener Deutschlandkenner gewesen, die 1944 im Auftrag des britischen Außenministeriums dieses Charakterbild der Deutschen für britische Soldaten schrieben. // eine wunderbare Meditation über den deutschen Nationalcharakter // mit den Mitteln des gesunden Menschenverstands allein nicht beizukommen // ein großer Künstler // unwürdiger Dreck // ein großer Entertainer // Deutschlandradio // Hilfe

 

Mariella Mehr

Als Kind wurde Mariella Mehr ihren jenischen Eltern weggenommen. Die Gewalt, die sie dabei erlitt, hat die Schriftstellerin in zahlreichen Büchern verarbeitet. Auch im Roman «Angeklagt», der nun als Hörbuch erschienen ist. Ein Gespräch mit der Filmerin Marianne Pletscher, der das Buch gewidmet ist.

Mariella Mehr schreibt an einem neuen Roman und ein italienisch-deutscher Gedichtband ist in Vorbereitung. / srf

Mariella Mehr in L&Poe https://lyrikzeitung.com/tag/mariella-mehr/

Eva Strittmatter

Eva versuchte ihrem Mann den Rücken freizuhalten, wenn er sich tagelang zum Schreiben zurückzog. Auf der anderen Seite hatte sie unter seinem cholerischen Verhalten zu leiden und erhielt nicht nur Anerkennung von ihrem Mann für ihre schriftstellerische Arbeit. Im Gegenteil: Wenn eine seiner Verehrerinnen etwas gegen die persönliche Darstellung von Erwin in Evas Werken auszusetzen hatte, dann wütete Erwin Strittmatter zu Hause, erinnerte sich die 80-Jährige.

Strittmatter berichtete im Film, dass sie sehr darunter litt, dass ihr Ehemann sie nie um Verzeihung bat und sie sich paradoxerweise für alles, was er ihr angetan hatte, bei ihm entschuldigte. Diese beschwerlichen Umstände ließ sie in ihre Werke mit großer Ehrlichkeit einfließen. / Lena Engel, Märkische Onlinezeitung

Safiye Can – Botschafterin zwischen den Welten

Von Dr. Thomas Liesemann, Hohe Landesschule Hanau

Safiye Can ist keine Unbekannte an der Hohen Landesschule.

Einem beachtenswerten Debüt 2011, bei dem die Autorin ihrer Zuhörerschaft auf überzeugende Art vorführte, dass sich Gedichte nicht reimen müssen, folgten Schreibwerkstätten, deren Erzeugnisse noch heute als Anschauungsmaterial für die Leistungen besonders Begabter präsentiert werden. Und dennoch ist es immer das Gleiche, wenn man eine Lesung von Lyrik ankündigt. Die Schülerinnen, von denen man sich erinnert, dass sie in der Klasse 9 mit Begeisterung Beispiele eigener Produkte abgegeben haben,  schauen unter sich. Ein paar junge Männer melden sich, einer oder zwei: Meinen sie vielleicht Rap-Texte? Sprechen zu einem Beat, Sprechen mit einer besonderen Betonung. Auf alle Fälle Sprechen und nicht stilles Lesen. Ja, hier hätte man einen Anknüpfungspunkt.

Lyrik soll nicht fremd vorkommen, sagt Safiye Can, und doch ist dies oft die erste Reaktion von Schülerinnen und Schülern, wenn sie nach ihren Erfahrungen im Lesen von Gedichten gefragt werden. Lesen sie vielleicht zu viel und sprechen sie zu wenig? Voreingenommenheit spielt wohl eine Rolle, aber auch persönliche Erlebnisse im Unterricht. / Mehr

„Wenn sie nicht zu uns kommen, gehen wir zu ihnen.“ Safiye Can

Schule bei L&Poe