Der Dichter Richard Blanco, Kind von Exilkubanern, der 2013 bei Präsident Obamas zweiter Amtseinführung als erster Einwanderer, Latino und offen Homosexueller bei einer Amtseinführungsfeier ein Gedicht vortrug, hofft, daß die Normalisierung der Beziehungen zu Kuba nicht nur Verbesserungen für US-Touristen bringt, sondern auch mehr Freiheiten für die Kubaner. / New York Times 2.8.
Cage was among the earliest of Gertrude Stein’s champions. I think of Stein (along with Hölderlin and Mallarmé) as the first Modernist—the one for whom parataxis became a regulating principle of poetics. The locus classicus is Tender Buttons (1914):
IN BETWEEN
In between a place and candy is a narrow foot-path that shows more mounting than anything, so much really that a calling meaning a bolster measured a whole thing with that. A virgin a whole virgin is judged made and so between curves and outlines and real seasons and more out glasses and a perfectly unprecedented arrangement between old ladies and mild colds there is no satin wood shining.
/ Gerald L. Bruns, from: An Archeology of Fragments. In: Humanities 2014, 3(4), 585-605; here
Gomringer inszeniert sich gern und gut: Mit bunten Klamotten, kräftigen Klunkern – und mit Gedichten! Sie komme aus der Hip-Hop-Kultur, sagt sie, und habe schon deshalb keine Hemmungen, ein Ich zu nutzen, sei es nun biografisch besetzt oder nicht. In ihren Lesungen spaltet sie sich in viele Personen auf, die alle «ich» sagen können: Da ist eine Person namens N. G. physisch anwesend, die von einer anderen Person namens N. G. erzählt, die wiederum von einer dritten Person gefragt wird: «Was macht ein Gedicht aus?» Die letzte Zeile des Gedichts lautet: «Nora Gomringer macht das Gedicht. Aus.»
Derart raffiniert-leichtfüssige Wendungen und die Brillanz ihrer Auftritte haben Gomringer den Vorwurf eingetragen, ihre Texte seien zu nett und lediglich Hilfsmittel für ihre Performances. Beides ist falsch. Die Texte sind auf Eigenständigkeit und Langlebigkeit hin angelegt, und sie sind weder gefällig noch durchweg leicht verständlich. Viele sind düster. Wer Gomringers Texten und ihren sonstigen Äusserungen genauer zuhört, spürt im Hintergrund Unruhe und Unglück. Sie kämpft um ein Bewusstsein ihres Alters – mit 35 ist man weder alt noch jung. Sie ist oft unzufrieden mit ihrem Körper, kennt Liebesleid, Einsamkeit, Verletzungen aller Art. Sie ringt um Ausdruck für ihre Empörung über Gesellschaft und Politik.
Was sie allerdings auszeichnet, ist ihr tiefes Vertrauen in die Sprache. Und die Selbstverständlichkeit, mit der sie Literatur und Kunst als natürlichen Teil des Lebens sieht. In einem ihrer Gedichte sagt sie:
«Ich mache das nicht zum Vergnügen
Das Auflösen in Sprache
Wie eine Tablette
Und vor ihr der Schmerz
(…)»
/ Felix Schneider, WOZ
Nora Gomringer tritt am 8. August 2015 in Winterthur im Park der Villa Jakobsbrunnen auf. www.lauschig.ch(link is external)
Nora Gomringer: «achduje». Verlag Der gesunde Menschenversand. Luzern 2015. 152 Seiten. 23 Franken.
Nora Gomringer: «Morbus». 25 Gedichte. Mit CD und Illustrationen von Reimar Limmer. Verlag Voland & Quist. Dresden und Leipzig 2015. 64 Seiten. 26 Franken.
In diesem Band verdichtet sich die Essenz eines turbulenten Denkens. Weigonis Poesie leidet nicht unter dieser Analyseschärfe, im Gegenteil. Dies hat der theoretisch bewandte Lyriker auch mit einem Essay untermauert. Weigonis Gedichte betreiben Sprech- und Sprachspiele, die aus den Klangähnlichkeiten und Bedeutungsunterschieden Funken schlagen, Selbst- und Mitlaute fließen dabei in stetem Wort- und Klangwandel mit. Er dringt vor zum innersten Kern allen Sprachempfindens. Diese Gedichte vibrieren, weil sie nahezu beliebig abrufbare Ausbuchtungen und Aufbauschungen ihrer Erzählinhalte ausschließen; sie beben vor Konzentration und imaginieren diesen Moment der innehaltenden Zeit als eine Erlösung, die nur um den Preis eines erfüllten, eines durchgestandenen Lebens zu haben ist. / openPR
»Schmauchspuren«, Gedichte von A.J. Weigoni, Edition Das Labor, Mülheim 2015 – Limitierte und handsignierte Ausgabe des Buches als Hardcover
Aus einem Nachruf auf Ulrich Zieger von Marcus Roloff, lyrikkritik.de:
Diese Zeit Mitte der Neunziger, alles war im Kommen, ich ein Zugezogener, rannte die LSD-Ecken ab, kam mit dem Schreiben voran, lag auf Matratzen in fremden zwischengemieteten Wohnungen, las auf dem Klo liegengelassene Berliner Illustrierte mit Anderson auf dem Cover, lungerte vor Galrev rum, trank was im Kiryl, erwartete Briefe, schrieb keine eigenen, traf Leute, die Lyriker waren, Tote wie Anemone Latzina oder Lebendige wie Kiev Stingl, war verdruckst, bis zum Anschlag verquatscht und beeindruckt, später die Wohnung in der Dunckerstraße mit J., meinem besten Freund, wir grasten die Gegend ab, hockten bis früh im Schliemann, im Torpedokäfer, in einem Ding namens Nox, Ecke Stargarder, diese Nächte, besonders im Sommer, zurück nachhause um vier, hellwach vorbei an den rauschenden Pappeln hinter der Wichertstraße, in der Ulrich Zieger wohnte, den wir des Öfteren trafen, nachts, frühestens ab zwei Uhr morgens erschien er, immer allein, trat wie nach irgendwelchen ausgedehnten Spaziergängen aus der Nacht in das dunkle Licht der Lokale, ich hatte Angst vor seinem Blick, denn der bohrte sich rein und hielt dort stand und fragte und wollte wissen, was es bedeute, das ich redete, und ich redete was, so ein aufgescheuchtes in die Gegend Reden war das, aus Furcht, mit Nichtreden alles noch unerträglicher zu machen, denn das war es, unerträglich, dazusitzen beim Bier und nichts (nichts, nichts) zu haben als ein Gelaber, am besten konnte ich das beim Thema Lektüren, deren eine Rimbaud war, die Seherbriefe, die Saison in der Hölle, das Verstummen, er sah mich mit hochgezogener Braue an und schwieg, in der Rückschau verschwimmen die Eindrücke, mein Bild von ihm überlagerte sich für einen Augenblick mit dem von Rimbaud, dem, der in Somalia mit Waffen handelt und Expeditionen ausrüstet und keine Lust mehr auf ausgedachte Lyrik hat.
(…) Junges Deutschland, ihr zweites Poesiebuch (neben einiger flamboyanter Prosa), bietet ein mit den verschiedenen Mitteln der Metonymie erzeugtes Ausbrechen aus vage politisierter Befindlichkeitsschilderung, die die Alltagslyrikgruppen der Endsiebziger kanonisiert hatten. In die mediale Legendenwelt von heroischen Performance-Auftritten (Kling, Götz), die gegen ein einfältiges Verständnis der Dichtung gerichtet waren, gehört auch eine Buchmessenlesung von Renate Rasp mit freiem Oberkörper. Von den Literaturhistorikern wurde ihr Akt, der vielleicht erst seit Femen lesbar ist, als fade PR abgetan – es ist aber genau dieser verschrobene Mut, der mir Renate Rasps Poesie so unvergesslich macht. In einem ihrer letzten zu Lebzeiten publizierten Gedichte wütet und keift sie gegen das Sterben: „Hand greift/ aus Mülltonne./ Müssen jetzt die Männer nicht/ Eis an sie legen./ Hand jetzt Arm/ und Gesicht/ neben ihm./ Es ist doch ein kleines Mädchen./ Muss es nicht Spiel herausarbeiten./ Weiße Hand/ aber über/ dem Spiel./ Lass es weggehen./ Das Spiel kommt wieder.“ Renate Rasp ist am 21. Juli in München im Alter von 80 Jahren gestorben. / Konstantin Ames, FAZ 7.8., S. 12
Die ungarische Lyrikerin Orsolya Kalász wurde 1964 geboren. Sie kam mit sechs in die DDR, wo ihr Vater, ein Deutschungar, im Haus der ungarischen Kultur arbeitete. Als junge Frau studierte sie in Budapest Germanistik. Seit 1995 lebt die Dichterin in Berlin.
„Am Anfang, als ich hier in Deutschland ankam, gab es ja niemanden außer mir, der meine Gedichte ins Deutsche übertragen hätte. Und das entwickelte sich dann eben zu einer Schreibweise, indem ich die Gedichte zweimal schreibe. Einmal auf Ungarisch und einmal auf Deutsch – ausnutzend, dass ich jede Freiheit habe.“
Die Zweisprachigkeit spiegelt sich auch in den Sujets ihrer Gedichte wider: Austausch, Dialog und Verstanden-Werden seien wichtige Themen für sie. Eines ihrer Texte trägt den Titel „Die Sprache gibt den Löffel ab“. / DLR
der deutsch-tschechischen Lyrikerin Klára Hůrková:
Die erste ist eine kleinere, von ihr herausgegebene, übersetzte und illustrierte zweisprachige deutsch-tschechische Anthologie mit dem Titel Sbírka klíču / Schlüsselsammlung; sie versammelt Gedichte und Kurzprosa von neun deutschen Autorinnen und Autoren, sechs tschechischen und einer gebürtigen Ungarin und ist 2007 in dem tschechischen Verlag Družstevní práce erschienen.
Eine zweite, weit umfangreichere deutsch-tschechische Anthologie erschien 2014 im Verlag Dauphin; ihr Titel lautet Nad střechami světlo / Über den Dächern das Licht. Klára Hůrková hat hier jeweils zweiundzwanzig deutschsprachige und tschechische Autorinnen und Autoren ausgewählt und übersetzt – allein als Illustrationen dienen diesmal nicht Beispiele ihrer eigenen Malerei, sondern Fotografien von Lenka Mrázková, die gleichwohl auch als Lyrikerin in dem sorgfältig und klug edierten Band vertreten ist. (…)
Selber ist Klára Hůrková mit zwei ihrer inzwischen in mehreren Bänden erschienenen Gedichte vertreten – eines von ihnen, Das Aachener Oktogon, entstammt dabei ihrem 2012 in der Edition Thaleia publizierten Band Wende und Winkel / Změny a zákouti.
Der Titel signalisiert es bereits: die Gedichte erscheinen auch hier in deutscher und tschechischer Sprache – wobei mir die Autorin im Gespräch zu verstehen gab, dass sie längst ihre Gedichte zunächst in deutscher Sprache schreibt – und dann in ihre Muttersprache, ins Tschechische übersetzt.Wende und Winkel / Změny a zákouti versammelt Gedichte, die Beobachtungen, Eindrücke, u. a. mitgebracht von Reisen in nahe und fernere Städte, durch Landschaften oder beim Betrachten von Gemälden großer Künstler wiedergeben, aber auch den Blick aufs Jetzt, aufs Diesseits, wie die Autorin einen Abschnitt der Sammlung überschreibt – es sind lyrische Betrachtungen und Bestandsaufnahmen in leisen, zumeist einfachen Bildern, die umso mehr eine ihnen ganz eigene poetische Magie entwickeln.
/ Wolfgang Schiffer, Wortspiele
Derweil das Cello hell und immer schneller weitersingt um fern vom Bogen zu enden als dreckweisse Asche.
Jeden Donnerstag punkt 11 Uhr veröffentlicht L&Poe ein ungedrucktes Monostichon des Schweizer Dichters Felix Philipp Ingold. Mehr
Willkommen zur dritten Ausgabe der HINTERHOFLESUNGEN in Düsseldorfs schönsten oder unansehnlichsten Rückseiten bewohnbarer Gebäude. Wir haben erneut eine wunderbare Auswahl bekannter, unbekannter und völlig unbekannter Autorinnen und Autoren eingeladen, die wir an drei lauschigen Abenden im August in eure Gehörgänge schicken. Moderiert werden alle Veranstaltungen, die stets um 19 Uhr beginnen, auch bei Regen stattfinden und kostenlos sind, von Pamela Granderath.
INFO’S:
– 13. August – Fürstenwall 210 – Farbfieber e.V. beherbergt uns zur Auftaktveranstaltung. Im minimalistischen Innenhof zwischen Toreinfahrt und farbenfrohem Atelier werden wir der fast völlig unbekannten Mareike Götzinger aus Düsseldorf lauschen und sie so etwas besser kennenlernen. Ein “Slampoet griechischer Abstammung” heißt es auf Wikipedia über Nektarius Vlachopoulos, der auf unsere Einladung nicht mit “OXI” geantwortet hat. Lydia Daher schreibt, singt und macht Kunst, ist ausgezeichnet (zuletzt mit dem Bayerischen Kunstförderpreis) und kommt zu unserer großen Freude in den Hinterhof, Hurra.
– 20. August – Martinstraße 58 – Herr Nilsson ist der zweite Hinterhof den wir literarisch beschallen werden. Eingeladen haben wir eine illustre Herrenrunde, die allesamt ihre Erfahrungen auf den Slambühnen der Republik gemacht haben und an diesem Abend eure Trommelfelle in Schwingung bringen. Altmeister Jaromir Konecny setzt sich für euch in München in den Zug und bringt sein neues Buch “Fifi poppt den Elch” mit. André Herrmann kommt mit seinem Buch “Klassenkampf“. Der designierte Sachsenmeister im Poetry Slam ist gerade frisch nach Brüssel umgezogen und somit unser Europagast… Im Ruhrgebiet wohnen ja laut Umfragen die unglücklichsten Menschen, das kann man von Sven Hensel, der aus Bochum kommt nicht sagen, denn er zählt zu den witzigsten Slammern und ist aktuell NRW-Meister im Poetry Slam. An diesem Abend wird es auf jeden Fall sehr lustig, inklusive Bauchmuskelkater am nächsten Tag für diejenigen die eher zu den Weniglachern gehören…
– 27. August Hinterhof Krahestraße 20 – Verein “gute Nachbarschaft” e.V. ist die Bezeichnung dieses Konglomerats guter Ideen und Absichten in Fingern, dass uns in ihr üppiges Biotop eingeladen hat. Für Berliner Flair wird dann Jochen Schmidt von der Lesebühne “Chaussee der Enthusiasten”sorgen, von dem gesagt wird, dass seine Texte eine „Ambivalenz von pointierter Komik und existenzieller Traurigkeit“ ( Killy-Eintrag) sind. Theresa Hahl, ihres Zeichens Verzückungslyrikerin mit ausgefeilter Kopfwarmhaltetechnik, die derzeit noch in Lissabon weilt, formuliert so wundersame Bilder mit ihrer Sprache, dass wir nicht umhin kamen sie einzuladen in die gute Nachbarschaft. Finanziell dabei unterstütz hat uns das Kultursekretariat Wuppertal im Rahmen von “Werkproben”. Die selbsternannte 360°- Poetin Lisa Schøyen einigen bekannt als Moderatorin des U20 Poetry Slam “Zwischenruf” im zakk ist Slam Poetin aus Bremen mit starkem Magnetismus zur Landeshauptstadt, weswegen unser Mikrofonständer an diesem Abend aus Eisen sein wird.
Hocherfreut euch und die geladenen Autorinnen und Autoren zu den Lesungen begrüßen zu können, wünschen wir euch eine gute Zeit bis wir uns im Hinterhof persönlich sehen!
Pamela Granderath, Christine Brinkmann und Annika Restin
Die Hinterhoflesungen sind eine Kooperation von ART CONNECTION & zakk – mit freundlicher Unterstützung der Landeshauptstadt Düsseldorf
Ein Foto von einem Gedicht erobert die Twitter- und Facebookwelt und wird auch von großen deutschen oder amerikanischen Medienkonzernen übernommen (hoffentlich haben sie nachgefragt – hier bei Huffingtonpost). Hätten sie auch ein klein wenig recherchiert, hätten sie den Verfassernamen hinzufügen können, der auf dem „Meme“ (hier bei Twitter) nicht enthalten ist. Es stammt von Chanie Gorkin, „11th grader at an all girls‘ high school in Brooklyn, NY.“ Es ist ein Zeilenpalindromgedicht, das von unten nach oben gelesen die entgegengesetzte Mitteilung ergibt. (Hier der Originaltext).
(Für die Facebookwelt wünschte ich, wenigstens meine vielen Freunde würden auf das „Teilen“ genannte Weiterleiten von „Memes“ verzichten. Selbst wenn einem die „Botschaft“ gefällt – es ist nicht nur die Frage des Copyrights, das Schlimmste an dieser Form der Netz-„Kommunikation“ ist die brutale Schlichtheit einer Meinungsbildung per von anonymen Quellen übernommenen und tausendfach mit Mausklick verbreiteten, aus jedem Zusammenhang gerissenen Zitatfetzen. Teilen statt Denken. Und das entwickelt sich jetzt? Ach so, hat schon.)
Leben des Dichters Ezra Pound in Auszügen (4)
1897 bis 1900 lernte er an der Cheltenham Military Academy. Die Knaben trugen Uniformen im Bürgerkriegs-Look und lernten Latein, Englisch, Geschichte, Arithmetik, Schießen und Exerzieren. Am wichtigsten aber: sich den Autoritäten unterordnen.
Mit 13 unternahm er eine dreimonatige Europareise mit seiner Mutter und Frances Weston (Tante Frank) nach England, Belgien, Deutschland, der Schweiz und Italien.
Der Liedtexter und Sänger, Schauspieler und Lyriker Hans-Eckhardt Wenzel genießt hierzulande so etwas wie Kultstatus. Er hat die Gruppe „Karls Enkel“ mitbegründet, hat mit Steffen Mensching ein Clowns-Duo gebildet, und er dichtet und komponiert seit 40 Jahren wunderbare Lieder im Geiste seiner großen Vorbilder – des US-amerikanischen Singer-Songwriters Woodie Guthrie und des österreichischen Lyrikers Theodor Kramer. Am 31. Juli wurde er 60 Jahre alt. / MDR
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